Die Atlantische Hurrikansaison 2024 begann offiziell am 1. Juni 2024 und endete am 30. November 2024. Während dieser Periode bilden sich üblicherweise im nördlichen Atlantischen Ozean die meisten Hurrikane, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen wie ein erwärmter Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung vorherrschen, welche die Bildung tropischer Wirbelstürme ermöglichen.

Aufgrund der extrem hohen Meerestemperaturen sowie eines beginnenden La-Niña-Ereignisses wurde schon früh mit einer sehr aktiven Saison gerechnet. Der durchschnittliche Wärmegehalt des Wassers im Golf von Mexiko lag am 4. September 2024 bei 126 % des Durchschnittswerts der Jahre 2013 bis 2023 und damit so hoch wie noch nie.

Statistisch wird die Saison mit einer Accumulated Cyclone Energy (ACE) von mindestens 159,6 als „hyperaktiv“ eingeordnet. Sie ist eine von nur wenigen, in denen sich mehr als ein Kategorie-5-Hurrikan bildete. Insgesamt gab es 11 Hurrikans, darunter fünf schwere der Kategorien 3 bis 5. Bereits der zweite Sturm der Saison, Beryl, verstärkte sich Anfang Juli zum Kategorie-5-Hurrikan und verhielt sich eher wie ein Hurrikan während des Höhepunktes der Saison im September. Beryl stellte diverse Rekorde auf. Seine rapide Intensivierung begann so weit östlich wie bei keinem anderen Sturm zu dieser frühen Phase der Saison, verlief stärker als bei fast jedem anderen Sturm seit Beginn der Aufzeichnungen und machte ihn zum ersten bekannten Kategorie-4-Hurrikan im Juni und frühsten und stärksten Kategorie-5-Hurrikan im Juli.

Mit Hurrikan Milton bildete sich im Oktober noch ein weiterer solcher Hurrikan, der sich über extrem warmem Wasser in nahezu beispielloser Geschwindigkeit vom Tropensturm zum Kategorie-5-Hurrikan verstärkte. Nach seinem Landfall als Kategorie-3-Hurrikan etwas südlich von Tampa verursachte er durch Flutwelle, Regen, Windgeschwindigkeit und Tornados schwere Schäden in Florida. Katastrophale Folgen in zahlreichen US-Bundesstaaten verursachte auch der Kategorie-4-Hurrikan Helene, der mit über 240 Toten der tödlichste Hurrikan seit Katrina 2005 auf dem amerikanischen Festland war. Mit maximalen Niederschlagsmengen von ca. 750 mm binnen 48 Stunden löste er gerade in North Carolina katastrophale Überschwemmungen und Erdrutsche aus.

Maßgeblich verursacht durch diese drei Stürme werden alleine die versicherten Schäden der Saison auf mehr als 100 Mrd. US-Dollar geschätzt. Inklusive wirtschaftlicher Folgeschäden kam AccuWeather alleine bei Helene und Milton auf eine Gesamtschadenssumme von ca. 385 bis 430 Mrd. Dollar. Dies ist auch inflationsbereinigt mehr als der Schaden durch Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete, und entspricht nicht ganz 2 % des durchschnittlichen Bruttoinlandsproduktes der Vereinigten Staaten.Florida begins long road to recovery after double hurricane strike. In: The Guardian, 12. Oktober 2024. Abgerufen am 12. Oktober 2024.

Im Laufe der Saison erschienen zahlreiche Attributionsstudien, die die verstärkende Rolle des menschengemachten Klimawandels bei den jeweiligen Stürmen betonten. Eine im November 2024 erschienene zusammenfassende Analyse kam zu dem Ergebnis, dass alle 11 Hurrikans der Saison durch den Klimawandel höhere Windgeschwindigkeiten aufwiesen. Je nach Sturm betrug der Anstieg zwischen 14 und 45 km/h. Ohne diesen Anstieg wären sowohl Helene als auch Milton Kategorie-4-Hurrikans statt solche der Kategorie 5 gewesen, während Debby und Oscar nur Tropenstürme statt Hurrikans gewesen wären. Der Klimawandel machte zudem die erhöhten Meeresoberflächentemperaturen auf den Zugbahnen der Hurrikans um bis zu 800 Mal wahrscheinlicher.Climate change increased wind speeds for every 2024 Atlantic hurricane: Analysis. Climate Central. Abgerufen am 23. November 2024.

Saisonvorhersagen +Vorhersagen der tropischen Aktivität in der Hurrikansaison 2024QuelleDatumBenannteStürmeHurrikaneSchwereHurrikaneRef.Durchschnitt (1991–2020) 14,4 7,2 3,2 Rekordaktivität hoch30157†Rekordaktivität niedrig42†0†† letztes Jahr von mehreren–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––TSR11. Dezember 20232094CSU4. April 202423115MFR5. April 20242111N/ATSR8. April 202423115UA8. April 202421115NCSU16. April 202415–2010–123–4TWC17. April 202424116NOAA23. Mai 202417–258–134–7–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––tatsächliche Aktivität18115

Vor und während der Hurrikansaison erstellen mehrere nationale Wetterdienste, meteorologische Institute und Hurrikanexperten Vorhersagen zu deren erwartetem Verlauf. Darunter sind Vorhersagen des US-amerikanischen Climate Prediction Center der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), Tropical Storm Risk (TSR), das britische Met Office (UKMO), sowie Wissenschaftler an der Colorado State University (CSU), der University of Arizona (UA) und der North Carolina State University (NCSU). Die Vorhersager berücksichtigen dabei wöchentliche und monatliche Veränderungen signifikanter Faktoren, um die Zahl der benannten tropischen Stürme, Hurrikane und schweren Hurrikan vorherzusagen. Nach den Angaben von NOAA und CSU umfasst die durchschnittliche atlantische Hurrikansaison in der derzeit signifikanten Periode zwischen 1991 und 2020 ungefähr 14 tropische Stürme, sieben Hurrikane und drei schwere Hurrikane und erreicht eine Accumulated Cyclone Energy (ACE) von 72–111.

Grob gesprochen ist der ACE-Index ein Maß, um die Kraft eines tropischen oder subtropischen Sturms über die Dauer seiner Existenz anzugeben, wobei nur volle sechsstündige Intervalle berücksichtigt werden. Phasen, in denen der Sturm kein Sturm ist oder nicht tropisch oder subtropisch ist, werden nicht mitgerechnet. Die NOAA kennzeichnet Hurrikansaisons normalerweise in Abhängigkeit des kumulierten ACE-Indexes als überdurchschnittlich, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich, berücksichtigt allerdings in Einzelfällen auch, wie viele tropische Stürme, Hurrikane und schwere Hurrikane sich gebildet haben.

Alle bislang veröffentlichten Prognosen gehen von einer überdurchschnittlich starken Aktivität für die Saison 2024 aus. Die NOAA erwartete in ihrer, einer gute Woche vor dem kalendarischen Beginn der Hurrikansaison bekanntgegebenen, Prognose mit 70 %iger Wahrscheinlichkeit zu 85 % eine überdurchschnittliche, nur zu 10 % eine durchschnittliche und nur zu 5 % eine unterdurchschnittliche Hurrikanaktivität.

Hauptgrundlage für die erwartete hohe Aktivität sind sowohl die auf Rekordniveau befindlichen Meerestemperaturen als auch der erwartete Umschwung von einer El Niño zu einer La-Niña-Phase, was beides die Entwicklung von Stürmen begünstigt. Die Meerestemperaturen lagen im späten Mai 2024 weitaus höher als vor der Hurrikansaison 2005, die eine der aktivsten und zerstörerischsten Saison aller Zeiten war. Niemals zuvor wurden so hohe Meerestemperaturen gemessen. Mehr als 90 % der für die atlantische Hurrikansaison relevanten Meeresgebiete wiesen zu dem Zeitpunkt Temperaturen auf Rekordniveau oder knapp darunter auf. Auch kam es in der Saison 2023, in der ein sehr starker El Niño herrschte, mit 20 Stürmen zu der vierthöchsten Zahl seit dem Jahr 1950, obwohl El Niños typischerweise einen dämpfenden Effekt auf die Sturmaktivität ausüben. Experten führen diese Zahl größtenteils auf die sehr hohen Meerestemperaturen zurück. Besonders heiß war die Karibik, wo bereits im Mai Meerestemperaturen von mehr als 29 °C erreicht waren, die sonst niemals vor August aufgetreten waren. Diese Temperatur war damit bereits wärmer als die durchschnittliche Maximaltemperatur der Jahre 1991 bis 2020, die normalerweise erst im September erreicht wird. Solche Temperaturen erhöhen zugleich die Risiken für rapide Intensivierung von Stürmen und sehr hohe Niederschlagsmengen.What you need to know about record-breaking heat in the Atlantic. In: YaleClimateConnections, 22. Mai 2024. Abgerufen am 26. Mai 2024.

Befürchtet wird zudem, dass durch die marine Hitzewelle seit 2023, die zu einem massenhaften Korallensterben vor Florida geführt hat, der natürliche Schutz vor Stürmen geschwächt wurde. Intakte Korallenriffe wirken als eine Art Barriere für Sturmfluten, die deren Wirkung abmildern.Why Beryl is an early sign of a particularly dangerous hurricane season. In: Washington Post, 2. Juli 2024. Abgerufen am 2. Juli 2024.

Saisonübersicht

Systeme Tropischer Sturm Alberto

Am 17. Juni 2024 begann das National Hurricane Center Warnungen bezüglich des potentiellen Tropischen Sturms Eins herauszugeben. Das relativ große System befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Bucht von Campeche in der Karibik und bewegte sich in nordnordwestliche Richtung. Für Teile Mexikos und Texas wurden Tropensturmwarnungen herausgegeben.Potential Tropical Cyclone One Advisory Number 1...Corrected. National Hurricane Center. Abgerufen am 17. Juni 2024. Zuvor hatte das System bereits starke Regenfälle über Teile Mittelamerikas gebracht. Durch diese starben in El Salvador elf Menschen, drei weitere kamen in Guatemala ums Leben. Am 19. Juni wurde das System zum tropischen Sturm Alberto heraufgestuft. Zu dem Zeitpunkt war der Sturm sehr einseitig gestaltet. Während das Windfeld im Norden noch 650 km vom Zentrum Tropensturmstärke erreichte, waren die Windgeschwindigkeiten südlich des Zentrums relativ gering. Das National Hurricane Center warnte vor Regenmengen zwischen 100 und 200 Litern, lokal sogar 400 Liter pro Quadratmeter.Tropical Storm Alberto batters northeastern Mexico and Texas. In: YaleClimateConnections, 19. Juni 2024. Abgerufen am 19. Juni 2024. Nach einer langen Trockenheit in Teilen Mexikos sehen die dortigen Behörden die von Alberto verursachten Niederschläge als willkommene Möglichkeit, die anhaltende Wasserknappheit endlich zu lindern.

Am 20. Juni 2024 traf Alberto nahe Tampico westwärts ziehend auf die mexikanische Ostküste. Nach dem Landgang schwächte er sich zu einem tropischen Tief ab. Am gleichen Tag endete die Zirkulation, sodass Alberto als posttropisch eingestuft wurde.Remnants Of Alberto Advisory Number 13. National Hurricane Center. Abgerufen am 20. Juni 2024. Während die Auswirkungen in Tampico minimal waren, kam es weiter nördlich zu deutlich stärkeren Schäden durch Regen und Sturmflut. In Mexiko starben mindestens drei Menschen aufgrund von Überflutungen, auch in Texas kam es in Küstennähe zu großen Überflutungen, nachdem eine Sturmflut mit einer Höhe bis etwa ein Meter über Normal auf Land getroffen war.Flash floods hit Mexico, coastal flooding reaches Texas as Alberto makes landfall. In: YaleClimateConnections, 20. Juni 2024. Abgerufen am 21. Juni 2024.

Hurrikan Beryl

Verlauf mini|Windfeld von Beryl im zeitlichen Verlauf. Orange Tropensturmstärke, Rot Hurrikanstärke Am 28. Juni bildete sich über dem zentralen tropischen Atlantik, gut 2000 km ostsüdöstlich der Inseln über dem Winde, das Tropische Tief Zwei.Tropical Depression Two Advisory Number 1. National Hurricane Center. Abgerufen am 28. Juni 2024. Die NOAA stufte es am nächsten Tag, als es mit 16 Knoten auf die Antillen und die Karibik zuzog, zum tropischen Sturm „Beryl“ herauf. Anschließend kam es zu einer rapiden Intensivierung des Sturms. Noch am Nachmittag (Ortszeit) des 29. Juni erreichte Beryl Hurrikanstärke. Am Morgen des 30. Juni hatte er sich zum Kategorie-3-Hurrikan entwickeltHurricane Beryl Intermediate Advisory Number 7A. National Hurricane Center. Abgerufen am 30. Juni 2024. und noch vor dem Mittag verstärkte er sich zum Kategorie-4-Hurrikan.Hurricane Beryl Tropical Cyclone Update. National Hurricane Center. Abgerufen am 30. Juni 2024. In der folgenden Nacht schwächte er sich bei einem Eyewall-Replacement-Cycle zwischenzeitlich zum Kategorie-3-Hurrikan ab, erreichte danach aber wieder Kategorie-4-Stärke.Category 4 Beryl rips through the Windward Islands . In: YaleClimateConnections, 1. Juli 2024. Abgerufen am 1. Juli 2024.