Eileen Vartan Barker OBE FBA (geboren am 21. April 1938 in Edinburgh) ist eine britische Soziologin. Sie ist Professorin für Soziologie, emeritiertes Mitglied der London School of Economics (LSE) und Beraterin des Centre for the Study of Human Rights. Sie ist Vorsitzende und Gründerin des Informationsnetzwerks Focus on Religious Movements (INFORM) und hat Studien über Sekten und neue religiöse Bewegungen verfasst.

Leben

Akademische Laufbahn Barker, die ihren Doktortitel an der London School of Economics (LSE) erwarb, war seit 1970 in der Soziologieabteilung dieser Universität tätig.

Im Jahr 1988 beschäftigte sie sich mit Forschungen zur Erhaltung der kulturellen Identität der armenischen Diaspora. Im selben Jahr gründete sie, mit Unterstützung des Erzbischofs von Canterbury und finanzieller Hilfe des britischen Innenministeriums, das Informationsnetzwerk Focus on Religious Movements (INFORM).

Barker bekleidete im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Führungspositionen in der akademischen Religionswissenschaft. Von 1985 bis 1990 war sie Vorsitzende der Studiengruppe für Religionssoziologie der British Sociological Association. Von 1991 bis 1993 war sie Präsidentin der Society for the Scientific Study of Religion, als erste nicht-amerikanische Person in dieser Position. Von 2001 bis 2002 war sie zudem Präsidentin der Association for the Sociology of Religion.

Im Jahr 2000 wurde Barker als Offizierin des Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet. Die American Academy of Religion verlieh ihr zudem den Martin E. Marty Award für ihre Beiträge zum Verständnis von Religion.

Barker war Mitglied des Redaktionsausschusses von Cultic Studies Review, einer Fachzeitschrift, die peer-reviewte wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Nachrichten über Sekten und neue religiöse Bewegungen veröffentlichte. Später wechselte sie in den Redaktionsausschuss des International Journal of Cultic Studies, das die Cultic Studies Review im Jahr 2010 ablöste.

Politische Laufbahn Barker, ein Mitglied der Partei Liberal Democrats, kandidierte bei den Kommunalwahlen im Mai 2002 erfolglos für den Bezirk Queen's Park und im Mai 2006 ebenso erfolglos für den Bezirk Kenton. mini|Eileen Barker 1997

The Making of a Moonie Das 1984 erschienene Buch The Making of a Moonie: Choice or Brainwashing? von Eileen Barker basiert auf einer nahezu siebenjährigen Langzeitstudie über Mitglieder der Vereinigungskirche (auch informell als „Moonies“ bezeichnet) im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten.

Der Religionsökonom Laurence R. Iannaccone von der George Mason University bezeichnete das Werk als eine der umfassendsten und einflussreichsten Studien über Konversionsprozesse zu neuen religiösen Bewegungen. Eine der zentralen Erkenntnisse von Barkers Studie war, dass der Mitgliederzuwachs im Verhältnis zur Anzahl der Seminarteilnehmer sehr gering ausfiel. Demnach wurden 99,5 % der Personen, die an den Seminaren teilnahmen, nicht zu vollwertigen Mitgliedern der Organisation.

Kritik

Kritik von Margaret Singer und Janja Lalich

Die Befürworterinnen der Gehirnwäsche-Hypothese, Margaret Singer und Janja Lalich, kritisierten Barkers Ablehnung der Gehirnwäsche-Hypothese in ihrer Studie über den Konvertierungsprozess für Mitglieder der Vereinigungskirche. Singer und Lalich bezeichneten Barker in ihrem 1995 erschienenen Buch Cults in Our Midst als „Pro-Sekten-Apologetin“ und stellten fest, dass sie von der Vereinigungskirche eine Kostenerstattung für ein Buch und achtzehn Konferenzen erhalten hätte. Barker verteidigte dies, indem sie erklärte, dass die Finanzierung von ihrer Universität und einem staatlichen Zuschussrat genehmigt worden wäre und Steuergelder gespart habe.

In einem Aufsatz aus demselben Jahr wies Barker auf die finanziellen Anreize in der Anti-Sekten-Bewegung hin. Sie schrieb, dass bei der Förderung der Gehirnwäsche-Hypothese „große Geldsummen auf dem Spiel stehen“. Sie verwies darauf, dass De-Programmierer und Ausstiegsberater Zehntausende Dollar für ihre Dienste verlangen und Sachverständige wie Singer hohe Gebühren für Aussagen über Gehirnwäsche in Gerichtsverfahren erheben.

