mini|St. Johannes der Täufer in Magstadt Die evangelische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer steht in Magstadt, einer Gemeinde im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Magstadt gehört im Kooperationsraum Magstadt-Maichingen-Döffingen zum Kirchenbezirk Böblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.

Geschichte Die Kirche geht auf eine kleinere romanische Vorgängerkirche zurück, die dem Patrozinium St. Georg anvertraut war. Zwischen 1490 und 1511 wurde die heutige Kirche im gotischen Stil innerhalb einer mit Wehr- und Zwingermauer ausgestatteten und im Zweifel Zuflucht gewährenden Kirchenburganlage errichtet. Die Kirche selber weist aber keine baulichen Elemente auf, die für eine wehrtechnische Befestigung sprächen und eine wirksame Verteidigung ermöglicht hätten. Sie prägt seither das Ortsbild von Magstadt. Mit der Einführung der Reformation in Württemberg im Jahr 1534 wurde auch Magstadt evangelisch.

1623 wurden im Kirchenschiff, möglicherweise nach Provisorien, endgültig feste Kirchenbänke aufgestellt, da der evangelische Predigtgottesdienst seit seiner Einführung mit der Reformation von einer sitzenden Gemeinde gefeiert wird. Dazu bedurfte es auch einer Kanzel. Sie war bereits mit der Vollendung des Kirchenneubaus 1511 an ihrem heutigen Platz auf der östlichen Hälfte der Nordwand errichtet worden. Durch das nach Norden auf die Kanzel ausgerichteten Parterregestühl und schließlich durch die 1765 im Kirchenschiff eingebaute Süd- und Westempore hatte der Innenraum – wie in vielen württembergisch-evangelischen Kirchen – den Bautypus einer Querkirche.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 238, 298 – ISBN 978-3-95505-592-9.

Am 10. September 1944 überstand die Kirche mehrere Bombenabwürfe. Zwar gingen einige Fenster zu Bruch und das Dach wurde beschädigt, doch der Hauptbau blieb erhalten. Nach den Kriegszerstörungen folgte von 1948 bis 1954 eine Außen- und Dachrenovierung der Kirche. 1951 wurden zudem drei neue Stahlgussglocken installiert.

In den Jahren 1960 und 1961 erfolgte unter der künstlerischen Beratung von Rudolf Yelin d. J. eine umfangreiche Innenrenovierung der Kirche,Claudia Lamprecht: Rudolf Yelin (1902-1991). Werkverzeichnis der baugebundenen Arbeiten. o. O. (Stuttgart), o. J. (1991), S. 59. bei der unter anderem drei neue Farbglasfenster im Chor eingebaut wurden. Auch die Orgel wurde durch eine neue ersetzt. 2009 musste das Chordach saniert werden. In den Jahren 2010 und 2011 folgte eine umfassende Innenrenovierung. Dabei wurde der Fußboden im Kirchenschiff erneuert, eine neue Warmluftheizung installiert, sowie die Beleuchtung, Elektrik und Lautsprecheranlage modernisiert. Auch ein Eltern-Kind-Raum und eine Freifläche für das Kirchencafé wurden im Eingangsbereich geschaffen.

Architektur Die 1511 fertiggestellte spätgotische Saalkirche besteht aus einem Langhaus mit einem auf „1511“ datierten Westportal, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten, die beide von Strebepfeilern gestützt werden, zwischen denen sich Maßwerkfenster befinden, und einem Chorflankenturm an dessen Nordwand, der von der ursprünglichen Wehrkirche im Kern erhalten blieb. Die vier unteren Geschosse des Chorflankenturms wurden mit einem Glockengeschoss aus Holzfachwerk aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl mit vier Kirchenglocken beherbergt, und mit einem Krüppelwalmdach bedeckt. Der Innenraum des Langhauses ist mit einer Flachdecke überspannt, der des Chors und der Sakristei an der Südwand des Chors mit Kreuzrippengewölben. 1932 bei einer Innenrenovierung wurde das Parterregestühl und die Emporenanlage erneuert und dabei das Gestühl auf den Altar, nicht mehr auf die Kanzel ausgerichtet. Im Chor war sechs Jahre zuvor schon die Chorempore und die Chorbestuhlung entfallen und die Orgel dort ebenerdig gestellt worden. Auch dadurch endete der Querkirchen-Bautypus, der seit der Reformation kennzeichnend für die Johanneskirche gewesen war.

Ausstattung Kanzel Sowohl die Kanzel als auch der Taufstein stammen aus der Bauzeit der Kirche um 1511, also „aus katholischer Zeit“. Die Sandsteinkanzel ist in einer flachen Nische in allen Teilen maurermäßig mit der Wand verbunden: vom untermauerten Treppenaufgang von Osten, vom Sockel über den gekehlten Schaft des Fußes, die trichterförmige Konsole mit Maßwerkvorhang, darüber bis zum Kanzelkorb mit seinen vier gleich gestalteten Maßwerk-Brüstungsfeldern ohne Figurenschmuck. Das durchbrochene steinerne Treppengeländer ist in drei Felder untergliedert, deren Füllungen mit Fischblasen gestaltet sind.Karl Halbauer: Predigstül. Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation. In der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 187–191. Die Kanzel wird von einem Schalldeckel des 17. Jahrhunderts mit einer Statuette des auferstandenen Christus bekrönt. Er wurde 1961 vollständig restauriert.

