Hans-Ulrich Ernst (* 3. Juni 1924 in Grenchen; † 28. August 1980 in Bern) war ein Schweizer Maler, Collagist und Zeichner. Er gilt als ein wichtiger Vertreter des Surrealismus in der Schweiz.
Leben mini|Hans-Ulrich Ernst (Maler), Portrait, ca. 1978 Hans-Ulrich Ernst absolvierte nach der Schule eine Lehre als Kaufmann in einer Eisenhandlung in Grenchen. Anschliessend war er in der Verwaltung der Stadt Grenchen angestellt. In den Jahren 1969 bis 1980 arbeitete er halbtags als Wissenschaftlicher Fotograf im Geologischen Institut der Universität Bern. Am 1. September 1947 heirateten er und Mirna Borer. 1950 kam der gemeinsame Sohn Jürg Ulrich zur Welt.Nachlass Hans-Ulrich Ernst, Privatbesitz Jürg Ulrich Ernst, Schwarzenburg
1959 zog Hans-Ulrich Ernst nach Balm bei Messen. 1960 erfolgte der Umzug zunächst nach Wabern, dann nach Bern ins Monbijou-Quartier und schliesslich in die Länggasse, wo er mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Elsa Schrauder wohnte. Sein Künstleratelier hatte er an der Bühlstrasse eingerichtet. Er war Mitglied der GSMBA (Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten).Nachlass Hans-Ulrich Ernst, Privatbesitz Jürg Ulrich Ernst, Schwarzenburg mini|Hans-Ulrich Ernst (Maler), Atelier, Monbijoustrasse 27, Bern, ca. 1970
Während seiner Grenchner Zeit war Hans-Ulrich Ernst bereits 1948 als Mitstreiter seines Jugendfreundes Toni Brechbühl bei der Gründung der Galerie Bilder-Gilde, später Galerie B, dabei. In den 1950er Jahren gehörte er zum Künstlerkreis um Walter Emch, Peter Travaglini und Ferdinand Kaus. Ab 1960 war Hans-Ulrich Ernst als freischaffender Künstler tätig. In Bern bewegte er sich stets in der künstlerischen Subkultur, zunächst in der nonkonformistischen Szene der 1960er Jahre in den Diskussionskellern der Altstadt wie der Junkere 37.Eduard Käser Ueli. In: Erinnerungen an H.U. Ernst. Mit Beiträgen von Eduard Käser, Mariella Mehr, Paul Nizon, Peter H. Wahl (Wien) u. a. Hrsg. von Jürg Ulrich Ernst. Schwarzenburg, Eigenverlag 1982. Zu seinem Freundeskreis zählten die Schriftstellerinnen und Schriftsteller Guido Bachmann, Friedrich Dürrenmatt, Sergius Golowin, Mariella Mehr, Paul Nizon, Joachim Stäubli, der Physiker und Philosoph Eduard Käser, die Künstlerinnen und Künstler Max Kohler, Marcel Niederhauser, Jimmy Schneider, Peter Travaglini, Anne Wilhelm, Bruno Wurster sowie die Galeristen Toni Brechbühl und Hans Liechti in Grenchen und Hugo Ramseyer und Werner Schindler in Bern. Fredi Lerch: Vergessener Berner Surrealist. Hans-Ulrich Ernst – Berner Aussenseiter. In: Die Wochenzeitung, 17. Jg., Nr. 15, 9. April 1998, S. 30.Sergius Golowin: Stadt zwischen Zerfall und Utopie. Gedanken in Berns Altstadtgalerien. In: National-Zeitung (Basel), 126. Jg., Nr. 309 (Abendblatt), 8. Juli 1968, S. 11.
