mini|Außenansicht St. Nikolaus in Weiher|357x357px Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Nikolaus steht in Weiher, einem Ortsteil der Gemeinde Ubstadt-Weiher im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die Gemeinde St. Nikolaus (Pfarrei Hl. Edith Stein Bruchsal) gehört zum Erzbistum Freiburg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Das Kirchengebäude ist in zeittypischer Weise im Rundbogenstil gestaltet. Dieser historistische Baustil orientierte sich an Vorbildern der byzantinischen und romanischen Baukunst wie auch der italienischen Frührenaissance. Die Kirche ist aber nicht nur ein anschauliches Dokument der Sakralbaugeschichte vom Mittelalter bis zum Historismus im ländlichen Raum, sondern durch ihre Ausstattungsstücke ebenfalls ein viele Jahrhunderte illustrierendes kunstgeschichtliches Zeugnis.
Beschreibung Die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus ist eine klassizistische Saalkirche, die in den Jahren 1869 bis 1872 nach einem 1868 erstellten Plan von Friedrich Feederle vom Erzbischöflichen Bauamt Karlsruhe errichtet wurde. Am 21. April 1869 legte Pfarrverweser Karl Bunkofer den Grundstein, und am 6. Juli 1872 erfolgte die feierliche Konsekration durch Weihbischof Lothar von Kübel.
Architektur mini|Der Innenraum nach weiteren Ausmalungen in den 1920er Jahren Der etwa 39 Meter lange, 16 Meter breite und 14 Meter hohe Bau aus roten Sandsteinquadern mit gelben Sandsteingliederungen wurde senkrecht zur Ost-West-Achse der mittelalterlichen Vorgängerkirche angelegt. Das Langhaus wird außen durch Pilaster in vier Achsen gegliedert. An der Südseite schließt sich ein eingezogener, einjochiger Chor mit 7/10-Schluss an. alternativtext=Fotografie der Kirche um 1955|mini|250x250px|Die Kirche um 1955 mit den zwischenzeitlich errichteten Altarbildumrandungen Im Inneren ist die Kirche als Wandpfeilersaal mit gefasster Sargdeckeldecke und eingeschnürtem Chor ausgebildet. An der westlichen Langseite, gegenüber der Kapelle, erhebt sich der Glockenturm über quadratischem Grundriss. Seine oberen Geschosse besitzen abgeschrägte Ecken und enthalten die Turmuhr sowie den Glockenstuhl mit vier 1950 gegossenen Glocken. Den Abschluss bildet ein sandsteinerner Pyramidenhelm. Der erhaltene spätgotische Chor der Vorgängerkirche wurde an der östlichen Langseite in den Neubau integriert. Der tiefer liegende und durch Strebepfeiler gestützte Bau umfasst ein Joch und endet in einem 5/8-Schluss. Sein Gewölbe besitzt gekehlte Kreuzrippen. Die Maßwerkfenster zeigen Dreipässe und Fischblasenmotive, auch Schneußen genannt. Seit einer Renovierung im Jahr 1999 dient der sogenannte Alte Chor als Sakramentskapelle.
Der Entwurf stammte von Friedrich Feederle, dem späteren ersten Vorstand des Erzbischöflichen Bauamts Karlsruhe. Am 21. April 1869 legte Pfarrverweser Karl Bunkofer den Grundstein. Nach Feederles Tod am 1. Juli 1869 übernahm sein Nachfolger Adolf Williard die Bauleitung. Das Langhaus der Vorgängerkirche blieb zunächst bestehen, damit während der Bauzeit weiterhin Gottesdienste gefeiert werden konnten, und wurde erst 1870 abgebrochen. Im selben Jahr wurden die Orgel und eine Glocke angeliefert.
Die eisernen Rahmen für die zehn Langhausfenster lieferte 1871 die Eisenwarenhandlung Joseph Nöthing in Mannheim. Die Rahmen der drei Fenster über dem Hauptportal waren zuvor von einem Bruchsaler Schmied, vermutlich Martin Pellissier, angefertigt worden. Am 6. Juli 1872 konsekrierte Erzbistumsverweser und Weihbischof Lothar von Kübel die neue Kirche im Beisein von Pfarrverweser Bernhard Söhner, Dekan Konrad Haas aus Kronau, weiteren Geistlichen, Dompräbendar Joseph Schmitt und Bauamtsleiter Adolf Williard.
Die im Finanzierungsplan von 1867 veranschlagten Baukosten beliefen sich auf 51.698 Gulden. Dies entspricht nach den Kaufkraftäquivalenten der Deutschen Bundesbank rund 946.000 Euro zu Preisen des Jahres 2025.
