mini|Maria-Barbara-Katharina-Kirche in Schornbach Die Maria-Barbara-Katharina-Kirche ist ein Kirchengebäude in Schornbach, einem Stadtteil von Schorndorf im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Schon seit dem Mittelalter ist es nach Maria, der Mutter Jesu und den Heiligen Katharina von Alexandrien und Barbara von Nikomedien benannt. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Schorndorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte Die Ursprünge der Kirche reichen in das Jahr 1472 zurück, als anstelle einer älteren Kapelle ein neuer Kirchenbau gestiftet wurde. Die Weihe erfolgte zu Ehren des Allmächtigen Gottes, der Jungfrau Maria sowie der heiligen Jungfrauen und Märtyrerinnen Barbara und Katharina.
Im Verlauf der Jahrhunderte wurde das Kirchengebäude mehrfach erweitert und renoviert. Besonders bedeutende Baumaßnahmen fanden nach Einführung der Reformation in Württemberg in den Jahren 1589 und 1606 mit dem Einbau der Emporen sowie 1720–1722 mit dem Umbau und der Erweiterung des Kirchenschiffs statt. Das obere Turmteil stammt aus dem Jahr 1732. Im 19. und 20. Jahrhundert folgten mehrere Instandsetzungen, darunter umfassende Maßnahmen durch Oberbaurat Heinrich Dolmetsch 1892 und 1904 (Renovierung; Erweiterung mit dem südlichen Emporentreppenturm)Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters. Stuttgart 2008, Seite 309 f. und 1913/14 durch die Architekten Reinhard Haag und P. Gaiser verschiedene An- und Umbauten. 1959–1965 leitete das Schorndorfer Architekturbüro von Peter Haag und Erwin Laichinger eine Außenrenovierung und eine Umgestaltung des Innenraums mit dem Entfernen von Emporen und einer neuen Gestühlausrichtung im Parterre.
Beschreibung mini|Blick zum Chor mit Altar und Orgel Die Saalkirche besteht aus einem krüppelwalmgedeckten Langhaus und dem 1472 errichteten Chorturm im Osten, der 1732 mit einem Geschoss aus Holzfachwerk aufgestockt wurde und unterhalb davon freigelegte Sandstein-Eckquaderung zeigt. Darauf wurde ein Pyramidendach gesetzt. Den Blick zum innen ungewöhnlich hohen Turmchor prägt ein in württembergischen Kirchen seltener schlanker und hoher Renaissance-Korbbogen. Die frühere Ausstattung mit Emporen ist nicht mehr komplett.
Ausstattung Taufbecken: Das achteckige Taufbecken mit spätgotischem Maßwerk stammt aus der Erbauungszeit um 1472.
Kanzel: An der südlichen Chorwand des mit Emporen ausgestatteten Innenraums steht - mit Treppendurchlass vom Chor - die 1606 von Melchior Gockheler, dem Schorndorfer Steinmetz und 1611 Baumeister des dortigen Stadtkirchenturms, errichtete Renaissance-Steinkanzel. Sie ist von einer Konsole mit Rollwerk und Engelsrelief getragen und im ersten Brüstungsfeld mit einer langen Inschrift versehen, die sich auf die Verkündigung des göttlichen Wortes nach dem Propheten Ezechiel bezieht.Karl Halbauer: Predigstül. Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation. In der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 452. Die anderen Brüstungsfelder sind mit Beschlagwerk gestaltet.
Altar und Kreuz: Der Altar stammt von 1732, von 1733 der Rest einer früher spiegelbildlich auch hinter dem Altar üblichen schmiedeeisernen „Altarlaube“ mit vier Blütenspitzen - so gelegentlich (1624–1750) allein im Neckar-Alb-Gebiet und im Remstal vorkommend. Der Kruzifixus wurde 1722 von Pfarrer Schumacher gestiftet.
Emporen: Spätestens 1722 war die Kirchenausstattung mit Emporen im Norden, Westen und Süden des Schiffs sowie im Chor mit dem Ergebnis der Bildung einer Querkirche abgeschlossen,Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 246, 314 – ISBN 978-3-95505-592-9. bis dann um 1960 die beiden letztgenannten ausgebaut wurden. Damit war im Chor Platz für die neue Orgel geschaffen und der Kirchenraum insgesamt heller geworden.
Gedenkkunstwerke: In der Kirche befindet sich eine Gedenktafel für Daniel Steinbock, der 1654 eine Stiftung von 1000 Gulden für kirchliche und soziale Zwecke hinterließ. Das Bild zeigt die Anbetung der Könige. Ein Glasfenster mit den Portraits der Reformatoren Martin Luther und Johannes Brenz wurde 1915 zum Gedenken an die Schultheißen-Familie Eichele gestiftet.
Vasa Sacra: Weitere Ausstattungsstücke sind ein Abendmahlskelch von 1844, eine silberne Hostiendose von 1722 und verschiedene Geräte aus einer königlichen Stiftung von 1856.
Orgel mini|Bornefeld-Orgel Die erste belegte Orgel wurde 1727 angeschafft. Eine weitere, 1895 gebaute Orgel der Firma Gebr. Link aus Giengen a. d. Brenz, war lange in Gebrauch, bevor sie durch eine neue Orgel ersetzt wurde. Die heutige zweimanualige Orgel mit 14 Registern wurde 1965 von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link nach Plänen von Helmut Bornefeld gebaut und nach dem Entfernenj der Chorempore im Turmerdgeschoss aufgestellt, 1974 erweitert und 2012 überholt.Information zur Orgel auf Organ index, abgerufen am 4. Mai 2024. Der Orgelprospekt besteht aus Holzpfeifen, die durch Tönung und Fräsung eine lebendige Wirkung erzeugen.
Glocken Die Kirche besitzt ein dreistimmiges Geläut. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1515 und wurde von Pantlion Sydler in Esslingen gegossen. Sie ist auf den Ton g' gestimmt. Zwei weitere Glocken wurden 1950 von der Gießerei Kurtz in Stuttgart hergestellt, nachdem ihre Vorgänger im Zweiten Weltkrieg abgenommen worden waren. Die Glocken erklingen in den Tönen b' und c''. Eine vierte Glocke im Ton es'' wird als wünschenswerte Ergänzung des Geläuts diskutiert. +ÜbersichtGlockeGießerGussortGussjahrSchlagton1Pantlion SydlerEsslingen1515g'2KurtzStuttgart1950b'3KurtzStuttgart1950c'
Literatur
Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band II. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 1020–1030
Weblinks
Informationen zur Kirche auf der Website der Kirchengemeinde Schornbach, Buhlbronn und Mannshaupten
Einzelnachweise
MariaBarbaraKatharinaKirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Erbaut in den 1470er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Marienkirche Kategorie:Katharina-von-Alexandrien-Kirche Kategorie:Barbarakirche Kategorie:Kirchengebäude in Schorndorf