István Anhalt (* 12. April 1919 in Budapest, Ungarische Räterepublik; † 24. Februar 2012 in Kingston/Ontario) war ein ungarisch-kanadischer Komponist und Musikpädagoge.

Leben Anhalt entstammte einer jüdischen Familie aus Budapest. Er besuchte das Dániel Berzsenyi Real-Gymnázium und nahm 1936 Kompositionsstunden bei Géza Falk. Von 1937 bis 1941 studierte er an der Franz-Liszt-Musikakademie Komposition bei Zoltán Kodály. Nach dem Abschluss begann er ein Studium der türkischen Linguistik an der Katholischen Péter-Pázmány-Universität. Daneben besuchte er einen Dirigierkurs von János Ferencsik.

Ende 1942 wurde Anhalt zur Zwangsarbeit in der ungarischen Armee eingeteilt. Nach dem Beginn der systematischen Deportation der ungarischen Juden in das KZ Auschwitz flüchtete er mit Unterstützung eines katholischen Priesters und versteckte sich in Budapest bei der befreundeten Familie de Kerpely. Die Schriftstellerin Theresa de Kerpely berichtete später in ihrer Autobiographie und dem Roman A Crown for Ashes über diese Zeit.

1945 wurde Anhalt Korrepetitor an der Ungarischen Staatsoper. Da sein Vertrag nicht verlängert wurde, verließ er 1946 Budapest und ging nach Paris. Dort studierte er privat Komposition bei Nadia Boulanger und Klavier bei Soulima Stravinsky sowie am Pariser Konservatorium bei Louis Fourestier.

1949 emigrierte er mit Hilfe eines Lady Davis Fellowship nach Kanada und wurde Assistenzprofessor an der Musikabteilung der McGill University in Montreal. 1955 erhielt er die kanadische Staatsbürgerschaft. Ab Ende der 1950er Jahre arbeitete er im Electronic Music Laboratory des National Research Council of Canada, im Columbia-Princeton Electronic Music Center in New York und in den Bell Laboratories in Murray Hill in New Jersey. Von 1963 bis 1969 leitete er das Department für Musiktheorie an der McGill University und gründete dort 1964 das erste kanadische Studio für elektronische Musik, das er bis 1971 leitete. 1969 erhielt er eine Gastprofessur für Komposition an der State University of New York. Von 1971 bis 1981 leitete er das Musikdepartment an der Queen’s University in Kingston (Ontario). Unter anderem studierten William Benjamin, John Fodi, Clifford Ford, Keith Hamel, Hugh Hartwell, John Hawkins, Alan Heard, Jack Sirulnikoff und Alexander Tilley bei ihm. 1984 wurde er emeritiert. Sowohl die McGill University als auch die Queen’s University verliehen ihm einen Ehrendoktortitel. 2003 wurde er zum Officer des Order of Canada ernannt.

Die früheste überlieferte Komposition Anhalts ist das Chorwerk Ünnepek aus dem Jahr 1942. Aus der Zeit seines Studiums bei Nadia Boulanger stammen einige Stücke in neoklassischem Stil, während er sich in seiner ersten Zeit in Kanada der Dodekaphonie zuwandte. In der Zeit um 1960 entstanden elektronische Kompositionen, danach bis in die 1980er Jahre fast ausschließlich Vokalwerke. Seit den späten 1970er Jahren setzte er sich in seinen Werken auch mit seiner eigenen Biographie und seiner jüdischen Herkunft auseinander.

Werke Six Songs from Na Conxy Pan für Bariton und Klavier, 1941–47 Ünnepek für Chor, 1942 Concerto in Stilo di Handel für kleines Orchester, 1946 Capriccio für Klavier, 1946 Streichquartett, 1947 Interludium für kleines Orchester, 1950 Funeral Music für kleines Orchester 1951 L’Arc-en-Ciel, Ballett, für 2 Klaviere, 1951 Sonata für Klavier, 1951 Funeral Music für Flöte, Klarinette, Fagott, Horn, 2 Violinen, 2 Violen und 2 Celli, László Gyopár gewidmet, 1951 Three Songs of Love für dreistimmigen Frauenchor, 1951 Psalm XIX A Benediction für Bariton und Klavier, 1951 Son Scheorim für Chor und Orgel, 1951 Sonnet für Mezzosopran und Klavier, 1951 Journey of the Magi für Bariton und Klavier 1952 Trio für Klaviertrio, 1953 Sonata für Violine und Klavier, 1954 Fantasia für Klavier, 1954 The Bell Man für Chor, zwei Glocken und Orgel, 1954, 1980 Three Songs of Death für vierstimmigen gemischten Chor, 1954 Comments (Montreal Star clippings) für Alt und Klaviertrio 1954 Comments für Kontratenor, Violine, Cello und Klavier, Maureen Forrester gewidmet, 1954 Chansons d’aurore für Sopran, Flöte und Klavier 1955 Symphony, „Dedicated to the Bicentenary of Canadian Jewry“, 1958 Electronic Composition No. 1 (Sine Nomine I), 1959 Electronic Composition No. 2 (Sine Nomine II), 1959 Electronic Composition No. 3 (Birds and Bells), 1960 Electronic Composition No. 4 (On the Beach), 1961 Symphony of Modules für Orchester und Tonband 1967 Cento ‘Cantata Urbana’ für zwölf Sprecher und Tonband, 1967 Foci (various) für Sopran, Kammerensemble und Tonband, 1969 Foci für Sopran, Kammerorchester und Tonband, 1969 La Fuite für Klavier, 1974 La Tourangelle. A Musical Tableau, 1975 Winthrop, Oper, 1983 A Little Wedding Music für Sopran und Orgel, 1984 A Wedding Carol für Sopran und Orgel, 1985 Thisness, "a duo-drama" für Mezzosopran und Klavier, 1986 Simulacrum für Orchester, 1987 SparkskrapS für Orchester, 1988 Sonance•Resonance (Welche Töne?) für Orchester, 1989 Doors ... Shadows (Glenn Gould In Memory), Streichquartett, 1992 Traces (Tikkun). A Pluri-drama in One Act, 1996 Galambabmalag: The Halloween Witch and 24 Other Easy Pieces für 2 Blockflöten, 1996 Millennial Mall (Lady Diotima’s Walk), Oper, 1999 Twilight Fire (Baucis' and Philemon’s Feast) für Orchester, 2001 The Squirrel für Stimme und Klavier, 2002 The Tents of Abraham (A Mirage) für Orchester, 2004

Quellen

Universität Hamburg, Lexikon verfolgter Musikerinnen der NS-Zeit: István Anhalt

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