mini|Verlauf der Werra mini|Zwischen Sallmannshausen und Herleshausen verläuft die Landesgrenze in der Flussmitte. Die linke Seite (im Bild rechts) befindet sich im Werra-Meißner-Kreis und gehört zum FFH-Gebiet Werra zwischen Philippsthal und Herleshausen, die rechte Seite liegt im thüringischen Wartburgkreis und ist ein Teil des FFH-Gebiets Werra bis Treffurt mit Zuflüssen mini|Im Naturschutzgebiet „Alte Werra“ mini|Werra bei Frankenroda mini|Die Werra unterhalb der Steilhänge der „Ebenauer Köpfe“ mini|Die Werra bei Wartha mini|Zwischen Treffurt (im Bild rechts) und Heldra endet das FFH-Gebiet an der Landesgrenze zu Hessen (im Bild unten rechts) Mit der Bezeichnung Werra bis Treffurt mit Zuflüssen wurde der Flusslauf der Werra in Thüringen, mit einigen der Zuflüsse und einigen der angrenzenden Biotope, als ein Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet in das Schutzgebietsnetz Natura 2000 integriert. Mit der Aufnahme in das länderübergreifende Netz besonderer Schutzgebiete der Europäischen Union sollte das ausgedehnte Fließgewässersystem mit ihrer Fauna, zu der ein für Thüringen bedeutsames Vorkommen der Groppe und des Bachneunauges gehören, geschützt werden. Innerhalb des FFH-Gebiets, das fünf Landkreise und mehrere Naturräume durchzieht, besitzt die Werra eine Fließstrecke von etwa 191 km und zusammen mit den Nebengewässern eine Länge von rund 348 km.RANA – Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer: Managementplan für das FFH-Gebiet „Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“. Abschlussbericht.
Lage Das FFH-Gebiet liegt im westlichen und südwestlichen Thüringen und umfasst den Flusslauf der Werra von ihren Quellbereichen im Thüringer Schiefergebirge bis zur Landesgrenze im Unteren Werrabergland. Mit einbezogen wurden die Nebengewässer Schleuse, Biber, Herpf, Katza, Rosabach und Schwarzbach sowie angrenzende Lebensraumkomplexe in der Werraaue, zu der Auslaugungsseen, Binnensalzstellen und Mähwiesen gehören.
Administrativ befinden sich die geschützten Bereiche in den fünf Landkreisen Sonneberg, Hildburghausen, Ilm-Kreis, Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis. Der Wartburgkreis besitzt den größten Flächenanteil des Schutzgebiets, gefolgt von den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen. Nur geringe Gebietsanteile liegen im Landkreis Sonneberg und im Ilmkreis.
Nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die auf der Geografischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg basiert, entspringen die beiden Quellen der Werra im Thüringer Schiefergebirge (392.1). Eine Quelle ergießt sich nahe Fehrenbach, auf etwa 797 m, in die sogenannte „Vordere“, die andere, die sich auf einer Höhe von etwa 805 m bei Siegmundsburg befindet, in die „Hintere“ Werra. Dieser Quellbach, der zunächst als Saar bezeichnet wird, vereinigt sich bei Sachsenbrunn mit dem anderen Bach zur eigentlichen Werra. Nach dem Zusammenfluss verlässt die Werra das Gebirge und durchfließt das Südliche Vorland des Thüringer Waldes (390) und gelangt im Salzunger Werrabergland (359) in den Naturraum des Osthessischen Berglands (35). In zwei Bereichen des Salzungen-Herleshausener Werratals (359.1), zwischen Philippsthal und Dankmarshausen sowie zwischen Sallmannshausen und Herleshausen, durchquert die Werra Flächen des Landes Hessen. In der Werraaue von Herleshausen verläuft die Landesgrenze rund neun Kilometer lang in der Mitte der Werra. Hier gehört lediglich die rechte Flussseite zum FFH-Gebiet. Mit dem Eintritt in das Untere Werrabergland (358) im Treffurt-Wanfrieder Werratal (358.1) erreicht die Werra die Landesgrenze und nach einer Gesamtlauflänge von 299 km wird sie, neben der Fulda, zu dem rechten und längeren der beiden Hauptquellflüsse der Weser, die der Nordsee zufließt.Blatt 112 Kassel bearbeitet von Hans-Jürgen Klink und Blatt 126 Fulda bearbeitet von Werner Röll. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg.
