Die Royal Navy hatte zu Beginn des Krieges drei Hauptaufgaben: die britische Expeditionsarmee nach Frankreich zu bringen und ihren Nachschub und ihre Verstärkung sicherzustellen; eine Blockade gegen Deutschland zu errichten und aufrechtzuerhalten; und die Sicherheit des britischen Welthandels zu gewährleisten.

Hintergrund Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts befand sich die Royal Navy auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Die Marine Nationale war seit Jahren keine Bedrohung mehr, Russland hatte 1905 bei Tsushima eine vernichtende Niederlage gegen die Japaner erlitten, und die United States Navy war unbedeutend. Die deutschen Schiffbaupläne wurden jedoch als Herausforderung für die britische Vormachtstellung gesehen und führten zu einem Wettrüsten auf See. Während sich die Beziehungen zu Deutschland verschlechterten, schloss sich Großbritannien der Entente Cordiale an. In der Zwischenzeit führte „Jackie“ Fisher eine Reihe von radikalen Reformen durch, die die Royal Navy in eine hochmoderne Seestreitkraft verwandeln sollten. Dazu gehörten die Einführung von U-Booten, dampfgetriebenen Turbinen, die Umstellung von Kohle auf Öl, verbesserte Torpedos und ein überarbeitetes Ausbildungssystem. Darüber hinaus wurde der Sold erhöht und die körperliche Züchtigung auf ein Minimum reduziert.Hore: The Habit of Victory. Sidgwick & Jackson, London, 2005, S. 287.Lisle: The Age of Navalism 1890–1918 (= Power at Sea Band 1). University of Missouri Press, Columbia, 2007, S. 38.

Geschichte 1914 Nach Ausbruch des Krieges begann die Royal Navy sofort mit der Einrichtung einer Blockade entlang der deutschen Nordseeküste. Damit sollte der Seeverkehr und der Handel Deutschlands unterbrochen werden. Im Mittelmeer musste die Royal Navy ihre erste strategische Niederlage erleben, als es der deutschen Mittelmeerdivision (Schlachtkreuzer Goeben und Kleiner Kreuzer Breslau) gelang, den Briten zu entkommen und unbeschadet die Dardanellen zu erreichen. Die erste größere Auseinandersetzung fand am 28. August vor Helgoland statt und endete mit einem Sieg der Royal Navy. Es folgten weitere Gefechte vor Texel und Yarmouth, die die Briten ebenfalls für sich entscheiden konnten. Trotzdem entwickelte sich die Situation zu Ungunsten der Briten. Am 22. September wurden drei Kreuzer von einem deutschen U-Boot versenkt und einen Monat später sank das Schlachtschiff Audacious durch eine Minenexplosion. Am 1. November erlitten die Briten im Seegefecht bei Coronel die erste größere Niederlage seit 100 Jahren. Die britische Admiralität reagierte daraufhin mit der Entsendung einer Flotte unter dem Kommando von Admiral Frederik Doveton Sturdee, um die deutschen Schiffe zu verfolgen. Dies führte zur Seeschlacht bei den Falklandinseln am 8. Dezember, bei der die Royal Navy die deutschen Schiffe vernichtete und die Kontrolle über den südlichen Atlantik zurückzugewann.Gray: Chronicle of the First World War Bnd. 1, Facts on File, New York, 1990, S. 29f., S. 53ff. Um die bis dahin letzte offene Versorgungsroute nach Russland aufrechtzuerhalten, erhielt die Royal Navy im November den Auftrag, eine Machtdemonstration bei den Dardanellen durchzuführen.

1915 Zu Beginn des Jahres musste die Royal Navy mit der Versenkung eines weiteren, allerdings veralteten Schlachtschiffs der Formidable einen weiteren Verlust hinnehmen. Der deutschen Strategie folgend, durch kleinere Angriffe ein Auslaufen der Grand fleet zu provozieren, kam es am 24. Januar vor der Doggerbank erneut zu einem Aufeinandertreffen. Zwar konnten die Briten den Kreuzer Blücher versenken, trotzdem endete das Gefecht ohne klaren Gewinner. Zusammen mit der Erklärung des unbeschränkten U-Boot-Kriegs kam es in den Dardanellen zu weiteren Versuchen, die Meerenge einzunehmen, die jedoch zu keinem klaren Ergebnis kamen. Im März kam es zum Hauptangriff auf die Dardanellen, der jedoch unter dem Verlust von drei Schlachtschiffen abgebrochen werden musste. Im Mai folgten weitere Angriffe, die jedoch den Verlust von drei weiteren Großkampfschiffen mit sich brachten. Es wurden weitere Angriffe in Erwägung gezogen, doch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten und der erhöhten Gefahr durch deutsche U-Boote wurden bis Dezember alle Offensivoperationen eingestellt. Trotz des uneingeschränkten U-Bootkrieges endete das Jahr 1915, ohne dass die Deutschen einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Royal Navy erzielen konnten.Corbett: Naval Operations (= History of the Great War Based on Official Documents. Band II). Longmans, Green & Co, London 1921, S. 222., S. 409.Corbett: Naval Operations (= History of the Great War Based on Official Documents. Band III). Longmans, Green & Co, London 1923, S. 29ff.Marder: The War Years (= From the Dreadnought to Scapa Flow. Band II). Oxford University Press, Oxford, 1965, S. 322.Wilson: Empire of the deep. Phoenix, London, 2014, S. 530.

