Paul Ernst Max Martell geb. Neumann (* 21. August 1879 in Berlin; † 14. April 1934 ebenda) war ein deutscher journalistischer Schriftsteller und Redakteur.

Leben Der als Sohn des Klempners Wilhelm Neumann geborene MartellStandesamt Berlin VII a, Geburtsregister 4219/1879 mit nachträglichem Vermerk der Namensänderung. studierte an den Universitäten Berlin und Tübingen, an der Königlichen Technischen Hochschule Charlottenburg sowie der Bergakademie Berlin.Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Zeitgenossenlexikon. Berlin 1935, S. 1029; . 1912 wurde er an der Tübinger staatswissenschaftlichen Fakultät mit einer Arbeit über Salzhandel, Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert promoviert.

Nach kurzzeitiger Tätigkeit als Schriftleiter bei der Neuen Preußische Zeitung (Kreuzzeitung) in Berlin bis 1914 wurde Martell Leiter der Presseabteilung der DEMAG in Duisburg und wechselte 1918 in gleicher Position zu Siemens, wo er bis 1926 blieb.Helmut Marcon: 150 Jahre Promotion an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, 1984, S. 115, Nr. 366. Laut dem zeitgenössischen Personenlexikon Wer ist wer? von 1935 wirkte Martell zudem als Redakteur der Zeitschrift für praktischen Maschinenbau und der Berliner Tageszeitung Die Post.

Daneben entwickelte Martell eine rege Fachschriftstellerei auf technischem, volkswirtschaftlichen und literarischem Gebiet. Die vielfach für Fachzeitschriften verfassten Aufsätze sind meist mit Dr. P. Martell und der Ortsangabe Charlottenburg (1907 bis ca. 1912), Duisburg (1915–1918), Berlin-Johannisthal (1918 bis 1932) bzw. Berlin-Halensee (um 1913 bis 1915 und nach 1932) signiert.

Um seine vielen populärwissenschaftlichen Aufsätze den Verlagen anzudienen, nutzte Martell Postkartenvordrucke: Sehr geehrter Herr Schriftleiter! Darf ich mir die Anfrage erlauben, ob Sie an einem für Ihre Leserschaft sicher beachtenswerten Aufsatz … Interesse haben. Ich wäre bereit, Ihnen den Aufsatz zur Prüfung zu übersenden, und erwarte gegebenenfalls Ihre geschätzte Mitteilung.NL Klein: 136 „Deutsche Zukunft“, Karte (Eingang), von P. Martell, Berlin, 03.01.1934 (1 Bl., mschr.).; Bl. 15r-15v., vom 24. Januar 1934, Bl. 17r-17v und vom 30. Januar 1934, Bl. 19r-19v. Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Häufig publizierte Martell ein und denselben Stoff mehrfach. Der Zweitabdruck des zunächst im Oktober 1915 im Archiv für Fischereigeschichte erschienenen Aufsatzes Zur Geschichte der Perlenfischerei in Sachsen nunmehr in Heft 11/12 1915 der Mitteilungen des Landesvereins sächsischer Heimatschutz veranlasste Rudolph Zaunick in einer Literaturanzeige zu der kritischen Bemerkung, „daß der Duisburger‚Schriftsteller‘ sein bereits … veröffentlichtes Feuilleton noch einmal, wohl pecuniae causa, hier abdrucken läßt“.Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, 1917, 16, S. 355. Dies hielt Martell jedoch nicht von einer weiteren Veröffentlichung ab, diesmal in einer Beilage der Dresdner Neuesten Nachrichten.Siehe: Werke (Auswahl).

Als Martell kurz darauf mit einem Aufsatz über Deutsche Städtenamen in Erscheinung trat, kolportierte der Wissenschaftshistoriker Zaunick, ohne das ganze Ausmaß dessen gewerbsmäßigen Schriftstellertums zu erahnen: „Also auch auf onomatologischem Felde tummelt der ‚Schriftsteller‘ Martell seine nimmer rastende Feder. Man bekommt geradezu Respekt vor seinem polyhistorischen Ingenium. Über alles weiß Martell zu schreiben, sei es über die Einrichtung eines Lazarettzuges oder über die Geschichte der Perlenfischerei im Vogtlande oder über die Geschichte der Leuchttürme oder usw. usw. Diesmal sind es die deutschen Städtenamen, die von Martell tiefgründig beehrt werden. Wie nur Redaktionen von wissenschaftlichen Zeitschriften jetzt immer mehr zu ‚Ersatz‘ greifen!“Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, 1918, 17, S. 102.

Harsche Kritik musste sich Martell auch vom Berliner Musikschriftsteller Hanns/John Gutman (1902–1992) gefallen lassen, der ihn 1930 in der Musikzeitschrift Melos als „Barden mit der Gefühlsleier im Arm“ verhöhnte. Am mehrfach abgedruckten Aufsatz über die Berliner Liederschule rügte er die nationale Überheblichkeit, die schmalzigen Phrasen und das verlogene Pathos des Autors und kritisierte: Ich schweige von den sachlichen Irrtümern; ich betone den Stil und die biedere Heldenbrust, der er sich so markig entringt. Ein Stil übrigens, dessen jeder anständige Kaufmann sich schämen würde.Hanns Gutman: Zeitschau. In: Melos, 1930, 9, S. 142; .

