mini|Evangelische Stadtkirche in Stuttgart-Vaihingen Die Evangelische Stadtkirche St. Blasius steht in Vaihingen, einem Stadtbezirk von Stuttgart. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Stuttgart der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Namensgeber der Kirche ist Blasius von Sebaste.
Geschichte Vaihingen gehörte vor und nach der Reformation jahrhundertelang zum Territorium der Reichsstadt Esslingen. Eine Vorgängerkirche wurde erstmals 1260 erwähnt, ihr Turm bildet noch heute den Kern des massiven Westturmes. Von deren Nachfolgebau aus dem 15. Jahrhundert haben sich der Chor und die Sakristei erhalten. Das zwischen Turm und Chor liegende schmale Kirchenschiff hatte bis zur Neuerrichtung 1860 nur eine Breite von etwas mehr als der Turm. Der auf dem erhaltenen Gemälde (1848) von Carl Beisbarth sen. abgebildete Außenzugang zum Chor der alten Kirche durch eine Chorfensteröffnung ist Beleg für eine damals im Chor eingebaute Empore, wo sich vermutlich auch die Orgel befand, die später dann in den Turm umgesetzt wurde. Oberbaurat Christian Friedrich von Leins vollendete 1860 den Neubau des jetzt breiten Schiffs, in das eine hölzerne Drei-Seiten-Emporen eingebaut wurde. Architekt Martin Stockburger aus Vaihingen war 1972 für die Renovierung verantwortlich, bei der die drei Holzemporen von 1860 abgebaut und eine vergrößerte, nun asymmetrische Westempore in Beton eingebaut sowie Altar, Boden, Sakristei und Heizung erneuert wurden.Eva Maria Seng: Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert - die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins; Tübingen/Berlin 1995, S. 463 f
Architektur Die neugotische Hallenkirche wurde 1858–60 nach Entwürfen von Christian Friedrich von Leins erbaut. Sie besteht aus einem Langhaus aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen, das von Strebepfeilern gestützt wird, einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten des Mittelschiffs, einem Querschiff und im Westen aus einem von den Seitenschiffen flankierten Fassadenturm, der im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt. Seine oberen, aufgestockten achteckigen Geschosse beherbergen die Turmuhr und darüber hinter den Klangarkaden den Glockenstuhl mit vier Kirchenglocken. Darauf sitzt ein achtseitiges, schiefergedecktes Zeltdach.
Ausstattung
Tafelgemälde Das wohl älteste Ausstattungsstück ist ein Tafelgemälde aus dem Mittelalter, das die Kreuzigung darstellt. Das Gemälde ist unbekannter Herkunft. Es könnte in Köln im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden sein und ist von der niederländischen Renaissancemalerei beeinflusst. Der profilierte Holzrahmen des Bildes stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Gemeinde ist seit 1934 durch eine Spende im Besitz dieses Bildes.
Glasgemälde Rudolf Yelin der Jüngere entwarf 1952 die Glasgemälde für die drei Maßwerkfenster im Chor, gestiftet von Robert Leicht jun. von der Brauerei Schwabenbräu, gefertigt in der Glaswerkstatt Saile in Stuttgart. Sie zeigen links und rechts je zwei Evangelisten (Matthäus und Markus bzw. Lukas und Johannes) mit Mäanderband-Dekor. Im Mittelfenster sind der Auferstandene in der Mandorla, vier Engel mit den Arma Christi, den Leidenswerkzeugen, sowie die Dreieinigkeit dargestellt.Claudia Lamprecht: Rudolf Yelin (1902–1991): Werkverzeichnis der baugebundenen Arbeiten; o. O. (Stuttgart), o. J. (1991), S. 139.
Altarkreuz Das Altarkreuz aus Bronze wurde 1975 von Ulrich Henn gestaltet.
Orgel Die Orgel wurde 1860 von Johann Heinrich Schäfer gebaut und 1933 umgebaut.
1946 fand eine Erweiterung auf drei Manuale durch die Orgelbaufirma Weigle statt, die Prospektgestaltung stammte von Walter Supper, das Klangkonzept von Herbert Liedecke. 1962 wurde eine Generalinstandsetzung durch Walcker, Ludwigsburg vorgenommen. 1972 fand eine Erneuerung der Spiel- und Balganlage durch Peter Plum, Marbach statt. 1998 wurde die Orgel durch Mühleisen erneut saniert und 2018, wieder durch Mühleisen, umgebaut, renoviert und erweitert.Information zur Orgel
Das Instrument besitzt heute 35 Register auf 3 Manualen und Pedal.
Glocken +ÜbersichtNrNameGewichtSchlagtonGussjahrGießerZeichenInschrift1Betglocke990 kge'+81950Kurtz, StuttgartHeiliges Kreuz mit A und OHerr Gott Dich Loben Wir - Gestiftet von Robert Leicht 19502Kreuzglocke570 kgg'+ 5Heiliges JesuskreuzVerleih uns Frieden gnädiglich - Gestiftet von R. Vollmoeller A.G. 19503Zeichenglocke465 kga'+5Lutherrose mit JesuherzErhalt uns Herr bei deinem Wort4Taufglocke300 kgh' +71920Lorbeerblätter mit Eichenblättern und Hopfen-ÄhrenGottes Wort bleibt in Ewigkeit - Gestiftet von Robert Leicht und Sohn anno 1920
Literatur Karl Schiegg: Vaihingen und seine Stadtkirche in Geschichte und Gegenwart; in: Stadtkirche Vaihingen, hg. Ev. Kirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen, 1973, S. 8–26
Eva Maria Seng: Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert - die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins; Tübingen/Berlin 1995, S. 450–464, Bilderseiten 57–61 Abb. 162–177 Stadtkirche Stuttgart-Vaihingen 1260 – 1860 – 2010; hg. Ev. Kirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen 2010
Weblinks
ausführliche Informationen auf der Website der Kirchengemeinde Mehr Bilder und Informationen zur Stadtkirche auf kirchen-online.com
Einzelnachweise
Blasiuskirche St Blasius Blasiuskirche Kategorie:Blasiuskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Erbaut in den 1850er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Hallenkirche in Baden-Württemberg Blasiuskirche Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Bauwerk von Christian Friedrich von Leins