mini|hochkant|Mia Martini (1986) Mia Martini , Pseudonym von Domenica „Mimì“ Rita Adriana Bertè (* 20. September 1947 in Bagnara Calabra; † 12. Mai 1995 in Cardano al Campo), war eine italienische Sängerin, die auch als Songwriterin in Erscheinung trat. Die ältere Schwester von Loredana Bertè war neben Mina eine der bemerkenswertesten weiblichen Stimmen der italienischen populären Musik.

Ihre Karriere begann 1963 unter dem Namen Mimì Bertè. Nach einer kurzen Phase als Yéyé-Sängerin startete sie 1971 unter dem Pseudonym Mia Martini neu. Ihr erstes Album war Oltre la collina. Mit Erfolgshits wie Padre davvero, Piccolo uomo, Donna sola, Minuetto, Il guerriero, Inno, E stelle stan piovendo, Al mondo, Che vuoi che sia, Libera oder Per amarti, wurde sie zu einer der Protagonistinnen der 1970er-Jahre und erreichte eine große Popularität, nicht nur in Italien. Doch musste sie eine Reihe von privaten und beruflichen Rückschlägen einstecken und hatte bald einen schlechten Ruf als Unglücksbringerin, was dazu führte, dass sie Mitte der 80er ihre Karriere vorzeitig beendete. Nach einem gelungenen Comeback 1989 erhielt sie wieder mehr Zuspruch,Successi von Vania Colasanti, Stefania La Fauci und Fabio Toncelli, Rai, 2005. bedeutsam war der Erfolg des Liedes Almeno tu nell’universo beim Sanremo-Festival 1989. Bis zu ihrem plötzlichen Tod gelangen der Sängerin noch mehrere musikalische Erfolge.

Leben und Karriere Kindheit Domenica Bertè wurde in Bagnara Calabra am 20. September 1947 als zweite von vier Töchtern geboren: Leda (* 1945), Loredana (* 1950), und Olivia (* 1958). Ihr Vater Giuseppe Radames Bertè (1921–2017) war ein Latein- und Griechischlehrer aus Villa San Giovanni, ihre Mutter Maria Salvina Dato (1925–2003) eine Grundschullehrerin aus Bagnara Calabra. „Mimì“ verbrachte ihre Kindheit hauptsächlich in Porto Recanati und interessierte sich früh für Musik, die sie vor allem im Radio verfolgte. Nach ersten Erfahrungen als Sängerin bei Festen und in Bars, überzeugte sie 1962 ihre Mutter, sie nach Mailand zu begleiten, wo sie einen Plattenvertrag zu erlangen hoffte.

Debüt als Mimì Bertè Songwriter und Produzent Carlo Alberto Rossi entdeckte die junge Mimì Bertè und entschied sich, sie als Yéyé-Mädchen zu lancieren, was der Mode der Zeit entsprach. Mit dem Lied Ombrello blu nahm sie daraufhin am Festival di Pesaro teil, zusammen mit Marisa Terzi, der Frau von Carlo Alberto Rossi. 1963 veröffentlichte Bertè erste Singles beim Label CAR Juke Box. Im Mai 1964 gewann sie das Festival di Bellaria, mit dem Lied Come puoi farlo tu,Menico Caroli in Musikbox Nr. 16. doch erst Il magone verhalf der Sängerin zu größerer Popularität und erster Medienaufmerksamkeit. Ein weiterer kleiner Erfolg war Ed ora che abbiamo litigato, das sie in der Fernsehsendung Teatro 10 vorstellte. Da Rossi auf einen größeren Erfolg hoffte, drängte er Bertè zu einem Vertrag mit dem größeren Label Durium, bei dem sie 1966 die Single Non sarà tardi / Quattro settimane veröffentlichte, die jedoch unbeachtet blieb.

Nachdem die Sängerin mit ihrer Mutter und ihren Schwestern nach Rom gezogen war, bildete sie mit ihrer Schwester Loredana und Renato Fiacchini ein Trio, mit dem sie fortan auftrat. Als Bertè 1969 in einer Diskothek auf Sardinien mit einem Joint erwischt wurde, musste sie vier Monate Gefängnis in Tempio Pausania verbüßen, eine Erfahrung, die sie ein Leben lang prägen sollte. Aufgrund dieser Verurteilung wurde die zuvor bei Esse Records aufgenommene Single Coriandoli spenti / L’argomento dell’amore nicht mehr veröffentlicht.Tg 2 Dossier, Voci spezzate, RAI, 2005. Mit Loredana und den Cantori Moderni di Alessandroni war sie 1970 als Backgroundsängerin auf dem in Rom aufgenommenen Album Per un pugno di samba von Chico Buarque zu hören. Danach trat sie mit dem Pianisten Toto Torquati auf.