Das Kunsthaus Grenchen besitzt 35 Werke von Hans-Ulrich Ernst in seiner Sammlung und die Stadt sowie der Kanton Bern tätigten regelmässige Ankäufe. Trotzdem blieb Hans-Ulrich Ernst zeitlebens ein verkannter Künstler und nonkonformistischer Aussenseiter.Paul Nizon: Ein einsamer Atelier-Alchimist. In: Berner Tagwacht. 97. Jg., Nr. 12, 16. Januar 1989, S. . (Digitalisat in e-npa.ch)
Paul Nizon charakterisierte Hans-Ulrich Ernst 1982: «Er war ein echter Künstler, unverführbar, radikal und auf eine ungemein scheue, schon beinahe verklausulierte Weise ein guter Mensch.» Und Ernst konnte oft auch lustig sein und hatte einen verschmitzten, gleichzeitig makaberen Humor. Deshalb pflegte ihn Nizon in seinen Briefen und Widmungen «Ueli Ernst genannt Lustig» zu titulieren, im Bewusstsein der Zweifel, der Bitterkeit und Zerrissenheit, die Hans-Ulrich Ernst in seinem steten Überlebenskampf bis zum frühen Tod mit 56 prägten.Erinnerungen an H.U. Ernst. Mit Beiträgen von Eduard Käser, Mariella Mehr, Paul Nizon, Peter H. Wahl. Hrsg. von Jürg Ulrich Ernst. Eigenverlag, Schwarzenburg 1982.Paul Nizon: Ueli Ernst genannt Lustig. In: 60 Jahre Hans Ulrich Ernst. Erinnerungs- und Verkaufsausstellung, 7. Juli bis 2. September 1984, Kunsthaus Grenchen. Ausstellungskatalog.Paul Nizon: Ein einsamer Atelier-Alchimist. In: Berner Tagwacht 97. Jg., Nr. 12, 16. Januar 1989, S. . (Digitalisat in e-npa.ch)
Die Filmerin Miriam Ernst ist die Enkelin von Hans-Ulrich und die Tochter von Jürg U. Ernst.Website von Miriam Ernst
Künstlerisches Werk Der Surrealismus der 1930er und der Nachkriegsjahre prägten das Schaffen von Hans-Ulrich Ernst. Die Vorbilder waren der junge Joan Miró, Salvador Dalí und sein Namenskollege Max Ernst.Hans Ulrich Ernst. In: Bilder, Collagen und Zeichnungen von Hans Ulrich Ernst. 5. bis 23. September 1981, Galerie Toni Brechbühl, Grenchen. Ausstellungskatalog. Als Autodidakt schuf Hans-Ulrich Ernst in den 1950er Jahren erste Bilder, zunächst noch gegenständlicher Natur. Dazu zählt das Selbstporträt, das 1954 entstand. Später löste er sich vom eigentlichen Abbild, in der Überzeugung, das Nachahmen äusserer Erscheinungen habe nichts mit Kunst zu tun, diese sei vielmehr Dokumentation der eigenen individuellen Geisteshaltung.Erinnerungen an H.U. Ernst. Mit Beiträgen von Eduard Käser, Mariella Mehr, Paul Nizon, Peter H. Wahl u. a. Hrsg. von Jürg Ulrich Ernst. Eigenverlag, Schwarzenburg 1982.Eva Buhrfeind: Ein unruhiges Künstlerleben. Der Grenchner Maler Hans-Ulrich Ernst (1924–1980). In: Neue Mittelland-Zeitung, 20. April 1998, S. 7
