mini|175 px|Thomas Kruse vor seiner Wandmalerei in der Pamukkale-Universität in Denizli (2010). Thomas Kruse (* 18. Juli 1943 in Odense) ist ein dänischer Architekt, Maler, Grafiker und Bühnenbildner, politischer Aktivist und Mitglied der Graswurzelbewegung.

Herkunft Thomas Kruse wurde als Sohn des Arztes und Kommunisten Ejnar Kruse (1911‒1964) und seiner Frau auf der Insel Fünen geboren. Sein Vater war der Chef der Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzung und die dänische Kollaboration auf Fünen. In der Besatzungszeit tauchte er unter, weil nach ihm gefahndet wurde. Ejnar Kruse wurde Vertreter der Dänischen Kommunistischen Partei (DKP) in der Führung der Widerstandskräfte auf Fünen und später Vorsitzender der Region IV der Hjemmeværnet (Heimwehr). Nach dem Krieg ging Kruse in die Kommunalpolitik und war 1946–1954 Mitglied des Stadtrats von Odense. Im Jahr 1953 gehörte Kruse zu den Initiatoren der dänischen Friedenskonferenz, deren Sekretär er 1954–1955 war. Bis zu seinem Tod engagierte sich Kruse in Kampagnen gegen die deutsche Wiederbewaffnung und die Teilnahme Dänemarks an der Europäischen Gemeinschaft. – Kruse, Ejnar. In: Leksikon for det 21. Århundrede (Lexikon für das 21. Jahrhundert) (dänisch). Auch seine Mutter und Thomas selbst mussten 1944 für mehr als ein Jahr in den Untergrund gehen. Seine Mutter war Flüchtling und Kriegsopfer im eigenen Land. Trotz – oder gerade wegen – diesem frühen, tief greifenden eigenen Trauma hat Thomas Kruse keine Probleme damit, sich mit traumatisierten Flüchtlingsfamilien zu solidarisieren, die nach Europa (und auch nach Dänemark) kommen. In seiner Familie und dem miterlebten politischen Kampf unter und nach der Besetzung Dänemarks lernte der junge Kruse das politische Engagement von der Pike auf. ‒ Thomas Kruse wuchs in einer Familie zusammen mit zwei Schwestern auf. Die Familie hatte großes Interesse an Kunst, Musik, Literatur und Theater, was Thomas Kruse ganz offensichtlich auch geprägt hat.Thomas Kruse er årets plakatkunstner (Thomas Kruse ist Plakatkünstler des Jahres). In: „Arbejderen“ (Der Arbeiter), 1. Mai 2021 (dänisch).

mini|175 px|Plakat von Thomas Kruse zu einer „Klima-Wahlveranstaltung“ am 20. Oktober 2022 in Århus, Linolschnitt auf Papier.

Jugend Als Gymnasialschüler nahm der junge Thomas Kruse an den ersten Anti-Atom-Protestmärschen 1959/1960 zusammen mit dem Künstler Carl Scharnberg Carl Scharnberg wurde „Der Dichter der Arbeiterklasse“ und „Der rote Dichter aus Vrå“ genannt. Er wuchs in einem Arbeiterheim in Åbenrå auf, sein Vater war Schneider und die Mutter Reinigungskraft. Seine Jugend war durch die Arbeitslosigkeit der 1930er Jahre geprägt. teil. Er kam nach der Schulzeit nach Aarhus und begann dort an der Universität 1962 ein Studium der Medizin, fand nach einigen Semestern aber heraus, dass ihn seine Interessen mehr in eine künstlerische Richtung zogen. Er orientierte sich erst in der Studentengemeinde der Universität und engagierte sich dann in der Studentenbühne. Er konnte zeichnen und malen und bekam daher schnell Bühnenbildaufgaben und Aufträge zur Entwicklung von Kulissen und Kostümen. Zuerst für die Studentenbühne in der Vestergade in Århus, später auch bei anderen Bühnen. Das Kollektive im Planungs- und Vorbereitungsprozess für Theateraufführungen zog ihn an. Die Leute dort hatten viele verschiedene Aufgaben bei der Produktion eines Stücks, fungierten aber gleichzeitig als Kollektiv. Das war attraktiv für ihn. Nach einigen Semestern tauschte Thomas Kruse daher 1967 die Medizin gegen die Architektur, die ihm künstlerisch und politisch besser passte. Das Architekturstudium schloss er 1973 erfolgreich ab. Die bühnenbildnerische Arbeit war es, die ihm in den folgenden 20 Jahren das Brot auf den Tisch brachte. Kruse, Thomas. In: Leksikon for det 21. århundrede (Leksikon für das 21. Jahrhundert) (dänisch).