Das innerthüringische, nur landesweit einteilende System der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) ordnet das FFH-Gebiet den Naturräumen Hohes Thüringer Schiefergebirge–Frankenwald (1.3.3), Meininger Kalkplatten (3.7), Bad Salzunger Buntsandsteinland (2.7), Südthüringer Buntsandstein-Waldland (2.8), Werraaue Meiningen-Vacha (6.7), Werraaue Gerstungen-Creuzburg (6.6) und Werrabergland-Hörselberge (3.3) zu.Die Naturräume Thüringens. Website des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum; abgerufen am 18. April 2024.
Unterschutzstellung Als ein geeigneter Bereich für Natura 2000 wurde die „Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“ im Juni 2004 durch das Thüringer Umweltministerium vorgeschlagen und über das Bundesumweltministerium an die EU-Kommission gemeldet. Mit dem Eintrag in die Liste von Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung folgte im November 2007 die Bestätigung und im Juli 2008 die Aufnahme in das länderübergreifende System besonderer Schutzgebiete innerhalb der Europäischen Union, das die Erhaltung der biologischen Vielfalt zum Ziel hat. Neben dem Gebietsmanagement und dem damit verbundenen Monitoring, forderte die EU eine förmliche Schutzerklärung, die mit der „Thüringer Natura 2000-Erhaltungsziele-Verordnung“ vom 29. Mai 2008 erfolgte.Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung mit ihren Schutzobjekten und übergreifenden Erhaltungszielen: Werra bis Treffurt mit Zuflüssen. In: Verordnung zur Festsetzung von Europäischen Vogelschutzgebieten, Schutzobjekten und Erhaltungszielen (Thüringer Natura-2000-Erhaltungsziele-Verordnung vom 29. Mai 2008); abgerufen am 18. April 2024.Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN): Standard-Datenbogen für besondere Schutzgebiete Werra bis Treffurt mit Zuflüssen, erstellt im Mai 2004 und im Mai 2019 aktualisiert. Das FFH-Gebiet „Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“, das eine Größe von 2.260 Hektar besitzt, hat die thüringeninterne Kennung 111, die europäische Gebietsnummer 5328-305 und den WDPA-Code 555520705.„Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“. In Weltdatenbank zu Schutzgebieten; abgerufen am 18. April 2024.
Als die Thüringer Meldung für Natura 2000 vorlag, forderte das Bundesamt für Naturschutz vom Land Hessen einen Randabgleich mit den beiden hessischen Teilstrecken, der mit der Einrichtung des FFH-Gebiets Werra zwischen Philippsthal und Herleshausen erfüllt wurde. In diesen hessischen Abschnitten bildet ausschließlich der Fluss das FFH-Gebiet, ohne die angrenzenden Auenbereiche. Nach der Bestätigung als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung im November 2007 und der „Verordnung über Natura 2000-Gebiete in Hessen“ vom März 2008 wurden die Verpflichtungen aus den Naturschutz-Richtlinien der Europäischen Union erfüllt.Verordnung über die Natura 2000-Gebiete in Hessen vom 16. Januar 2008. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen, Teil I, Nr. 4 vom 7. März 2008. Das FFH-Gebiet besitzt eine Größe von 97,93 Hektar, hat die Gebietsnummer 5125-350 und den WDPA-Code 555520483.„Werra zwischen Philippsthal und Herleshausen.“ In: Weltdatenbank für Schutzgebiete; abgerufen am 18. April 2024.
Die Werra im FFH-Gebiet Im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde die Werra ab der Einmündung der Schwaba bis zur Landesgrenze nach Hessen als „Schwerpunktgewässer Durchgängigkeit“ ausgewiesen. Ziel ist die Flussrenaturierung durch die Wiederherstellung der Längsverbindung in Fließgewässern. Nach den Angaben im Managementplan des „Fachbeitrags Offenland“ befanden sich in Thüringen in den 2010er Jahren insgesamt 54 Querbauwerke sowie mit dem Hochwasserrückhaltebecken Grimmelshausen eine Talsperre. An siebzehn dieser Standorte wurden Wasserkraftanlagen betrieben. Mit dem Modellvorhaben „Verbesserung und Vernetzung aquatischer Lebensräume“ ist in den Jahren von 2004 bis 2008 ein großer Teil der Wehre unterhalb der Talsperre Grimmelshausen durchgängig gestaltet worden. Es wurden Fischaufstiegsanlagen errichtet und ein Teil der Wehre zurückgebaut. An den meisten Wasserkraftanlagen besteht aber wegen des unzureichenden Fischschutzes noch Handlungsbedarf.
