mini|Katharina Mevissen (2023) Katharina Mevissen (* 1991) ist eine deutsche Schriftstellerin und Kulturschaffende, die Literatur schreibt, liest, vermittelt, veranstaltet und erforscht, die man hören kann.
Leben Mevissen wurde 1991 geboren und wuchs bei Aachen auf. Sie studierte Kulturwissenschaft und transnationale Literaturwissenschaft an der Universität Bremen. Des Weiteren hat sie in Berlin die Ausbildung zur Drehbuchautorin absolviert. Bis 2017 war sie Heinrich-Böll-Studienstipendiatin. Sie lebt derzeit in Berlin und arbeitet als freie Autorin.
2017 hat sie gemeinsam mit Franziska Winkler die freie, gebärdensprachliche Literaturinitative handverlesen gegründet. Ihre Dissertation an der FU-Berlin mit dem Titel Literarische Mündlichkeit: Archive gesprochener und performativer Literatur hat unter anderem mit dem Projekt Laute Plakate 2023 eine akustische Ausstellung hervorgebracht.
Mutters Stimmbruch
Inhalt Der Inhalt des Romans ist durch seine Struktur schwer nachzuerzählen. Er handelt von der Hauptfigur Mutter, deren Älterwerden erzählt wird. Dabei liegt der Fokus nicht auf dem körperlichen Verfall durch das Alter, sondern auf der Entwicklung und Veränderung – Mevissen nennt dies Verwandlungsgeschichte. Mutter lebt vorerst allein in einem Haus, da die Kinder bereits lange nicht mehr bei ihr wohnen. Nachdem ein Wasserrohrbruch das Haus völlig flutet, zieht Mutter aus und in eine Wohnung in die Stadt. Dort lebt sie in einer Dachgeschosswohnung. Sie geht ab und zu ins Schwimmbad, telefoniert in Telefonzellen mit zufälligen Personen und unterhält sich mit sich selbst, ihren Zähnen oder der Heizung.
Figur Mutter Mutter erlebt über den gesamten Roman eine Verwandlungsgeschichte. Als erstes ist auffällig, dass die Figur keinen klassischen Namen erhält, sondern durchweg Mutter genannt wird. Dies wird explizit: „Mutter hatte viele Namen und keiner davon lautete Mutter.“ Obwohl Mutter eine innerliche Entwicklung im Romanverlauf durchmacht, bleibt der Name gleich. Dabei hat sich Mutter von dem, was man mit der Rolle einer Mutter verbindet, weit entfernt. Katharina Mevissen hätte es nach eigener Aussage zu rund gefunden, wenn Mutter sowohl einen neuen Namen als auch eine neue Stimme erhält, da die Figur trotz Wandlung ihr altes Leben nicht völlig hinter sich lassen kann.
Mutter wird vorerst sprachlos und schweigsam eingeführt. Im Laufe des Romans wird jedoch deutlich, dass Mutter insgesamt neun Sprachen spricht (bspw. die Muttersprache, Alltagssprache). Manche Sprachen hat sie im Laufe ihres Lebens bereits verloren. Der Verlust der Sprache wird im Roman auch thematisiert, sodass sie erst krächzt, stimmlos wird und erst zum Schluss eine neue Stimme erhält.
Zudem beschäftigt sich Mutter mit ihrer Rolle, was es bedeutet Mutter zu sein und Mutter zu heißen. Dabei denkt sie über die sporadische Beziehung zu den Kindern nach. Zugleich nimmt sie vermeintlich väterliche Züge an, die aufgrund ihrer Rolle, ihres Körpers und die damit verbundenen Erwartungen nicht zusammen passen.
Werke Mevissens Anliegen ist es, Literatur zu erschaffen, die spricht und klingt.
Bücher Ich kann dich hören. Roman. Wagenbach, Berlin 2019, ISBN 978-3-8031-3306-9. Mutters Stimmbruch. Roman. Wagenbach, Berlin 2023, ISBN 978-3-8031-3355-7. Gesammeltes Schweigen. Böll, Heinrich/Otoo, Sharon Dodua, Hg., Hamburg/Berlin 2022, ISBN 978-3-9824323-0-4.
Hörspiele 2021: Ich kann dich hören. (auch Hörspielbearbeitung) Regie: Martin Zylka (Westdeutscher Rundfunk) 2021: Schlechtes Licht. Lauschorte der Stadt Bremen 2025: Mutters Stimmbruch. Gelesen von: Katharina Thalbach (speaklow, mit Unterstützung des Kulturamts der Stadt Esslingen)
Podcast
2024: Die Mutter freistellen. Literaturhaus Bremen mit Silke Behl
Auszeichnungen 2019: Kranichsteiner Literaturförderpreis 2024: Bremer Literaturförderpreis 2024: Droste-Förderpreis der Stadt Meersburg 2026: Nominierung für Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie 'Wortkunst'
Weblinks
Katharina Mevissen bei Wagenbach Website der Autorin
Einzelnachweise
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