Als Wunderline wird die Bahnverbindung zwischen Bremen und Groningen über Leer (Ostfriesland) bezeichnet. Die Strecke misst eine Länge von 173 Kilometern und wurde ursprünglich 1876 eröffnet. Nahe der deutsch-niederländischen Grenze, bei Weener (Ostfriesland) überquert sie die Ems auf der Friesenbrücke. Der westliche Teil von Groningen nach Ihrhove wurde 2012 Wiederline getauft.

Am 3. Dezember 2015 wurde die Friesenbrücke von einem Schiff gerammt und ist seither unpassierbar, die Strecke gesperrt. Knapp 11 Jahre später, zum 5. Oktober 2026, soll der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden.

Die Wunderline soll in deutsch-niederländischer Kooperation ausgebaut werden. Durch den Ausbau der bestehenden Strecken Bremen–Oldenburg, Oldenburg–Leer und Ihrhove–Groningen soll die Fahrzeit zwischen den Städten in der letzten Ausbaustufe auf 2 Stunden und 11 Minuten reduziert werden. Des Weiteren stellt dieser Ausbau einen Teilabschnitt der Bahnverbindung zwischen Kopenhagen und Amsterdam dar. Das Projekt soll bis 2030 abgeschlossen werden.

Geschichte Die Geschichte der Wunderline reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück, als die Königreiche Hannover und Niederlande einen Staatsvertrag über die Bahnverbindung Harlingen – Leeuwarden – Groningen – Leer abschlossen. Anschließend begann der Bau der Bahnstrecke, sodass 1876 die erste Bahnverbindung zwischen Groningen und Deutschland den Betrieb aufnahm. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges wurde die Eisenbahnverbindung unterbrochen.

Nachkriegszeit Am 4. Oktober 1949 berichtete die Nordwest-Zeitung, dass der Verkehr vorerst mit Omnibussen wieder aufgenommen wurde, da die Friesenbrücke vor dem Kriegsende gesprengt worden war. Nachdem die Brücke wiedererrichtet wurde, rollten ab dem 9. Oktober 1951 wieder Züge zwischen Bremen und Groningen. Allerdings betraf dies nur den Güterverkehr, während die Personenbeförderung weiterhin durch Busse erfolgte. Die Industrie- und Handelskammer Groningens beklagte sich später, dass diese Güterverbindung den Bedarf nicht decke und weitere Eisenbahnverbindungen erforderlich seien. Zum Sommerfahrplan 1958 einigte man sich, das Angebot auf der Strecke durch zwei niederländische Dieselzüge auszubauen, welche später um ein weiteres Paar der Bundesbahn ergänzt werden sollten. Angestoßen von der Verbesserung der Bahnverbindung zwischen Groningen und Bremen organisierten Oldenburger und Groninger Künstler gegenseitige Kunstausstellungen in ihren Städten. Mit dem Sommerfahrplan des Jahres 1960 wurde ein Kurswagen ergänzt, welcher in Groningen in einen Schnellzug nach Amsterdam integriert wurde. Somit wurde eine umsteigefreie Verbindung nach Amsterdam geschaffen. Sein 10-jähriges Jubiläum feierte der deutsch-niederländische Eisenbahneraustausch in der Region, welcher sich nach dem Krieg bildete, 1965 in Oldenburg.

1966 vereinbarten die Bundesrepublik und die Niederlande in einem Staatsvertrag, die grenzüberschreitende Bahnverbindung zu garantieren und zu fördern.

Planungen als Transrapid-Strecke Zum Beginn des neuen Millenniums wurde der Bau einer Transrapid-Strecke auf der Relation Hamburg – Bremen – Groningen – Amsterdam diskutiert. Der Bau wurde u. a. durch Sigmar Gabriel, damals Ministerpräsident Niedersachsens, und Henning Scherf, damals Oberbürgermeister Bremens, befürwortet. Man erhoffte sich dabei Synergieeffekte aufgrund der bestehenden Teststrecke im Emsland.Die Bayern, die Berliner, die Hessen haben den Transrapid als Kurzstrecken-Zubringerdienst für ihre Flughäfen vorgeschlagen. Macht das Sinn: Eine Milliarden-Investition für ein paar Minuten Zeitgewinn für ein paar ewig eilige Geschäftsleute? Dann doch wohl eher eine Verbindung, die Europa zusammenwachsen lässt: Von Hamburg und Bremen über Oldenburg, Leer und Groningen nach Amsterdam. Und von da aus auf schon bestehenden Strecken nach Brüssel, Paris oder London. Damit wäre ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz geknüpft. - Henning Scherf Die Transrapid-Strecke wurde nicht verwirklicht.