Künstlerische Entwicklung Seit 1960 hat Kruse neben der Theaterarbeit Kinderbücher, Gedichtsammlungen, Zeitschriften und Fachbücher illustriert und außerdem Schallplattenhüllen und Plakate gestaltet. Kruse benutzt eine figurative Bildsprache, die lebendig und erzählend z. B. Menschen und ihren Alltag beschreibt. Er ist der Auffassung, dass die figurative Kunst immer die Kunst sein wird, die die Menschen als kollektive und handelnde optimistische Individuen zeigt, ganz im Gegensatz zur, wie er es sieht, vorherrschenden bürgerlichen Kunst mit ihren Bildern voller menschlicher Leere und Einsamkeit. Er hält es für wichtig, Menschen als solidarisch und liebend zu zeigen. Diese Aufgabe müsse die Kunst ganz allgemein auch haben. Er denke, dass es wichtig sei, die Kunst an die Wirklichkeit zu koppeln, an die Natur und an die Stadt, sagt Thomas Kruse. Der Künstler habe damit eine wichtige pädagogische Aufgabe, das Kunstwerk müsse einen erzieherischen Zweck verfolgen. Der grafische Ausdruck auf dem Plakat eigne sich sehr gut dafür, diesen Standpunkt künstlerisch deutlich zu machen – es sei so, als sage man schwarz-weiß wie auf [alten] Fotografien, ohne irgendwelche Grautöne. In diesem Sinn seien seine Bilder aufzufassen und sie seien für die verschiedensten Zwecke zu gebrauchen – vom Aufkleber bis zum Plakat. Teodora Biberovic: Kunstner Thomas Kruse drømmer stadig (Künstler Thomas Kruse träumt immer noch). In: „Kulturmagasinet Fine Spind“ (Kulturmagazin Feines Gespinst) (dänisch). In den 1960er Jahren stand Thomas Kruse mit einem selbst gemalten Schild auf der Straße und demonstrierte gegen die griechische Militärdiktatur und die Apartheid in Südafrika. Auf dem Schild stand: „Think again man“. In diesem Sinne hängen seine Plakate auf der ganzen Welt.

mini|175 px|Plakat zum Friedensfestival 2023 in Århus unter dem Motto „Nein zur Militarisierung Dänemarks“, Linolschnitt auf Papier. Thomas Kruse war von 1969 bis 1978 Mitglied des Künstlerkollektivs Røde Mor, das u. a. durch seine Plakatkunst berühmt geworden ist. Dort hat er von und mit Dea Trier Mørch im Grafik-Kollektiv gelernt, dass die bildliche Darstellung und die Schrift eine grafische Einheit bilden müssen, dass in der Plakatkunst, die bei Røde Mor vor allem im Linolschnitt-Verfahren hergestellt wurde, die Schrift ein Teil des Bildes ist. Deshalb benutzt er kein eigenes Textteil, das er einsetzt, sondern er schneidet die Buchstaben einzeln auf der Druckvorlage. Und das sowohl beim Titel als auch beim erklärenden, hinweisenden Text. Erst so ergibt sich für ihn der sichtbare innere Zusammenhang zwischen der bildlichen Darstellung und dem Text eines Bildes. In einem ausführlichen und bebilderten Artikel hat Thomas Kruse die Arbeit und die Geschichte von Røde Mor beschrieben. Røde Mor In: Thomas Kruse: Røde Mor (dänisch).

Seit dem Ende der 1960er Jahre hat Kruse eine sehr große Anzahl von Plakaten geschaffen, mit denen Røde Mor den antiimperialistischen Kampf „draußen in der Welt“, den Kampf gegen die NATO, Friedensarbeit und die Arbeit für die lokalen Bewohner unterstützen wollte. Seit 1978 gehört Thomas Kruse dem Stiftungsrat von Røde Mor an. Außerdem organisiert er weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Dänischen Plakatmuseum in Århus Ausstellungen der Plakatkunst von „Røde Mor“.

