mini|Länder mit diplomatischen Missionen aus Frankreich Die Außenpolitik Frankreichs beruht auf der Wahrung der Souveränität und Eigenständigkeit Frankreichs. Obwohl das Land durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und der NATO eng in Euro-atlantische Strukturen integriert ist, versteht es sich als eine eigenständige Großmacht. Frankreich kann auf eine jahrhundertealte Tradition als bedeutende europäische Macht zurückblicken und gehörte zu den großen europäischen Kolonialmächten, weshalb es in der Frankophonie heute noch zahlreiche Sprecher des Französischen gibt. Im 21. Jahrhundert versucht Frankreich dieses Erbe zu nutzen und versteht sich bis heute als Ordnungsmacht im frankophonen Afrika. Das Land betreibt auch eine aktive Kulturpolitik über Institutionen wie das Institut français oder die Alliance française.
Frankreich gehört zu den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat und ist eine Atommacht. Das Land verfügte 2023 über 249 Auslandsvertretungen, darunter 158 Botschaften, was zu den umfangreichsten diplomatischen Netzwerken der Welt zählt. Frankreich verfügt als bedeutende Militärmacht auch über zahlreiche militärische Stützpunkte im Ausland und hat zur Wahrung seiner Interessen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholt im Ausland interveniert (z. B. in Afrika).
Grundlagen mini|Außenministerium Frankreichs in Paris Die Außenpolitik ist in der Verfassung der Fünften Französischen Republik die Domäne des Präsidenten (domaine réservé). Dieser hat eine große Machtfülle bei der Gestaltung der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik und ist auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der Präsident hat wenig institutionelle Gegenspieler wie z. B. ein starkes Parlament, welches ihm bei der Gestaltung der Außenpolitik entgegentreten könnte. Das Außenministerium Frankreichs und der Außenminister sind lediglich damit beauftragt, die Vorgaben des Präsidenten umzusetzen, wobei sich das reale Ausmaß des Einflusses der Präsidenten auf die Außenpolitik je nach Regierung und Persönlichkeit des Präsidenten auch unterscheiden kann. Frankreich verfügt über eines der ältesten und am besten vernetzten diplomatischen Netzwerke, mit Botschaften und anderen Institutionen in den meisten Hauptstädten der Welt. In seiner Orientierung ist die französische Diplomatie tendenziell nach Süden auf den Mittelmeerraum und Afrika ausgerichtet, Regionen, die als klassische Einflusssphären angesehen werden.
Frankreich versteht sich als aktive Gestaltungsmacht in der Weltpolitik nach seinem Selbstverständnis als Grande Nation. Obwohl Frankreich politisch und militärisch an EU und NATO gebunden ist, handelt es deshalb auch manchmal unilateral. Eine flexible Ausrichtung, bei der je nach Interessenslage unilateral, multilateral oder bilateral gehandelt wird, hat in der Vergangenheit bereits zu Konflikten (z. B. mit Deutschland) geführt. Als höchstes Gut gilt die Souveränität Frankreichs, wobei die französische Diplomatie damit auch manchmal in Widerspruch zu Verbündeten gerät. In jüngerer Zeit wurde der Souveränitätsanspruch auch auf die europäische Ebene gehoben, wobei die EU in den Plänen der Macron-Regierung eine möglichst eigenständige Rolle in der Weltpolitik spielen soll. Eine weitere Konstante ist die bis auf die Kolonialzeit zurückgehende „Mission Civilisatrice“, eine empfundene historische Mission, die Werte der Französischen Revolution wie Freiheit und Demokratie in der Welt zu verbreiten, welche allerdings auch schon mit der Verfolgung wirtschaftlicher und geostrategischer Interessen in Konflikt geraten sind.