Ausbau der bestehenden Infrastruktur 2014 kündigte die Provinz Groningen an, 85 Millionen Euro in den Ausbau der Verbindung Groningen – Bremen investieren zu wollen. Dadurch soll insbesondere der eingleisige Streckenabschnitt für den Begegnungsverkehr ertüchtigt werden, um Schnellzüge zusätzlich zum bestehenden Regionalverkehr fahren lassen zu können. Zu diesem Zeitpunkt erhielt die Verbindung ebenso ihren heutigen Namen Wunderline. Ursprünglich sollte die Ertüchtigung bis 2019 umgesetzt werden. Allerdings gab es 2015 eine Schiffs-Kollision mit der Friesenbrücke, so dass die Strecke bis 2026 gesperrt wurde.

Im Jahr 2017 wurde die Wunderline als Priorität in den Koalitionsvertrag der rot-schwarzen Landesregierung Niedersachsens aufgenommen. 2019 unterzeichneten die Freie Hansestadt Bremen, das Land Niedersachsen und die Provinz Groningen eine Kooperationsvereinbarung für die Bauphasen. Im Jahr 2023 begannen die Bauarbeiten an dem Projekt.

Zu den Arbeiten gehören: Erneuerung von Eisenbahnbrücken und Verlegung neuer Gleise, Elektronisches Stellwerk in Ihrhove, Teilwiedereröffnung und Ertüchtigung zwischen der Staatsgrenze und Ihrhove, Arbeiten an Gleisen, Weichen, Brücken, Durchlässen, Signalen, Oberleitungen und die Anpassung und Erneuerung von Bahnübergängen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte im Rahmen des Projektes eine weitere Erhöhung der Taktungen auf der Strecke, etwa durch eine IC-Relation Bremen – Groningen mit nur 90 Minuten Fahrzeit, den Zubau weiterer Gleise sowie eine verlängerte Nutzungsdauer der Friesenbrücke für den Zugverkehr – Schiffs- und Bahnverkehr teilen sich die Nutzungszeiten der Brücke.

Im Februar 2024 wurde der Verkehr zwischen Bad Nieuweschans und Weener für die Bauarbeiten eingestellt. Die 1. Baustufe sollte ursprünglich im Dezember 2024 abgeschlossen werden, soll sich jedoch wegen häufigen Starkregens und hieraus folgendem Hochwasser und Lieferengpässen bis 5. Oktober verzögern.https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-hamburg-de/aktuell/presseinformationen-regional/Inbetriebnahme-der-Wunderline-Groningen-Bremen-verzoegert-sich--13392572https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-hamburg-de/aktuell/presseinformationen-regional/Zugverkehr-auf-der-Wunderline-Groningen-Bremen-erst-im-Sommer-2026--13583816

Historische Verbindungen Datenbanken wie fernbahn.de geben Aufschlüsse über bestehende Wunderline-Verbindungen, teils unter anderen Namen, seit spätestens 1977. Die nachfolgende Liste umfasst alle Züge ab Groningen, es gab entsprechende Gegenzüge. Die Relation wurde somit sechsmal am Tag bedient, dreimal in Richtung Groningen und dreimal in Richtung Bremen / Hannover / Braunschweig. JahrLinieLinienverlaufTaktReisezeit1977/78E 2031 Oldenburg-CityGroningen – Bremen Hbftäglich2h 36minD 933Groningen – Hannover Hbftäglich3h 39minE 2035Groningen – Braunschweig Hbftäglich5h 15min1984/85D 2034Groningen – Bremen Hbftäglich2h 34minD 933Groningen – Hannover Hbftäglich3h 49minE 2035Groningen – Braunschweig Hbftäglich5h 10min

Finanzierung Die Bauvorhaben werden von verschiedenen Akteuren finanziert und unterstützt: InstitutionFördermittelHöhe der ZuwendungFörderung für Bauphase 1 bis November 202312,7 Mio. EuroCEF-T-Fördermittel für vorbereitende Untersuchungen8,3 Mio. EuroFörderung im Jahr 201917 Mio. EuroFörderung im Jahr 201417 Mio. EuroFörderung im Jahr 201485 Mio. Euro

Neubau der Friesenbrücke Ein zentraler Baustein des Projektes ist der Neubau der Friesenbrücke. Diese wurde im Jahr 2015 von einem Schiff gerammt und ist seither unpassierbar, weshalb kein ununterbrochener Zugverkehr zwischen Bremen und Groningen möglich ist. Die Fertigstellung der Brücke und damit der Wunderline für den Zugverkehr soll am 5. Oktober 2026 erfolgen.

Die Brücke ist zwar fertiggestellt, aber die Arbeiten werden erschwert durch Hindernisse im Baugrund, sowie hochstehendes Grundwasser, das die Bodenverhältnisse verschlechtert, insbesondere im Bereich Ihrhove. Auch gibt es technische Herausforderungen bei der Anbindung der bestehenden Stellwerkstechnik in Papenburg an das neue elektronische Stellwerk in Ihrhove.https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-hamburg-de/aktuell/presseinformationen-regional/Zugverkehr-auf-der-Wunderline-Groningen-Bremen-erst-im-Sommer-2026--13583816https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/wunderline-zuege-rollen-noch-mal-monate-spaeter-als-geplant,wunderline-100.html

Einzelnachweise

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