mini|Dompropstei (rechts), auf einem Holzschnitt von 1552, Blick von Westen, (links die Nikolaikirche) Die Dompropstei Magdeburg war die Dompropstei des Domkapitels Magdeburg am Magdeburger Dom im Erzbistum Magdeburg.

Sitz Ansässig war die Dompropstei in der Magdeburger Altstadt im nördlichen Teil der Westseite des Domplatzes an der Adresse Domplatz 10.

Aufgaben Dem Dompropst oblag die Leitung des Domkapitels und somit die Verwaltung des großen Grundbesitz des Kapitels. Schon 1325 wurden allerdings vom Kapitel Prokuratoren eingesetzt, die sowohl die Verwaltung als auch die Einnahme der Einkünfte übernahmen. Der Propst verlor diese Aufgabe völlig. Letztlich ging für ihn Sitz und Stimme im Domkapitel verloren. Zugleich wurde jedoch ein großes Propsteivermögen ausgegliedert, das der eigenen Verwaltung oblag. Der Dompropst setze hierfür Vögte ein. Zur Propstei gehörten unter anderem landwirtschaftliche Flächen in Stadtfeld, Lemsdorf und Cracau sowie Viehweiden in Rothensee.

Darüber hinaus hatte der Dompropst den jeweiligen Erzbischof in Fragen der Verwaltung der Diözese zu unterstützen. Außerdem war er als Archidiakon für die Stadt Magdeburg zuständig und hatte somit jurisdiktionelle Funktionen. Diese wurden allerdings im Spätmittelalter dann bereits zu größeren Teilen von anderen Funktionsträgern, wie Generalvikaren und Offizialen übernommen. Im 18. Jahrhundert war die Verwaltung des Erzbistums an den Domdechanten übergegangen.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, S. 94.

Mit dem Amtsantritt von Prinz Heinrich von Preußen als Dompropst übertrug König Friedrich Wilhelm I. die Besitztümer der Propstei der Kriegs- und Domänenkammer Magdeburg zur Verwaltung. 1737 wurde die Verwaltung dann jedoch einer eigenen Kammer des Prinzen in Königs Wusterhausen übertragen. Für diese war vor Ort ein Kammerrat tätig, der für Gerichtssachen von einem Justitiar unterstützt wurde. Rechtsmittel gegen Entscheidungen des Dompropsteigerichts wurden von der Regierung in Magdeburg und in Kammerangelegenheiten von der prinzlichen Kammer bearbeitet.A 3e Domkapitel zu Magdeburg. Dompropstei, 1170-1855 (Bestand) auf recherche.landesarchiv.sachsen-anhalt.de

Geschichte Entstanden ist die Dompropstei wohl mit der Gründung des Erzstifts im Jahr 968, eine erste urkundliche Erwähnung liegt aus dem Jahr 1179 vor. Vermutlich befand sich bereits im 10. Jahrhundert der Sitz der Propstei am nordwestlichen Teil des Domplatzes. Es wird angenommen, dass das Areal in der Zeit der Ottonen einen noch ausschließlich landwirtschaftlichen Charakter hatte. Es bestanden mehrere Wirtschaftshöfe, Nebengebäude und ein Haupthaus. Zum Domplatz hin bestand ein Zaun. Noch im Jahr 1690 wurden Ställe, Scheunen, Kornböden und ähnliches genannt. Die Ausdehnung des Grundstücks war, der Würde der Pröpste Rechnung tragend, weitläufig. Es umfasste weitgehend die ganze Westseite des Domplatzes und umfasste im Norden auch das Grundstück der heutigen Grünen Zitadelle. Im Süden reichte das Grundstück bis südlich der Breiten Straße, nach Westen bis zum Breiten Weg. Erzbischof Burkhard III. übereignete einen Teil des Wirtschaftshofes im Jahr 1310, mit Zustimmung des Domkapitels und des Propstes an das Nicolaistift, das hier die Nicolaikirche errichtete. 1497 erhielt das Domkapitel ein neben der Propstei gelegenes, wüstes, zuvor mit einer Schmiede bebautes Grundstück.

Ein erstes Propsteigebäude wurde vermutlich beim Stadtbrand des Jahres 1207 zerstört. Es folgte wohl noch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts der Neubau eines größeren aus Stein errichteten Hauses. Der Hof der Präpositur umfasste auch die Kapelle der Heiligen Madelberta und der Heiligen Elisabeth, die zwischen 1363 und 1385 von Propst Hermann von Werberg gebaut worden war. Ob das Herrenhaus der Propstei zunächst zum Breiten Weg oder zum Domplatz ausgerichtet war, ist unsicher. 1486 war das Haus baufällig, so dass eine Erneuerung nötig wurde. Im Jahr 1361 waren insgesamt 21 Dörfer gegenüber der Dompropstei zinspflichtig.

Neubau bis 1518 Zwischen 1486 und 1518 wurde die Propstei neu errichtet, wobei das Herrenhaus zumindest nunmehr seine Frontseite zum Domplatz ausrichtete.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, S. 42. Begonnen wurde der Neubau mit einer Grundsteinlegung im Jahr 1486 unter Propst Melchior von Meckau, dann jedoch bereits ab 1487 von Adolf von Anhalt weitergeführt und letztlich 1518 von Propst Magnus von Anhalt abgeschlossen.

Von der Fertigstellung und Ausstattung der Propstei kündeten Inschriften aus den Jahren 1517 und 1518, die an den Giebeln der Propstei angebracht waren. Oberhalb des Portals befand sich in der Überwölbung ein Quaderstein, der vom Vorgängerbau stammte und eine Bauinschrift trug, die jedoch nicht überliefert ist.Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt, Die Inschriften der Stadt Magdeburg, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 202.

Diese Präpositur war ein verhältnismäßig kleiner Prälatensitz. Das Gebäude nahm den größten Teil der Westseite des Domplatzes ein und war Teil eines rechteckig angelegten Wirtschaftshofes. Das Hauptgebäude befand sich im Bereich der später entstandenen Breiten Straße. Es bestand ein steinerner, in Teilen mit Rippengewölben versehener Unterbau im Stil der Spätgotik. Der obere Teil war in Fachwerkbauweise erstellt und kragte vermutlich vor. Wie es auch bei Bürgerhäusern der Zeit üblich war, war die Fassade bunt bemalt. Die überlieferte Fertigungsinschrift verwies auf angebrachte Malereien, die von Magnus von Anhalt in auftraggegeben worden waren.Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt, Die Inschriften der Stadt Magdeburg, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 266. Im Erdgeschoss befand sich eine Hofstube mit getäfelter Decke. Im oberen Geschoss befand sich das Herrengemach, die bunte Stube und weitere Räume. Es bestanden farbige hölzerne Täfelungen sowie Deckenmalereien. Auf der Nordseite des Wirtschaftshofes lag die Kustodie sowie das Kornschreiberhaus und zwei weitere Nebengebäude. Zum Breiten Weg hin befand sich das Brauhaus. Zum Anwesen führten zwei in massiver Bauweise errichtete Eingänge, die jeweils mit Wappen verziert waren. Der Eingang zum Gehöft war mit behauenen Keilstücken, steinernen Bänken und dem Wappen des Propstes Melchior von Meckau versehen. Der andere Eingang führte direkt zum Herrenhaus und zeigte das Wappen des Propstes Magnus von Anhalt

Die ab 1585 amtierenden Pröpste aus anderen Regionen Deutschlands werden häufig nicht in der Dompropstei anwesend gewesen sein. Die eigentlichen Dienstgeschäfte oblagen einem Kammerrat, der in der Dompropstei auch eine Dienstwohnung hatte. In der Mitte des 17. Jahrhunderts befand sich stadteinwärts das Wohngebäude des propsteilichen Prokurators. Dieses Haus erwarb im Jahr 1712 Herzog Heinrich, 1715 gehörte es dem propsteilichen Oberamtmann Johann Friedrich Schwarz.

Bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 blieb die Propstei in Teile erhalten. Der obere in Fachwerkbauweise errichtete Teil brannte ab, die massiven Bauteile blieben jedoch erhalten. Zerstört wurden auch viele der Nebengebäude und wohl auch eine Andreaskapelle, die sich auf der Südseite der Nikolaikirche befand. Die Brandlinie verlief unmittelbar über das Gelände der Propstei. Ursächlich soll ein Eingreifen Tillys gewesen sein, der seine Soldaten und zusammengetriebene Magdeburger Bürger zum Feuerlöschen bei den Häusern des Domplatzes aufbrachte, um so den Magdeburger Dom zu retten. In einem Nebengebäude zum Breiten Weg hin befand sich während der Belagerung von 1631 eine Bäckerei, im Haus daneben eine Brauerei. Nach der Zerstörung der Stadt wurde hier zuerst wieder gebacken und gebraut.Gustav Hertel, Geschichte des Domplatzes in Magdeburger Geschichtsblätter, 38. Jahrgang, 1903, S. 275.

Zwischen 1652 und 1661 wurden die Schäden an der Propstei unter Propst Franz, Herzog von Lothringen, ausgebessert.

Neubau ab 1706 mini|Ehemalige Dompropstei im Jahr 1830 mini|Garnisonslazarett, vermutlich in den 1880er Jahren Ab März 1706 ließ Propst Herzog Heinrich von Sachsen-Barby die baufällige Präpositur abreißen und trat den südlichsten Teil des Propsteigrundstücks im Rahmen eines Tauschs mit dem Grundstück Breiter Weg 1/2 an den König ab. Der Abriss betraf auch die Propsteikapelle. Bis 1713 entstanden an gleicher Stelle neue Gebäude, darunter auch ein palastartig angelegtes zweigeschossiges Herrenhaus. Dabei wurden die Giebel der Vorgängerbebauung weiter genutzt. Der Neubau begann bereits 1706. Die Fassade des Hauses war elfachsig ausgebildet. Die mittleren drei Achsen waren in einem erhöhten Mittelrisaliten zusammengefasst, der über eine breite Attika verfügte. Als Verzierungen befanden sich an den Ecken und am Risaliten genutete Lisenen sowie am Hauptgeschoss Pilaster. Die Fensterverdachungen bestanden aus geraden Stürzen, nur im Bereich des Mittelrisaliten bestanden zwei kleine Dreiecksgiebel und ein Segmentbogen. Das mittig angeordnete Eingangsportal befand sich unterhalb eines schlichten, vorgelagerten Säulenvorbaus mit zwei ionischen Säulen, der im Obergeschoss einen Balkon bildete. Bedeckt war der Bau von einem gebrochenen Walmdach, dessen Höhe in etwa der eines der Hauptgeschosse entsprach. Auf dem Dach befanden sich mehrere Gauben und vier breite Schornsteine, deren Anordnung der der vier Vasen auf der Mittelvorlage entsprach. Zum Domplatz nach Osten und zur Breiten Straße nach Süden befand sich eine Mauer die in Verbindung zu den Nebengebäuden den Hofraum der Dompropstei umschloss. Die Mauer reichte bis zum oberen Gesims des Erdgeschosses. An ihr war die Fenstergliederung des Hauses mit Blendrahmen nachgebildet.Alfred Hentzen: Magdeburger Barockarchitektur. Dessau 1927, S. 33. Architekt des Hauses war Hauptmann C. Gerlach, der zumindest bis Februar 1707 tätig war. Seine Pläne sollen auf Skizzen des Weißenfelder und Barbyer Baumeister Christoph Pizzler. Auffällig ist die Ähnlichkeit des Vorbaus mit der der Portalhalle des Barbyer Schlosses. Dann übernahm im Auftrag von Gerlach Oberstleutnant von Börstell, der die Bauleitung übernahm. Im Oktober 1707 wurde bereits Steinmetz Johann Georg Trippel für die Vasen auf dem Hauptgesims bezahlt. Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Rohbau weitgehend fertiggestellt gewesen sein. Zu den Baumeistern gehörte Giovanni Simonetti, auf den auch üppige Stuckverzierungen an den Zimmerdecken zurückgingen. Er übernahm ab Mai 1708 die Bauleitung und war auch als Stukkateur tätig. Seine Tätigkeit erstreckte sich bis 1712. Im Jahr 1713 war der Bau fertiggestellt. Weitere Stuckateure waren Sebastian Perlascha, Johann Friedrich Schmitt, Antoni Taliatta und Johann Dietrich Sommer. Die im Haus 1709 bis 1711 angelegte Treppe war ein Werk des Holzbildhauers Francisco Charton.Alfred Hentzen: Magdeburger Barockarchitektur. Dessau 1927, S. 34. Als Maurermeister war Eilwert, als Zimmermeister Johann Christoph Schmidt und als Bauaufsicht Andreas Heintze tätig. Bei späteren Reparaturen im Jahr 1726 wirkte Charton als Bauverwalter.Alfred Hentzen: Magdeburger Barockarchitektur. Dessau 1927, S. 89. Als weitere besondere Ausstattungselemente waren Kamine, vergoldete Türen, goldene Spiegelrahmen und grüngoldene Fensterbekleidungen.