Eine besondere Rolle in der französischen Außenpolitik spielt die Kulturdiplomatie. Die kulturelle Soft Power soll dabei die französische militärische, wirtschaftliche und diplomatische Macht ergänzen. Frankreich gilt seit dem späten 19. Jahrhundert als Pionier der internationalen Kulturpolitik und besitzt bis heute ein dichtes Netz an Kulturinstitutionen im Ausland. Dazu zählen das Institut français zur auswärtigen Kulturförderung und die Alliances Françaises, wobei ersteres direkt dem Außenministerium unterstellt sind. Ebenfalls erwähnenswert ist die Organisation internationale de la Francophonie (OIF), in der die französischsprachigen bzw. frankophonen Länder organisiert sind. Das Französische ist eine Amtssprache in zahlreichen internationalen Organisationen wie der UNO. Durch die Globalisierung und den weltweiten Siegeszug des Englischen ist das Französische in internationalen Organisationen trotz einer wachsenden Zahl an Sprechern jedoch unter Druck geraten, wobei bereits eine „Krise der französischen Kulturdiplomatie“ ausgemacht wurde. Andere Probleme sind die chronische Unterfinanzierung französischer Kulturinstitute und verbreitete antifranzösische Einstellungen in ehemaligen französischen Kolonien.
Geschichte Das Königreich Frankreich entstand im Frühmittelalter aus dem Westfrankenreich und gehörte früh zu den bedeutendsten Staatswesen in Europa. Eine wichtige Rolle zur Festigung der französischen Identität und Nation bildete der Hundertjähriger Krieg (1337–1453) gegen das Königreich England, der auch den Auftakt für eine jahrhundertelang anhaltende Rivalität mit den Engländern bzw. später den Briten bildete. In Kontinentaleuropa konkurrierten die französischen Könige mit den Habsburgern um die Vorherrschaft (Habsburgisch-französischer Gegensatz). Die französisch-osmanische Allianz war ein Militärbündnis, das 1536 zwischen dem französischen König Franz I. und dem Sultan des Osmanischen Reiches Süleyman I. geschlossen wurde. Das Bündnis war außergewöhnlich, da es sich um das erste Bündnis zwischen einem christlichen und einem muslimischen Staat handelte, und löste in der christlichen Welt einen Skandal aus, zumal die französischen Könige sich stark für den Katholizismus einsetzten. Das Bündnis war eines der wichtigsten Auslandsbündnisse Frankreichs und hatte insbesondere während der Italienischen Kriege und bei den Feldzügen gegen das Heilige Römische Reich großen Einfluss. Sie hielt mit Unterbrechungen mehr als zweieinhalb Jahrhunderte bis zur napoleonischen Invasion im osmanischen Ägypten 1798–1801. mini|Allianzen und Territorien der Beteiligten des Siebenjährigen Krieges Im 16. Jahrhundert begann Frankreich sein erstes Kolonialreich mit Stützpunkten in Asien und Afrika sowie der Ansiedlung Neufrankreich in Amerika zu errichten. Unter den langen Regierungszeiten der Könige Ludwig XIV. (1643–1715) und Ludwig XV. (1715–1774) war Frankreich die führende Macht in Europa und zahlreiche Fürsten orientierten sich am französischen Hofleben und der französischen Kultur. Unter Ludwig XIV. führte Frankreich mehrere große Kriege: den Französisch-Niederländischen Krieg, den Pfälzischen Erbfolgekrieg und den Spanischen Erbfolgekrieg, bei dem die Franzosen einen Bourbonen auf dem spanischen Thron installieren konnten. Ludwig XV. gliederte Lothringen und Korsika an Frankreich an. Im Siebenjährigen Krieg (1754–1763) erlitt Frankreich jedoch eine schwere Niederlage und war gezwungen, seine Besitzungen in Nordamerika aufzugeben, und das Britische Weltreich wurde zur führenden Weltmacht. Frankreich musste Neufrankreich an Großbritannien und Louisiana an Spanien abtreten. Aus Revanchismus unterstützte Frankreich die amerikanischen Rebellen während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs (1775–1783) militärisch und finanziell. Die Intervention war erfolgreich und spielte eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Vereinigten Staaten, belastete jedoch zusammen mit den anhaltenden Kriegen gegen die Britische Ostindien-Kompanie in Asien die Staatskasse erheblich und destabilisierte Frankreich innenpolitisch.
