Tisztelet és Szabadság Párt (kurz TISZA, Respekt- und Freiheitspartei und Theiß-Partei) ist eine seit April 2021 bestehende Mitte-rechts-Partei in Ungarn. Bei der Europawahl 2024 gewann sie aus dem Stand fast 30 % der Wählerstimmen. In den Folgejahren wurde sie unter Péter Magyar zur bestimmenden oppositionellen Kraft gegen die autoritär regierende Partei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán. Bei der ungarischen Parlamentswahl am 12. April 2026 errang TISZA eine Zweidrittelmehrheit der Mandate und löste damit Fidesz nach 16 Jahren als stärkste Partei des Landes ab.

Geschichte Die Partei wurde offiziell rechtlich im April 2021 von den Geschäftsleuten Attila Szabó und Boldizsár Deák, Besitzer des lokalen Radiosenders Rádió Eger, in Eger gegründet. Nach eigenen Angaben sieht sie sich als eine Mitte-Rechts-Partei. Weiterhin gab es laut offiziellen Angaben die stellvertretende Vorsitzende Erzsébet Somodi, die 2014 auf der Liste der sozialdemokratischen Partei im VI. Bezirk in Budapest kandidierte.

Die Partei plante, bei der Parlamentswahl 2022 anzutreten, und wurde am 13. Februar 2022 für die Wahl registriert. Es sollten ursprünglich in allen 106 Wahlbezirken Kandidaten nominiert werden, jedoch wurde dann kein einziger aufgestellt und somit trat die Partei bei den Parlamentswahlen gar nicht an.

Europawahl 2024 Im März 2024 gab Péter Magyar bekannt, dass er bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2024 in Ungarn kandidieren wolle; aufgrund der Wahlfristen und Registrierungsverfahren konnte er jedoch keine eigene Partei gründen. Vor der Bekanntgabe, welcher Partei Magyar beitreten würde, gingen Meinungsforschungsinstitute wie das regierungsnahe Nézőpont-Institut davon aus, dass eine von Magyar angeführte Liste mehrere Sitze und 13 % der Stimmen gewinnen könnte. Im April wurde bekannt gegeben, dass Magyar sich Tisza anschließen würde. Er wurde zum Vizepräsidenten der Partei sowie zum Spitzenkandidaten auf der Liste von Tisza für das Europäische Parlament gewählt. Er stellte den Antrag, diese für die Europawahl 2024 und die Kommunalwahlen zu registrieren. Danach trat der Parteimitbegründer Boldizsár Deák im April 2024 aus der Partei aus.

Bei der Wahl zum EU-Parlament am 9. Juni 2024 erhielt die Partei unter der Führung von Péter Magyar 29,60 Prozent der Wählerstimmen und somit 7 Sitze. Nach der Wahl plante Péter Magyar, dass sich die Partei der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) anschließen sollte, und sie wurde am 18. Juni 2024 in diese Fraktion aufgenommen. Die kleinere ungarische Regierungspartei KDNP trat daraufhin aus der Europäischen Volkspartei (EVP) aus. Magyar nahm seinen Sitz zunächst nicht ein, was er auch während des Wahlkampfs erklärte. Er beschloss, darüber auf der Website der Partei abstimmen zu lassen: Über 75 % stimmten dafür, dass er seinen Sitz einnehmen sollte, und so wurde er einer der sieben Europaabgeordneten von Tisza.

Im Juli 2024 teilte Péter Magyar mit, dass er zum Vorsitzenden der Partei und Márk Radnai sowie Zoltán Tarr zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt worden seien. Der ehemalige Vorsitzende Attila Szabó wurde zum ehrenamtlichen Gründungspräsidenten ernannt. Im Oktober 2024 überholte Tisza als erste Partei Ungarns seit 18 Jahren die Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán knapp in zwei Wahlumfragen.Meret Baumann: Der politische Newcomer Peter Magyar treibt Ungarns Regierung vor sich her – für Viktor Orban wird es ungemütlich. In: Neue Zürcher Zeitung, 25. Oktober 2024, abgerufen am 4. Januar 2025.mini|Tisza-MdEP (außer Magyar)

Datenleck 2025 Im September 2025 wurde die App „Tisza Világ“ mit dem Ziel der Gemeinschaftsbildung eingeführt. Kaum einen Monat später berichteten Medien, dass die App gehackt wurde und die persönlichen Daten der Nutzer, die Anhänger der Partei sind, gestohlen worden seien. Laut einer Mitteilung der Tisza-Partei seien die Nutzerdaten rechtmäßig verarbeitet worden und das System sei im Rahmen einer koordinierten Geheimdienstoperation angegriffen worden. Den Medienberichten zufolge wurden die persönlichen Daten von 200.000 Unterstützern (Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Adressen) gestohlen und veröffentlicht. Nach dem Vorfall wurden Ermittlungen aufgenommen.

Parlamentswahl 2026

Im Januar 2025 forderte Magyar als Oppositionsführer vorgezogene Neuwahlen.„Ärmstes, korruptestes Land“: Oppositionsführer rechnet in Neujahrs-Video mit Orbán ab. Focus Online, abgerufen am 4. Januar 2025. Tisza konnte in den folgenden Monaten ihre Führung in den Umfragen weiter ausbauen und überholte Fidesz. Am 12. April 2026 gewann TISZA die Parlamentswahl deutlich mit 52,4 % und löste damit Fidesz nach 16 Jahren als stärkste Partei ab. Sie errang aufgrund des von Orban und der Fidesz geänderten ungarischen Wahlrechts zwei Drittel der Abgeordnetenmandate und damit eine Mehrheit, die ihr Verfassungsänderungen ermöglicht.

Programm Tisza steht in Rivalität zur ehemals regierenden rechtsautoritären Fidesz-Partei unter Viktor Orbán und lehnt dessen Konzept der „illiberalen Demokratie“ ab. Man sieht sich vor allem als Graswurzelorganisation der politischen Mitte und war an zahlreichen Anti-Korruptions-Demonstrationen gegen die Orbán-Regierung beteiligt. Deshalb unternimmt die Tisza-Regierung den Schritt, den Orbán-Staat zu demontieren und versucht gleichzeitig, dessen in Ungarn entstandene illiberale Demokratie an ein Ende zu bringen. Das zeigt sich beispielsweise am Versuch, den Staat von Orbán-Loyalisten zu säubern. Als Beispiel kann die erfolgte Absetzung des Orbán-nahen Präsidenten Tamás Sulyok am 20. Juli 2026 genannt werden. Innenpolitisch wird die Kontrolle der Medien durch die Regierung aufgehoben. Die Regierung versucht ebenfalls die demokratischen Defizite abzubauen. Dies zeigt sich vor allem durch die Aufhebung des Ausnahmezustandes durch die neue Tisza-Regierung am 14. Mai 2026, der 2020 vom Orbán-Kabinett im Zuge der Coronapandemie verabschiedet wurde und der Regierung Sondervollmachten gegeben hatte. Die Tisza unterstützt eine restriktive Migrationspolitik und hält die Maßnahmen, die unter der Orbán-Regierung angewandt wurden, größtenteils bei. Außenpolitisch ist jedoch zu beobachten, dass die Tisza sich wieder der EU und NATO zuwendet, die pro-russische Haltung sowohl aufgibt als auch die Blockade der Ukrainehilfen unter Orbán beendet.

Trivia Tisza ist nicht nur das Akronym des Parteinamens, sondern auch der ungarische Name des Flusses Theiß sowie des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten István Tisza (Anfang 20. Jh.).

Parteivorsitzende 23. Oktober 2020 bis 22. Juli 2024: Attila Szabó seit 22. Juli 2024: Péter Magyar

Wahlergebnisse Jahr WahlStimmen % Sitze 2024 Europawahl 2024 29,6 % 2026 Parlamentswahl 2026Listen53,2 %Wahlkreise55,3 %

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Einzelnachweise

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