mini|Johanneskirche in Rudersberg Die evangelische Johanneskirche steht in Rudersberg, einer Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Die Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-Schlechtbach gehört zum Kirchenbezirk Schorndorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirche ist nach Johannes dem Täufer benannt.

Geschichte mini|Blick zum Chor Erste Hinweise auf ein Gotteshaus an dieser Stelle stammen aus dem Jahr 1245: dem Stift Backnang gehörte eine Kapelle zum Heiligen Johannes in Rudersberg, die vor allem als Taufkapelle diente. 1459 bzw. erst endgültig nach der Reformation gelangte das Patronatsrecht an Württemberg.

Im 15. Jahrhundert wurde an ihrer Stelle eine größere Kirche erbaut, die jedoch im Laufe der Zeit den Anforderungen der wachsenden Bevölkerung nicht mehr genügte. Von ihr ist nur noch der Turm mit seiner Fachwerk-Glockenstube und der Glocke von 1495 erhalten. Beim Brand des Ortes 1693 wurde das Schiff in Mitleidenschaft gezogen und wohl nur unzureichend wiederherstellt, sodass 1781 der Landbaumeister Johann Adam Groß der Jüngere mit dem Neubau beauftragt wurde. Im November 1782 konnte der als QuerkircheUlrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 177, 181f, 250, 255, 312 – ISBN 978-3-95505-592-9. mit Dreiseiten-Emporen konzipierte Saalbau in schlichtem Spätbarockstil eingeweiht werden. mini|Orgel auf der Ostempore, Altar in der Mitte (vor 1957) 1957 wurde die Kirche vom Schorndorfer Architekt Peter Haag (1913–1974) grundlegend erneuert, dabei wurde die Orgel von der Ost- auf die Westempore versetzt, der Altar aus der Mitte des Raumes in den Chorraum verlegt und das Gestühl nach Osten neu ausgerichtet. „Leider wurde der Raum in jüngster Zeit unter Verkennung seiner Besonderheiten in einen Längsraum umgestaltet“, bemerkte dazu 1973 der Bauhistoriker und Architekt Walther-Gerd Fleck.Walther-Gerd Fleck; Lutherkirche Fellbach; Selbstverlag der Lutherkirche, Fellbach o. J. , S. 16.

1974 folgten eine Außen-, 1982 eine Innen- und 1986–89 eine Turmrenovierung, bei der das Fachwerk des Turmes freigelegt wurde.

Die Kirche misst 30 Meter in der Länge und 15,5 Meter in der Breite; ihre Innenhöhe beträgt rund 12 Meter, der Turm erreicht eine Höhe von 35 Metern.

Ausstattung

Altarkreuz Der Strümpfelbacher Bildhauer Karl Ulrich Nuss schuf 1980 in Bronze die Leuchter und das Altarkreuz.Mechthild Friz, Jürgen Schempp: Begegnen – Entdecken - Verstehen. 225 Jahre Johanneskirche Rudersberg; hrsg. Ev. Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-Schlechtbach; Rudersberg/Beinstein 2007. Es ist mit einem Weinstock bewachsen, der symbolisch auf Johannes 15 verweist: Christus als der Weinstock, aus dessen Opferfrucht Leben erwächst.

Figur des Johannes Die Figur des Täufers aus dem 18. Jahrhundert war ursprünglich Teil der Kanzel. Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung wurde sie 1982 restauriert und erhielt einen neuen Platz nahe der Kanzel. Johannes zeigt mit dem Kreuzstab und der ziegelroten Fahne auf Altar und Kanzel; zu seinen Füßen liegt ein Lamm als Symbol des Lamm Gottes.

Fenster Noch für die ursprüngliche Raumgestalt schuf der Stuttgarter Künstler Walter Kohler 1930 im Kanzelbereich drei Südfenster (Taufe Jesu, Segnung der Kinder, Gleichnis vom verlorenen Sohn).Eugen Stöffler: Bilderbote; hrsg. Ev. Preßverband für Deutschland, Berlin, September 1933 und Oktober 1936. Nach dem Umbau gestaltete der Schorndorfer Künstler Werner Oberle 1959 die drei Fenster der neuen Altarwand (Johannes, Christus, Passion).

Orgel mini|Link-Orgel von 1907 auf der Westempore nach der Restaurierung 1788 errichtete der Orgelbauer Georg Ludwig Koch aus Oberboihingen eine Orgel über dem Altar mit 15 Registern auf 1 Manual und Pedal, die im Laufe der Zeit mehrfach repariert wurde.

1907 erbaute die Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link eine neue Orgel im romantischen Stil. Das pneumatische Kegelladen-Instrument verfügt über 16 Register auf zwei Manualen und Pedal. Im Zuge der Umbaumaßnahmen 1958 wurde sie auf die Westempore versetzt. 1984 wurde sie durch Reinhart Tzschöckel umgebaut. Eine umfassende Restaurierung und Rückführung in den Originalzustand, einschließlich der Überarbeitung des Jugendstil-Gehäuses, erfolgte 2009 durch die Firma Mühleisen.

Disposition der Orgel Die Disposition der Orgel lautet: I. Hauptwerk 1.Bordun16'2.Prinzipal8'3.Gamba8'4.Doppelgedeckt8'5.Flauto amabile8'6.Oktav4'7.Mixtur 4 fach2 2/3'II. Hauptwerk 8.Geigenprinzipal8'9.Lieblich gedeckt8'10.Salicional8'11.Aeoline8'12.Voix céleste8'13.Traversflöte4'Pedal 14.Subbass16'15.Violonbass16'16.Oktavbass8'

Glocken Das oberste Geschoss des Kirchturms beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl mit drei Kirchenglocken.

Die älteste Glocke, die Marienglocke, stammt aus dem Jahr 1495 und wurde von Bernhart Lachaman dem Älteren in Heilbronn gegossen. Sie entging im Gegensatz zu zwei anderen Glocken der Ablieferung im Zweiten Weltkrieg aufgrund ihres Alters. Die Marienglocke wiegt 930 kg und ist auf fis″ gestimmt. Nach dem Krieg wurden 1950 wieder zwei neue Glocken gegossen: eine 484 kg schwere Glocke (Ton a″) und eine dritte mit der Inschrift „Wachet und betet“, die 331 kg wiegt. +Übersicht der Glocken der JohanneskircheGlockeNameGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonGewichtInschriftI.MarienglockeBernhart LachamanHeilbronn1495fis''930 kg–II.Heinrich KurtzStuttgart1950a''484 kg–III.Heinrich KurtzStuttgart1950h'331 kg Wachet und betet

Weblinks

ausführliche Beschreibung der Kirche auf der Website der Kirchengemeinde Kirchbaudatenblatt

Literatur Adolf Schahl: Die Kirche von Rudersberg. In: Remstal 32; 1973, S. 39 f. Die Johanneskirche in Rudersberg. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Rudersberg; Rudersberg 1982. Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 817–823.

Mechthild Friz, Jürgen Schempp: Begegnen – Entdecken - Verstehen. 225 Jahre Johanneskirche Rudersberg. (Hrsg.) Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-Schlechtbach; Rudersberg/Beinstein 2007.

Einzelnachweise

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