HeFäStuS ist eine Studiensammlung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, die sich mit gefälschten Kunstwerken befasst. Es ist weltweit die erste derartige Einrichtung im universitären Bereich.Kober: Aus der Asservatenkammer; kfr: Warum sammelt die Uni Heidelberg Kunstfälschungen?.
Bezeichnung Die Bezeichnung ist eine Abkürzung und ein Akronym für Heidelberger Fälschungs-Studien-Sammlung. Die Bezeichnung ergibt zugleich die lateinische Form des Namens Hephaestus, des griechischen Gottes für Feuer und Handwerkskünste, Hephaistos. Damit soll zum einen auf den handwerklichen Aspekt der Kunstfälschungen verwiesen werden; zum anderen spielt der Name auf das Schicksal der möglichen Zerstörung an, dem die Fälschungen entgangen sind, denn zuweilen werden zunächst aufbewahrte Fälschungen, insbesondere wenn abgeschlossene Fälle lange zurückliegen, vernichtet, um Platz für die Lagerung neuerer Fälschungen zu schaffen.Gach: Kunstfälschungen aus polizeilicher Sicht, S. 136.
Geschichte Die Studiensammlung gehört zum Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg. Sie wurde 2021 von dem Kunsthistoriker Henry Keazor gegründet. Anlass war das Strafverfahren gegen den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi.Kober: Aus der Asservatenkammer. Ausschlaggebend war die Bereitschaft der Landeskriminalämter von Berlin,Braun: Gefälschte Kunstwerke. BayernStammschröer: Tatort Kunst. und Baden-Württemberg, entsprechende Asservate zur Verfügung zu stellen.Keazor: Aus dem Falschen, S. 4. sch: Beispielhafte Heidelberger Initiative, S. 6. Die Fälschungen verbleiben im Eigentum des jeweiligen Landes. Mitte 2022 umfasste die Sammlung etwa 100 Werke, darunter auch solche, die aus privaten Sammlungen an die HeFäStuS gelangten.Stammschröer: Tatort Kunst.
2024 beteiligte sich die HeFäStuS mit einigen Werken an der ebenfalls von Henry Keazor kuratierten Ausstellung Kunst und Fälschung im Kurpfälzischen Museum Heidelberg, die der Institution ihren bisher größten Ausstellungserfolg bescherte.Keazor: Aus dem Falschen, S. 4; Kurpfälzischen Museum: Besucherrekord bei Kunst und Fälschung.
Zweck Ziel der HeFäStuS ist es, zu Fälschungen forschen zu können und dabei „originale“ Fälschungen zur Verfügung zu haben. Studierende der Kunstgeschichte werden so schon im Studium auf die Phänomene der Kunstfälschung aufmerksam gemacht, die ihnen im Berufsleben begegnen können, und lernen an „originalen Fälschungen“ die Methoden, sie von den Originalen zu unterscheiden. Es geht darum, „aus dem Falschen das Richtige zu lernen“. sch: Beispielhafte Heidelberger Initiative, S. 6. Die Sammlung ermöglicht aber auch das Studium von Aspekten, die für Originale relevant sind, etwa Stil, (Mal-)technik, Handhabung oder Provenienz.Keazor: Aus dem Falschen, S. 4. sch: Beispielhafte Heidelberger Initiative, S. 6. Die Sammlung ist öffentlich nicht zugänglich.
Vergleichbar arbeitet das 2017 in Kooperation mit dem Comando Carabinieri per la Tutela del Patrimonio Culturale (TPC) gegründete "Laboratorio sul falso" an der römischen Universität Roma Tre.
Literatur Henry Keazor: Aus dem Falschen das Richtige lernen. 12 Fälle der Kunstfälschung. Begleitbroschüre zur Ausstellung „Kunst und Fälschung“ im Kurpfälzischen Museum Heidelberg vom 29. Februar bis 30. Juni 2024. 2. Auflage, Heidelberg April 2024. Ohne ISBN.
Weblinks Adrienne Braun: Gefälschte Kunstwerke als Studienobjekt. In: Stuttgarter Zeitung vom 24. Februar 2022, S. 26 Ministerialrätin Anita Gach, Bundesministerium für Inneres/Bundeskriminalamt, Kulturgutfahndung, Wien: „Kunstfälschungen aus polizeilicher Sicht“, in: Kunst & Recht, 2020/2//2021/1, S. 129–137 Warum sammelt die Uni Heidelberg Kunstfälschungen?. In: Schneller schlau 09/2022, S. 68 Johanna Kober: Aus der Asservatenkammer an die Universität. In: Rhein-Neckar-Zeitung vom 10. Februar 2022, S. 3 Beispielhafte Heidelberger Initiative. Der Kunsthistoriker Henry Keazor baut eine „Fälschungs-Studiensammlung“ auf. In: Informationsdienst Kunst Nr. 744 vom 27. Januar 2022, S. 5–8 Simon Schomäcker: Wie Studierende Fälschungen enttarnen. In: Deutschlandfunk, Kultur-Radio vom 25. August 2022 Angela Schrödelsecker: Heidelberger Fälschungs-Studiensammlung: Fake-Kunst im Fokus der Wissenschaft. In: rnf-TV vom 2. August 2022 Konrad Stammschröer: Tatort Kunst: Entlarvte Fälschungen. Falsche Meisterwerke im Uni-Hochsicherheitstrakt. In: Badische Neueste Nachrichten (?) – Fächer vom 27. August 2022, S. 1 Kurpfälzisches Museum Heidelberg: Besucherrekord bei Kunst und Fälschung, 1. Juli 2024 Website HeFäStuS – Heidelberger Fälschungs-Studien-Sammlung, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg, Heidelberg
Einzelnachweise
Kategorie:Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:Kunstgeschichte (Deutschland) Kategorie:Kunstfälschung Kategorie:Kriminalistik Kategorie:Kunsthandel Kategorie:Sammlung (Bildende Kunst) Kategorie:Bildende Kunst (Heidelberg)