mini|Bellevue-Gebäude mini|Landhaus Bellevue mit seinem Nebengebäude, um 1820 mini|Plan des gesamten Anwesens hinter dem Landhaus Bellevue Das Landhaus Bellevue (französisch für Schönblick) ist ein Gebäude, das seit seiner Translozierung im Jahr 1843 von der linken auf die rechte Neckarseite an der Badstraße in Bad Cannstatt steht.

Das Landhaus wurde zusammen mit einigen Nebengebäuden wohl im Jahr 1802 „auf der ‚Belle Vue‘ bei Cannstatt“ als Türkischrot-Färberei erbaut, die der Unternehmer Wilhelm Zais dort gründete. Oskar Gerhardt schreibt darüber: „Wenn man den eigenen späteren Darlegungen des Fabrikanten Zais (in einem Schreiben vom 31. Dezember 1833, worin er dem König sein damaliges benachbartes neues Anwesen zum Kauf anbot) folgen darf, so ist die einstige ‚Bellevue‘ als die Geburtsstätte der württembergischen mechanischen Baumwollspinnerei zu betrachten.“Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod. Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Silberburg, Stuttgart 1936, S. 52.

1806, also schon vier Jahre später, verkaufte er die Färberei an den württembergischen König Friedrich, der ihm dafür 18.000 Gulden zahlte. Im königlichen Besitz wurde das Gebäude zu einem Landsitz ausgebaut.Friedrich-Franz Wauschkuhn: Die Anfänge der württembergischen Textilindustrie im Rahmen der staatlichen Gewerbepolitik 1806–1848. Dissertation, Universität Hamburg 1974, S. 72. Der Architekt Ferdinand Fischer wurde mit den Umbauplänen beauftragt.

Von der Bellevue aus führte am Anfang des 19. Jahrhunderts eine Treppe den Kahlenstein empor, die „Stuttgarter Staffel“ genannt wurde und über die man von Cannstatt nach Stuttgart gelangen konnte. Nachdem sie noch 1816 im Zuge der Gartenerweiterung der Bellevue erneuert wurde, brach man sie schon bei der Anlage des Rosensteinparks wieder ab.Ernst Eberhard Friedrich von Seyffer: Beschreibung des Königlichen Landhauses Rosenstein. J. G. Cotta, Stuttgart / Tübingen 1831, S. 20.

Zu ihrem 28. Geburtstag am 22. Mai 1816Jakob Merkle: Katharina Pawlowna Königin von Württemberg. Beiträge zu einer Lebensbeschreibung der Fürstin besonders nach neueren russischen Quellen. W. Kohlhammer, Stuttgart 1889, S. 68.Karl-Johannes Grauer: Wilhelm I. König von Württemberg. Ein Bild seines Lebens und seiner Zeit. Schwabenverlag, Stuttgart 1960, S. 121. oder schon zu ihrer Hochzeit im Januar 1816Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod. Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Silberburg, Stuttgart 1936, S. 53. schenkte der König das Landhaus mit dem darüberliegenden Park seiner Schwiegertochter Katharina Pawlowna als Sommersitz, die das Haus mit ihrem Mann, dem Kronprinzen und späteren König Wilhelm, noch im gleichen Monat bezog.Siegfried Hänle: Württembergische Lustschlösser. Band 2, Freudenthal, Solitude, Hohenheim, Bellevue und Rosenstein. Stahel’sche Buchhandlung, Würzburg 1847, S. 212.Johann Daniel Georg Memminger: Stuttgart und Ludwigsburg mit ihren Umgebungen. J. G. Cotta, Stuttgart / Tübingen 1817, S. 381. Zeitgenossen sprachen davon, dass der Lebensstil, den das Paar in dem kleinen Landhaus führte, „schlicht bürgerlich“ gewesen sei.Julius Hartmann: Chronik der Stadt Stuttgart. Greiner & Pfeiffer, Stuttgart 1886, S. 212.Paul Sauer: Reformer auf dem Königsthron. Wilhelm I. von Württemberg. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1997, S. 126, S. 142.Andrea Kittel, Gisela Hengstenberg: Königin Katharina von Württemberg (1788–1819). In: Adelheid M. von Hauff (Hrsg.): Frauen gestalten Diakonie. Band 2, Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. W. Kohlhammer, Stuttgart 2006, S. 99–119. (zur Beurteilung des Lebensstils des Königspaars in der Bellevue besonders S. 104) Nach einem Hochwasser im Mai 1817, bei dem das in der Bellevue weilende Königspaar offenbar in Lebensgefahr geriet, gaben König Wilhelm und Königin Katharina das Haus als Wohnsitz auf.Wilhelm Speidel: Giovanni Salucci, der erste Hofbaumeister König Wilhelms I. von Württemberg. Sein Leben und Schaffen. W. Kohlhammer, Stuttgart 1936, S. 45. Schon 1820 war von Abrissplänen für das Gebäude die RedeSiehe die Bemerkung im Bauprogramm des Rosenstein-Schlosses von Giovanni Salucci, abgedruckt bei Wilhelm Speidel: Giovanni Salucci, der erste Hofbaumeister König Wilhelms I. von Württemberg. Sein Leben und Schaffen. W. Kohlhammer, Stuttgart 1936, S. 106. aber auch mit seiner dritten Ehefrau Pauline hielt sich König Wilhelm in den Folgejahren immer wieder dort auf.Paul Sauer: Reformer auf dem Königsthron. Wilhelm I. von Württemberg. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1997, S. 206. Erst 1843 wurde das Landhaus abgebrochen und die Baumaterialien verkauft, um Platz für den Bau der Wilhelma zu machen; lediglich das Bellevue-Tor erinnert noch an den alten Standort des Gebäudes. Der neue Besitzer baute das Haus am anderen Neckarufer (Badstraße 42 in Cannstatt) wieder auf.Wilhelm Speidel: Giovanni Salucci, der erste Hofbaumeister König Wilhelms I. von Württemberg. Sein Leben und Schaffen. W. Kohlhammer, Stuttgart 1936, S. 39. In seinem Kaufgesuch an den König schrieb er, er wolle daraus ein „zu Kurzwecken eingerichtete[s] Privathaus“ machen, „in welchem solche chronische Kranke, die an unsrer Quelle und in unsren Bädern Hilfe suchen […], behandelt werden“.zitiert nach Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod. Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Silberburg, Stuttgart 1936, S. 55. Es ist nicht bekannt, ob diese Nutzung tatsächlich umgesetzt wurde. Sicher ist, dass das heutige Kulturdenkmal später ein Finanzamt beherbergte.Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod. Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Silberburg, Stuttgart 1936, S. 55. Der Wiederaufbau wird auf das Jahr 1847 datiert., S. 136.

Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Bad Cannstatt

Einzelnachweise

Kategorie:Versetztes Bauwerk in Stuttgart Kategorie:Erbaut in den 1800er Jahren Kategorie:Zerstört in den 1840er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1840er Jahren Kategorie:Kulturdenkmal in Stuttgart Kategorie:Bad Cannstatt Kategorie:Katharina Pawlowna