mini|hochkant|St. Jakobus der Ältere in Niederstetten mini|hochkant|Orgel Die evangelische Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere steht in Niederstetten, einer Kleinstadt im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Weikersheim und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Weikersheim im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1290. Eine Verbindung aus jener Zeit weist auf das ehemalige Kollegiatstift Neumünster Würzburg hin, und mit großer Wahrscheinlichkeit ist der spätromanische Bau in den Jahren 1230/40 – hundert Jahre vor der Verleihung der Stadtrechte – entstanden. Die Jakobskirche besaß früher einen spätromanischen Chorturm, der – wie Grabungen im Kirchenboden um 1960 ergeben haben – beim Umbau 1788 zugunsten der Kirchenverlängerung nach Osten abgerissen wurde.Peter Haag: Zu erneuerten Kirchen im Hohenloher Land. In: Schwäbische Heimat, 18. Jg., Stuttgart 1967, S. 124. Der Kirchenraum wurde nun neu geordnet: Eine dreiseitig durchlaufende West-, Nord- und Ostempore (diese für die Orgel, die beiden anderen als Doppelemporen gebaut) wurde errichtet, erhöht mitten auf der Südseite die Kanzel mit Treppe von Osten her aufgestellt und unten vor der Orgelempore den schon bisher vorhandenen Flügelaltar vom Anfang des 16. Jahrhunderts positioniert. Damit erhielt die Stadtkirche im Innenraum die in vielen württembergischen Kirchen seit der Reformation übliche Gestalt einer Querkirche.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 255, 303 – ISBN 978-3-95505-592-9. Die grundlegende Renovierung von 1963 unter Leitung des erfahrenen Architekten und Denkmalexperten Peter Haag (1913–1974; Schorndorf) brachte das Ende der Querkirchen-Ausrichtung, das Entfernen der oberen Emporen und die Trennung und Verkürzung der unteren Nordempore von der Orgelempore; außerdem wurde die Kanzel niedriger und weiter nach Osten hin gesetzt.Nachweis siehe historisches Fotomaterial in Wikimedia-Commons auf dieser Seite. Die ortsansäßigen Architekten Hermann und Hilde Haas besorgten im Jahre 2000 eine weitere Renovierung.
Baubeschreibung Der rechteckige elegante Emporensaal, wie heute zu sehen, geht auf den großen Umbau im Jahr 1788 zurück und zeigt eine Mischform aus romanischen und barocken Bauteilen. Besonders in der Verschiedenheit der Fenster wird dies deutlich, aber auch am schönen alten Rundbogenfries, der unter der Dachtraufe und am Westgiebel nur den alten Baukörper, nicht aber den östlichen Anbau umzieht. Die Schmalseite zum Turm hin enthält das romanische Westportal und darüber ein gleich altes Rundfenster mit einer rechteckigen Schein-Vorhallen-Umrahmung. Der lichte weite Innenraum entstand durch die Erweiterung des romanischen Langhauses nach Osten mit geradem Raumabschluss und durch den Einbau zweier großen Südfenster. Die Inneneinrichtung wurde mehrmals verändert. Der vor der Südwestecke weder axial noch parallel zum Kirchenschiff in nur gut zwei Meter Entfernung frei stehende Turm, ehemals ein Torturm der Stadtbefestigung mit Zugang zum Friedhof, wurde erst nach der „Barockisierung“ und Erweiterung des Kirchenraum umfunktioniert, mit einem Geschoss aus Holzfachwerk aufgestockt und als Glocken- und Kirchturm genutzt. Das oberste Stockwerk beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl und ist mit einem achtseitigen Knickhelm bedeckt. Hoch oben an der als Biforie gestalteten westlichen Klangarkade des jetzigen Kirchturms blickt eine eigenartige Figur auf die Menschen herab. Die ursprüngliche Wächterfigur, um die sich schaurig-schöne Geschichten ranken, wird gerne von den Einheimischen als „halber Mou“ (halber Mann) bezeichnet. Die Stadtkirche hat seit 2000 nach der letzten Renovierung etwa 380 Sitzplätze und wird auch wegen der hervorragenden Akustik gerne für Konzertveranstaltungen angefragt und genutzt.
Ausstattung Altar: In der Blickachse des Besuchers, nachdem dieser die Kirche durch den westlichen Haupteingang betreten hat, liegt ein Schnitzaltar, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden ist. Es handelt sich um einen Passionsaltar mit zwei Flügeln, deren Kreuzigungsdarstellung nur an Karfreitag zu sehen ist. Die Schnitzarbeiten und die Malerei verweisen auf Anknüpfungspunkte an den berühmten Zeitgenossen Tilman Riemenschneider. Eine Darstellung des Abendmahls ist auf der Predella zu sehen.