Kritik von Tom Sackville und Finanzierung von INFORM

Barkers Organisation, INFORM, wurde von der Family Action Information Resource (FAIR) unter dem Vorsitz des ehemaligen konservativen Innenministers Tom Sackville kritisiert. Er kürzte 1997 die Finanzierung von INFORM durch das Innenministerium. Im Jahr 1999 wurde berichtet, dass INFORM aus Geldmangel vor der Schließung stand. Nachdem die Finanzierung im Jahr 2000 wiederhergestellt wurde, warnte Sackville, dass INFORM der Regierung schlechte Ratschläge geben könnte, und fügte hinzu: „Ich habe den Zuschuss von INFORM gestrichen und finde es absurd, dass er wieder aufgelegt wurde.“ Die Kritik an INFORM konzentrierte sich darauf, dass Barker es ablehnte, alle neuen Religionen pauschal als Sekten zu verurteilen.

Barker wies die Kritik zurück und erklärte: „Wir sind keine Sektenapologeten. Die Leute machen viel Lärm, ohne ernsthafte Nachforschungen anzustellen – so sehr, dass sie am Ende genauso unvernünftig klingen wie die Sekten, die sie angreifen.“ Sie fügte hinzu: „Ich stelle mir vor, FAIR war enttäuscht, unsere Finanzierung nicht zu erhalten.“

In einer Sammlung von Essays zu Ehren von Barker aus dem Jahr 2003 bemerkte der einflussreiche Religionswissenschaftler Bryan R. Wilson von der Universität Oxford, dass INFORM oft in der Lage sei, Angehörige zu beruhigen und „weit verbreitete Gerüchte und falsche Eindrücke, die aus Medienkommentaren stammen, zu entkräften.“ Wilson fügte hinzu, dass Barkers sozialwissenschaftliche Forschung, insbesondere ihre Arbeit über die Vereinigungskirche, maßgeblich dazu beigetragen habe, zu zeigen, dass das Konzept der Gehirnwäsche nicht in der Lage sei, den Konversionsprozess oder die hohe Austrittsrate von Mitgliedern aus neuen religiösen Bewegungen zu erklären.

Der australische Psychologe Len Oakes und der britische Psychiatrieprofessor Anthony Storr, die kritisch über Sekten, Gurus, neue religiöse Bewegungen und ihre Führer schrieben, haben Barkers Arbeit zum Konvertierungsprozess der Vereinigungskirche gelobt. Literatur

S. 282. Barker, Eileen In the Beginning: The Battle of Creationists Science against Evolutionism, article in the book edited by Roy Wallis On the Margin of Science: The Social Construction of Rejected Knowledge. Sociological Review Monograph 27, Keele, 1979, pp. 179–200 Barker, Eileen The Making of a Moonie: Choice or Brainwashing?, Blackwell Publishers, November 1984, S. 305, ISBN 0-631-13246-5  Barker, Eileen (editor) Of Gods and Men: New Religious Movements in the West Mercer University Press Macon, Georgia, USA 1984, ISBN  9780865540958 Barker, Eileen New Religious Movements: A Practical Introduction (Paperback) Bernan Press (October 1990), ISBN 978-0-11-340927-3   Barker, Eileen, On freedom: a centenary anthology, Transaction Publishers, 1997, S. 358, ISBN 978-1-000-66272-6   Barker, Eileen. New Religions, Haft Asman (Seven Heavens), A Journal for the Center for Religious Studies, Vol. 4, no. 19, translated into Persian by Baqer Talebi Darabi, Autumn 2002. Barker, Eileen "New Religious Movements" Religions and Beliefs in Britain (GCSE/A'level resource book), Craig Donnellan (ed.), Cambridge: Independence, 2005: 19–22.

Weblinks

Professor Eileen Barker page at the London School of Economics An Introduction to New Religious Movements by Eileen Barker Introducing New Religious Movements From: London School of Economics and Political Science interview (video + text) Article Review: Thus Spake the Scientist: A Comparative Account of the New Priesthood and its Organisational Bases Inform

Einzelnachweise

Kategorie:Soziologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Frau