Ausstattung mini|hochkant|Der "Alte Chor" heute mit den Fenstern von Peter Valentin Feuerstein (1973/74) Die Ausstattung der Kirche umfasst eine Dreialtargruppe in klassizistischen, neoklassizistischen und Formen der Neorenaissance. Sie besteht aus dem Hochaltar im Chor und zwei korrespondierenden Seitenaltären. Die drei Wandgemälde wurden 1947 mit neoklassizistischen Holzaufbauten umrandet. Die Wandgemälde mit der Darstellung der Kreuzigung am Hochaltar und der des heiligen Nikolaus am rechten Seitenaltar schuf 1871 der Historienmaler Ferdinand Keller. Das Altarbild des linken Seitenaltars mit der Aufnahme Mariens in den Himmel stammt von Julius Siegfried Uetz (1829–1885). Im folgenden Jahr wurden die gemauerten Seitenaltarstöcke mit fünf Zoll starken Sandsteinplatten versehen, die der Steinhauer Dettling aus Mühlbach lieferte.
In der Sakramentskapelle befindet sich ein barocker Ädikulaaltar aus Stuckmarmor aus dem 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht eine Darstellung des heiligen Nikolaus; hinzu kommt eine Statue des heiligen Johannes Nepomuk. An den Wänden befinden sich weitere Statuen der Schmerzensmutter und des heiligen Aloisius von Gonzaga sowie zwei barocke Ölgemälde, die die Himmelfahrt Mariens und den heiligen Antonius von Padua zeigen. Ebenfalls erhalten ist ein 1926 eingebautes neugotisches Chorgestühl.
Weitere Wandstatuen im Langhaus zeigen die heilige Agnes, die heilige Mutter Anna, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, die heilige Katharina von Alexandria, den heiligen Antonius von Padua, den heiligen Josef, den heiligen Sebastian und den heiligen Rochus. In den Buntglasfenstern dargestellt sind die Heiligen: Cäcilia, Aloisius, Maria, Josef, Wendelin und Dominikus. Den Hochaltar flankieren überlebensgroße Statuen der Evangelisten Matthäus und Johannes. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils erhielt die Kirche einen Ambo und einen freistehenden Zelebrationsaltar, der am 3. Dezember 1972 vom Freiburger Weihbischof Karl Gnädinger geweiht wurde.
Orgel mini|Der Orgelprospekt der Pfaff-Orgel mini|Der Spieltisch mit zwei Manualen Auf der Empore im hinteren Teil der Kirche befindet sich eine Orgel aus der Spaichinger Werkstatt von Joseph Anton Braun. Das Instrument mit einem klassizistischen Orgelprospekt entstand in den Jahren 1869 bis 1870. Zu dieser Zeit hatte bereits Brauns Neffe Joseph Braun die Leitung der Werkstatt übernommen. Aus dem Betrieb ging 1873 die Orgelbauwerkstatt Wilhelm Schwarz & Sohn hervor.
Am 1. Mai 1955 wurde die Werkstatt von Eugen Pfaff übernommen. Dessen Sohn Egbert Pfaff führte den Betrieb von 1977 bis zur Aufgabe der Werkstatt im Jahr 2015 als Alleininhaber unter dem Namen Orgelbau Egbert Pfaff weiter. Unter seiner Leitung wurde die Orgel im Jahr 1979 grundlegend renoviert und erweitert.
Die Disposition für diesen Umbau hatte Pater Albert Hohn OSB bereits am 29. Juni 1978 ausgearbeitet. Seitdem verfügt die Orgel über 23 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilen. Hinzu kommen die üblichen Manual- und Pedalkoppeln. Bereits 1898 hatte das Instrument ein neues Gebläse sowie zwei zusätzliche Register erhalten: eine Fugara 8′ und eine Aeoline, für die eine weitere Kanzelle eingebaut wurde. Während des Ersten Weltkriegs mussten 1917 die aus Zinn gefertigten Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Bis 1936 wurden sie durch einen Prospekt aus Zink ersetzt und ein elektrischer Gebläsemotor eingebaut. Außerdem wurde die Fugara zu einem 4′-Register umgearbeitet und in der hohen Tonlage ergänzt. Bis 1937 erfolgte ein Umbau der Orgel auf pneumatische Traktur. Im Zuge der umfassenden Renovierung und Erweiterung von 1979 erhielt das Instrument neue Schleifladen sowie eine mechanische Spiel- und Registertraktur. 1997 wurde das Instrument durch Orgelbaumeister Johannes Kircher um einen Tremulanten im Oberwerk und einen Zimbelstern erweitert. Nach einem Steinstaubeintrag im Jahr 2025 wurde die Orgel durch Orgelbaumeister Karl Göckel grundlegend ausgereinigt und neu intoniert.
