Friedrich Wilhelm Hirz (* 21. Juni 1896 in Bielefeld; † unbekannt) war ein deutscher Verwaltungsbeamter, Landrat des Landkreises Jüterbog-Luckenwalde und dort in Personalunion Kreisleiter der NSDAP.
Leben Hirz war der Sohn des Kaufmanns Heinrich Hirz und der Ida Troost. Er wuchs in seinem Geburtsort Bielefeld auf und besuchte, zunächst die Vorschule und bei Beginn des Ersten Weltkriegs dann das Realgymnasium in Betzdorf an der Sieg. Hier blieb er bis April 1915 und schloss mit dem Reifezeugnis ab. Hirz konnte wegen einer Sportverletzung nicht sofort Soldat werden. Im Mai 1915 wurde er aber beim Feld-Artillerie-Regiment 22 ausgebildet, 1918 zum Leutnant der Reserve ernannt. Bis 1919 war er Mitglied beim Stahlhelm und Zeitfreiwilliger beim Freikorps Lichtschlag, dieses lag in seiner Heimatstadt Bielefeld in Garnison. Das Freikorps beteiligte sich am Kapp-Putsch und an den Kämpfen im Ruhrgebiet. Während dieser Zeit war er Mitglied beim Nationalverband Deutscher Offiziere.
Beruflich betätigte er sich beim elterlichen Manufakturgeschäft,Bericht der Handeskammer zu Bielefeld für das Jahr 1911. Handelskammer Bielefeld, Bielefeld 1911, S. 4. Reprint: Generic 2018.Karl Hohenschwert: Die Firma Heinrich Hirz. In: Eduard Schoneweg: Das Buch der Stadt Bielfeld, Hrsg. Magistrat der Stadt Bielefeld, Verlag Fischer und Koch, Bielefeld 1926, S. 577. welches er später auf Wunsch des Vaters übernehmen sollte; wurde Volontär in Celle und Frankfurt am Main. Parallel lief sein Studium der Nationalökonomie, vier Semester. Das Studium schloss Hirz nicht ab. 1922 besuchte er zwei Semester das Technikum für Textil-Industrie in Reutlingen. In dieser Stadt trat er am 12. Februar 1923 der NSDAP bei, Nr. 21.418, und wirkte zeitweise dort als Ortsgruppenleiter, auch für die Wander- und Sportabteilung für Reutlingen und Umgebung. Am 1. Mai 1923 nahm Hirz in München an einer größeren NS-Versammlung teil. Ab Herbst 1923 war Hirz wieder kurz im elterlichen Geschäft. Im Frühjahr 1924 stand die besagte Sportabteilung Reutlingen unter Anklage, wurde aber durch die DNVP-Regierung für Baden amnestiert. Erneut soll er sich bis 1925 beim Nationalverband Deutscher Offiziere betätigt haben, er gründete die Bielefelder Ortsgruppe. Die Firma der Eltern führte weiterhin der Vater. So konnte Friedrich Wilhelm Hirz in die Heimat seiner Frau Gertrud Mylius nach Neumarkt bei Jüterbog ziehen, die Heirat fand 1928 statt. Das Ehepaar hatte vier Töchter. In der Nähe von Jüterbog, auf dem Quellenhof, gründete Hirz eine Geflügelfarm und erwarb 80 Morgen als Fläche für den Hof.
