mini|Kreuzdach Ein Kreuzdach ist eine seltene Dachform, die aus sich einander rechtwinklig überkreuzenden Satteldächern besteht.Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 9. Mai 2024), S. 295: Kreuzdach, Kreuzgiebeldach. In älterer Fachfachliteratur gibt es den synonymen Begriff Kreuzgiebel.Georg Gottlob Ungewitter: Lehrbuch der gotischen Konstruktionen. Neu bearbeitet von K. Mohrmann. T. O. Weigel Nachfolger, Leipzig 1892, Bd. 2, S. 421. (Google Books) Regional wird in der Schweiz (Appenzellerland) bei dort sogenannten Kreuzgiebelhäusern der Begriff Kreuzgiebeldach verwendet.

Begriff, Funktion und Konstruktion Die Bezeichnung Kreuzdach stammt von der typischen Form dieses Daches, welche sich aus der Sicht von oben ergibt, wenn die Firsthöhe gleich ist. (Dagegen gehören niedrigere Querdächer zu Zwerchhäusern.) Durch die Kreuzform entstehen am Gebäude vier Giebelseiten, die auf die Funktion solcher Dächer hinweisen: Der Zweck ist entweder repräsentativ nach außen gerichtet durch den Wunsch nach Dachsymmetrie mit zwei zusätzlichen Giebelflächen oder es ist nach innen der Wunsch nach mehr Wohnraum im Dachgeschoss ursächlich. mini|Isometriezeichnung einer barocken Kreuzdachkonstruktion mit liegenden Stühlen (Johann Wilhelm, (2)1654Johann Wilhelm: Architectura civilis, das ist Beschreib- oder Verreissung der fürnembsten Tachwerck (...). Zweite, Auflage, Johann Martin Porßen, Frankfurt am Main (2)1654, No. 9. (Digitalisat)) Konstruktiv ist ein Kreuzdach – vor allem im Zimmerhandwerk – wesentlich aufwändiger als ein einfaches Satteldach herzustellen, da vier eigene Dachtragwerke mit unterschiedlich langen Sparren und Schiftungen erforderlich sind, die in Kehlen an Kehlsparren zusammenstoßen. Die besondere technische und handwerkliche Herausforderung führte dazu, dass der Zimmermann und Architekt Johann Wilhelm 1649 eine solche „Creutztach“Johann Wilhelm: Architectura civilis, das ist Beschreib- oder Verreissung der fürnembsten Tachwerck (...). Zweite, Auflage, Johann Martin Porßen, Frankfurt am Main (2)1654, S. 14. (Digitalisat) – Die erste Auflage erschien schon 1649.-Konstruktion musterhaft veröffentlichte.

Verwendung Kreuzdächer sind selten und kommen vor allem in der historischen Architektur vor. Am verbreitetsten waren Kreuzdächer als Turmhelme, d. h. auf quadratischen Grundrissen.Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 9. Mai 2024), S. 116 f.: Turmhelm. Jedoch sind Kreuzdächer grundsätzlich auf allen sich kreuzenden Satteldächern möglich, wie sie etwa auf Kirchen mit gleichhohen Mittel- und Querschiffen entstehen, wenn das Dach der Vierung nicht durch einen Vierungsturm unterbrochen wird. Kreuzdächer sind ebenfalls mit Bogendächern möglich.

Die Form des Kreuzdaches fand auch bei Kleinarchitekturen Verwendung, so als Haube bzw. Deckstein für Einfriedungspfeiler, Schornsteinköpfe oder Bildstöcke. In Franken gibt es den Typ des Kreuzdachbildstocks.

Siehe auch

Faltdach Rhombendach

Weblinks

Kreuzdach über quadratischem, kreuzförmig gegliedertem Grundriss, auf baunetzwissen.de (Beispiel: Pfarrhaus St. Georg, Regensburg) Generationenhaus mit modernem Kreuzdach in Aarwangen, auf archidenktur.ch

Einzelnachweise

Kategorie:Dachform