Taufstein Das steinerne achteckige Taufbecken von 1511 stellt die sieben (katholischen) Sakramente dar und zeigt auf der achten Seite einen Engel, der das Wappen des Herzogtums Württemberg als des Kirchenstifters hält.

Chor Die Schlusssteine des Netzrippengewölbes im Chor zeigen einen Engel mit dem württembergischen Wappen (Württemberg war Patronatsherr des Klosters Bebenhausen als Bauherr), Maria mit dem Jesuskind, die Heiligen Drei Könige und Johannes den Täufer. In der Chorwand eingelassen gibt es sowohl eine Sediliennische als auch ein einfaches Wandtabernakel. Erhalten sind vom bauzeitlichen Chorgestühl zwei Bretter mit Flachschnitt-Ornamenten und der Jahreszahl 1513. Der moderne Altar wurde im Zuge der großen Renovierung 1960 aufgestellt.

Chorfenster Vom Magstadter Unternehmer Walther Schoenenberger waren 1932 vier Chorfenster gestiftet worden. Sie wurden in expressionistischem Stil vom Stuttgarter Kunstmaler Walter Kohler entworfen und in der Stuttgarter Glaswerkstatt Saile mit den Bildmotiven Weihnachten, Passion, Ostern und Pfingsten gefertigt. Davon blieb das Hauptmotiv des Weihnachtsfenster bei den Kriegseinwirkungen unbeschädigt und konnte im Nordfenster 1960 wieder eingebaut werden. Nach dem tragischen Tod Kohlers 1945 übernahm sein Studienfreund Adolf Valentin Saile 1960 ergänzend die Ausstattung der drei anderen Chorfenster mit den Bildthemen Passion Jesu, der Auferstehung Christi mit Majestas Domini, den vier Evangelistensymbolen und dem Himmlischen Jerusalem (Mitte; unten leider durch die Orgel verdeckt) sowie dem Pfingstwunder (rechts).Ehrenfried Kluckert, Axel Zimmermann (Bearb.): Adolf V. Saile - Städtische Galerie Filderstadt, Kleines Kunst-Kabinett Bernhausen; vom 13.10.1985 - 6.11.1985. (Hrsg.) Städtische Galerie Filderstadt; Band 2: Werkverzeichnis; Filderstadt 1985, Werkverzeichnis Nr. 1a/60/2.

Orgel Eine vermutlich zweite Orgel wurde 1687 zur Aufstellung auf einer Schiffempore angeschafft, über die erste nach Einführung des evangelischen Gottesdienstes ist nichts bekannt. 1739 wurde eine neue Orgel auf einer Empore im Chor errichtet. 1848 wurde sie durch eine vierte Orgel von Walcker mit 22 Registern ersetzt. 1926 wurde die Orgelempore entfernt und die Orgel ebenerdig aufgestellt. 1961 wurde diese Orgel durch ein neues fünftes Instrument von Walcker mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal ersetzt, wobei ein Teil der alten Pfeifen wiederverwendet wurde. 2018 bis 2019 wurde die Orgel durch Orgelbau Lenter umfassend erneuert und umgebaut. Gehäuse, Spieltisch und die meisten Pfeifen wurden weiterverwendet. Die neue Orgel umfasst 26 Register.

Glocken Ein erster Satz Glocken wurde 1706 gegen neue Glocken ausgetauscht, wovon nach den in beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts erzwungenen Ablieferungen für Rüstungszwecke („Metallspende des deutschen Volkes“) heute noch die kleinste dieser Glocken erhalten ist, die „Taufglocke“, auch als „Heimatglocke“ bekannt.

NameGussjahrMaterialGewichtSchlagtonInschriftTauf- oder „Heimatglocke“1706Bronze861 kgFisGott allein die EhreKreuzglocke1950Stahl1098 kgE‘Der Herr ist unser Friede Betglocke1950Stahl1375 kgD‘Die Ehre des Herrn ist ewig Christusglocke1950Stahl2198 kgH°Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit

Literatur Fritz Heimberger (Red.): Kirchen im Landkreis Böblingen. (Hrsg.) Evangelisches Kreisbildungswerk und Katholisches Bildungswerk Kreis Böblingen; München/Zürich, 1990, S. 17.

Fritz Heimberger: Achthundert Jahre Magstadt. Stuttgart 1997. 500 Jahre Johannes-Täufer-Kirche Magstadt. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Magstadt, 2011.

Weblinks

Die Kirche auf der Website der Kirchengemeinde

Einzelnachweise

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