Zu den strukturellen Beeinträchtigungen kommt die hohe Belastung durch die Einleitung von Salzen über Produktionsabwässer oder durch Auswaschungen der Abraumhalden der Kaliindustrie hinzu, die hier bereits seit dem 19. Jahrhundert den Abbau von Kalisalzen betreibt. Sie haben die Werra zum längsten Fließbrackgewässer Deutschlands werden lassen. Durch die Anlage von Pufferbecken in den hessischen Abbaubetrieben wird eine gleichmäßigere, auf die Wasserführung abgestimmte Abgabe angestrebt, dennoch liegen die Salzkonzentrationen der Werra immer noch weit über den in der Wasserrahmenrichtlinie festgelegten Werten für europäische Binnengewässer. Auch ist die Chlorid-Konzentration noch stark erhöht und der ökologische Zustand des Flusses schlecht.Marius Gogolla: Werra weiter stark belastet. Trotz strengerer Vorgaben hohe Clorid-Konzentrationen. In: Werra-Rundschau vom 19. März 2024; abgerufen am 18. April 2024.
Schutzziele In dem FFH-Gebiet sollen, um dem anhaltenden Rückgang von natürlichen Lebensräumen und wildlebender Pflanzen- und Tierarten entgegenzuwirken und um die biologische Vielfalt zu erhalten, die naturnahen Abschnitte der Werra von den Quellgebieten mit den Flachmooren bis zu der thüringisch-hessischen Landesgrenze, mit den größten Populationen der Westgroppe und des Bachneunauges in Thüringen und dem Vorkommen des Fischotters, die Auslaugungsseen, Altarme und andere Gewässer, zum Teil mit Armleuchteralgen sowie die Lebensräume der Gelbbauchunke und des Nördlichen Kammmolchs, die extensiven Mähwiesen und eine Binnensalzstelle mit Lebensräumen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings sowie die Lebensräume einer reichen Fledermausfauna, darunter Bechstein-, Mops- und Teichfledermaus sowie der Kleinen Hufeisennase erhalten oder gegebenenfalls wiederhergestellt werden.
Lebensräume Mit dem Ziel den Zustand des FFH-Gebiets zu dokumentieren, zu bewerten und Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung der relevanten Lebensraumtypen (LRT)Liste der in Deutschland vorkommenden Lebensräume des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie. In: Deutschlands Natur; abgerufen am 14. April 2024. und Arten vorzuschlagen, wurden die Flächen entsprechend dem Natura-2000-Erlass des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz nach einem modularen Prinzip untersucht. Die Beschreibung der Waldflächen erstellte im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, mit dem Stichtag 1. Januar 2018, das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum von ThüringenForst in Gotha. Mit der Erarbeitung des Fachbeitrags für die Offenlandflächen zwischen April 2018 und November 2019 wurde die Bietergemeinschaft RANA (Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer) und INL (Ingenieurbüro für Naturschutz und Landschaftsplanung) beauftragt. Prioritäre Lebensraumtypen Die Kartierungen erfassten sechs Biotoptypen, die als „prioritär“ eingestuft werden, weil sie als vom Verschwinden bedroht gelten und die Europäische Union eine besondere Verantwortung für ihre Erhaltung hat. Zu den Lebensraumtypen die einen besonders hohen Schutzstatus besitzen gehören: Salzstellen im Binnenland (LRT 1340*), Orchideenreiche Kalkmagerrasen (LRT 6210*), Artenreiche Borstgrasrasen (LRT 6230*), Kalkschutthalden der Mittelgebirge (LRT 8160*), Schlucht- und Hangmischwälder (LRT 9180*) und Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (LRT 91EO*). Süßwasserlebensräume