1916 Hatte zu Beginn des Krieges noch eine nummerische Überlegenheit an U-Booten von 3,5:1 für die Royal Navy bestanden, erhöhte sich die Zahl der Deutschen U-Boote bis zur Mitte des Jahres auf 134 gegen über 90 auf Seiten der Briten.Quarrie: U-Boat Crews, 1914–1945 Osprey Publishing, Oxford, 1995, S. 6.The Navy List for April 1916, His Majesty's Stationery Office, London, 1916, S. 1728ff. Bis zum Beginn der Skagerrakschlacht im Juni bestanden die Kriegshandlungen in der Nordsee lediglich im Patrouliendienst und dem Legen von eigenen und dem Räumen von feindlichen Seeminen.Jellicoe: The Grand Fleet George H. Doran, New York, 1919, S. 266., S. 271., S. 289ff.

Am frühen Morgen des 31. Mai wurde Admiral Franz von Hipper mit fünf Schlachtkreuzern entlang der dänischen Küste nach Norden geschickt, während ihm 80 km weiter südlich die aus 24 Schlachtschiffen bestehende Hochseeflotte folgte. Zu den beiden deutschen Verbänden gehörten auch elf Kleine Kreuzer und 63 Zerstörer. Die britische Grand Fleet, die die deutschen Funksprüche entschlüsseln konnte, befand sich bereits auf See und dampfte in zwei Divisionen nach Osten. Die südliche Flotte unter Admiral David Beatty bestand aus sechs Schlachtkreuzern und vier Schlachtschiffen. 112 km weiter nördlich befand sich die Hauptstreitmacht aus drei Schlachtkreuzern und 24 Schlachtschiffen unter dem Kommando von Admiral John Jellicoe. Zusätzlich gehörten zu den beiden britischen Verbänden 34 Leichte Kreuzer und 80 Zerstörer. Um 15:25 Uhr sichteten sich die Schlachtkreuzergeschwader von Hipper und Beatty. Hipper änderte den Kurs und dampfte nach Süden, um die Lücke zur Hochseeflotte zu schließen. Beatty wendete ebenfalls. Die beiden Streitkräfte lieferten sich auf parallelem Kurs ein einstündiges Duell, das die Deutschen für sich entscheiden konnten, indem sie die Schlachtkreuzer Indefatigable und Queen Mary versenkten. Als Scheers Hauptflotte in Sicht kam, drehte Beatty nach Norden ab. Beide deutschen Gruppen folgten. Dadurch kamen sie bald in Reichweite von Jellicoes Flotte, die in südöstlicher Richtung unterwegs war. Als sich die beiden Hauptflotten einander näherten, wendete Jellicoe nach Osten, um zwischen die Deutschen und die dänische Küste zu gelangen. Das Hauptgefecht begann gegen 18.00 Uhr. Hippers Flaggschiff, die Lützow, wurde außer Gefecht gesetzt, die britische Invincible versenkt. Als die britischen Flotten seine Vorhut kreuzten (das sogenannte „crossing the T“), drehte Reinhard Scheer unter dem Schutz einer Rauchwand und Torpedoangriffen von Zerstörern nach Südwesten ab. Das Feuer wurde bis zur Dunkelheit fortgesetzt. Die Briten hatten nun einen deutlichen Vorteil, da sie zwischen der deutschen Hochseeflotte und ihrer Basis standen. Gegen 22:00 Uhr wendete Scheer jedoch seine Schiffe nach Südosten und begann, sich einen Weg durch die britischen leichten Kräfte im hinteren Teil von Jellicoes Linie zu bahnen. In einem verwirrenden vierstündigen Nachtkampf brachen die deutschen Schiffe durch und konnten bis zum Morgen entkommen. Bei dieser Aktion verloren die Deutschen die schwer beschädigte Lützow und das Schlachtschiff Pommern. Die britische Grand Fleet kehrte daraufhin zu ihren Stützpunkten zurück.Vietnam to Zworykin (= Encyclopaedia Britannica Band 23). Wiliam Benton, Chicago, 1972, S. 724.

