Die Münzprägung von Athen in der Kaiserzeit begann erst mit der Regentschaft des Hadrian, was damit zu erklären ist, dass die in dem Hellenismus geprägten Bronzemünzen bis dahin ausgereicht haben.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 20–22.
Die Prägeperioden Die Prägung wird nach Alan Stuart Walker in drei Prägeperioden unterteilt. In der Forschung wird dies durch Stempelvergleiche und Hortfunde gesichert.
Die erste Prägeperiode ist in die Hadrianische Zeit, also 117–138 n. Chr., zu verorten. Die vorher stillgelegte Geldstätte nahm ihre Arbeit wieder auf. Grund hierfür war ein allgemeiner Geldbedarf, der daraus entstand, dass die hellenistischen Bronzemünzen teilweise bis zur Unkenntlichkeit abgegriffen waren. Auch die starke Entwicklung der Stadt mit den Großbauten, den Festspielen und der allgemeinen Beliebtheit, sowie die Kaiserbesuche, einhergehend mit großem finanziellem Aufwand, trugen zu dem Geldbedarf bei. Der Kaiser Hadrian hatte eine starke Verbindung zu Athen und besuchte die Stadt häufig. Mit seinem Besuch von 127/8 bis 128/9 n. Chr. begann die erste Prägeperiode. Es gibt in der Forschung die Vermutung, dass Münzen für Hadrian angefertigt und von ihm abgesegnet wurden.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 252–259.
Die zweite Prägeperiode wird in 140/150–192 n. Chr. datiert und endet mit dem Ende der Regentschaft des Commodus. Durch den Einfall der Costoboci in 170 n. Chr. wird Geld für den Wiederaufbau benötigt. Außerdem kam es erneut zu finanziell aufwendigen Kaiserbesuchen von Marcus Aurelius und Commodus.A. S. Walker: A chronological study of the Greek imperial coinage of Athens based on the collection of the Agora excavations at Athens. Philadelphia 1980, S. 260–262. Finanziert wurde diese Prägeperiode wahrscheinlich durch Privatpersonen oder den Kaiser.A. S. Walker: A chronological study of the Greek imperial coinage of Athens based on the collection of the Agora excavations at Athens. Philadelphia 1980, S. 264–265.
Nach der zweiten Prägeperiode kam es zu einem Bruch, der wahrscheinlich durch die Herrschaft des Septimius Severus zustande kam. Dieser hatte einen Argwohn gegen Athen und es kam dazu, dass nicht weiter geprägt wurde. Allerdings war dies kein Problem für die Stadt, da die bereits geprägten Münzen ausreichten. Zusätzlich gab es keine großen Ausgaben, da für diese Zeitspanne keine großen Bauwerke bekannt sind.A. S. Walker: A chronological study of the Greek imperial coinage of Athens based on the collection of the Agora excavations at Athens. Philadelphia 1980, S. 251–252.
Die dritte und letzte Prägeperiode wurde wahrscheinlich durch Steuern finanziert und wird in die Gallienische Zeit datiert. Gründe für die Wiederaufnahme der Prägung waren der Besuch des Kaisers Gallienus und die Bedrohung der Barbaren, da die Stadtbefestigung ausgebaut wurde. In dieser Periode wurden sehr viele Stempel für die Münzen verwendet, was für den kurzen Zeitraum sehr ungewöhnlich war. Gleichzeitig waren zwischen 15 und 20 Rückseitenstempel und 7 bis 8 Vorderseitenstempel in der Nutzung. In der Zeit von 255–267 n. Chr. wurde in Athen mit insgesamt 250–300 Vorderseitenstempeln und 500 Rückseitenstempeln geprägt.