Taufstein: Der Taufstein aus der Renaissancezeit wurde im 19. Jahrhundert durch einen neugotischen ersetzt und in die Friedhofskapelle verbracht. Dort war er wohl unnütz und ist abhandengekommen.
Kanzel: Die Kanzel, als Ort der Evangeliumsverkündigung im württembergisch-evangelischen PredigtgottesdienstMatthias Figel: Der reformatorische Predigtgottesdienst. Eine liturgiegeschichtliche Untersuchung zu den Ursprüngen und Anfängen des evangelischen Gottesdienstes in Württemberg. Epfendorf/Neckar 2013 der einzige liturgische Fixpunkt des Raumes (bis 1931 stand der Pfarrer während des ganzen Gottesdienstes nur auf derr Kanzel, außer bei Taufe und Abendmahl), hatte ursprünglich ihren Platz, wegen der Doppelemporen hoch aufgeständert, ungefähr auf der Mitte der Südwand, über einem als „Sakristei“ dienenden Holzverschlag. Mit der Kirchenrenovierung 1963 wurde auch eine Änderung der bisherigen Quer- zur Längsausrichtung vollzogen und die Kanzel niedriger und weiter nach Osten versetzt.
Wand- und Deckengemälde: Ein wie in vielen anderen Kirchen übergroßes Christophorus-Wandgemälde ließ beim Einbau eines der großen Südfenster nur noch Reste übrig. Über dem Langhaus spannt sich in Stuckornamentik eingefasst die Darstellung der Trinität, umrahmt von der Symbolik der vier Evangelisten. In der Decke über dem Passionsaltar schwebt mit weit ausgebreiteten Armen Christus, der Auferstandene, gen Himmel.
Epitaphe, Skulpturen und Gedenktafel: Auf der nördlichen Seite des Innenraums seit 1963 geordnet eingelassen finden sich außerordentlich gut erhaltene Sandstein-Epitaphe (und an der Südseite eines aus Holz) der Herren von Rosenberg, die einst die Herrschaft über Niederstetten innehatten, insbesondere das des „Reformators“ von Niederstetten, Friedrich Zeisolf II. (1526–1576). Spätgotische Schnitzfiguren, die ursprünglich wohl in einem anderen Zusammenhang standen, sind nun über die ganze Kirche verteilt, darunter Skulpturen der heiligen Katharina, Maria Magdalena, des Erzengels Michael und eines Gnadenstuhls. In der Nische einer noch sichtbaren zugemauerten Eingangstür auf der Nordseite findet sich Jakobus, der Schutzheilige der Kirche, mit Wanderstab, Brustbeutel und Jakobsmuschel am Pilgerhut, Hinweis auf eine Verbindung mit der Tradition der Jakobuspilgerschaft. Mit einer Gedenktafel wird an den Mut und das Schicksal des früheren (1929–1934) Niederstetter Pfarrers Hermann Umfrid (1892–1934) erinnert.
Orgel: Über dem Altar, an exponierter Stelle für die Gemeinde blickt man auf einen aufwendigen barocken Orgelprospekt von Georg Martin Gessinger mit der Inschrift: „…dieses Orgelwerk ist erbauet worden 1742“. Das heutige Orgelwerk mit 19 Registern ersetzte ein kleines pneumatisches Instrument und wurde 1963 von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link nach Plänen von Helmut Bornefeld erbaut.Information zur Orgel auf Organ index, abgerufen am 8. Mai 2024.
Literatur Peter Haag: Zu erneuerten Kirchen im Hohenloher Land. In: Schwäbische Heimat, 18. Jg., Stuttgart 1967, S. 111–124.
Ulrich Bernecker, Regine Burdinski: Unsere Kirchen – Ein Führer zu den Gotteshäusern des evangelischen Kirchenbezirks Weikersheim. (Hrsg.) Evangelisches Dekanat Weikersheim 2003, Seite 73–76.
Weblinks
Zur Geschichte der Jakobskirche in Niederstetten auf der Website der Kirchengemeinde Kirchengemeinde Niederstetten auf der Website des Kirchenbezirks Hohenlohe
Einzelnachweise
St Jakobus Jakobus Kategorie:Jakobus-der-Ältere-Kirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Erbaut in den 1780er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Bauwerk der Romanik in Baden-Württemberg