Der Loch Lomond Readvance war während des ausgehenden Devensians ein letzter Kälteeinbruch im British Irish Ice Sheet. Er geht mit der Jüngeren Dryas konform und dauerte in etwa von 12.900 bis 11.700 Jahre vor heute.

Etymologie mini|hochkant=1.6|Der Llyn Idwal im Cwm Idwal in Nordwales (Snowdonia). Der See folgt dem Verlauf eines Talgletschers des Loch Lomond Stadials, dessen Endmoräne die Nordabriegelung des Sees darstellt. Der linke Weg folgt mehr oder weniger einer Seitenmoräne, sehr schöne Buckelmoränen sind im Vordergrund und auf der rechten Seeseite erkennbar.

Der Loch Lomond trägt im Schottisch-Gälischen die Bezeichnung Loch Laomainn. Das Substantiv loch bedeutet See oder auch Fjord. Laomainn ist vom gleichnamigen Berg Ben Lomond (Beinn Laomainn) abgeleitet und bedeutet Leuchtfeuer, Signalfeuer – Warnfeuer, das auf dem Berg angezündet wurde. Der Loch Lomond ist somit der „Leuchtfeuersee“. Das Englische readvance ist am besten mit „Wieder-“ oder „Neuvorstoß“ zu übersetzen. Die Eismassen begannen somit wieder erneut zu wachsen.

Typlokalität Die Typlokalität für den Loch Lomond Readvance liegt am Loch Lomond. Der Gletscher hatte am Südende des total eisbedeckten Sees neben Eskern und Buckelmoränen (engl. hummocky moraine) eine große Endmoräne (engl. terminal moraine) abgesetzt. An seinem Südostrand hinterließ er mehrere kleinere, hintereinanderliegende Moränenzüge und schuf gleichzeitig einen Eisstausee, den Lake Blane.

Geschichtliches Der Begriff Loch Lomond Readvance (abgekürzt LLR) bzw. Loch Lomond Stadial (abgekürzt LLS) ist in Irland als Nahanagan Stadial bekannt. Er geht auf J. B. Simpson zurück. Simpson hatte 1933 erstmals Moränen westlich des Tays einem Vorstoßstadium zugeordnet (so sprach er von readvance moraines) und am Südostende des Loch Lomonds die Vereisungsgrenzen dieses Stadiums etabliert. Allgemein war aber die Gegenwart von Talgletschern (engl. valley glacier) schon im 19. Jahrhundert erkannt worden, beispielsweise von J. D. Forbes im Jahr 1846, von William Jolly im Jahr 1868 in Irland und von James Geikie im Jahr 1878. Hierbei sollte es aber nur bei Beschreibungen bleiben.

Es sollte noch bis in die 1970er Jahre dauern, bis die ersten systematischen Kartierungen des Stadials durchgeführt wurden. Es war insbesondere J. Brian Sissons, der hierzu mehrere entscheidende Arbeiten beisteuerte. Seine und die Ergebnisse anderer Bearbeiter synthetisierte er in seiner Publikation von 1979, in der er die verschiedenen Geländeformen und Umweltbedingungen des Stadials mit integrierte. Ein weiterer Meilenstein war sodann die Veröffentlichung von Hannah Louise Bickerdike und Kollegen im Jahr 2016, die sämtliche geomorphologischen Informationen ins GIF-Format überführten.

Einführung mini|hochkant=1.6|Der Nordatlantikstrom bringt warme Wassermassen in hohe Breiten

Nach dem Letzteiszeitlichem Maximum zwischen 26.500 und 19.000 Jahre vor heute erlebte die Nordhemisphäre während der Jüngeren Dryas eine abrupte Abkühlung. Die Jüngere Dryas wird generell dem Zeitraum 12.900 bis 11.700 Jahre vor heute zugeordnet. In Eisbohrkernen aus Grönland fällt die Jüngere Dryas durch eine eindeutige Abnahme des Sauerstoff-Isotopensignals auf – was einer Temperaturabnahme von 9 °C entspricht. Fast überall auf der Nordhemisphäre gingen die Temperaturen drastisch zurück, aber auch die Niederschläge verringerten sich. Hiervon betroffen waren auch Nordafrika und Asien, das eigentliche Abkühlungszentrum lag aber eindeutig über dem Nordatlantik und den anliegenden Gebieten. Dennoch betrug die durchschnittliche globale Abkühlung während des LLRs nur 0,6 °C, da die starke Temperaturerniedrigung auf der Nordhemisphäre durch eine Erwärmung der Südhemisphäre konterkariert wurde. Die letztendlichen Ursachen für die jähe Abkühlung bleiben natürlich umstritten. Alles scheint aber darauf hinzudeuten, dass eine starke Beeinträchtigung des Nordatlantikstroms (AMOC) stattgefunden hatte – wahrscheinlich bedingt durch einen drastischen Zustrom von Süßwasser bzw. Schmelzwasser. Angenommen wird hierbei ein rapides endgültiges Abfließen des Lake Agassiz in die Hudson Bay, welcher sich als riesiger Eisstausee des Laurentidischen Eisschildes bei dessen Abschmelzen gebildet hatte.

