mini|hochkant=1.2|Montage der schwimmenden Offshore-Plattform vor der Küste Gazas im April 2024 mini|hochkant=1.2|Trident-Pier – schwimmenden, am Strand von Gaza verankerten Pier der US-Navy

Die Gaza-Landungsbrücke war eine schwimmende Offshore-Plattform der US-Navy zur Löschung von Hochseeschiffen (, RRDF). Sie wurde während des Krieges in Israel und Gaza seit 2023 im April 2024 von der Biden-Regierung als Komponente eines Joint-Logistics-Over-the-Shore-Projekts (JLOTS-Projekt) von den Streitkräften der Vereinigten Staaten im Mittelmeer mehrere Kilometer vor der Küste des Gazastreifens errichtet. Die geschätzten Kosten der Anlegestelle lagen bei rund 230 Millionen US-Dollar (rund 212 Millionen Euro). Sie wurde am 16. Mai 2024 in Betrieb genommen. Handelsschiffe mit großem Tiefgang, die humanitäre Hilfsgüter für die Zivilbevölkerung Gazas geladen hatten, sollten dort anlegen können. Nach dem Anlegen sollte die auf Transportpaletten befindliche Hilfsgüterlieferung gelöscht, die mit den Paletten beladenen Sattelauflieger dann von LKWs auf Leichter des US-Militärs gefahren und zum Strand von Gaza gebracht werden. Dort konnten diese Schiffe an einem schwimmenden Pier, dem Trident Pier, anlegen und die LKWs mit ihrer Ladung an Land fahren. Die Hilfsgüter sollten dort zwischengelagert und anschließend von UN-Hilfsorganisationen in das Kriegsgebiet gebracht und an die Zivilbevölkerung Gazas verteilt werden.

Die schwimmende Struktur Trident Pier brach bereits Ende Mai bei hohem Seegang auseinander, nachdem sie 10 Tage lang in Betrieb war, und musste repariert werden. Auch die ordnungsgemäße Verteilung der an Land gebrachten Güter erwies sich wegen der Zerstörung der Straßen im Gazastreifen und der chaotischen Sicherheitslage als schwierig. Am 17. Juli 2024 wurde der Betrieb der Landungsbrücke beendet.

Insgesamt war die Landungsbrücke nur zwanzig Tage lang in Betrieb,Biden ordered Gaza pier to be built despite concerns from US development agency The Guardian, 28. August 2004. und über einen Zeitraum von zwei Monaten wurden nur etwa 600 LKW-Ladungen über die Anlage an Land gebracht, weniger als der von Hilfsorganisationen geschätzte Bedarf des Gazastreifens an einem einzigen Tag.

Lage Die provisorische Hafenanlage, welche die schwimmende Gaza-Landungsbrücke auf See und den Trident Pier zum Löschen der Ladung am Strand von Gaza umfasste, lag südwestlich von Gaza-Stadt und nördlich einer Straße, welche die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) während des laufenden Gazakrieges gebaut hatten.

Zweck und Funktion

Das Konzept sah vor, dass humanitäre Hilfsgüter wie Lebensmittel, Wasser und Medikamente zunächst auf dem Luft- oder Seeweg nach Zypern gebracht, dort von Israel untersucht und anschließend mit Handelsschiffen nach Gaza gebracht werden sollten. Trotz der unmittelbaren Lage der vom israelischen Staatsgebiet umgebenen Enklave gab es an der Küste Gazas keinen Hafen, der großen Handelsschiffen einen Liegeplatz mit genügend Tiefgang bot. Auf Grund des niedrigen Fahrwassers war es diesen deshalb nicht möglich, humanitäre Hilfsgüter in größerem Umfang nach Gaza zu bringen. Das JLOTS-Projekt der US-Streitkräfte sollte dies in mehreren Schritten ermöglichen. Dazu musste zunächst auf der Gaza-Landungsbrücke, der schwimmenden Offshore-Plattform der US-Navy, das Umladen der auf Transportpaletten befindlichen Hilfsgüter auf LKWs mit Sattelauflieger erfolgen.

