Jankowo ( Janikow, früher Janickow und Janicow) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Drawsko Pomorskie im Powiat Drawski.

Geographie

Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, etwa fünf Kilometer westsüdwestlich der Stadt Drawsko Pomorskie, fünf Kilometer nordwestlich des Dorfs Mielenko Drawskie und drei Kilometer nördlich des Dorfs Woliczno.

Geschichte Im 14. Jahrhundert gehörte das Gut Janikow neben Born, Dolgen, Gienow, Golz, Sarranzig und einigen anderen Gütern zu einer Reihe von Lehen, die die alteingesessene neumärkische Familie von der Borne vom Markgrafen als Lehen empfangen hatte.Arthur Zechlin: Die ehemals neumärkischen Kreise Schivelbein und Dramburg, historisch-topographisch dargestellt. In: Baltische Studien. Band 36 A.F., Stettin 1886, S. 81–124, insbesondere S. 102 (Google Books). Dem Landbuch von 1337 zufolge war Janikow der Vogtei Falkenburg zugeordnet.Georg Wilhelm von Raumer: Die Neumark Brandenburg im Jahre 1337 oder Markgraf Ludwig's des Aelteren Neumärkisches Landbuch aus dieser Zeit. Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1837, S. 106 (Google Books). Für den Rossdienst im Jahr 1565 im damaligen Kreis Dramburg hatten die Goltze von Janikow und Mellen drei Pferde zu stellen und lagen damit hinter den Güntersberg mit 15 Pferden und den Borne zu Grassee und Zamzow mit fünf Pferden.Paul van Niessen: Die Geschichte der Stadt Dramburg – Festschrift zur Jubelfeier ihres sechshundertjährigen Besthens. Jancke, Dramburg 1897 (Nachdruck: Microson Reprints, 1994), S. 358 (Google Books). mini|Herrenhaus Erich Gropius von 1895 auf einer Ansichtskarte Im Jahr 1715 besaß der preußische Kapitän-Lieutenant Gottfried von Billerbeck († vor 1745) einen Anteil von Janikow.Rolf Straubel: Biographisches_Handbuch neumärkischer Offiziere (1715–1806), de Gruyter, Berlin/Boston 2024 (eingeschränkte Vorschau). Um 1801 hatte das Kirchdorf und Gut Janikow sechs Bauernstellen, einen Pfarrbauern, eine Kossätenstelle, neun Einlieger, ein Forstrevier mit über 200 Morgen Wald und insgesamt 126 Einwohner; seine Besitzer waren die verheiratete Baronin von der Goltz, geb. von Bonin, und der Oberförster von Dewitz.

Im Jahr 1884 befand sich das 666 Hektar große Rittergut Janikow im Besitz des Lieutenants der Reserve Erich Gropius,P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band II: Provinz Pommern. Zweite Auflage, Berlin 1884, S. 36–37 (Google Books). dem es auch noch 1892 und 1896 gehörte.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 110–111 (Books).C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 12: Pommern, Neunte Ausgabe, Nürnberg 1896, S. 316 (Google Books). Dieser ließ sich 1895 ein Herrenhaus von den Architekten Solf & Wichards erbauen.

Am 1. Oktober 1897 wurde die Teilstrecke Grassee – Janikow der Saatziger Kleinbahnen für den Personen-, Gepäck-, Vieh- und Güterverkehr eröffnet.Amtsblatt des k. k. Eisenbahnministeriums für den Dienstbereich der Staatseisenbahnverwaltung. Jahrgang 1897, XLVIII. Stück, 16. Oktober, Wien 1897, S. 452 (Google Books)mini|Speicher des ehemaligen Gutes Janikow, 1906 von Walter Gropius erbaut (Aufnahme 2008)Ab 1904 ließ Erich Gropius durch seinen Neffen, den damals noch in seiner Ausbildung befindlichen Walter Gropius, verschiedene Wirtschafts- und Wohnbauten des Gutes realisieren. Es handelt sich dabei zum Teil um die frühesten Werke des später berühmt gewordenen Architekten.

Am 1. April 1927 hatte das Rittergut Janikow eine Flächengröße von 666 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 270 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 397 (Google Books). Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Janikow in die Landgemeinde Janikow eingegliedert.Amtsbezirk Mellen (Territorial.de)

Die Gemarkung der Landgemeinde Janikow hatte um 1930 eine Fläche von 11,9 km². Im Gemeindegebiet standen insgesamt 34 bewohnte Wohnhäuser an fünf verschiedenen Wohnstätten:

Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Janikow zum Kreis Dramburg im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Janikow war dem Amtsbezirk Mellen zugeordnet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Janikow zusammen mit ganz Hinterpommern seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Das Dorf Janikow wurde unter der polonisierten Ortsbezeichnung ‚Jankowo‘ verwaltet. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Janikow und dem Kreisgebiet vertrieben.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1801 126 Dorf und Gut mit einer Försterei, einer Mutterkirche und 18 Feuerstellen (Haushaltungen), im Besitz der Baronin von der Goltz, geb. von Bonin, und des Oberförsters von DewitzFriedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 236 (Google Books). 1818 106 Kirchdorf, adlige BesitzungAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 241, Ziffer 318 (Google Books). 1825 120 Dorf mit dem Vorwerk LouisenhofFriedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 324, Ziffer 18 (Google Books). 1852 199 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 257 (Google Books). 1864 238 am 3. Dezember, davon 93 im Gemeindebezirk und 145 im GutsbezirkKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin: 3. Kreis Dramburg. Berlin 1866, S. 10–17, Ziffer 23–24 (Google Books). 1867 240 am 3. Dezember, davon 94 im Dorf und 146 im Gutsbezirk 1871 254 am 1. Dezember, davon 106 im Dorf (105 Evangelische, ein Katholik) und 148 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 90–91, Ziffer 24 (Google Books), und S. 94–85, Ziffer 82 (Google Books). 1885 256 am 1. Dezember, davon 96 im Dorf (sämtlich Evangelische) und 160 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 100–101, Ziffer 30 (Google Books), und S. 104–105, Ziffer 82 (Google Books). 1890 243 am 1. Dezember, davon 98 im Gemeindebezirk und 145 im GutsbezirkKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. II. Regierungsbezirk Köslin. 2. Kreis Dramburg, S. 41, Ziffer 30 (Google Books), und S. 42, Ziffer 81 (Google Books). 1910 253 am 1. Dezember, davon 65 im Dorf und 188 im Gutsbezirk 1925 387 davon 382 EvangelischeDie Gemeinde Janikow im ehemaligen Kreis Dramburg in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 315 1939 391

Bauten

Kirche mini|hochkant|Dorfkirche (2008) Die vor 1945 anwesende Dorfbevölkerung war mit wenigen Ausnahmen evangelisch. 1820 war die im Regierungsbezirk Köslin gelegene Pfarrei Janikow mit der im Regierungsbezirk Stettin gelegenen Pfarrei Zamzow, zu der die Filiale Grassee gehörte, zusammengelegt worden, wodurch eine Parochie mit fünf Kirchen entstanden war; Pfarrsitz war Janikow.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Teil II: Landbuch des Herzogtums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 7: Der Kreis Regenwalde, und Nachrichten über die Ausbreitung der römisch-kathol. Kirche in Pommern. Berlin und Wriezen 1874, S. 931–933 (Google Books). Um die Verwaltungsaufgabe zu erleichtern, wurde nach dem am 16. März 1855 eingetretenen Tod des Pfarrers Wilm zu Janikow unter Beibehaltung des Pfarrsitzes in Janikow in dem Filialdorf Gienow ein Pfarrvikariat errichtet, dem die selbständige Verwaltung der Kirchen und Gemeinden in Gienow und Grassee übertragen wurde, während die Seelsorge von Janikow, Golz und Zamzow dem Pfarrer in Janikow oblag.

Die seit Kriegsende anwesende polnische Dorfbevölkerung ist größtenteils römisch-katholisch.

Herrenhaus Das Herrenhaus von Erich Gropius wurde 1895 nach Entwürfen der Architekten Solfs & Wichards erbaut. Es ist nicht erhalten.

Gutsbauten von Walter Gropius Gropius realisierte mit zwei Arbeiterhäusern, die 1904 und 1905 erbaut wurden, seine ersten beiden Werke. Diese sind allerdings nur aus schriftlicher Korrespondenz bekannt und lassen sich heute nicht mehr identifizieren. Gropius absolvierte in der Zeit ein Praktikum bei den Architekten Solfs & Wichards. Ende 1905 oder Anfang 1906 – Gropius war gerade Student an der Charlottenburger Bauschule geworden – bekam er von seinem Onkel den Auftrag für drei Wirtschaftsgebäude, eine Schmiede, ein Waschhaus und ein Getreidespeicher zu bauen. Die Schmiede ist heute stark umgebaut, allerdings durch Fotos überliefert, der Getreidespeicher ist noch relativ unverändert erhalten. Beide Bauten sind dem Heimatstil verpflichtet.

1909, nachdem Gropius sein Praktikum bei Peter Behrens begonnen hatte, plante er vier Häuser für Landarbeiter an der Straße nach Dramburg. Von diesem stark von Behrens inspirierten Entwurf, der später häufig publiziert wurde, wurde nur ein Haus realisiert. Es ist bis heute erhalten, aber stark umgebaut worden. Ein weiteres Haus aus derselben Zeit ist durch vier Fotografien aus dem Nachlass Gropius (jetzt Bauhaus-Archiv Berlin) überliefert, konnte aber bisher nicht identifiziert werden. Vielleicht befand es sich auch in einer anderen Ortschaft. 1911, als Gropius bereits mit dem Bau der Fagus-Werk beschäftigt war, baute er ein weiteres Arbeiterhaus in Janikow, welches fast identisch mit dem Haus von 1909 war. Später entstand noch ein Transformatorenhaus nach Gropius Entwurf.

Persönlichkeiten Konstantin von Billerbeck (1713–1785), preußischer Generalleutnant, Chef des Infanterie-Regiments Nr. 17 sowie Ritter des Schwarzen Adlerordens und Träger des Pour le Mérite, wurde hier geboren Carl Gottfried von Billerbeck (1721–1761), preußischer Major, wurde hier geboren Beate Johanne von Billerbeck, geb. von Schmeling, Witwe des Kapitän-Lieutenants Gottfried von Billerbeck († vor 1745) und Mutter des Majors Carl Gottfried Friedrich von Billerbeck, † Dramburg 10. April 1759, 70 Jahre alt, wurde in Janikow begrabenVierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie, XVII. Jahrgang, Berlin 1889, S. 149 (Google Books).

Literatur Janikow, Dorf und Rittergut, Kreis Dramburg, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Janikow (meyersgaz.org). Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 110 (Google Books).

Weblinks

Amtsbezirk Mellen (Territorial.de) Die Gemeinde Janikow im ehemaligen Kreis Dramburg in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).

Einzelnachweise

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