Probleme der Datierung Der Stil der Münzen kann kaum verwendet werden, um diese zu datieren. Dies kommt daher, dass der Stil der römischen Kaiserzeit dem des Hellenismus sehr ähnlich ist. Die Athenaköpfe zum Beispiel sind eigentlich nicht voneinander zu unterscheiden. Auch gibt es auf den Münzen nur sehr selten eine Angabe von Daten. Anhand historischer Ereignisse sind die Prägungen auch nicht voneinander unterscheidbar, da historische Ereignisse keine direkte Auswirkung auf die Münzprägung hatten. Münzen wurden nur geprägt, wenn sie für die Stadt benötigt wurden und zeigten eher generelle Konzepte, anstatt spezifischer Ereignisse. Auch Statuen und Bauwerke wurden als Sinnbilder für Berühmtheit auf den Münzen verwendet und stellten kein spezifisches Ereignis dar.A. S. Walker: A chronological study of the Greek imperial coinage of Athens based on the collection of the Agora excavations at Athens. Philadelphia 1980, S. 236–245.
Da Athen eine der wenigen Münzstätten war, die pseudoautonome Bronzemünzen herstellten, erschwert dies ebenso die Datierung. Bei pseudoautonomen Bronzemünzen handelt es sich um Münzen, die nicht von einem Kaiserportrait auf der Vorderseite geschmückt sind. Stattdessen wurden in Athen typischerweise auf die Vorderseiten der großen Nominale der Athenakopf geprägt. Auf Obolen und Hemiobolen wurden typischerweise Athena, Demeter, Theseus oder Asklepios abgebildet.
Münzthemen Auf viele Münzen wurden Bildentwürfe aus dem direkten Kreis der Bürger geprägt, die diesen im Alltag begegneten. Meist handelte es sich bei solchen Prägungen um Monumente der Stadt oder Kultbilder und Statuen(gruppen).H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 28. Ein Beispiel für die Prägung der Akropolis findet sich auf der Seite des Münzkabinetts.18251131 (Objektnummer). Hier wird auf der Vorderseite die Athena mit dem korinthischen Helm abgebildet, während die Rückseite von einer detaillierten Darstellung der Akropolis von Nordwesten geziert wird.
Athena Das wichtigste Münzthema der Stadt war die Stadtgöttin Athena. Sie wurde in vielen verschiedenen Darstellungen geprägt und meist hatten diese verschiedenen Darstellungen einen unterschiedlichen Nutzen.
Die MünzeID100228 (Objektnummer). zeigt Athena als Stadtgöttin Athens. Der Gründungsmythos wurde aufgegriffen und als Prägung abgebildet, indem Poseidon und Athena auf der Rückseite der Münze auf beiden Seiten neben einem Olivenbaum dargestellt wurden. Der Mythos verheißt, dass Athena einen Wettstreit mit Poseidon gewann, bei dem die Götter den Menschen ein Geschenk machen sollten und das Beste sollte gewinnen. Athena erschuf den ersten Olivenbaum, der den Menschen Nahrung, Öl und Holz gab und gewann somit. Dieser Gründungsmythos war ein beliebtes Motiv, da er Athen als Liebling der Göttin Athena darstellte.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 29–31.
Eine weitere Darstellung zeigte Athena als Ursprung der Gerechtigkeit. Der Mythos von Orest wurde auf solchen Münzen dargestellt, der besagt, dass Orest von Argos nach Athen floh und dort von den Eumeniden angeklagt wurde. Bei der Entscheidung kam es zu einer Stimmgleichheit und Athena entschied zu Orest Gunsten.
Die Geburtslegende der Athena ist ebenfalls ein beliebtes Münzthema.1944.100.26175 (Objektnummer). Die Athena auf der Rückseite ist in einer Biga stehend dargestellt. Der Legende zufolge, entsprang Athena Zeus Kopf in einem Streitwagen, was sie gleichzeitig zur Erfinderin der Biga, Triga und Quadriga machte.
In der zweiten Periode wurde zusätzlich eine Münze geprägt, auf der sie in einer Biga einen Giganten überführte. Dies zeigte die Göttin als Vernunft und als Sieg der Vernunft über die Unvernunft.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 42.