Die LKWs samt Ladung sollten von speziellen Leichtern – RoRo-Schiffen der US-Navy mit geringem Tiefgang, die jeweils etwa beladene 15 LKWs aufnehmen konnten – zu dem am 16. Mai 2024 fertiggestellten und am Strand verankerten, 550 m langen Trident Pier gebracht werden. Nach dem Anlegen sollten die LKWs mit ihrer Ladung von Bord fahren und diese an Land bringen, wo die geladenen Hilfsgüter bis zum Weitertransport zwischengelagert werden sollten. Nach Schätzungen des US-Militärs sollten so bis zu 90 LKW-Ladungen pro Tag an Land gebracht werden, später sollte der Umfang der Hilfslieferungen auf bis zu 150 Ladungen pro Tag erweitert werden.

Bau und örtliche Bedingungen mini|Benavidez mini|General Frank S. Besson Jr. Mehrere Schiffe des US-amerikanischen Militärs waren am Bau der Gaza-Landungsbrücke beteiligt, darunter das RoRo-Schiff USNS Benavidez, ein vom Military Sealift Command betriebenes Schiff der Bob-Hope-Klasse, die USAV General Frank S. Besson Jr., ein Logistikschiff des US-Militärs, und mehrere andere Militärschiffe, so die USAV SP4 James A. Loux (LSV-6), USAV Montorrey (LCU-2030), USAV Matamoros (LCU-2026) und die USAV Wilson Wharf (LCU-2011).Army Watercraft Depart for Gaza Port Mission, Navy Preparing East Coast Reserve Ship to Sail. 12. März 2024 Britisches Militär unterstützte den Bau logistisch.Danica Kirka: British troops may be tasked with delivering Gaza aid, BBC report says. In: Associated Press, 27. April 2024. US-amerikanische Soldaten sollten den Boden Gazas jedoch nicht betreten.

Der Trident Pier wurde ebenso wie die Gaza-Landungsbrücke von Spezialkräften des US-amerikanischen Militärs errichtet und anschließend von den israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) am Strand von Gaza verankert.Jon Gambrell: US military ships are working to build a pier for Gaza aid. It’s going to cost at least $320 million. In: Associated Press, 30. April 2024, abgerufen am 6. Mai 2024. Für die Anlieferung der Hilfsgüter aus Zypern mieteten die USA als erstes Schiff die Sagamore an.

Anfang Mai 2024 wurde bekannt, dass sich die Montage der Gaza-Landungsbrücke verzögert hatte; die Arbeitsbedingungen auf See waren wegen zu hohem Seegang für eine Fortsetzung der Montagearbeiten zu ungünstig. US-Militärschiffe schleppten die noch in Bau befindliche Offshore-Plattform in den israelischen Hafen Ashdod, wo die Montage abgeschlossen werden konnte. Nachdem der Seegang nachgelassen hatte, wurde die fertige Gaza-Landungsbrücke zum vorgesehenen Standort auf See geschleppt und dort am Meeresboden verankert.US military pauses construction of pier off Gaza due to bad weather, CNN, 1. Mai 2024

Hintergründe November 2014 schloss Israel mehrere Grenzübergänge zu Gaza. Nur noch zwei konnten genutzt werden: Der Grenzübergang in Erez im Norden Gazas war dem Personenverkehr vorbehalten, während der Grenzübergang in Kerem Schalom im Süden für den Warenumschlag genutzt wurde. Infolge des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurden beide Grenzübergänge teilweise zerstört. Der an Gazas Grenze zu Ägypten liegende Grenzübergang in Rafah war der Haupttransportweg für Hilfslieferungen.

Die schwimmende Offshore-Plattform auf See und der am Strand verankerte Trident Pier der provisorischen Hafenanlage an Gazas Küste wurden im Rahmen eines JLOTS-Projeks des US-Militärs in Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär errichtet. Die Kosten der Militäroperation, die von US-Präsident Joe Biden am 7. März 2024 im Rahmen seiner „State of the Union“-Rede als eine „Notfall“-Mission zur Ermöglichung humanitärer Hilfslieferungen angekündigt worden war, beliefen sich auf 320 Millionen US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Ankündigung war der für Gazas Norden relevante Grenzübergang in Erez noch geschlossen, so dass auf dem Landweg keine Hilfsgüter mehr in den Norden des zweigeteilten Gazastreifens zur Linderung der im Verlauf des Gazakrieges eingetretenen humanitären Katastrophe geliefert werden konnten. Erst nach Wiederöffnung des Grenzübergangs am 1. Mai 2024 konnten wieder Hilfslieferungen über diesen Grenzübergang in das Kriegsgebiet gebracht werden. Der Grenzübergang in Rafah wurde im Zuge der israelischen Rafah-Offensive am 7. Mai 2024 komplett geschlossen.

