mini|Die Sporen des Stinkenden Warzenpilzes unter dem Mikroskop mini|Bei Biberach entdecktes Exemplar des Stinkenden Warzenpilzes Der Stinkende Warzenpilz (Thelephora palmata), auch Stinkender Erdwarzenpilz, Stinkende Lederkoralle, ist eine Pilzart aus der Familie der Warzenpilzverwandten (Thelephoraceae).
Merkmale Der Stinkende Warzenpilz wächst aus einer kurzen, stielartigen Basis und verzweigt sich korallenartig zu Ästen mit einem platten und breiten Ende. Die Fruchtkörper des Stinkenden Warzenpilzes sind bis zu 12 cm hoch und 7 cm breit.Gminder/Karasch, Kosmos-Handbuch Pilze (wie unter Literatur), S. 588. Sie sind jung weißlich, hellbraun oder hellgrau, ausgewachsen graubraun oder dunkelbraun mit weißlichen Enden.Fundkorb.de: Thelephora palmata. Stinkender Warzenpilz
Sehr junge Exemplare des Stinkenden Warzenpilzes können einen nur schwach ausgeprägten Geruch aufweisen, ausgewachsene Fruchtkörper riechen jedoch penetrant nach verfaulendem Kohl, wobei der Gestank beim Trocknen sogar stärker wird. Das Fleisch des Pilzes ist ledrig und korkig-zäh, der Geschmack widerlich.Der Stinkende Warzenpilz auf 123pilzsuche.de Der Stinkende Warzenpilz zeigt eine charakteristische Farbreaktion mit Kalilauge (KOH); diese färbt einen Dünnschnitt des Stielfleisches intensiv blau.
Das Sporenpulver des Stinkenden Warzenpilzes ist braun (dunkel purpurbraun); die Sporen sind unter dem Mikroskop stumpfstachelig („warzig“), rundlich bis breitelliptisch (9–12 × 6–9 µm). An den Septen der Hyphen befinden sich Schnallen.Winkler/Keller, Pilze Mitteleuropas (wie unter Literatur), S. 70.
Ökologie und Phänologie Der Stinkende Warzenpilz bildet eine Mykorrhiza mit Fichten oder Kiefern. In moosigen, etwas feuchteren Nadelwäldern ist er von Juli bis November anzutreffen, oft etwas versteckt in der Nadelstreu. Er schätzt saure, sandige Böden.Tintling: Stinkender Warzenpilz Im Flachland und unteren Hügelland ist die Art selten, aber dafür von hochkollinen bis hochmontanen Lage dichter verbreitet.Krieglsteiner, Großpilze, S. 396f.
Verbreitung Der Stinkende Warzenpilz ist in ganz Mitteleuropa verbreitet, jedoch in Südeuropa selten. Er ist regional mäßig häufig. Für Baden-Württemberg konstatiert Krieglsteiner (Stand 2000) eine unübersehbare Rückgangstendenz seit 1975.Krieglsteiner, Großpilze, S. 396. Außerdem ist die Art in Nordamerika, Asien und Australien anzutreffen.Minnesotaseaons: Stinking Earthfan
Artabgrenzung Der Stinkende Warzenpilz ist bereits optisch kaum verwechselbar. Eine entfernte Ähnlichkeit weisen beispielsweise andere Warzenpilze, Korallen oder Keulenpilze (z. B. der Graue Keulenpilz) auf; keine der äußerlich ähnlichen Arten hat jedoch einen vergleichbar unangenehmen Geruch.
Verwendung Der Stinkende Warzenpilz ist als Speisepilz wertlos, doch wurden seine Fruchtkörper früher benutzt, um Wolle blaugrün zu färben. Hierzu bereitete man einen auf pH-Wert 9 eingestellten Sud des Pilzes zu.
Etymologie Das Epitheton palmata („handförmig“) ist abgeleitet von lat. palma „Handfläche“ und bezieht sich auf die handförmig verästelte Form.Cetto, Enzyklopädie der Pilze (wie unter Literatur), S. 223.
Literatur Bruno Cetto: Enzyklopädie der Pilze, Band 1, München: BLV Verlagsgesellschaft 1987, ISBN 3-405-13474-9, S. 222f. Andreas Gminder, Peter Karasch: Das Kosmos-Handbuch Pilze, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-440-17027-4, S. 588. German Josef Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 1, Stuttgart: Ulmer 2000, ISBN 3-8001-3528-0, S. 396–397. Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas. 3800 Pilzarten schrittweise bestimmen. Bern: Haupt 2023, ISBN 978-3-258-08101-4, S. 70.
Weblinks
Pilzwelten: Stinkender Warzenpilz (Youtube-Video)
Einzelnachweise
Kategorie:Warzenpilzartige Kategorie:Ungenießbarer Pilz