Zum 1. September 1931 trat Hirz der neu gegründeten NSDAP bei (Mitgliedsnummer 666.356)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/15891379 und wurde am 1. August des gleichen Jahres Kreisleiter für die Region Jüterbog-Luckenwalde, seine Frau wurde später ebenso Mitglied der NS-Partei.1932 Wahlvorschlag Pos. 29. In: Amtsblatt der Preußischen Regierung in Potsdam, Jahrgang 1932, Sonderausgabe, Stück 18, ausgegeben, den 19. April 1932, Landeswahlvorschläge, Kreisvorschläge der NSDAP (Hitler-Bewegung), S. 124. google.de/books 1933 übte er die Funktion eines Gauinspektors für mehrere Nachbarkreise aus. Zeitweise war er ab Mitte Mai 1933 als Staatskommissar Leiter der Stadtverordnetenversammlung Luckenwalde und somit faktisch Bürgermeister; diese Stelle war unbesetzt.Schreiben vom 18. Mai 1933 von Gauleiter Schmädicke an Kurt Daluege, in: BArch. Die Bestallung erfolgte durch Erich Schmiedicke, damals mit den Geschäften des Gauleiters des Gaues Mark Brandenburg beauftragt, und konkret auf einen Schmähbrief eines Luckenwalder Arztes an Kurt Daluege wider der SPD in Luckenwalde bezogen.Dr. med H. Groth, Luckenwalde, den 6.4.1933: An das Preussische Innenministerium, Abt. Kommunalpolitik, z. Hd. Herrn Staatskommissar Daluege, Berlin, Unter den Linden 74. Bundesarchiv. Hirz wurde auch Mitglied des Provinziallandtages Brandenburg und am 26. Juni 1933 Landrat des Kreises Jüterbog-Luckenwalde,Heiko Tammena: „Unser schönes rotes Luckenwalde“. Lager, Milieu und Solidargemeinschaft der sozialistischen Arbeiterbewegung zwischen Ausgrenzung und Verstaatlichung. LIT, Münster 1999, ISBN 3-8258-4599-0, S. 328 (zugleich: Univ. Göttingen, Diss., 1999; in: Schriftenreihe der Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung, Band 3). als Nachfolger des Rudolf Usinger, in Beibehaltung seiner Funktion des NSDAP-Kreisleiter. Die Ausübung dieser Doppelfunktion im Gau Mark Brandenburg blieb lange ein Novum.Friedrich Wilhelm Hirz. In: Rolf Jehke: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945. Herdecke. Zuletzt geändert am 7. Juni 2010. Im November 1933 wurde Hirz, erfolglos ausgestattet mit einem hinteren Listenplatz, zur Reichstagswahl vorgeschlagen.Reichstagswahlvorschläge. 1933 Pos. 689, in: Amtsblatt der Preußischen Regierung in Potsdam, Jahrgang 1933, Sonderausgabe, Stück 51, Ausgegeben Potsdam, den 8. November 1933, S. 324; google.de/books Gleichzeitig übte er Druck auf jüdische Ladenbesitzer wie Leo Gottschalk aus, der im Herbst 1933 sein Salamander-Schuhgeschäft in Luckenwalde aufgab und nach Berlin zog. Mit der regionalen NSDAP unterstanden ihm auch deren Untergliederungen.Besichtigung der Standarte 206. In: Luckenwalder Umschau, In: Märkisches Tagesblatt, 4. Jahrgang, 11. April 1933.ZA II 13596. Bundesarchiv (Berlin).Schreiben SA. der N.S.A.D.P. Brigade 25. Standarte 206, Gg. Widmayr, Schönefeld, Kr. Teltow, den 2. Januar 1934, „Haus York“. In: SA-Personalaktenbestand Georg Widmayr. Bundesarchiv (Berlin). In der NSDAP-Kreisleitung war er 1934 parallel Kreispropagandaleiter. Innerhalb der Kreisbehörde übte er zugleich noch den Leiter des Versicherungsamtes aus.Werner Raddatz: Heimatkalender für den Kreis Jüterbog-Luckenwalde 1939, 2. Jahrgang, Erich W. Albrecht, Jüterbog, Luckenwalde 1939, S. 127 f. kobv.de/opus4-slbp (PDF).
1939 saß Hirz im Aufsichtsrat der Jüterbog-Luckenwalder-Kreiskleinbahnen-Gesellschaft.Adreßbuch der Direktoren und Aufsichtsräte 1939, Finanzverlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin 1939, S. 680. Diese Funktion übte er einen längeren Zeitraum aus.Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften 1944, Verlag Hoppenstedt, Berlin 1944, S. 1417. Hirz war in seiner Ämterhäufung ebenso Oberfeldführer des DRK geworden.Adressbuch der Beschaffungsbehörden. T. 2. Hrsg. Generalmajor a. D. Dr. h. c. Hugo von Abercron. Buch- und Zeitschriftenverlag E. D. Erdmenger & Co., Berlin 1940, S. 23.