Am 17. Mai 2023 teilte das Zentralkommando der Vereinigten Staaten (CENTCOM) mit, dass im Rahmen multinationaler Anstrengungen über den vom US-amerikanischen Militär eingerichteten maritimen Korridor humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen bereitgestellt werden sollte; diese würde Spenden von Hilfsorganisationen aus verschiedenen Ländern umfassen. Am Tag zuvor waren die Arbeiten zur Verankerung des Trident-Piers am Strand von Gaza abgeschlossen worden. Obwohl der Trident Pier bereits knapp zwei Wochen nach Inbetriebnahme bei hohem Seegang auseinanderbrach, bestand die US-Regierung darauf, dass über die provisorische Hafenanlage in den Küstengewässern Gazas auch weiterhin humanitäre Hilfslieferungen für den Norden Gazas abgewickelt werden sollten, obwohl diese ab 19. Mai 2024 auch auf dem Landweg über den am 1. Mai 2024 neu geöffneten Grenzübergang in Erez erfolgten. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, erklärte: „Es war nie beabsichtigt, das zu ersetzen, was man vor Ort durch Lastwagen und die Öffnung der Grenzübergänge tun kann.“ Zweifel daran, ob die provisorische Hafenanlage der US-Armee wesentlich dazu beitrug, dass mehr Hilfslieferungen als bisher Gaza erreichten, um die humanitäre Katastrophe dort zu lindern, versuchte John Kirby zu zerstreuen: „Auf jeden Fall, und ich glaube, sie haben bisher mehr als tausend Tonnen allein von der provisorischen Anlegestelle geholt, was in Anbetracht des Wetters und der Komplexität des Vorgangs – der Stopp an mehreren Knotenpunkten, den man durchführen muss, um vom Schiff zur Anlegestelle zum LKW auf den Boden zu gelangen – immer noch ein beeindruckender Erfolg ist.“

Entwicklung Die Entwicklungen des Projekts stellen das US-Militär in Gaza vor logistische und organisatorische Herausforderungen. Sicherheitsprobleme verzögerten die Lieferung von Hilfsgütern. Das Pentagon hatte eine kontinuierliche Versorgung über die schwimmende Anlegestelle im Gazastreifen geplant. Ende Mai 2024 teilte das US-amerikanische Verteidigungsministerium mit, dass bisher nur wenig Hilfe den belagerten Streifen erreicht hätte. Erschwerend käme hinzu, dass US-Truppen nicht vor Ort sein könnten, um das begonnene Projekt zu unterstützen. Lastwagen wurden von Menschenmengen umringt und geplündert, ehe sie das Lagerhaus erreichen konnten. Das geplante Ziel, täglich 90 Lastwagen anzuliefern und schließlich auf 150 zu erhöhen, konnte nicht annähernd erreicht werden. Nach Angaben des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) sollen in der Woche nach der Eröffnung der provisorischen Hafenanlage etwa 70 LKWs die für die angelieferten Hilfsgüter an Land vorgesehenen Lagerhäuser erreicht haben.

Am 16. Mai 2024 wurden die provisorischen Hafenanlagen in Betrieb genommen, doch bereits wenige Tage danach durch hohen Seegang beschädigt und außer Betrieb gesetzt. Vier der US-Militärschiffe, die Bestandteile des schwimmenden Bauwerks waren, hatten sich aus ihrer Verankerung gelöst und waren gestrandet.Pier für Gaza-Hilfe durch hohen Seegang beschädigt, US-Militärschiffe in Aschdod gestrandet, Der Spiegel, 25. Mai 2024. Eine Pentagon-Sprecherin sagte am 28. Mai, die Anlage müsse nun aus ihrer Verankerung am Strand gelöst und wieder in den Hafen von Aschdod geschleppt werden; dort werde das US-amerikanische Militär Reparaturarbeiten von mindestens einwöchiger Dauer vornehmen. Danach werde die Landungsbrücke erneut vor der Küste Gazas verankert.

Anlandung von Hilfsgütern nach Inbetriebnahme