Hans-Ulrich Ernst arbeitete in verschiedenen Techniken. Er schuf Ölbilder, Tuschezeichnungen, Aquarelle, Zeichnungen und Collagen, oft in einem Werk vereint als Mischtechnik. Er war ein Meister des Collage-Klebens, und seine Werke waren Ergebnisse von einem fanatisch-verbissenen Perfektionswillen. In exakten Skizzen und Farbstudien entwarf er klar überlegte, formal durchkomponierte Bilder. Im Gegensatz dazu standen die Bildinhalte von irrealem Traumcharakter, die aus tiefsten Bewusstseinsschichten aufsteigen. Hans-Ulrich Ernst gestaltete seine eigene apokalyptische Welt von beklemmender Düsterkeit und Öde, zugleich aber voll melancholischer Poesie. Kreaturen mit Rüsseln und Fangarmen, glühenden Augen, Reisszähnen und Klauen ausgestattet, verstand er in seinen Bildern mit Spielerisch-Verspieltem, Melancholie und Trauer, Erotik und Anatomischem, Schalk und Bedrückendem zu vereinigen.Ohne tierischen Ernst. H. U. Ernst und J. U. Ernst in der Galerie Läderach, Junkerngasse 38. In: Der Bund, 129. Jg., Nr. 28, 3. Februar 1978, S. 35. (Digitalisat in e-npa.ch) mini|Collage, ohne Titel, 1966 mini|Die Vögel kommen, Collage, 1967, Schwarz-Weiss-Foto mini|Die Schnaffen, Collage / Mischtechnik, 1968 mini|Undinger, Ölgemälde, 1976
Ausstellungen (Auswahl) Im Zeitraum von 1960 bis 1980 zeigte Hans-Ulrich Ernst seine Werke in über 40 Ausstellungen in der ganzen Schweiz, zehn davon waren Einzelausstellungen. Nach seinem Tod 1980 folgten Gedenkausstellungen in Bern, Grenchen und Schwarzenburg. 1949: Kunstmuseum Solothurn 1953: Städtische Galerie Biel 1960: Galerie Toni Brechbühl, Grenchen 1968: Artesia, Internationale Gemäldegalerie, Ulmiz 1970: Galerie Zähringer, Bern 1971: Die andere Realität, Kunstmuseum Bern«Die andere Realität». Eine Ausstellung im Weissen Saal. In: Der Bund, 122. Jg., Nr. 274, 23. November 1971, S. 13. (Digitalisat in e-npa.ch) 1972: Galerie Pro Arte Kasper, Morges (zusammen mit Werken von Picasso und Jan Hegy) 1972: Galerie Mélisa, Lausanne 1973: Galerie Max Löw, Basel 1973: Galerie zur Ringmauer, MurtenTransparenz und Phantastisches. Gertrud Merz und Hans-Ulrich Ernst in der Galerie zur Ringmauer in Murten. In: Der Bund 124. Jg., Nr. 141, 20. Juni 1973, S. 37. (Digitalisat in e-npa.ch) 1975: Galerie Manoir, Martigny 1977: Galerie Bertram, Burgdorf 1978: Galerie Läderach, Junkerngasse 38, Bern (zusammen mit Sohn Jürg U. Ernst)Ohne tierischen Ernst. H. U. Ernst und J. U. Ernst in der Galerie Läderach, Junkerngasse 38. In: Der Bund, 129. Jg., Nr. 28, 3. Februar 1978, S. 35. (Digitalisat in e-npa.ch) 1981: Galerie Toni Brechbühl, Grenchen 1982: Galerie Schindler, Bernmz.: Das Lebenswerk eines Unterschätzten. Gedenkausstellung Hans-Ulrich Ernst (1924 bis 1980) in der Galerie Schindler. In: Der Bund 133. Jg., Nr. 113, 17. Mai 1982, S. 35. (Digitalisat in e-npa) 1984: Kunsthaus Grenchen (Gedenkausstellung und zugleich Eröffnungsausstellung des Kunsthauses) 1989: Galerie Schindler, Bern (gleichzeitig mit der Ausstellung Die Welt der Collage von Max Ernst im Kunstmuseum Bern)cka.: Werke aus surrealer Welt. In: Der Bund 140. Jg., Nr. 18, 23. Januar 1989, S. 15. (Digitalisat in e-npa.ch)Paul Nizon: Ein einsamer Atelier-Alchimist. In: Berner Tagwacht 97. Jg., Nr. 12, 16. Januar 1989, S. . (Digitalisat in e-npa.ch) 1998: Galerie im Theater an der Effingerstrasse, BernUeli «lustig» Ernst, ein ernster Maler. Das Werk von Hans-Ulrich Ernst wird Jahre nach seinem Tod wieder ausgestellt. In: Freiburger Nachrichten 135. Jg., Nr. 87, 16. April 1998, S. 15. (Digitalisat in e-npa.ch)Eva Buhrfeind: Ein unruhiges Künstlerleben. Der Grenchner Maler Hans-Ulrich Ernst (1924-1980). In: Neue Mittelland-Zeitung, 20. April 1998, S. 7 2004: Hotel Krebs, Grenchen (Ausstellung durch Toni Brechbühl organisiert)Kaspar Haupt: Unverführbar, radikal und ungemein scheu. Surrealistisch. Im Hotel Krebs sind Bilder aus dem Nachlass des Künstlers Hans-Ulrich Ernst zu sehen. In: Neue Mittelland-Zeitung, 8. November 2004, S. 13 2004: Ateliergalerie Ernst, Schwarzenburg 2024: Schlosskeller Schwarzenburg, Retrospektive zum 100. Geburtstag
Literatur Fredi Lerch: Vergessener Berner Surrealist. Hans-Ulrich Ernst – Berner Aussenseiter. In: Die Wochenzeitung, 17. Jg., Nr. 15, 9. April 1998, S. 30. Paul Nizon: Ueli Ernst genannt Lustig. In: 60 Jahre Hans Ulrich Ernst. Erinnerungs- und Verkaufsausstellung, 7. Juli bis 2. September 1984, Kunsthaus Grenchen. Ausstellungskatalog. Erinnerungen an H. U. Ernst. Mit Beiträgen von Eduard Käser, Mariella Mehr, Paul Nizon, Peter H. Wahl u. a. Hrsg. von Jürg Ulrich Ernst. Eigenverlag, Schwarzenburg 1982. Hans Ulrich Ernst. In: Bilder, Collagen und Zeichnungen von Hans Ulrich Ernst. 5. bis 23. September 1981, Galerie Toni Brechbühl, Grenchen. Ausstellungskatalog. 20 Jahre Galerie Bertram, Burgdorf. Jubiläums-Auktion vom 10. September 1977. Auktionskatalog. Weihnachtsausstellung Bernischer Maler und Bildhauer. 7. Dezember 1974 bis 5. Januar 1975, Kunsthalle Bern. Ausstellungskatalog. Le Collage. Du 25 mars au 27 avril 1975. Manoir de Martigny. Ausstellungskatalog. Sergius Golowin: Stadt zwischen Zerfall und Utopie. Gedanken in Berns Altstadtgalerien. In: National-Zeitung. (Basel), 126. Jg., Nr. 309 (Abendblatt), 8. Juli 1968, S. 11. Weihnachtsausstellung bernischer Maler und Bildhauer. 2. Dezember 1967 bis 14. Januar 1968, Kunsthalle Bern. Ausstellungskatalog. 25 Berner und Bieler Künstler / 25 artistes bernois et biennois. 17. Oktober bis 22. November 1964, Städtische Galerie Biel. Ausstellungskatalog.
Weblinks
Nonkonformismusarchiv im Schweizerischen Literaturarchiv SLA Hans-Ulrich Ernst (Maler) auf European-art.net
Dokumente von und über Hans-Ulrich Ernst im Schweizerischen Literaturarchiv https://www.helveticarchives.admin.ch/detail.aspx?ID=907003 https://www.helveticarchives.admin.ch/detail.aspx?ID=906432 https://www.helveticarchives.admin.ch/detail.aspx?ID=908142 https://www.helveticarchives.admin.ch/detail.aspx?ID=1402127
Werkstandorte Werke im Künstlerarchiv Grenchen Kunsthaus Grenchen: Webpräsenz Werke in der Kunstsammlung Kanton Bern Städtische Kunstsammlung, Bern Jürg Ulrich Ernst, Sohn von Hans-Ulrich Ernst: Webpräsenz Kunstverein Schwarzenburg: Webpräsenz
Einzelnachweise
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