Nach mehreren Reserevübungen stand er ab 1936 im Rangdienstalter eines Oberleutnants d. R. 1939 erhielt er den Dienstrang Hauptmann, ab Oktober 1940 Major.Günther Heysing: Adler gegen Falken – Dokumentation. Sonderdienste der deutschen Luftwaffe im Krieg gegen die Sowjetunion. Verlag Die Wildente, Hamburg 1967, S. 112. Zuvor fand am 20. April 1939 die Aufnahme in die SS statt mit der gleichzeitigen Ernennung zum SS-Obersturmbannführer (SS-Nummer 323.757) und der Zuteilung zum SS-Abschnitt XXIII Brandenburg-Süd. Vorausgegangen war ein Bittschreiben des II. Sturmbannes der SS-Standarte 80 durch H. Ruppel aus Jüterbog. 1944 erfolgte die Beförderung zum SS-Standartenführer. Hirz galt als sehr sportlich, er hatte alle drei Reichssportabzeichen. Während seines Fronteinsatzes als Chef einer Propaganda-Kompanie der Luftwaffe blieb die Stelle als Landrat des Kreises Jüterbog-Luckenwalde vakant und wurde nur kurz vom Großgrundbesitzer und Landschaftsrat (Ritterschaftsrat) Hans von Rochow-Stülpe ausgeübt.Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H. 1914–1945, Zweite Fortsetzung und Ergänzung 1914–1945, zusammengestellt durch Siegfried von Boehn und Wolfgang von Loebell. Hrsg. Karl von Oppen, Otto Graf Lambsdorff, Gerhard Hannemann., Selbstverlag des Vereins ehemaliger Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., Gerhard Heinrigs Druck, Köln 1969/1970; S. 59. Als SS-Führer bekam er in den Jahren die konventionellen SS-Offiziers-Utensilien, den Totenkopfring und den Julleuchter. Vom 11. November 1943 ab bis 1945 war er wieder Leiter des Landratsamt Jüterbog-Luckenwalde. Jahrelang pflegte er einen engeren Kontakt zum in Treuenbrietzen wohnhaften Altparteigenossen Fritz Tittmann, der sich bereits 1940 für einen höheren SS-Rang für Hirz einsetzte. Seine Position als Kreisleiter der NSDAP wurde mehrfach dagegen neu besetzt, zuerst an den späteren Kreisleiter in Spremberg, Hugo Schröder, dann an Bernhard Schwidrowski aus Crossen.Kreisleiter Schwidrowski beauftragt. Mit der vertretungsweisen Leitung des Kreises Jüterbog-Luckenwalde. In: Märkisches Tageblatt, Beilage zu Nr. 78, Jüterbog, Sonnabend 2. April 1944. Stadtarchiv Jüterbog. Gegen die Personalunion von Landrat und Kreisleiter wurde im Februar 1945 eine allgemeine Festlegung von Martin Bormann veröffentlicht.Peter Longerich: Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP. Rekonstruktion eines verlorengegangenen Bestandes. Band 3 (Register) / Teil 2. K. G. Saur, München 1992, ISBN 3-11-097139-9, S. 62. Hirz gehörte in der NSDAP der Sektion Gauleitung Brandenburg (Kurmark) an.
Über den Verbleib von Friedrich Wilhelm Hirz nach 1945 ist aktenkundig wenig bekannt.Friedrich Wilhelm Hirz, Neumarkt. Kreis Luckenwalde, in: 401 RdB Pdm 4052; Grundstücksangelegenheiten im Kreis Jüterbog; 1947–1958 (Akte), in: BLHA.
Literatur Handbuch für den Preußischen Landtag 1933. R. v. Decker (Nachfolger), Berlin 1933, S. 133. Taschenbuch für Verwaltungsbeamte 1939. 56. Jahrgang, Hrsg. Max Warnack, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1939, S. 200. Taschenbuch für Verwaltungsbeamte 1943. 60. Jahrgang, Hrsg. Max Warnack, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1943, S. 241. Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen. Band 5: Brandenburg. Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg (Lahn) 1975, ISBN 3-87969-109-6, S. 110. Günther Heysing: Adler gegen Falken. Dokumentation. Sonderdienste der deutschen Luftwaffe im Krieg gegen die Sowjetunion. Verlag Die Wildente, Hamburg 1967, S. 51., S. 110 ff.
Quellen NSDAP- und SS-Personalaktenbestand Friedrich Wilhelm Hirz aus dem Bundesarchiv (BArch), ehem. Berlin Document Center (BDC). I. HA. Rep. 77, Nr. 7502. Personendossiers und Materialsammlung, v. a. zu NS-Mitgliedern und -Amtsträgern sowie NS-Gegnern, Hirz, Friedrich Wilhelm u. a. 1933, GStA (Rep. 77. Nr. 5383.) Kreisausschuß (Hrsg.): Heimatkalender für den Kreis Jüterbog-Luckenwalde auf das Jahr 1934, Eigenverlag, Jüterbog 1934, S. 28. (Vita). kobv.de/opus4-slbp (PDF). SA-Personalaktenbestand Georg Widmayr (1898–1945), BArch, ehem. BDC. Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP 1944. Stand vom 9. November 1944, Nr. 1234, Hrsg. SS-Personalamt, Reichsdruckerei, Berlin 1944, S. 45. Reprint Verlag Infora Research, Vaduz 1985.
Weblinks 161 NS-Archiv ZA I 10546 A. 19; Persönliche Unterlagen des Landrats und Kreisleiters der NSDAP Jüterbog-Luckenwalde Friedrich Wilhelm Hirz, * 21.6.1896; 1937–1940 Akte. Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA).
Einzelnachweise
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