Nach der Französischen Revolution (1789) fühlten sich die europäischen Monarchien durch das revolutionäre Frankreich bedroht und bildeten eine Allianz gegen die Franzosen, was zum Ersten Koalitionskrieg führte. Unter Napoleon Bonaparte konnte Frankreich kurzzeitig die Vorherrschaft über große Teile Europas erringen. Das Heilige Römische Reich löste sich nach knapp tausend Jahren selbst auf und zahlreiche auf den Werten der Revolution errichtete konstitutionelle Monarchien und Republiken entstanden in Europa unter französischem Einfluss. Gegen die Briten verhängte Napoleon die Kontinentalsperre. Sein Russlandfeldzug 1812 erwies sich jedoch als schwerer Fehler, der den Niedergang der französischen Hegemonie über Europa einleitete. Bei der Schlacht bei Waterloo (1815) wurde Napoleon endgültig von einer britisch-preußischen Allianz besiegt und die Bourbonen kehrten auf den Thron zurück. Napoleon hatte aber eine bleibende Wirkung auf die europäische Staatenordnung, besonders in Deutschland und in Italien. Frankreich war nach den Koalitionskriegen nicht mehr die dominierende Macht, die es vor 1815 gewesen war. Es verblieb allerdings unter den europäischen Großmächten (der Pentarchie), was auch der geschickten Diplomatie des Staatsmanns de Talleyrand-Périgord auf dem Wiener Kongress zu verdanken war.
Die auf den Thron zurückgekehrten Bourbonen erwiesen sich als schwache Herrscher und 1830 und 1848 kam es zu erneuten Revolutionen. 1830 übernahm Frankreich die Kontrolle über Algerien und begann mit der Ansiedlung von europäischen Siedlern. Nach 1850 begann es ernsthaft mit dem Wiederaufbau seines weltweiten Imperiums und etablierte Kolonien in Westafrika und Asien (u. a. in Indochina). Der 1848 an die Macht gekommene Napoleon III. verfolgte eine aggressive Außenpolitik. Er öffnete den Handel mit China und ermöglichte einem französischen Unternehmen den Bau des Suezkanals, den Großbritannien nicht verhindern konnte. Der Krimkrieg (1854–1856) gegen Russland, der mit britischer und osmanischer Hilfe geführt wurde, brachte schwere Verluste und hohe Kosten, aber wenig territorialen oder politischen Gewinn. Der Krieg mit Österreich im Jahr 1859 ermöglichte die Einigung Italiens, und Napoleon wurde mit der Annexion von Savoyen und Nizza belohnt. Schließlich wurde Napoleon jedoch von Otto von Bismarck ausmanövriert und zog 1870 in den Krieg mit den Deutschen. Nachdem es Napoleon nicht gelungen war, ein Bündnis mit Österreich und Italien zu schließen, hatte Frankreich keine Verbündeten mehr. Auf dem Schlachtfeld erlitt es eine katastrophale Niederlage und verlor Elsaß-Lothringen an das in Versailles ausgerufene Deutsche Kaiserreich.
Durch die Einigung Deutschlands hatte Frankreich seinen Status als führende Macht in Kontinentaleuropa verloren und der Verlust von Elsaß-Lothringen löste einen verbitterten Revanchismus in Frankreich aus, der die deutsch-französische Erbfeindschaft begründete. Dank Bismarcks geschickter Bündnispolitik blieb Frankreich in der Folge diplomatisch isoliert, bis die Aufkündigung des deutsch-russischen Rückversicherungsvertrags 1890 durch Wilhelm II. eine französisch-russische Annäherung ermöglichte, die 1894 in dem Abschluss der Französisch-Russischen Allianz gipfelte. Während des Wettlauf um Afrika stießen die britischen und französischen Interessen in Afrika aufeinander. Frankreich plante einen zusammenhängenden West-Ost-Korridor in Afrika zu schaffen, während die Briten einen Nord-Süd Korridor von Ägypten bis zum Kap der Guten Hoffnung errichten wollten. Unter der Führung des Expansionisten Jules Ferry dehnte die Dritte Republik das französische Kolonialreich stark aus. Frankreich erwarb Indochina, Madagaskar, riesige Gebiete in West- und Zentralafrika sowie einen Großteil Polynesiens. „Die höheren Rassen haben die Pflicht, die niederen Rassen zu zivilisieren“ verkündete Ferry. Volle Staatsbürgerrechte – Assimilation – waren ein langfristiges Ziel der Kolonisierung, aber in der Praxis zögerten die Kolonialbeamten, die vollen Staatsbürgerrechte zu gewähren.
20. Jahrhundert
Erster Weltkrieg mini|Allianzen in Europa (1914)