Familie 1905 heiratete Paul Neumann/Martell in Berlin-Charlottenburg Hubertine Gertrud Elisabeth Erkens (1869–1949), am 2. Mai 1906 wurde der Sohn Albert Paul Herbert († 16. Mai 1974), 1908 der Sohn Helmut Otfried Heinz geboren.

Durch Verfügung des Berliner Polizeipräsidiums vom 21. Januar 1911 wurde Paul Neumann und seinen Familienangehörigen gestattet, den Familiennamen Martell zu führen.

Werke (Auswahl)

Bis 1909 Die Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau zu Berlin. In: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, 1906, 58, Nr. 52, S. 737; kobv.de/opus4-btu (PDF; 39 MB). Zugleich in: Schweizerische Techniker-Zeitung, 1907, 4, Nr. 5, S. 65–67 (books.google.de). Zur Geschichte des Tiroler Bergbaues. In: Glückauf, 1907, 43, Nr. 34, S. 1079–1081. Die Kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München. In: Archiv für Buchgewerbe, 1907, 44, Heft 8, S. 323–326. Zur Geschichte des schwedischen Hüttenwesen. In: Österreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1908, 56, Nr. 13, S. 153–160 (books.google.de). Die Papierindustrie in Japan. In: Wochenblatt Papierfabrikation, 1908, 39, Nr. 36, S. 3029–3032, Nr. 39, S. 3272–3276; zugleich in: Asien, 1912/1913, 12, S. 4–6, 21–24, 57 f. (sub.uni-hamburg.de). Das Lehrlingswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In: Zeitschrift für Socialwissenschaft, 1908, 11, S. 304–308 (books.google.de); zugleich in: Arbeit und Beruf, 1927, 6, S. 93. Die K. und K. Hofbibliothek zu Wien. In: Archiv für Buchgewerbe, 1908, 45, S. 20–24. Japanische Bronzen. In: Technische Rundschau, Wochenbeilage zum Berliner Tageblatt, 24. März 1909, S. 161; zugleich in: Gießerei, 1925, 12, S. 33–35. Die Königl. Musikinstrumenten-Sammlung zu Berlin. In: Musikalisches Wochenblatt, 1909, 40, S. 320–322 (books.google.de). Das Liszt-Museum in Weimar. In: Musikalisches Wochenblatt, 1909, 40, S. 419–422 (books.google.de). Die Eisenbahnen in Japan. In: Asien. 1909, 9, S. 1 f. (online). Der Bergbau in Serbien. In: Zeitschrift des Zentralverbandes der Bergbau-Betriebsleiter Österreichs, 1909, 7, S. 61–65. Fortbildung der Bergarbeiter. In: Zeitschrift des Zentralverbandes der Bergbau-Betriebsleiter Österreichs, 1909, 7, Nr. 11. Zur Geschichte des Bergbaues in der Schweiz. In: Bergbau, 1909, 22, Nr. 42, S. 521–523, Nr. 43, S. 533 f.; zugleich in: Zeitschrift des Zentralverbandes der Bergbau-Betriebsleiter Österreichs, 1909, 7, Nr. 16, S. 292–294. Der Kohlenbergbau in Britisch-Indien. In: Zeitschrift des Zentralverbandes der Bergbau-Betriebsleiter Österreichs, 1909, 7, S. 183–186. Die Quebrachoindustrie in Argentinien und Paraguay. In: Deutsche Gerberzeitung, 1909, 52, Nr. 4. Geschichte der Greifswalder Universitäts-Bibliothek. In: Greifswalder Universitäts-Kalender, Wintersemester 1909/10, S. 35–42. Norddeutsche Universitätsbibliotheken. In: Archiv für Buchgewerbe, 1909, 46, S. 47–54 (books.google.de). Mitteldeutsche Universitätsbibliotheken. In: Archiv für Buchgewerbe 46 (1909), S. 82–87 (books.google.de) und 110–115 (books.google.de). Süddeutsche Universitätsbibliotheken. In: Archiv für Buchgewerbe, 1909, 46, S. 143–147 (books.google.de).

