mini|Parlamentsgebäude von Ruanda in der Hauptstadt Kigali (2019)
Die Parlamentswahl in Ruanda 2024 fand am 15. Juli parallel zur Präsidentschaftswahl statt. Die Wahlkoalition um die Ruandische Patriotische Front gewann 68,83 Prozent der Stimmen.
Hintergrund Die Ruandische Patriotische Front (RPF) regiert Ruanda seit Ende des Völkermords 1994. Der Parteivorsitzende Paul Kagame ist seit 2000 Präsident des Landes. Ruanda gilt als stabil und wirtschaftlich wachsend, jedoch werden politische Gegner und unabhängige Medien von der Regierung durch Einschüchterung, Verhaftungen und gerichtliche Maßnahmen unterdrückt.
Wahltermin und -zeitplan Der Wahltermin wurde im Dezember 2023 auf den 15. Juli 2024 festgelegt. Die ruandische Diaspora kann am 14. Juli an ausgewählten Orten wählen. Der gleichzeitige Wahltermin mit der Präsidentschaftswahl wurde durch eine Verfassungsänderung im August 2023 möglich, die die Amtszeit der Abgeordneten einmalig um ein Jahr verlängerte. Die Amtszeit des Präsidenten wurde von sieben auf fünf Jahre reduziert und damit an die Amtszeit der Abgeordneten angeglichen. Die Zusammenlegung der Wahlen wurde mit dem Ziel begründet, die Kosten sowohl für den Staat als auch für die politischen Parteien, die an den Wahlen teilnehmen, zu minimieren.
Die Einreichung von Kandidaturen war vom 13. bis 30. Mai 2024 möglich. Unabhängige Kandidaten mussten eine Liste mit 600 Unterschriften von registrierten Wählern vorlegen, wobei mindestens 12 Unterschriften für jeden der 30 Distrikte benötigt wurden. Die vorläufige Kandidatenliste wurde am 6. Juni und die endgültige Liste amn 14. Juni 2024 veröffentlicht.
Für die Wahl 2024 waren rund 9,5 Millionen Ruander registriert, davon etwa 2 Millionen Erstwähler der „Generation Kagame“, die nach dem Völkermord und während der Regierungszeit Kagames geboren wurden.
Wahlsystem Von den 80 Sitzen in der Abgeordnetenkammer, dem Unterhaus im parlamentarischen Zweikammersystem von Ruanda, werden 53 direkt über Listenwahl gewählt, während 24 Sitze für Frauen, 2 für junge Menschen und 1 für Menschen mit Behinderung reserviert sind. Von den für Frauen reservierten Sitzen gehen jeweils 6 an die Ost-, Süd- und Westprovinz, 4 an die Nordprovinz und 2 an die Hauptstadtprovinz Kigali. Die Wahlstimmen werden nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren (engl. method of largest remainders) in die 53 Abgeordnetenmandate umgerechnet. Es besteht eine 5-Prozent-Hürde unabhängige Kandidaten.
Kandidaten Die finale Liste der Wahlkommission umfasste 589 akzeptierte Kandidaten für die 80 Parlamentssitze von 666 insgesamt eingereichten Kandidaturen. Von den sechs politischen Parteien wurden insgesamt 392 Kandidaturen eingereicht. Dazu kamen 27 unabhängige Kandidaturen, 200 für die Frauenrepräsentantinnen, 34 für die Jugend- und 13 für die Behindertenrepräsentanten. Von den 392 Parteikandidaturen genügten 345 den Anforderungen. Die regierende Ruandische Patriotische Front (RPF) reichte eine Liste mit der maximal möglichen Kandidatenzahl von 80 Personen ein, die alle von der Wahlkommission akzeptiert wurden. Die zweitstärkste Social Democratic Party reichte eine Liste mit 66 Kandidaturen ein, darunter 37 Männer und 29 Frauen. Von diesen qualifizierten sich 59 Kandidaten. Bei der Liberal Party (PL) wurden alle 54 Kandidaten akzeptiert und bei der Demokratischen Grünen Partei Ruandas (DGPR) waren es laut der Wahlkommission 50 von 64. Die Parti Démocratique Idéal (PDI) stellte 55 akzeptierte Kandidaten und die Social Party Imberakuri 47 von 80 eingereichten. Von den 27 unabhängigen Kandidaten schaffte es nur Janvier Nsengiyumva auf die Wahlliste. Für die 24 Sitze für Frauenrepräsentantinnen kandidieren 199 Frauen, für die 2 Jugendrepräsentanten 31 Kandidaten und für den Behindertenrepräsentanten 13 Kandidaten.
Ausgangslage mini|alt=Diagramm mit farbcodierter Sitzverteilung|80 Sitze der Abgeordnetenkammer von Ruanda, 2018:
Bei der letzten Parlamentswahl in Ruanda am 2. September 2018 gewannen folgende Parteien Sitze von den 53 zur Wahl stehenden:
Ruandische Patriotische Front (RPF) / Rwanda Patriotic Front / Front Patriotique Rwandais (FPR): 40 Sitze Sozialdemokratische Partei / Social Democratic Party / Parti Social Démocrate (PSD): 5 Sitze Liberale Partei / Liberal Party / Parti Libéral (PL): 4 Sitze Demokratische Grüne Partei Ruandas / Democratic Green Party of Rwanda / Parti vert démocratique du Rwanda (DGPR): 2 Sitze Social Party Imberakuri / Parti Social Imberakuri (PS-Imberakuri): 2 Sitze
Erstmals zogen zwei Mitglieder der DGPR ins Parlament ein.
Der 2024 einzige parteiunabhängig antretende Kandidat Janvier Nsengiyumva kandidierte bereits bei der Parlamentswahl 2018, aber erreichte nicht die notwendige Fünf-Prozent-Hürde.
Wahlergebnis mini|alt=Diagramm mit farbcodierter Sitzverteilung|80 Sitze der Abgeordnetenkammer von Ruanda nach der Parlamentswahl 2024:
Stimmanteile Nach den offiziellen Wahlergebnissen gewannen die RPF und ihre Wahlkoalitionspartner 68,83 % der Stimmen, was 37 Sitzen entspricht. Laut der nationalen Wahlkommission gaben von 9.071.000 registrierten Wählern 8.761.453 ihre Stimmen ab.
Einige Parteien erhielten knapp unter 5 Prozent der Stimmen: die PDI 4,61 %; DGPR 4,56 % und PS-Imberakuri 4,51 %. Laut der Wahlkommission werden solche Werte für die 5-Prozent-Hürde jedoch aufgerundet, sodass die Parteien es demnach knapp ins Parlament schafften. Deutlich unterhalb der notwendigen fünf Prozent lag jedoch das Ergebnis für den unabhängigen Kandidaten Janvier Nsengimana mit vorläufig 0,21 % der Stimmen.
+Wahlergebnisse für indirekt bestimmte AbgeordneteIndirekt bestimmte AbgeordneteMandateKandidatStimmen%FrauenrepräsentantinnenNordprovinz4Olive Uwamurera18.95979,35Eliane Mukarusagara18.95679,33Madina Ndangiza17.69074,04Ingrid Marie Parfaite Izere17.51973,32Ostprovinz6Gertrude Kazarwa19.76062,06Lydia Mushimiyimana19.62561,64Christine Kanyandekwe18.72458,81Alphonsine Mukamana18.39157,76Solange Uwingabe18.36757,69Judith Mukarugwiza17.63055,37Südprovinz6Francine Tumushime23.65177,34Marie Claire Uwumuremyi22.57673,83Jeannette Uwababyeyi21.91971,68Sarah Kayitesi20.96568,56Germaine Mukabalisa20.40466,73Hope Gasatura Tumukunde20.15365,90Westprovinz6Aline Ingabire22.55872,2Francoise Mukandekezi20.80566,6Angelique Nyirabazayire20.43365,4Alice Muzana19.00960,9Gloriose Sibobugingo18.84660,3Salama Uwamurera16.83853,9Kigali2Phoebe Kanyange7.86482,78Donatha Gihana7.22876,08Jugendrepräsentanten2Vanessa Umuhoza Gashumba18873,72Venuste Icyitegetse15962,35Behindertenrepräsentant1Olivia Mbabazi37559,90
Mandate Der Frauenanteil an den 80 Sitzen im Parlament stieg von 61,3 % auf 63,8 %. Während 27 Abgeordnete indirekt bestimmt wurden (vgl. Tabelle oberhalb), zogen folgende 53 Politiker über die Listenwahl ins Parlament ein:
RPF-Wahlkoalition 37 Mandate: Speciose Ayinkamiye Damien Nyabyenda Beline Uwineza Emmanuel Ndoriyobijya Veneranda Uwamariya Emmanuel Karemera Furaha Emma Rubagumya Benoit Senani Winifrida Mpembyemungu Eugène Mussolin Odette Uwamariya Barthelemy Karinijabo Christine Bakundufite Philibert Uwiringiyimana Cecille Murumunawabo Diogene Bitunguramye Pie Nizeyimana Sylvie Muyango Mukayiranga Deogratias Nzamwita Marie Therese Uwizeye Joseph Ndereremungu Yvonne Mujawabega Egide Nkuranga Christine Nyiramana Anastase Nabahire Therence Kayigire Beth Murora James Kanamugire Jean Paul Munyandamutsa Jennifer Wibabara Epiphanie Mukampunga Etienne Mvano Nsabimana Liliane Umutesi Prisca Uwamahoro Jean Sauveur Kalisa Spéciose Mukandanga Germain Musonera
PL 5 Mandate: Théogène Munyangeyo Balinda Rutebuka Gloriose Mukamwiza Erneste Nsangabandi Aimee Marie Ange Tumukunde
PSD 5 Mandate: Valens Muhakwa Jeanne d’Arc de Bonheur Gallican Niyongana Marie Therese Uwubutatu Deogratias Bizimana Minani
PDI 2 Mandate: Musa Fazil Harerimana Wassila Niwemahoro
DGPR 2 Mandate: Jean Claude Ntezimana Carine Maombi
PS-Imberakuri 2 Mandate: Christine Mukabunani Jean Rene Niyorurema
Weblinks
Einzelnachweise
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