Apollon In der ersten Periode wurde nur ein Typus des Gottes Apollon geprägt, der in allen drei Prägeperioden beibehalten wurde. Allerdings kamen auch neue Typen dazu. Dies war die Darstellung des Gottes als Stammvater und Verfassungsgeber. Von Mosch beschrieb diese Prägung: Apollon stand neben einem brennenden Altar mit einer Schale in der rechten und einer Kitara in der linken Hand, auf seinen Rücken fiel ein langer Mantel.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 38–39.
In der zweiten Periode wurde das gleiche Münzthema des Apollon als Stammvater und Verfassungsgeber neu dargestellt.ID1420 (Objektnummer). Der Apollon wurde hier auf der Rückseite nackt gezeigt. Er trug einen Bogen in seinem angewinkelten linken Arm und einen Lorbeerzweig in seiner gesenkten rechten Hand. Das Haar war zu einem Knoten gebunden. Die Darstellung des Lorbeers und des Bogens wird damit erklärt, dass so die seuchenabwehrende Kraft dargestellt wurde.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 40.
Beide Darstellungen gehen wahrscheinlich auf dieselbe bedeutungsvolle Statue zurück.
In der dritten Periode orientierte die Münzdarstellung sich nah am Kassler Apoll und zeigte eine Darstellung diese Statue von der Seite. Außerdem gab es zusätzlich zwei neue Darstellungen, die sich an Statuen des heiligen Bezirkes orientierten.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 40–44.
Zeus In der ersten Periode hatten die Prägungen des Zeus eine starke Ähnlichkeit zu den Prägungen der hellenistischen Bronzemünzen Athens.8192 (Objektnummer). Zeus wurde hier nackt und nach rechts stehend dargestellt. In seiner linken, herunterhängenden Hand hielt er ein Blitzbündel und der rechte Arm war erhoben.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 48–51.
In der zweiten Periode änderte sich die Darstellung des Zeus.3439 (Objektnummer). Er wurde nun nach links sitzend dargestellt. Er saß auf einem Thron und hielt eine Nike und ein Zepter in den Händen.
In der dritten Periode waren beide Darstellungen vertreten und variierten auf Vorder- und Rückseiten der Münzen.
Dionysos Für die Münzprägung des Dionysos gab es im Hellenismus vier unterschiedliche Typen. In der Kaiserzeit wurde jedoch nur einer der Typen weiterhin geprägt.3505 (Objektnummer). Dionysos wurde thronend dargestellt. In der rechten Hand hielt er den Thyrsusstab. Seine Haare waren zu einem Knoten gebunden und er trug einen langen Bart.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 52–54.
Eleusis In der ersten Periode gab es viele Darstellungen eleusischer Themen auf den Rückseiten der Münzen. Dies ist mit dem persönlichen Interesse des Kaisers Hadrian an den Mysterien von Eleusis zu erklären. In dieser Zeit gab es elf geprägte Bilder.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 46.
In der zweiten und dritten Periode reduzierte die Zahl der eleusischen Prägungen sich auf ein Bild. Da Athen große Sorge um eine angemessene Opfergabe den eleusischen Göttern gegenüber hegte, zeigte dieses Bild ein Schwein oder Ferkel, um die Opfergabe zu symbolisieren.ID2111 (Objektnummer).
Herakles und Theseus Die Taten der beiden Heroen Herakles und Theseus wurden sich in der Münzprägung gegenübergestellt. Während Theseus eine große Bedeutung für Athen hatte, da er der Stadtheld war, war Herakles ein weit bekannter Held. Dennoch rühmte Athen sich durch Herakles, da er der erste Fremde war, der in die eleusischen Mythen eingeweiht wurde und Athen die erste Stadt war, die ihn durch Altäre und Tempel nach seinem Tod als Gott anerkannte.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 60–61.
Von Herakles gab es nur zwei geprägte Darstellungen, während Theseus auf mehreren Darstellungen abgebildet wurde.H. C. von Mosch: Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Städtelobs in der kaiserlichen Münzprägung Athens. Mailand 1999, S. 57–60.
Herakles