1910 bis 1919 Geschichte der Papierindustrie (Preußen) – zur Geschichte d. Papierindustrie in Schlesien. In: Wochenblatt für Papierfabrikation, 1910, 41, Nr. 49, S. 4422–4424; 50., S. 4530–4532. Historische Musikinstrumente. In: Neue Zeitschrift für Musik, 1910, 77, S. 259–260, S. 271–273. Zur Geschichte der Edelsteinindustrie in Baden. In: Deutsche Goldschmiede-Zeitung, 1910, 13, S. 166–169 (books.google.de). Zur Geschichte der Goldschmiedekunst in Frankreich. In: Deutsche Goldschmiede-Zeitung, 1910, 13, S. 229–231 (books.google.de). Zur Geschichte der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München. In: Der Sammler 1910, Nr. 92, S. 3 f. Zur Geschichte der deutschen Leuchttürme. In: Schiffbau, 1911, 13, Heft 9, S. 368–372; zugleich in: Mittheilungen des deutschen Seefischereivereins, 1917, 33, S. 37; in: Marine-Rundschau, 1925, Nr. 10. Das Hüttenwesen im Königreich Sachsen. In: Zentralblatt der Hütten- und Walzwerke, 1911, 17, S. 209–210; zugleich in: Sächsische Industrie, 1912, 8, S. 279–281. Zur Geschichte des Bergbaues in Belgien. In: Zeitschrift des Zentralverbandes der Bergbau-Betriebsleiter Österreichs, 1911, 9, Nr. 21, S. 455–459. Zugleich in: Glasers Annalen für Gewerbe- und Bauwesen, 15. September 1911; in: Photographisches Wochenblatt. 1913, 39, S. 284–289; in: Ostdeutsche Bau-Zeitung 1915, Nr. 80, S. 137–139; in: Photographische Rundschau und Mitteilungen, 1916, 53, S. 105–108 (books.google.de). Die strategische Bedeutung des Suezkanals. In: Weltverkehr – Zeitschrift für Weltverkehrswissenschaft und Weltverkehrs-Politik, 1911, Nr. 2, S. 77–79. Der kgl. botanische Garten zu Berlin. In: Österreichische Garten-Zeitung, 1911, 6, S. 426–435 (books.google.de); zugleich in: Zeitschrift für Obst- und Gartenbau, 1913, 39, S. 171, S. 183. Das königlich botanische Museum zu Berlin. In: Die Gartenwelt, 1911, 15, No. 25, S. 347–349; ub.tu-berlin.de (PDF; 1,8 MB); zugleich in: Österreichische Botanische Zeitschrift, 1912, 62, Nr. 1, S. 30–39 (); in: Himmel und Erde, Illustrierte naturwissenschaftliche Monatsschrift der Urania (Berlin), 1913, 25, Heft 7, S. 326–331. Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert, Dissertation, Tübingen 1912 (online). Zur Geschichte der Eisengießerei im 16. Jahrhundert. In: Gießerei-Zeitung, 1912, S. 249–251.Laut Stahl und Eisen, 32, Nr. 22, S. 918 (online): "In der Hauptsache nicht einwandfreier Abdruck aus [Ludwig] Becks Geschichte des Eisens, doch ohne Quellenangabe." Zur Geschichte der Bergwirtschaft des russischen Reiches. In: Bergwirtschaftliche Mitteilungen, 1912, 3, S. 140. Ueber die Arbeiterverhältnisse in Rußlands Bergbau und Hüttenindustrie. In: Bergwirtschaftliche Mitteilungen, 1912, 3, S. 75–81. Zur Geschichte der chemischen Industrie in der Mark Brandenburg. In: Industrie, 1912, 35, S. 2–8. Der Bergbau in der Schweiz. In: Montanistische Rundschau, 1912, 4, Jg. 4, Nr. 1, S. 16–17. Amerikanische Schleifmethoden. In: Deutsche Uhrmacher-Zeitung, 36 (1912), Nr. 5, S. 72 (online), Nr. 6, S. 94 f. (online). Über Eisenrost. In: Deutsche Uhrmacher-Zeitung, 36 (1912), Nr. 23, S. 333 f. (online), Nr. 23, S. 379 f. (online), Nr. 24, S. 402 f. (online). Zur Geschichte der Frankfurter Buchbinderzunft. In: Archiv für Buchgewerbe, 1912, 49, S. 52 f. Das Verkehrswesen in Persien. In: Asien. 12 (1912/13), S. 167–170 (online). Zur Geschichte der Papierindustrie in Westfalen. In: Wochenblatt für Papierfabrikation, 1912, 43, Nr. 42, S. 3872–3874; 44., S. 4041–4043; 46., S. 4222–4224; zugleich in: Der Papier-Fabrikant 24 (1926) 40, Techn.-wiss. Teil, S. 609–613. Salzgewinnung und Salzhandel in den deutschen Kolonien Afrikas. In: Zeitschrift für Kolonialpolitik, Kolonialrecht und Kolonialwirtschaft, 1912, 14, S. 44–48 (books.google.de). Hausschwamm. In: Ostdeutsche Bauzeitung, 1912, 10, Nr. 22, S. 86 f., Nr. 23, S. 89 f.; zugleich in: Schlesisches Heim, 1925, 6, Heft 8, S. 299–302; sbc.org.pl (PDF; 2,4 MB); in: Moderne Bauformen, Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 1929, 28, Heft 9, S. 150.