Disposition: I Hauptwerk C–f3Bourdon16′altPrincipal8′ergänztHolzflöte8′altGamba8′altOctave4′altTraversflöte4′neuOctave2′neuMixtur 4f.′neuCornet 5f8'neuTrompete8′neuII Oberwerk C–f3Gedeckt8′neuSalicional8′altBifaria8′altPrincipal4′ergänztRohrflöte4′altWaldflöte2′altSesquialter′ +' neuCymbel 4f.1′neuPedal C–d1Violon16′altSubbass16′altOctavbass8′altTenoroctav4′neuPosaune16′neu Koppeln II/I, I/P, II/P
Freie Kombination I, II, P
Tremulant
Zimbelstern
Glocken mini|hochkant|Glockenturm (aus nordwestlicher Richtung) Der seitlich an das Langhaus angefügte massive Glockenturm ist etwa 48 Meter hoch. Nachdem die ursprünglichen Glocken im Ersten Weltkrieg verloren gegangen waren, wurde 1924 ein neues Geläut gegossen und eingeweiht. Von diesem Bronzegeläut mussten im Jahr 1942 während des Zweiten Weltkriegs die drei größten Glocken abgegeben werden. Erhalten blieb die von Pfarrer Isidor Heneka (1871–1942) gestiftete "Schutzengelglocke" aus der Glockengießerei Allmers in Bruchsal. Sie befindet sich heute im Campanile des Weiherer Friedhofs und läutet bei Bestattungen.
Das heutige vierstimmige Bronzegeläut der Pfarrkirche wurde 1950 von der Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen und am 30. April 1950 geweiht. Die Glocken hängen in einem zweigeschossigen Holzglockenstuhl aus Douglasienholz, der aus zwei Gefachen besteht.
Im Zusammenhang mit Arbeiten am Kirchendach wurde die gesamte Läuteanlage 2010 und 2011 grundlegend saniert. Dabei erhielten die Glocken neue Joche und Klöppel. Durch die Sanierung konnten die beim Läuten entstehenden Bewegungen des Turms gegenüber dem vorherigen Zustand deutlich reduziert werden.
Alle vier Glocken sind in den Uhrenschlag einbezogen. Die Glocken 2, 3 und 4 übernehmen den Viertelstundenschlag, während die große Glocke 1 die vollen Stunden schlägt. Die Schlagfolge entspricht dem Westminster-Motiv.
Glocke Nr.Gewicht in kgØ in mmGlockenton Nominal113481305es’-72532952as’-73329844b’-64240745c’’-5
Die Vorgängerkirche mini|Außenansicht (1826)|rand mini|Grundriss der alten Kirche mini|hochkant|Der "Alte Chor" (bis etwa 1960er Jahre) mini|hochkant|Ortsetter (1754) mit Lage und Darstellungen der Kirche Eine Pfarrkirche in Weiher besteht vermutlich bereits seit dem Mittelalter. Schriftlich belegt ist ihre Existenz seit der Erwähnung des Plebans Konrad von Wilre im Jahr 1308. Im Realschematismus der Erzdiözese Freiburg wird das Patrozinium St. Nikolaus erstmals 1463 schriftlich erwähnt. Als Vorgängerbau wird eine romanische Kirche angenommen, da sich in einer an den Chor anschließenden Mauer ein heute verdecktes romanisches Portal erhalten hat.
Der noch bestehende spätgotische Chor entstand wahrscheinlich zwischen etwa 1440 und 1529. Darauf weisen die Wappen auf zwei Schlusssteinen des Kreuzrippengewölbes hin. Sie zeigen das Wappen der Familie von Helmstatt, aus der mit Reinhard III. von Helmstatt von 1438 bis 1456 ein Speyerer Bischof hervorging, sowie das Wappen des Speyerer Bischofs Georg von der Pfalz, der von 1513 bis 1529 amtierte. Auf einem weiteren Stein ist die Jahreszahl 1518 eingemeißelt. Der Baubeginn lässt sich daher frühestens um 1440, die Fertigstellung spätestens auf das Jahr 1529 datieren.
Der Chor ist einjochig und besitzt einen 5/8-Schluss. Sein Inneres wird von gekehlten Kreuzrippen überspannt; die Maßwerkfenster sind mit Dreipässen und Schneußen gestaltet.
In der Kapelle befindet sich ein barocker Ädikulaaltar mit einer zentralen Figur des heiligen Nikolaus. Das Retabel besitzt einen zweigeschossigen Aufbau und wird oberhalb des Hauptgeschosses von einem kleineren, ädikulaartig gestalteten Altarauszug mit einer weiteren Heiligenfigur, dem heiligen Johannes Nepomuk, bekrönt. Vermutlich handelt es sich um den Hochaltar, dessen Anschaffung die Gemeinde im Jahr 1725 aus den Erträgen des Heiligenfonds plante.