River Deep – Mountain High ist ein Lied des US-amerikanischen Musikerpaares Ike & Tina Turner. Der Titel wurde von dem Produzenten Phil Spector mit Jeff Barry und Ellie Greenwich geschrieben und erschien 1966 als erste Single aus dem gleichnamigen Album des Musikduos. Kommerziell vor allem in Europa erfolgreich, gilt das Musikstück als Höhepunkt der von Spector entwickelten Wall-of-Sound-Produktionstechnik sowie als eine der besten Gesangsleistungen Turners.

Vorgeschichte mini|hochkant|Phil Spector (1965) Nachdem der Musikproduzent Phil Spector einen Auftritt von Ike & Tina Turner in einem Klub auf dem Sunset Strip gesehen hatte, lud er das Duo ein, Teil des Konzertfilms The Big T.N.T. Show zu sein. Spector war beeindruckt von Tina Turner und wollte ihre Stimme mit The Wrecking Crew und seiner charakteristischen Wall-of-Sound-Technik aufnehmen. Er besuchte Ike Turner zuhause und bat ihn darum, seine Frau allein produzieren zu dürfen. Turner willigte unter der Bedingung ein, dass auf dem Plattencover Ike & Tina Turner stünde.Mick Brown: Tearing Down the Wall of Sound: The Rise and Fall of Phil Spector. A&C Black, London 2012, ISBN 978-1-4088-1950-0, S. 209 (englisch). Weil die beiden bei Loma Records unter Vertrag standen, bot Spector dem Plattenboss und Manager des Duos, Bob Krasnow, eine Ablöse von 20.000 Dollar. In der Folge unterschrieben Ike & Tina Turner einen Plattenvertrag bei Spectors Philles Records.Philips (sic!) Signs & Ike & Tina Turner. In: Cash Box. Ausgabe vom 23. April 1966, S. 45 (englisch).

Produktion Der erste Titel, den Tina Turner im Frühling 1966 für Philles Records in den Gold Star Studios aufnehmen ließ, war River Deep – Mountain High. Das von Phil Spector mithilfe des Ehepaares Jeff Barry und Ellie Greenwich komponierte und getextete Musikstück kostete die damalige Rekordsumme von 22.000 DollarMark Bego: Tina Turner: Break Every Rule. Rowman & Littlefield, Lanham 2005, ISBN 978-1-58979-253-1, S. 82 ff. (englisch). und erforderte den Einsatz von 21 Studiomusikern.

Nach mehreren Proben und zwei Sessions, in denen die Musiker einen Backing-Track erarbeitet hatten, fand sich Turner am 7. März erstmals im Studio ein, konnte Spector mit ihrem Gesang aber nicht überzeugen. In der folgenden Woche kehrte sie in Begleitung von Ike zurück.Mick Brown: Tearing Down the Wall of Sound: The Rise and Fall of Phil Spector. A&C Black, London 2012, ISBN 978-1-4088-1950-0, S. 211–212 (englisch). Spector, der für seinen Perfektionismus und bisweilen tyrannische Umgangsformen bekannt war, ließ Turner den Song zahlreiche Male und stundenlang einsingen, bis er sich mit den Aufnahmen zufrieden zeigte. Die Sängerin erinnerte sich später an die mühsame Erfahrung:

Als Studiomusiker der Wrecking Crew waren an der Aufnahme unter anderem Glen Campbell an der Gitarre, Leon Russell am Keyboard und Earl Palmer am Schlagzeug beteiligt. Clydie King und Darlene Love sind als Teil des Hintergrund-Chores zu hören. Während seiner Laudatio anlässlich der Aufnahme von Ike & Tina Turner in die Rock and Roll Hall of Fame erzählte Spector 1991, er habe Ike eingeladen, auf dem Track Gitarre zu spielen, dieser sei aber angesichts der Anwesenheit derart vieler Musiker überfordert gewesen und habe letztlich auf eine Mitwirkung verzichtet. Beach-Boys-Mastermind Brian Wilson soll als völlig gebannter Zuseher im Studio gewesen sein und kein Wort gesagt haben.

Die Aufnahme wurde 1993 für das Biopic Tina – What’s Love Got to Do with It? mit Angela Bassett als Tina Turner dramatisiert.

Rezeption Der Titel erhielt bereits bei seiner Veröffentlichung hervorragende Kritiken. Im Billboard Magazine hieß es, die „aufregende Tanzbeat-Produktion“ würde „Tinas heulenden Gesang in einer soliden Rocknummer unterstützen“.Spotlight Singles – Top 60. In: Billboard, Ausgabe vom 21. Mai 1966, S. 18. Online-PDF (englisch). Die Zeitschrift Record World sagte voraus, dass River Deep – Mountain High in Zukunft als „klassischer Phil-Spector-Titel“ wahrgenommen werden würde.Single Picks of the Week. In: Record World, Ausgabe vom 14. Mai 1966, S. 1 (englisch). Anlässlich der Wiederveröffentlichung 1969 nannte dieselbe Publikation das Lied „die vielleicht größte Single aller Zeiten“.Single Reviews – Four Star **** Picks. In: Record World, Ausgabe vom 11. Oktober 1969, S. 8. Online-PDF (englisch). Kommerziell blieb der Titel hinter den Erwartungen zurück. In den Billboard Hot 100 kam er nicht über Platz 88 hinaus, woraufhin die US-Albumveröffentlichung aufgeschoben wurde. Spector war von dem Misserfolg so desillusioniert, dass er sich für zwei Jahre vollständig aus dem Musikgeschäft zurückzog.Michael Billig: Rock ’n‘ Roll Jews. Syracuse University Press 2001, ISBN 978-0-8156-0705-2, S. 110 (englisch). Ike Turner vermutete rassistische Gründe hinter dem mangelnden Erfolg:

Autor Michael Billig spekulierte, dass River Deep – Mountain High entgegen dem Erfolg früherer Songs, die schwarzen Gesang mit einem weißen Pop-Sound gemischt hatten, nicht dem Zeitgeist der schwarzen Politbewegung 1966 entsprach, die Afroamerikaner dazu ermutigte, ihre eigene Kultur zu zelebrieren. In Europa erschien die Single bei London Records, war Nummer eins in Spanien und erreichte Platz drei im Vereinigten Königreich. Dort wurde sie 2023 mit einer Goldenen Schallplatte für 400.000 verkaufte Einheiten ausgezeichnet.

1999 wurde der Song in die Grammy Hall of Fame aufgenommen, die Rock and Roll Hall of Fame listete ihn als einen der 500 Songs That Shaped Rock and Roll. 2004 reihte der Rolling Stone den Titel auf Platz 33 seiner 500 besten Songs aller Zeiten. In einer ähnlichen Auflistung des NME belegte das Lied Platz 37. George Harrison lobte den Titel in den höchsten Tönen und nannte ihn eine „perfekte Platte von Anfang bis Ende“, die man nicht verbessern könne.Richard Williams: Phil Spector: Out of His Head. Omnibus Press, London 2003, ISBN 978-0-7119-9864-3, S. 137–138 (englisch).Mark Ribowsky: He’s a Rebel: Phil Spector – Rock and Roll’s Legendary Producer. Da Capo Press, Cambridge 2006, ISBN 978-0-306-81471-6, S. 250 (englisch).

Chartplatzierungen

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Coverversionen Eine der ersten Coverversionen des Liedes stammt von der Band Deep Purple, die 1968 für ihr zweites Studioalbum The Book of Taliesyn eine zehnminütige Progressive-Rock-Version einspielte. Ein Edit wurde im folgenden Jahr als US-Single ausgekoppelt. Ebenfalls 1968 sang Eric Burdon & The New Animals eine mit 7:23 doppelt so lange Version als Hymne an Tina Turner (auf dem Album Love Is). Zwei Jahre später spielten die Gruppen The Supremes und The Four Tops eine gemeinsame Version ein, die von Ashford & Simpson produziert wurde und auf dem Album The Magnificent 7 erschien. Mit Platz 14 in den Billboard Hot 100 kletterte die Single in den US-Charts so hoch wie keine andere Version von River Deep – Mountain High.

Céline Dion coverte den Titel mehrmals live, ehe sie ihn 1996 für ihr Album Falling into You im Studio aufnahm. Dabei ersetzte Jim Steinman Phil Spector als Produzent, woraufhin sich letzterer abfällig über seinen Nachfolger äußerte und diesen als „schlechte Kopie“ von sich selbst bezeichnete.Sean MacLeod: Phil Spector: Sound of the Sixties. Lanham, Maryland 2018, ISBN 978-1-4422-6705-3, S. 153 (englisch).

Amber Riley und Naya Rivera sangen das Lied in Episode vier, Staffel zwei, der Fernsehserie Glee und erreichten mit ihrer Aufnahme Platz 41 der Billboard Hot 100. Christina Aguilera coverte den Song 2021 im Rahmen der Aufnahmezeremonie in die Rock and Roll Hall of Fame, Beyoncé sang ihn nach Tina Turners Tod mehrmals während ihrer Renaissance World Tour.

Weblinks Liedtext bei Genius.com River Deep – Mountain High bei Secondhandsongs.com

Musikbeispiele Ike & Tina Turner: Eric Burdon & The Animals: The Supremes & Four Tops:

Einzelnachweise

Kategorie:Lied 1966 Kategorie:R&B-Song Kategorie:Soulsong Kategorie:Tina-Turner-Lied