Die 1970er-Jahre Erfolg als Mia Martini Schließlich wurde der Produzent Alberigo Crocetta, Entdecker von u. a. Patty Pravo und Mal, auf die Sängerin aufmerksam. Er wollte sie international vermarkten und entwickelte dafür das Pseudonym Mia Martini, wobei sich Mia auf Mia Farrow bezog und der Nachname auf den Wermut Martini. Dazu nahm sie einen zigeunerhaften Look an. Im Jahr 1971 erschien bei RCA Italiana die Single Padre davvero, ihre erste Veröffentlichung als Mia Martini. Der Text (von Antonello De Sanctis) behandelt einen schwierigen Vater-Tochter-Konflikt und wurde von den konservativen Medien ablehnend aufgenommen. Dennoch konnte die Sängerin durch ihre innovative Interpretation damit das Festival di Musica d’Avanguardia e Nuove Tendenze in Viareggio gewinnen. Die B-Seite Amore… amore… un corno stammte aus der Feder von Claudio Baglioni und Antonio Coggio. Baglioni schrieb für Martini in der Folge auch Gesù è mio fratello und Lacrime di marzo, beide auf dem Album Oltre la collina enthalten.

Das Debütalbum erschien 1971. Oltre la collina ist ein Konzeptalbum, das jugendliche Einsamkeit und Verzweiflung zum Thema hat und dabei Religiosität, Krankheit und Suizid miteinbezieht. Auch Lucio Battisti wurde auf Mia Martini aufmerksam und lud sie zu seiner einzigen Fernsehsendung Tutti insieme ein, während derer sie Padre davvero in einer zensierten Version präsentierte.Menico Caroli: Il mio canto universale. Tarab, Florenz 1999, ISBN 88-86675-99-2. 1971 wurde versucht, Martini bei Canzonissima mit Cosa c’è di strano ins Rennen zu schicken, und 1972 mit Credo beim Sanremo-Festival, doch beide Beiträge wurden abgelehnt.

Von Piccolo uomo bis Minuetto (1972–1973) Als Alberigo Crocetta die RCA verließ und zu Ricordi in Mailand wechselte, folgte Mia Martini ihm und nahm beim neuen Label als erstes Piccolo uomo auf, geschrieben von Bruno Lauzi, Michelangelo La Bionda und Dario Baldan Bembo. Eigentlich für die Band Camaleonti bestimmt, präsentierte Martini das Lied bei Pop, Beat, Western Express in London am 26. Mai 1972. Nachdem es bei Un disco per l’estate nicht angenommen wurde, trat Martini sowohl beim Cantagiro als auch bei Festivalbar an; in letzterem Wettbewerb brachte ihr das Lied ihren ersten Sieg ein.La cantante senza maschera. In: Senza Maschera, 20. August 1972, Nr. 23, S. 56. Nach diesem ersten Hit konnte Mia Martini in einer Reihe von wichtigen Fernsehsendung auftreten.

Im September nahm sie an der Mostra Internazionale di Musica Leggera in Venedig mit dem Lied Donna sola teil, das ein noch größerer Erfolg wurde. Im Oktober ließ sie das zweite Album Nel mondo, una cosa folgen, auf dem u. a. Valsinha von Vinícius de Moraes und Chico Buarque, Amanti von Maurizio Fabrizio, und das Cover Madre von John Lennon enthalten sind. Damit war Mia Martini auch in den Albumcharts erfolgreich. Im Februar 1973 nahm die Sängerin in Deutschland ihre Hits neu auf: Piccolo uomo als Auf der Welt und Donna sola als Einsam. Außerdem sollte sie beim Sanremo-Festival mit Vado via ins Rennen gehen, was sie aber im letzten Moment selbst ablehnte, woraufhin Drupi das Lied übernahm.

Im April nahm sie das Lied Minuetto von Dario Baldan Bembo auf. Nachdem sich am Text von Minuetto Maurizio Piccoli und Bruno Lauzi abgemüht hatten, schrieb Franco Califano die endgültige Fassung. Das Lied sollte ihr Aushängeschild und größter Erfolg werden.Dario Salvatori: Il grande dizionario della canzone italiana. Rizzoli, Mailand 2006, ISBN 88-17-01284-X, S. 537. Zum zweiten Mal gewann sie damit Festivalbar,Mia Martini: ha vinto il Festivalbar. In: Intrepido, 13. September 1973, Nr. 37, S. 40. Im September nahm Mia Martini erneut an der Mostra Internazionale di Musica Leggera in Venedig teil und stellte Bolero und Il guerriero vor. Beide Lieder erschienen auf ihrem nächsten Album Il giorno dopo, das u. a. auch Ma quale amore von Antonello Venditti und Franca Evangelisti, La malattia, ein Lied über Drogensucht, und Dove il cielo va a finire von Maurizio Fabrizio enthielt.