Eine der Arbeitsformen, die ihm besonders am Herzen liegt, ist die künstlerische Arbeit mit Kindern. Schon bei seinem ersten Schulprojekt wurde er davon mitgerissen: „Es ist fantastisch energievoll, mit Kindern in der Kunstwerkstatt zu arbeiten. Ich frage die Schüler, wie sollte ihre Schule denn aussehen? Wo ist der schlimmste Platz in der Schule? Was für eine Geschichte soll das werden?“Originaltext: „Det er fantastisk energifyldt at arbejde med børn i kunstværksteder. Jeg spørger eleverne: hvordan synes i skolen skal se ud? Hvor er det grimmeste sted på skolen? Hvad har i lyst til at arbejde med? Hvad skal historierne være?“ – Kruse, Thomas. In: Leksikon for det 21. århundrede (Leksikon für das 21. Jahrhundert) (dänisch). Mit solchen Initialfragen motiviert Kruse die Schüler, sich mit ihrer unmittelbaren, von ihnen täglich erlebten Umgebung auseinanderzusetzen und ihre persönlichen Erfahrungen in den dann folgenden künstlerischen Prozess einzubringen. „Bei vielen Kunstprojekten an Schulen ist die Wandmalerei zum konkreten Eigentum der Kinder an den Schulgebäuden geworden. Wenn ich mitgemacht habe, durfte ich die Schulwände und Flure bemalen!“Thomas Kruse. In: KruseKunst (dänisch). Die Zusammenarbeit hat bislang zu 150 Ausschmückungsprojekten in Schulen und Institutionen geführt und dies nicht nur in Dänemark, sondern auch im Ausland, so im Sommer 2010 in der Pamukkale-Universität in Denizli in der Türkei. Kruse: „Ich fühle mich auf einer Linie mit Kindern, weil ja meine eigenen Bilder wie die der Kinder Geschichten erzählen und ebenso figurativ sind wie ihre. Die Bilder der Kinder sind ja eine Verlängerung ihrer eigenen Redeweise, ihrer Lieder und Spiele. Kleine Kinder haben hunderte Sprachen, sagt man. Es ist ein großes Vergnügen gewesen, mit Kindern künstlerisch zu arbeiten.“Originaltext: „Jeg føler mig på linie med børn, fordi mine egne billeder jo også fortæller historier og er figurative som deres. Børns billeder er jo en forlængelse af deres egen snak, deres sange og lege. Små børn har hundrede sprog, siger vi. Det har været en stor fornøjelse at arbejde kunstnerisk med børn“. – Thomas Kruse. In: KruseKunst (dänisch).„Genauso wie ein Kind sein eigenes Universum auf einem Stück Papier unterbringen kann, kann ich einige Welten erschaffen, die es noch nicht gibt. Auf eine bestimmte Weise ist es so, als wäre man Gott in seinem eigenen kleinen Stück Universum.“Originaltext: „Ligesom et barn kan lave sit eget univers på et stykke papir, ligeså vel kan jeg skabe nogle verdener, som ikke eksisterer endnu. På en måde er det lidt at være Vorherre i sit eget lille bitte univers.“ – Teodora Biberovic: Kunstner Thomas Kruse drømmer stadig. In: „Kulturmagasinet Fine Spind“ (dänisch).

mini|175 px|Plakat für die Aarhus-Aktivisten zum 1. Mai 2023. Ende 1989 machte Kruse zusammen mit Dea Trier Mørch und Milton Blanc Milton Charutti Blanc († 1997) kam aus Uruguay nach Dänemark, weil er in seiner Heimat keine Entwicklungsmöglichkeit für sich und seine Kunst sah. Er war ein Künstler mit klaren sozialistischen politischen Vorstellungen. Zusammen mit anderen führte er eine lange Reihe von Aktionsmalereien und Ausschmückungen in der Öffentlichkeit aus, sowohl in Dänemark als auch in Südamerika, um Kunst dem Volk nahe zu bringen. Aktionsmalerei unter dem Motto Kærlighed og Mørke (Zärtlichkeit und Finsternis) am Øbrohuset in Kopenhagen. Das Øbrohuset ist ein zehnstöckiges Wohn- und Geschäftshaus im Stadtteil Østerbro in Kopenhagen vom Ende der 1950er Jahre. Wegen seiner vernachlässigten und hässlich gewordenen Fassade aus Sichtbeton erlangte es traurige Berühmtheit und wurde zum Gestaltungsobjekt für Wandmalerei-Künstler. Im Juli 1991 reisten die drei Künstler nach Südamerika und nach Kuba und gestalteten Wandmalereien im H.-C.-Andersen-Kindergarten in Havanna, und danach eine 170 m² große Wandmalerei an der Außenwand des kubanischen Transportministeriums zusammen mit kubanischen Kameraden.

Zum 1. Mai 2021 hat Kruse für die Zeitung „Arbejderen“ (Der Arbeiter) ein Plakat entworfen, zu dem er sagt: