Al-Asma’i (, dt.: „Das Gehörte“) war eine kurzlebiges arabisches literarisches und politisches Magazin, welches in zwei-wöchentlichem Rhythmus 1908 und 1909 im Mutesarriflik Jerusalem („Palestine“, damals Teil des Osmanischen Reiches) veröffentlicht wurde. Das Magazin war eine der ersten Publikationen in Palestina, die nach Aufhebung der Pressezensur in Palästina herauskamen.Neville J. Mandel: The Arabs and Zionism Before World War I. University of California Press 1976: S. 127. ISBN 978-0-520-02466-3 google books Sie wurde in Jerusalem gedruckt und vertrieben, während sich der Hauptsitz und die Redaktionsräume in Jaffa befanden.Mustafa Kabha: The Palestinian Press as Shaper of Public Opinion 1929–39. Vallentine Mitchell 2007: S. xvi. ISBN 978-0-85303-672-2 google books
Die Zeitschrift wurde von Hanna El-Issa, einem arabisch-christlichen Geschäftsmann aus Jaffa, gegründet.Benny Morris: Righteous Victims: A History of the Zionist-Arab Conflict, 1881–1998. Knopf Doubleday Publishing Group 2011: S. 106. ISBN 978-0-307-78805-4 google books Sie entstand im Zuge der Jungtürkischen Revolution (Jön Türk Devrimi) von 1908, welche die Pressezensur im Osmanischen Reich aufhob. Die Publikation war nach dem frühen arabischen Gelehrten Al-Asmaʿi (أبو سعيد عبد الملك ابن قريب الأصمعي, ʿAbd al-Malik ibn Qurayb al-Aṣmaʿī) benannt.Yuval Ben-Bassat In: Eyal Yuval, Ginio Ben-Bassat: Late Ottoman Palestine: The Period of Young Turk Rule. I.B. Tauris 2011: S. 225. ISBN 978-0-75569-304-7, DOI:10.5040/9780755693047, google books Die erste Ausgabe von Al-Asmaʿi erschien am 1. September 1908 und die letzte am 1. Februar 1909, insgesamt elf Ausgaben innerhalb von fünf Monaten.Meltem Toksoz: In: Meltem Biray, Toksöz Kolluoğlu: Cities of the Mediterranean: From the Ottomans to the Present Day. Bloomsbury publishing 2014: S. 104. ISBN 978-1-8488-5127-6, DOI:10.5040/9780755619368, google books
Al-Asmaʿi thematisierte die Probleme der palästinensischen Gesellschaft, beschrieb ihre Schwierigkeiten und Nöte und brachte ihre Forderungen zum Ausdruck. Von Anfang an lehnte Al-Asmaʿi den Zionismus ab und fürchtete ihn. Die jüdische Einwanderung nach Palästina (Alija) wurde aus der Perspektive des lokalen Patriotismus und des arabischen Nationalismus abgelehnt.Muhammad Y. Muslih: The Origins of Palestinian Nationalism. Columbia University Press 1988: S. 80. ISBN 978-0-231-06509-2 google books Die Zeitschrift kritisierte häufig die zionistischen Siedler und warf ihnen unfairen Wettbewerb mit arabischen Handwerkern und Händlern vor. Sie missbilligte die Privilegien, die diese von ausländischen Mächten erhielten, und betrachtete sie als Bedrohung für die einheimische Bevölkerung.Noha Khalaf: Les Mémoires de ʿIssa al-ʿIssa - Journaliste et intellectuel palestinien (1878–1950). KARTHALA Editions 2009: S. 56. ISBN 978-2-8111-3105-0 google books
Die Zeitschrift thematisierte auch den Kampf der arabischen Laien gegen den griechischen Klerus, welcher das Jerusalemer Orthodoxe Patriarchat dominierte – die sogenannte Arabisch-Orthodoxe Bewegung. Sie behandelte Themen, die für arabische Bauern von Interesse waren, wie etwa die landwirtschaftliche Entwicklung, und setzte sich für Frauenrechte ein, insbesondere für Frauenbildung. Die Zeitschrift wurde eingestellt, da der Inhaber Hanna El-Issa sich der Arabisch-Orthodoxen Bewegung widmete und am 12. September 1909 verstarb. Sein Bruder Yousef El-Issa und sein Cousin Issa El-Issa gründeten später, im Jahr 1911, die Zeitung Falastin, die zu einer der einflussreichsten palästinensischen Tageszeitungen wurde.
Hintergrund mini|Osmanische Lizenzgenehmigung für Al-Asmaʿi, 1908. Vor 1908 gab es in der palästinensischen Region des Osmanischen Reiches keine arabischsprachige Presse, abgesehen von einer in Jerusalem erscheinenden Gazette, welche sowohl auf Arabisch als auch auf Türkisch veröffentlicht wurde.Salim Tamari: The Great War and the Remaking of Palestine. University of California Press 2017: S. 97. ISBN 9780520291263 google books Nach der Jungtürkischen Revolution desselben Jahres, die die Pressezensur im Osmanischen Reich aufhob, erschienen jedoch fünfzehn Publikationen in Palästina.Alan Dowty: Arabs and Jews in Ottoman Palestine: Two Worlds Collide. Indiana University Press 2019: S. 184. DOI:10.2307/j.ctvbnm423, google books Viele dieser führenden Publikationen wurden von prominenten Persönlichkeiten der palästinensisch-arabisch-christlichen Gemeinde, insbesondere Mitgliedern der orthodoxen Kirche, herausgegeben oder verlegt. Al-Asmaʿi und die Zeitung Al-Quds waren mit die ersten zwei Publikationen die in Palestina 1908 entstanden.Neville J. Mandel: The Arabs and Zionism Before World War I. University of California Press 1976: S. 127. ISBN 978-0-520-02466-3: „Immediately after the Revolution, two small papers began to appear in the Mutasariflik: Al-Quds in Jerusalem and al-Asmaʿi in Jaffa.“Ami Ayalon: Reading Palestine: Printing and Literacy, 1900-1948. University of Texas Press 2010: S. 49. DOI:10.7560/705791, ISBN 978-0-292-79736-9, , google books
Gründer und Herausgeber von Al-Asmaʿi war Hanna El-ʿIssa, ein arabisch - christlicher Geschäftsmann aus Jaffa.Benny Morris: Righteous Victims: A History of the Zionist-Arab Conflict, 1881–1998. Knopf Doubleday Publishing Group 2011: S. 106. ISBN 978-0-307-78805-4 google books Er gehörte der Familie El-Issa an, die Pionierarbeit im palästinensischen Zeitungswesen geleistet hat. Hanna war der ältere Bruder von Yousef El-ʿIssa und Cousin von Issa El-ʿIssa, den Gründern von Falastin (1911), welche eine der einflussreichsten palästinischen Tageszeitungen wurde. Hanna schrieb auch für die in Jerusalem ansässige Zeitung Al-Quds, die Jurji Habib Hannania gehörte und deren Druckmaschinen er für den Druck der Zeitschrift nutzte. Al-Asmaʿi wurde also in Jerusalem gedruckt und vertrieben, hatte aber den Hauptsitz und seine Büros in Jaffa.
Die erste Ausgabe erschien am 1. September 1908, die letzte am 1. Februar 1909. Die Zeitschrift erschien alle zwei Wochen und umfasste elf Ausgaben innerhalb von fünf Monaten. Neben Hanna El-Issa schlossen sich ihm zeitweise Autoren wie Khalil as-Sakakini, Isaaf Nashashibi und Mananah Sidawi an.Mustafa Kabha: The Palestinian Press as Shaper of Public Opinion 1929–39. Vallentine Mitchell 2007: S. XVI. ISBN 978-0-85303-672-2 google books Sakakini erwähnt die Zeitschrift häufig in seinen Memoiren; so heißt es beispielsweise in einem Eintrag von 1908: „Ich wusch mich und trieb Sport, und nach dem Frühstück setzte ich mich an meinen Schreibtisch, rauchte meine Wasserpfeife und korrigierte die Entwürfe für al-Asmaʿi“ („I washed and exercised, and after breakfast I sat at my desk, smoked my nargilah and proofread the drafts for al-Asmaʿi.“)
Politische Positionen mini|Porträt von Khalil as-Sakakini, einem der Autoren von Al-Asmaʿi, Jerusalem 1906.
Arabisch-Orthodoxe Bewegung Die Arabisch-Orthodoxe Bewegung ist eine politische und soziale Bewegung, die seit dem späten 19. Jahrhundert besteht und die Arabisierung des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem anstrebt. Dieses Patriarchat hat die Jurisdiktion über die orthodoxen Gemeinden in Palästina und Transjordanien, denen die meisten Christen dort angehören.Itamar Katz, Ruth Kark: The Greek Orthodox Patriarchate of Jerusalem and Its Congregation: Dissent over Real Estate. In: International Journal of Middle East Studies. vol. 37, is. 4. Cambridge University Press 4. November 2005: S. 509–534, , DOI:10.1017/S0020743805052189 s2cid=159569868 Die beiden Herausgeber El-ʿIssa und Sakakini waren arabische Christen, Mitglieder der orthodoxen Kirche und aktive Persönlichkeiten der Bewegung, über welche sie häufig in der Zeitschrift berichteten.
Opposition gegen den Zionismus Al-Asmaʿi war von Anfang an gegen den Zionismus eingestellt und lehnte die jüdische Einwanderung nach Palästina aus einer Perspektive des Lokalpatriotismus und des arabischen Nationalismus ab.Muhammad Y. Muslih: The Origins of Palestinian Nationalism. Columbia University Press 1988. „In Palestine and elsewhere, the Arabic newspapers reflected strong aversion to and fear of Zionism, particularly after the counterrevolution of April 13, 1909, which deposed Sultan Abdulhamid and brought to power a government controlled by the CUP. Four newspapers—al-Asmaʿi and al-Karmil of Palestine, al-Muqtabas of Damascus, and al-Mufid of Beirut—are good representatives of the four trends outlined above.“ Der Gelehrte Neville J. Mandel sah darin frühe antizionistische Tendenzen und schrieb: „Damit waren sie ihren Lesern voraus, manchmal sogar weit voraus“ („In so doing, they were in advance, sometimes very much in advance, of their readers“).
Die Zeitschrift kritisierte die zionistischen Siedler häufig und warf ihnen unlauteren Wettbewerb mit arabischen Handwerkern und Händlern vor. Sie missbilligte die Privilegien, die diese von ausländischen Mächten genossen, und betrachtete sie als Bedrohung für die einheimische Bevölkerung.Wael Abdelal: From the Mosque to Satellite Broadcasting: A Historical Perspective of Hamas Media Strategy. PhD in Politics. University of Exeter 1. März 2012: S. 46. proquest.com „The Al-Asmaʿi frequently criticised the Zionist settlers and showed resentment, in particular, of the privileges that foreign immigrants enjoyed under legal concessions granted by the Ottoman Empire.“ Die Argumentation lautete, dass die ausländische Staatsbürgerschaft den Siedler Steuerbefreiungen einbrachte und ihre europäischen Fähigkeiten und ihre europäische Kultur ihnen weitere Vorteile verschafften.Benny Morris: Righteous Victims: A History of the Zionist-Arab Conflict, 1881–1998. Knopf Doubleday Publishing Group 2011: S. 116–117. ISBN 978-0-307-78805-4 google books „Al Asmaʿi, founded by a Jaffa businessman, Hanna ʿAbdallah al-ʿIsa, accused the Zionists of unfair competition with Arab traders and craftsmen, as, due to their foreign citizenship, they were exempt from certain taxes; and their European culture and skills gave them other advantages.“Wael Abdelal: From the Mosque to Satellite Broadcasting: A Historical Perspective of Hamas Media Strategy. PhD in Politics. University of Exeter 1. März 2012: S. 46. proquest.com Um dem entgegenzuwirken, schlug Al-Asmaʿi verschiedene Maßnahmen vor, darunter die Bevorzugung lokal produzierter Waren gegenüber „ausländischen“, d. h. jüdischen, und die Förderung von Industrie und Handel durch wohlhabende Araber. Ein Artikel klagte über die jüdischen Einwanderer:
mini|Ansicht des muslimischen Viertels der Altstadt von Jerusalem, wo die Zeitschrift gedruckt und veröffentlicht wurde, 1910.
In einem weiteren Artikel in Al-Asmaʿi kritisierte der arabisch-muslimische Autor Isaaf Nashashibi die mangelnde Bereitschaft und das Versagen europäischer jüdischer Einwanderer, sich in ihre neue Umgebung zu integrieren oder Arabisch zu lernen – ein Thema, das in der damaligen arabischen antizionistischen Presse weit verbreitet war. Nashashibi schrieb, Juden sollten „dazu beitragen, diese [arabische] Sprache nach ihrer Zerstörung wiederzubeleben“ und forderte sie auf, „ihre Herzen von leeren Bestrebungen wie der Frage des Zionismus oder der Herrschaft über Palästina zu befreien“, da solche Hoffnungen ohnehin unerfüllbar seien. „Wenn die Juden ein gutes Leben mit uns führen wollen, sollten sie sich mit uns im Respekt vor dieser schönen Sprache vereinen… Sie sollten unseren Brüdern, den Christen, nacheifern, die Schulen gründen und diese schöne Sprache lehren.“Alan Dowty: Arabs and Jews in Ottoman Palestine: Two Worlds Collide. Indiana University Press 2019: „should help in reviving this language after its destruction,… rid their hearts of those empty aspirations like the question of Zionism or governing Palestine,… If the Jews want to live a good life with us, they should unite with us in respecting this beautiful language… They should imitate our brothers, the Christians, who are founding schools and teaching this beautiful language.“