Am 16. August kam es erneut zu einem Aufeinandertreffen zwischen der Royal Navy und der Hochseeflotte. Nach kurzem Kampf bei nur leichten Schäden auf beiden Seiten zogen sich die Deutschen nach Wilhelmshaven zurück. Dies war das letzte Mal, dass die Deutsche Flotte einen so weiten Vorstoß nach Norden unternahm. Gleichzeitig wurde von der Admiralität beschlossen, aufgrund der Minen- und U-Bootgefahr keine weiteren Flottenoperationen südlich von 55° 30' Nord durchzuführen.Messie: Castles of Steel. Random House, New York, 2003, S. 683.Halpern: A Naval History of World War I. Naval Institute Press, Annapolis, 1995, S. 330ff. Im Herbst 1916 beschloss das deutsche Oberkommando, erneut die britischen Handelsrouten auf den Weltmeeren mit Handelsstörern anzugreifen. Bis ins Frühjahr 1917 versuchte die Royal Navy vergeblich, diese deutschen Schiffe zu finden und zu stoppen.Corbett: 1923, S. 177–228.

1917 Nachdem die Hochseeflotte zu keiner weiteren größeren Operation auslief, beschränkte sich die Aufgabe der Royal Navy auf die Bekämpfung der deutschen U-Boote sowie dem Legen als auch dem Räumen von Minen.Gray: 1990, S. 41–45. Ende Januar wurde auf einer Marinekonferenz in London nach langer Diskussion beschlossen, dass alle britischen Schlachtschiffe im Mittelmeer, mit Ausnahme der Lord Nelson und der Agamemnon, nach Hause gerufen werden sollten, um Besatzungen für die Zerstörer und leichten Kreuzer zu stellen, die im Laufe des Jahres fertiggestellt werden sollten. Zwischen März und Oktober kam es zu einzelnen Scharmützeln, die schließlich mit dem zweiten Seegefecht bei Helgoland endeten; das Gefecht endete mit einem Unentschieden. Anfang des Jahres hatte das deutsche Oberkommando mit der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Bootkrieges begonnen. Im April hatten sich die Verluste auf 545.282 Tonnen an Schiffsladung erhöht. Schätzungen der Admiralität gingen davon aus das bei dieser Größenordnung der Krieg bis November mit einer Niederlage für Großbritannien enden würde. Um diese Gefahr abzuwenden, wurde noch im gleichen Monat das Konvoisystem eingeführt. Bis Ende des Jahres reduzierten sich dadurch die Verluste auf 253.087 Tonnen.Hore: 2005, S. 320.Hurd: The Merchant Navy (= History of the Great War Based on Official Documents. Band III). Jon Murray, London, 1929, S. 379. Um im Ärmelkanal gegen die deutschen U-Boote vorgehen zu können, unternahm die Royal Navy im Mai und Juni mehrere vergebliche Versuche, die schweren Küstenbatterien an der Küste von Flandern zu vernichten. Trotz dieses Fehlschlags gelang es den Briten im Sommer, die wieder einsetzenden Bewegungen der deutschen Handelsmarine vor Flandern zu stoppen.Newbolt: Naval Operations (= History of the Great War Based on Official Documents. Band V). Battery Press, Nashville, 1996, S. 38ff., S. 46ff., S. 58ff.

1918 Im April unternahm die Royal Navy einen erneuten Versuch, die deutschen U-Boote in Flandern zu stoppen, der ebenfalls mit einem Fehlschlag endete. Bis auf den Überfall auf Kattegat im April, den Angriff von Marinefliegern auf Tondern im Juli und die Bombardierung von Durrës im Oktober gab es keinerlei größere Kriegshandlungen. Die meisten Auseinandersetzungen fanden zwischen einzelnen Schiffen statt, wobei die Royal Navy bis Oktober 30 deutsche U-Boote versenken konnte. Am 9. und 10. November verlor die Royal Navy mit dem Einheitslinienschiff Britannia und dem Minenräumer Ascot die letzten beiden Schiffe dieses Krieges.Phillips: The Royal Navy Day by Day.Spellmount, Stroud, 2011 S. 217, 234, 269, 411, 559, 637, 640.

Nachwirkungen