Geographie Der Loch Lomond Readvance hatte sein Baryzentrum im West Highland Glacier Complex um Fort William und Rannoch Moor. Er war zu diesem Zeitpunkt die größte Eismasse der britischen Inseln. Der West Highland Glacier Complex reicht in etwa von Ullapool im Norden bis kurz vor Glasgow im Süden. Er hatte sich auf der Westseite Schottlands gebildet, da die vorherrschenden Winde starke Niederschläge aus dem Atlantik hier abregneten.

Kleinere Zentren fanden sich im Nordwesten Schottlands, in England und in Wales.

Beispiele für das nordwestliche Schottland sind die Bergstöcke Arkle, Cranstackie und Foinaven. Plateauvereisungen entstanden in den Monadhliath Mountains, in den Cairngorms, in den Northwest Highlands in Assynt, als auch auf Skye und Mull. Ein sehr großes Plateaueisfeld entwickelte sich in den Tweedsmuir Hills. Kleine Kargletscher (engl. cirque glacier) und Talgletscher bildeten sich auf Harris und auch auf Arran. Auf Hoy in Orkney befinden sich die beiden nördlichsten Kargletscher.

In England sind insbesondere die Cumbrian Mountains und der Lake District anzuführen. Im Lake District lagen Eisfelder (engl. ice fields), Kar- und Talgletscher. Kleinere Kargletscher waren auch in den nördlichen Pennines und in den Cheviot Hills anzutreffen. Der Lake District wurde wahrscheinlich von einem Plataeueisfeld eingenommen, welches High Street und Umgebung bedeckte. In den nördlichen Pennines konnten sechs Kargletscher und in den Cheviots ein Kargletscher ausgemacht werden. Ihre Akkumulation wurde durch ausgeblasenen Schnee begünstigt, welcher von den anliegenden großen Plateaugebieten angeweht worden war.

In Wales hatten sich Kargletscher in Snowdonia und in den Brecon Beacons gebildet. Letztere sind das südlichste Vorkommen des vorstoßenden Eises.

Eisstauseen mini|hochkant=1.6|Die „Parallelstraßen“ des Glen Roys sind ehemalige Uferlinien eines früheren, vom Eis aufgestauten Sees. Ihre Höhenlagen von 350, 325 und 260 Meter zeichnen den allmählichen Eisverlust am Ende vom Loch Lomond Readvance nach.

Im Jahr 1805 hatte der englische Geologe George Bellas Greenough die damals bereits berühmten Parallel Roads im Glen Roy inspiziert und die parallelen Hangeinkerbungen als Uferlinien eines ehemaligen Sees gedeutet. Er und auf ihn folgende Geologen konnten sich aber nicht über die Natur des aufstauenden Dammes einigen. Jedoch interpretierte Louis Agassiz im Jahr 1840 die parallelen Strukturen richtig als Uferlinien eines Eisstausees. Aufbauend auf seinem Befund verglich er Schottland mit den gegenwärtigen Alpen und zog den Schluss, dass Schottland vormals ebenfalls vergletschert war.

Die drei Uferlinien befinden sich auf 350, 325 und 260 Meter Höhe. Die unterschiedlichen Höhenniveaus entsprechen drei unterschiedlichen Stadien in der Entwicklung des Eisstausees. Die oberste 350-Meter-Linie gibt die Maximalausdehnung des Sees wieder. Mit dem sukzessiven Abschmelzen des Eises bildete sich etwas tiefer sodann die 325-Meter-Linie und schließlich die 260-Meter-Linie. Gegen Ende des Stadials kam es zu einem katastrophalen Flutereignis – einem Jökulhlaup – bei dem der Eisstausee schlagartig in den Great Glen auslief.

Im Verlauf des Loch Lomond Stadials formten sich noch andere Eisstauseen. Neben dem bereits erwähnten Lake Blane finden sich kleinere Eistauseen im Glen Doe, im Glen Garry und bei Achnasheen.

Vorkommen Schottische Inseln mini|hochkant=1.6|Der Talboden von Dwarfie Hamars war im Loch Lomond Readvance von einem Kargletscher ausgefüllt

Vorkommen für den Loch Lomond Readvance finden sich (wie zum Teil schon angesprochen) auf folgenden schottischen Inseln: Orkney – Hoy Äußere Hebriden – Lewis und Harris Skye Rùm Mull Arran.

Hoy Auf Hoy – dem nördlichsten Fundort – sind zwei Kargletscher bekannt – Enegars und Dwarfie Hamars. Enegars wurde kosmogenisch auf 13.300 bis 11.600 Jahre vor heute und Dwarfie Hamars auf 13.800 bis 13.000 Jahre vor heute datiert. Colin K. Ballantyne und Kollogen erhielten jedoch für die beiden Vorkommen etwas jüngere Alter von 12.400 bis 10.400 Jahren vor heute, mit einem gewichteten Mittelwert bei 11.700 ± 600 Jahre vor heute. Orkney war zuvor noch von dickem Geschiebemergel (engl. drift) des BIIS bedeckt gewesen.

Äußere Hebriden mini|hochkant=1.6|Endmoränenwall auf Harris südöstlich von Seilebost

In den Äußeren Hebriden gingen Talgletscher sowohl von den Uig Hills im westlichen Lewis als auch von den nördlichen Hügeln in Harris aus. In den Uig Hills sind vier Talgletscher bekannt (Dibadale, Raonasgail, Suainaval und Tamanisdale), auf Harris bestanden drei Talgletscher (Langadale, Meavaig und Ulladale) und sieben Kargletscher. Buckelmoränen sind sehr häufig auf Harris. Datierungen für den Loch Lomond Readvance sind leider nicht vorhanden. Das Ende des vorangegangenen Eisschildes wurde hier mit 20.500 Jahren vor heute bestimmt.

Skye Skye besitzt mit die schönsten geomorphologischen Beispiele im Loch Lomond Readvance. Während des Letzteiszeitlichen Maximums befand sich noch eine unabhängige Eiskappe auf den Cuillin Hills, die Eismassen des Mainlands nach Süden und Norden umlenkte. Im Loch Lomond Readvance entstand sodann erneut eine 150 Quadratkilometer große Eiskappe über den Cuillins und den Eastern Red Hills. Sissons (1977) hatte allein neun Kar- und Talgletscher in den Cuilins und vier in den Eastern Red Hills kartiert. Das Eisfeld hat sich aber seitdem als wesentlich extensiver herausgestellt und umfasst jetzt auch die Vereisungen südlich der Kyleakin Hills. Auf Skye findet sich die gesamte Plethora glazialer geomorphologischer Geländeformen – Moränen, Endmoränen, Moränenrücken, Buckelmoränen, gestriemte Grundmoränen (engl. Flutings), Schmelzwasserkanäle, kleine Esker, Gletscherschliffe, Gletscherschrammen, Rundhöcker, Geschiebegrenzen, Geschiebeterrassen und Trimmlinien (engl. trimlines).

Rùm mini|hochkant=1.6|Das Gletschertal Glen Dibidil auf Rùm ist ein bilderbuchartiges U-förmiges Trogtal und war auch im Loch Lomond Readvance wieder vergletschert. Im vorderen Talgrund liegen kleinere Buckelmoränen.

Auf Rùm befinden sich neun LLR-Gletscher in den Rùm Cuillin sowie zwei weitere in den Hügeln im Westen. Darunter sind die beiden zusammenlaufenden Getscher im Glen Harris und im Glen Dibidil. Die Endmoränen der Gletscher auf Rùm erreichen Höhen von 2 bis 15 Meter. Innerhalb des Gletscherareals finden sich keine periglazialen Geländeformen, die jedoch außerhalb auf Rùm weitverbreitet sind. Es darf daher angenommen werden, dass die Gletscher als Schutzmantel gewirkt hatten. Es bestehen bis jetzt noch keine Altersdatierungen, die Geländebefunde lassen aber durchaus ein LLR-Alter vermuten.

Mull Auch Mull trug während des Letzteiszeitlichen Maximums einen kleinen Eisdom, der aus dem Mainland herausstömendes Eis umlenkte. Im Loch Lomond Readvance installierte sich hier erneut ein Eisfeld. Bekannt sind fünf Talgletscher (Ba, Forsa, Glen Byre, Glen More und Spelve Don) sowie sechs Kargletscher. Die Datierungen auf Mull sind etwas dürftig, ein Radiokohlenstoffalter gewonnen anhand von Muschelresten in der Moräne von Kinlochspelve bestätigt jedoch ein LLR-Alter. Dafür spricht auch die Abwesenheit von reifen Hangprofilen und angehobenen Strandlinien innerhalb vergletscherter Areale, welche aber außerhalb durchaus angetroffen werden.

Arran