Erfolge in Europa (1974–1975) Spätestens 1974 wurde Mia Martini auch auf europäischer Ebene bekannt. Ihre Alben erschienen im Ausland und sie nahm Lieder auf Französisch, Spanisch oder Deutsch neu auf. Besonders in Frankreich erhielt sie großen Zuspruch und wurde mit Édith Piaf verglichen. In diesem Jahr erschien auch das neue Album È proprio come vivere. Zusammen mit Giorgio Conte und Dario Baldan Bembo schrieb sie darauf auch das Lied Agapimu, mit griechischem Text. Die zwei Singles aus dem Album waren Inno und … E stelle stan piovendo.

Als Gast nahm Mia Martini erneut an Festivalbar teil und später im Jahr auch wieder bei der Mostra Internazionale di Musica Leggera in Venedig. 1975 erhielt die Sängerin auch ihr erstes eigenes Fernsehspecial Mia, an dem unter anderem Lino Capolicchio und Gabriella Ferri teilnahmen. Außerdem erschien die neue Single Al mondo. Zusammen mit Aldo Giuffrè und Peppino Gagliardi präsentierte sie im Dezember 1974 die Radiosendung Ciao domenica. Auf Palma de Mallorca wurde Mia Martini für Nevicate, aus dem Album Sensi e controsensi, der Preis der europäischen Kritik verliehen. Im Sommer 1975 nahm Martini wieder an Festivalbar teil, mit dem Lied Donna con te. Bei der Abstimmung Vota la voce von TV Sorrisi e Canzoni kürten die Leser sie zur besten Sängerin des Jahres und im Herbst nahm sie an der Fernsehsendung Compagnia stabile della canzone mit Gino Paoli, Gigliola Cinquetti, Riccardo Cocciante und Gianni Nazzaro teil.

Bruch mit Ricordi und Rückkehr zu RCA (1975/76) Durch den Erfolg Mia Martinis band ihre Plattenfirma Ricordi sie nun exklusiv an sich, wodurch die Sängerin auf keine von Ricordi unabhängigen Songwriter mehr zurückgreifen konnte und sich somit in ihrer Kreativität stark eingeschränkt sah. Doch da sie vertraglich dazu verpflichtet war, musste sie ihre nächste LP notgedrungen mit diesen Einschränkungen aufnehmen. Der Titel des Albums war Un altro giorno con me und Mia Martini hatte nur eine sehr knappe Auswahlmöglichkeit an Liedern. Auf das Album schafften es etwa Questi miei pensieri, Milho verde oder Veni sonne di la muntagnella. Für 1976 war wieder Martinis Teilnahme am Sanremo-Festival vorgesehen, mit dem Lied L’amore è il mio orizzonte; doch erneut zog sie sich im letzten Moment zurück. Das Lied erschien im März als Single und war zusammen mit der Kompilation Mia die letzte Veröffentlichung der Sängerin bei Ricordi.

Als RCA der Sängerin einen neuen Vertrag mit freier Wahl des Repertoires anbot, trat sie vorzeitig vom Plattenvertrag mit Ricordi zurück und wechselte das Label. Innerhalb der RCA war Mia Martini dem Sublabel Come Il Vento zugeteilt. Am neuen Album Che vuoi che sia… se t’ho aspettato tanto waren etwa Amedeo Minghi (Ma sono solo giorni) und Mango (Se mi sfiori) als Songwriter beteiligt, vier Lieder stammten vom Gitarristen Memmo Foresi (Noi due, Fiore di melograno, In paradiso, Una come lei). Der Titelsong wurde erneut von Dario Baldan Bembo geschrieben und auch als Single mit der B-Seite Io donna, io persona veröffentlicht. Außerdem enthielt das Album Preghiera, das von Stefano Rosso und Luis Bacalov geschrieben wurde.

Die Rai strahlte eine Sondersendung zum Album im Fernsehen sowie ein Konzert im Radio aus. Im Sommer hatte Mia Martini eine Reihe von Auftritten etwa in Viareggio oder in Monte-Carlo. Das Album wurde auch außerhalb Italiens vermarktet. Mit Che vuoi che sia… se t’ho aspettato tanto nahm sie außerdem ein weiteres Mal an Festivalbar und an der Mostra Internazionale di Musica Leggera in Venedig teil. Ende des Jahres trat sie auch in einer französischen Fernsehsendung auf. Doch Ricordi, ihr vormaliges Plattenlabel, leitete wegen Vertragsbruchs ein Verfahren gegen sie ein. Infolge des Urteils musste die aktuelle LP vom Markt genommen werden, außerdem wurden alle ihre Einnahmen beschlagnahmt und sie musste fast 90 Millionen Lire Strafe zahlen.Renzo Allegri: Mia Martini vuota il sacco. In: Gente, Nr. 34, 1979.

Erfolge im Olympia und die Begegnung mit Fossati (1977/78)