Curt Singer (; * 27. Februar 1905 als Kurt Singer in Karlsbad, Königreich Böhmen; † 10. April 1989Die Kunsthistorikerin Maike Bruhns nannte ursprünglich als Todesursache „Freitod 1938 in Paris“. Neue Forschungen haben ergeben, dass Curt Singer 1935 nach Israel ausgewandert und 1989 dort verstorben ist. in Nir Oz, Israel) war ein jüdischer Maler der Verschollenen Generation. Sein Vater war der Kaufmann und Kunsthändler Victor Singer. Seine Mutter war Bertha Singer, geb. Heller, die in Hamburg eine Korsettmanufaktur betrieb. Die Eltern zogen 1905, also im Jahr der Geburt ihres Sohnes, von Karlsbad nach Hamburg.Curt Singer Sammlung Die Kunst der Verschollenen Generation
Leben In Deutschland (1905 bis 1935) Curt Singer wuchs in Hamburg-Altona in der Oberstraße 1 auf und machte 1922 sein Abitur. Seine Malerkarriere startete er zunächst als Autodidakt, denn von 1924 bis 1926 studierte er Philosophie, Nationalökonomie und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg – war aber bereits zu dieser Zeit als Maler tätig. Mit einem Stipendium der Amsinck-Stiftung bereiste er 1927/28 die Niederlande und Frankreich und lebte auch einige Zeit in Paris. 1929 nahm er an der Ausstellung des Altonaer Künstlervereins teil und erhielt einen Geldpreis. Zudem kaufte die Stadt Hamburg eines seiner Gemälde an. Erst 1930 begann er ein Kunststudium an der Berliner Kunsthochschule und unterrichtete nach seinem Abschluss 1932 an der Hamburger Kunstgewerbeschule Kunsthandwerk und Malerei. Er war Mitglied der Hamburgischen Künstlerschaft und nahm an deren Ausstellungen teil. Noch im Januar 1933 erwarb die Hamburger Senatskommission ein weiteres seiner Gemälde mit dem Titel Alsterdamm zum Preis von 200 Mark. Dieses Gemälde befindet sich heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Schon kurz danach wurde er zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im April 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Hamburger Künstlerschaft ausgeschlossen.Maike Bruhns: Curt (Kurt) Singer. In: Geflohen aus Deutschland – Hamburger Künstler im Exil 1933–1945, Edition Temmen, Bremen 2007, ISBN 978-3-86108-890-5, S. 76, sowie Maike Bruhns: Singer, Curt (Kurt). In: Der Neue Rump, 2013, S. 428
In Israel (1935 bis 1989) Nach seiner Ausgrenzung als jüdischer Künstler und der Entfernung aller jüdischen Lehrer aus dem Schuldienst im Jahre 1934 sah Curt Singer möglicherweise keine Perspektive mehr für sich in Deutschland und wanderte im August 1935 ins Völkerbundsmandat für Palästina aus. Er wurde Mitglied im Kibbuz Chefziba und arbeitete dort im Weinanbau. In dieser Zeit malte er kaum und heiratete Erna Goldstein, geb. Schield. 1943 zog er mit seiner Frau und seiner Tochter Hannah nach Jerusalem, wo er ab 1955 mit seiner Familie im Stadtteil En Kerem lebte, einem kleinen Bergdorf. Curt Singer war einer der Gründer des Künstlerhauses in Jerusalem. Erst 1957 widmete er sich wieder ganz der Malerei. Viele seiner Landschaften und Stillleben wurden in En Kerem gemalt. 1982 zog Curt Singer mit seiner Frau zu seiner Tochter in den Kibbuz Nir Oz im Süden Israels, nahe der Negevwüste. Dort verstarb er am 10. April 1989. Seine Eltern und seine ältere Schwester Hannah flüchteten 1938 von Hamburg über England nach Australien und haben den Holocaust ebenfalls überlebt.Curt Singer Oren Shatz Collection
Künstlerische Rezeption Curt Singer verfügte über Beobachtungs- und Zeichenfähigkeiten, die es ihm ermöglichten, mit scharfem Blick menschliche Situationen und Eindrücke aus der Natur spontan und mit äußerster Leichtigkeit wahrzunehmen. Singers prüfender Blick reagiert ehrlich auf die Eindrücke, die sich ihm offenbaren, und er überträgt sie gekonnt auf seine Werke. Seine Malthemen basieren auf seinen Eindrücken von ländlichen Gegenden, was die persönliche Verbindung zur einzigartigen Atmosphäre des Landes und seiner Landschaften betont. Er stellt die verschiedenen Ethnien, Religionen und Schattierungen dar, die das israelische Mosaik ausmachen. Singer malte seine Bilder mit großer Sensibilität und Bescheidenheit und verlieh seinen Gemälden gleichzeitig Leben und Dynamik. Seine Farbpalette ist hell und klar und verleiht seinen Gemälden Licht und Atmosphäre. Singers Vision ist idyllisch und optimistisch. Dies spiegelt sich auch in seinen Darstellungen der Stadt Jerusalem, in der er viele Jahre lebte und arbeitete.
Werke Jerusalem, 1973, Aquarell, 45 × 66 cm (in der Sammlung von Lost Generation Art)Curt Singer – Werke auf der Website von Lost Generation Art, abgerufen am 30. Juli 2026. Personen in der Altstadt, 1968, Öl auf Leinwand, 55 × 82 cm En Kerem zwischen den Zweigen, 1964, Öl auf Leinwand, 75 × 56 cm Personen im Café, 1963, Öl auf Leinwand, 75 × 56 cm Warten auf den Bus, 1963, Öl auf Leinwand, 75 × 56 cm Geflügel-Stillleben, 1928, Öl auf Leinwand, 43 × 60 cm (in der Sammlung von Lost Generation Art)
Einzelausstellungen 2004: Curt Singer – Paintings, Aharon Chelouche House, Neve Tzedek, Tel Aviv. 2002: Curt Singer Retrospective, The White House in Khirbet Ma'ayan, Kibbutz Nir Oz Art Gallery 1990: Gouache paintings, David Gallery, Jerusalem 1968: Mein Weg zur Ölmalerei, Künstlerhaus, Jerusalem 1966: Nora Gallery, Jerusalem 1962: 29 watercolors and gouache paintings, Nora Gallery, Jerusalem 1957: Nora Gallery, Jerusalem 1955: Oil paintings, watercolors and drawings, Nora Gallery, Jerusalem 1954: The Artists House, Jerusalem 1943: Oil paintings, Schlosser Art Gallery, Jerusalem 1934: Galerie Fischer, Prag 1932: Hamburger Kunsthalle
Gruppenausstellungen 2013: Nachtmahre und Ruinenengel – Hamburger Kunst 1920 bis 1950 – Werke aus der Sammlung Maike Bruhns 1991: Spring Exhibition 1991, David Gallery, Jerusalem. 1967: Artists in Israel for the Defense, Helena Rubinstein Pavilion, Tel Aviv Museum of Art 1966: General Exhibition – Jerusalem Artists, Artists House, Jerusalem 1958: The Spring Exhibition of Jerusalem Artists, Artists House, Jerusalem 1955: Artists of Jerusalem, Artist Pavillion, Tel-Aviv 1952: Ausstellung zum 20-jährigen Jubiläum der Museumsgründung, Kunstmuseum, Tel Aviv 1951: Jerusalemer Künstler vor dem 23. Zionistenkongress, Künstlerhaus, Jerusalem 1950: Künstlerhaus, Jerusalem 1943: Die Ausstellung der Drei – mit A.H. Kahn und Ozer Shabbat, Kunstmuseum, Tel Aviv 1928: Ottilie Reylaender, Curt Singer und Emil Smid, Hamburger Kunstverein 1927: Ausstellung Hamburger Kunst der Hamburger Künstlerschaft im Kunstverein Hamburg
Literatur Curt Singer: Jerusalem – Twelve Drawings; Verlag: Heatid, Salingré, Jerusalem 1952 Curt Singer: This is Jerusalem. Twelve Miniatures in Color by Curt Singer. With Commentary by Theodor F. Meysels; Herausgeber: E.J. Herzfelder Tel Aviv 1950
Weblinks Biographie auf der Webseite der Sammlung Die Kunst der Verschollenen Generation Curt Singer in der Oren Shatz Collection
Anmerkung
Einzelnachweise
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