mini|St. Ägidien in Waldenburg Die evangelische Stadtkirche St. Ägidien steht in Waldenburg, einer Landstadt im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis 2024 zum Kirchenbezirk Öhringen und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Künzelsau und Hohenloher Ebene im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.
Geschichte Waldenburg gehörte kirchlich ursprünglich zur Stiftskirche Öhringen. Mit der hohenlohischen Landesteilung 1553 wurde Waldenburg Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Hohenlohe-Waldenburg und 1558 eine eigene Pfarrei. Die Stadt lag als Teil Hohenlohes im Fränkischen Reichskreis und damit in fränkisch-lutherischem Einflussbereich der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth. Als Folge der Rheinbundakte fiel die Stadt 1806 an das Königreich Württemberg. Kirchlich gehörte Waldenburg dann bis 2024 zum Kirchenbezirk Öhringen.
Beschreibung Die mittelalterliche Ägidiuskapelle wurde 1562 erweitert, jedoch kurze Zeit später bis auf den Chor abgebrochen. An diesen Chor wurde von Baumeister Georg Stegle 1589 bis 1593 eine dreischiffige Hallenkirche mit Kreuzgewölbe auf vier Pfeilern im Renaissancestil angebaut. Der Chor wurde zur Grablege des Grafenhauses, mehrere Epitaphe schmücken die Kirche. Der württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt wirkte beratend mit.Robert Kretzschmar: Heinrich Schickhardt in Hohenlohe. In: Württembergisch-Franken - Jahrbuch Bd. 86/2002, Schwäbisch Hall 2002, S. 227–247. Der viereckige, 32 Meter hohe Turm mit fünf Stockwerken und schön geformtem, schiefergedeckten Helmdach ist neben dem Mändles- und Lachnersturm weithin sichtbar zu einem Wahrzeichen Waldenburgs geworden. 1780 wurde die Kirche barockisiert. 1972/74 wurde die Kirche baulich verändert, unter anderem wurden die Seitenemporen und die Orgelempore im Chor abgebrochen, das Kirchengestühl ausgebaut und durch eine variable Bestuhlung mit ca. 200 Sitzplätzen ersetzt, die Ehrlich-Orgel wurde umgebaut und umgesetzt.
Der Kirchenbau besteht aus einem Langhaus mit einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen sowie einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten. Der Kirchturm im Westen ist halb in das Langhaus eingestellt und mit einer achtseitigen, schiefergedeckten Glockenhaube bedeckt. Sein oberstes Geschoss enthält den Glockenstuhl, das Geschoss darunter die Turmuhr. Der nahezu quadratische Innenraum des Langhauses ist charakterisiert durch die das Kreuzrippengewölbe tragenden Säulen und die Empore im Westen.
Ausstattung Altar Zur Kirchenausstattung gehört ein Altar, auf dessen Altarretabel von 1657 Szenen der Taufe Jesu und des Abendmahls dargestellt sind. Unterhalb des Hauptbildes enthält die Predella ein so genanntes Konfessionsbild, eines der wenigen innerhalb der heutigen württembergischen Landeskirche (die anderen in Bopfingen, Giengen/Brenz, Jungingen, Langenburg und Schorndorf).Reinhard Lieske: Protestantische Frömmigkeit im Spiegel der kirchlichen Kunst des Herzogtums Württemberg. In: Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 2, München 1973, S. 124–126.Wolfgang Schöllkopf: Evangelisch im Bild. Das Konfessionsbild in der Evangelischen Kirche Peter und Paul in Ulm-Jungingen von 1711 als Beispiel protestantischer Bildkultur. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte Bd. 114; Stuttgart 2014. S. 70–84Wolfgang Schöllkopf: Konfessionsbild. In: Württembergische Kirchengeschichte Online, 2018 (Permalink). Sie beziehen sich auf das Augsburger Bekenntnis. In der Bildmitte der Waldenburger Predella wird die Übergabe des Bekenntnisses an Kaiser Karl V. durch die evangelischen Reichsstände am 25. Juni 1530 dargestellt. Begrenzt ist der kaiserliche Baldachin durch die beiden Säulen des Herkules – antike Begrenzung der bewohnbaren Erde –, die zwei unterschiedliche Kronen tragen. Unter den Kronen erkennt man die Wappen der Gebiete, die Karl beherrscht. Über dem Kaiser erhebt sich der Doppeladler. Zwei umhüllende Stoffbahnen sind mit dem Fortschritt-Wahlspruch des Kaisers „PLVS/VLTRA“ bestickt: „Immer weiter!“ – als Abwandlung des „NON PLUS ULTRA – Bis hierher und nicht weiter“. In zahlreichen Einzelszenen gruppiert sich links und rechts vom Mittelteil im Inneren eines Kirchenraums anschaulich das Wesen der evangelischen Kirche in ihren wichtigsten Lebensäußerungen: die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl, sämtliche gottesdienstliche Handlungen (Kasualien) des Luthertums, nämlich Predigt und Gemeinde, Abendmahl „in beiderlei Gestalt“ am Altar mit den vier Evangelisten und Paulus; aus der Seitenwunde Jesu am Kreuz spritzt das Blut zur Taufe und in den Abendmahlskelch; Trauung, Beichte, Katechismus-Examen, Kirchenmusik mit Gesangbuch, Chor und Orgel – teilweise noch mit Beigabe von Schriftworten. Und von oben blickt Gottvater mit der Heiliggeisttaube wohlwollend herab.
Kanzel Der schlichte Kanzelkorb, mutmaßlich vom Beginn des 18. Jahrhunderts, zeigt in zwei Brüstungsfeldern Gemälde mit jeweils übereinander angeordneten Bildpaaren in typologischer Entsprechung (Altes Testament – Neues Testament) mit gereimten Erläuterungen:
Tafel links: Erschaffung von Adam und Eva – Mariä Empfängnis und Geburt Jesu (oben: „Hier bildet Gott aus Erd des Adams schönen Leib / aus dessen Seiten Ripp auch wundersam sein Weib.“ – unten: „In Jungfrau Mutterleib vom Heil’gen Geist auch ist / empfangen und daraus geboren Jesus Christ.“).
Tafel rechts: Opferung des Isaak / Eherne Schlange – Kreuzigung Jesu / Hilfe für die Gläubigen (oben: „Im Glauben Abraham Gott opfert seinen Sohn / Die eherne Schlang, erhöht im Glauben, heilet schon.“ – unten: „Der blutig Jesus-Schweiß, ans Kreuz erhöht, sein Tod / hilft allen Gläubigen aus Seel- und Leibesnot.“).
Glasgemälde Zwei Glasfenster wurde von Hans Gottfried von Stockhausen („Seligpreisungen“, 2004) und Ada Isensee („Geheimnis des Glaubens“, 2007) gestaltet.Werkverzeichnis Stockhausen, Arbeiten im Architekturzusammenhang .Werkverzeichnis Isensee .
Literatur
Walther-Gerd Fleck: Waldenburg. Baugeschichte von Burg und Stadt. In: Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung e. V.; Reihe D: Europäische Burgen und Schlösser; hrsg. vom Europäischen Burgeninstitut, Braubach 2011. Peter Mugele: Stadtkirche St. Ägidien Waldenburg. Reihe Kleine Kunstführer Band 2800, Regensburg 2012.
Einzelnachweise
Weblinks
Die Website der Kirchengemeinde, ohne Beschreibung der Kirche.
Kategorie:Kirchengebäude im Hohenlohekreis St Agidien St Agidien Kategorie:Ägidienkirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Hallenkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Hohenlohekreis Kategorie:Erbaut in den 1580er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa