Die Liste der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Köln erfasst Denkmäler und Mahnmale aus den Jahren nach 1945, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern.
Die aufgelisteten Gedenkstätten gehen einerseits auf die „Gedenkpolitik des offiziellen Kölns“ zurück, „andererseits die Erinnerungsarbeit vornehmlich der Opferverbände“.Hans Hesse, Elke Purpus: Mahnmalführer Köln. Essen 2010, S. 11. Sie lassen sich sowohl bezüglich des Ortes (Orte bestimmter Ereignisse, Grabstellen, Orte ohne konkreten Bezug u. a.), der Opfergruppen und der Form der Gestaltung (Denkmal, Mahnmal, Gedenktafel, Bodenplatte, Gedenkstein, Gedenkort u. a.) vielfältig kategorisieren.
Gedenkstätten seit 1948
Auf dem jüdischen Friedhof in Bocklemünd wurde gut drei Jahre nach Kriegsende am 6. Juni 1948 als erstes Mahnmal in Köln das Ehrenmal für die Opfer der Shoah aus Köln eingeweiht. Die Inschrift erinnert an die „über 11000 Schwestern und Brüder unserer Gemeinde, die als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns für das Judentum in den Jahren 1933–1945 gefallen sind“. Ein erstes Denkmal in der Innenstadt, das mit der Inschrift „Die Toten“ allgemein an die Opfer des Krieges erinnern sollte, wurde im November 1949 mit der Skulptur Die Trauernde von Gerhard Marcks vor der Ruine von St. Maria im Kapitol auf Veranlassung der Stadtverwaltung errichtet. Als erstes Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der Innenstadt gilt der 1951 eingeweihte Gedenkstein für die sieben 1945 am Hansaplatz bestatteten Opfer der Gestapo (die Bronzeplastik der „Frau mit totem Kind“ wurde 1959 ergänzt), der von Verfolgtenverbänden zusammen mit der Stadt Köln gestiftet worden war.Martin Stankowski: Wem gehört die Erinnerung? – Formen des Gedenkens und die Auseinandersetzung um Gedenktafeln in Köln. In: Horst Matzerath/Harald Buhlan/Barbara Becker-Jäkli (Hrsg.): Versteckte Vergangenheit. Über den Umgang mit der NS-Zeit in Köln. Aufsätze und Essays, Emons, Köln 1994, S. 307–321, hier S. 307–308 1959 wurde die Kirchenruine Alt St. Alban als „zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Toten der Weltkriege“ eingeweiht. Viele dieser frühen Erinnerungsorte waren „in ihrem abstrakten Gestus kaum zu überbieten“, kritisierte 1994 der Publizist Martin Stankowski in einem Aufsatz über die Erinnerungskultur in Köln: „die allgemeinsten Benennungen und Titel, die fehlende Differenzierung zwischen Kriegstoten und Opfern nationalsozialistischer Gewalt, die christliche Symbolsprache […] alles das zeigt, dass es weniger um die Erinnerung bzw. Verdeutlichung der jüngsten Geschichte ging, sondern um eine abstrakte Pflichterfüllung in konventionellen Bildern und Formen“.Martin Stankowski: Wem gehört die Erinnerung? – Formen des Gedenkens und die Auseinandersetzung um Gedenktafeln in Köln. In: Horst Matzerath/Harald Buhlan/Barbara Becker-Jäkli (Hrsg.): Versteckte Vergangenheit. Über den Umgang mit der NS-Zeit in Köln. Aufsätze und Essays, Emons, Köln 1994, S. 307–321, hier S. 308 Ein grundlegender Wandel der Erinnerungskultur erfolgte seit den späten 1970er Jahren. 1981 wurde die Gedenkstätte im Keller des EL-DE-Hauses und 1987 das NS-Dokumentationszentrum eröffnet. Zugleich entstanden in den 1980er und 1990er Jahren ein Großteil der in dieser Liste aufgeführten Denkmäler und Erinnerungsorte. Als bislang letztes größeres Mahnmal wurde 2020 der Gedenkort Deportationslager Müngersdorf eingeweiht.
Stolpersteine, Spur der Erinnerung mini|Spur der Erinnerung
Das größte und dezentrale Denkmal, das vor allem an die Opfer des Holocaust, aber auch an andere Opfer des NS-Regimes erinnert, sind die etwa 2.500 Stolpersteine in Köln. Sie werden in der Liste der Stolpersteine in Köln verzeichnet. Weil Gunter Demnig das Projekt in Köln gestartet hat, enthält diese Liste den allerersten Stolperstein vor dem Kölner Rathaus stellvertretend für alle anderen.
Ebenfalls von Gunter Demnig findet sich an 21 Orten der Stadt die Spur der Erinnerung in den Boden eingelassen. Stellvertretend für alle Stationen ist die Gedenktafel am Standort des ehemaligen „Zigeunerlagers“ Köln-Bickendorf aufgeführt, dem Startpunkt der Deportation der Sinti und Roma im Jahr 1940.
Liste der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Köln Bild Bezeichnung Stadtbezirk Stadtteil Beschreibung 200x200px EL-DE-Haus 1 Innenstadt Altstadt-Nord Appellhofplatz Im EL-DE-Haus am Appellhofplatz befand sich zwischen 1935 und 1945 das Hauptquartier der Gestapo für den Regierungsbezirk Köln. Das Gebäude wurde im Auftrag des Kölner Gold- und Uhrengroßhändlers Leopold Dahmen 1934/35 als Wohn- und Geschäftshaus am Appellhofplatz 23–25, Ecke Elisenstraße, erbaut. 1935 wurde der Rohbau von der Gestapo beschlagnahmt, die den Keller zu einem Zellentrakt umbaute. Das EL-DE-Haus wurde in den Folgejahren zu einem „Ort von Misshandlungen, Folter und Hinrichtungen“.Hans Hesse, Elke Purpus: Mahnmalführer Köln. Essen 2010, S. 26. 1981 wurde im ehemaligen Zellentrakt eine Gedenkstätte eingeweiht und 1988 das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln eingerichtet, das ein Forschungszentrum, Ausstellungsräume (Dauer- und Sonderausstellung) sowie verschiedene Bildungsangebote umfasst. 200x200px Alt St. Alban 1 Innenstadt Altstadt-Nord Quatermarkt Die Kriegsruine der Kirche Alt St. Alban wurde 1959 als „Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Toten der Weltkriege“ eingeweiht. Im nicht zugänglichen Innenraum stehen Kopien der Skulpturen der „Trauernden Eltern“ von Käthe Kollwitz, die von Joseph Beuys und Erwin Heerich angefertigt wurden. Außerdem wurde das ursprünglich neben dem Dom stehende 1956 von Kurt-Wolf von Borries angefertigte „Kriegsgefangenenmahnmal“ mit dem Text: „Noch warten Kriegsgefangene auf ihre Heimkehr“Hans Hesse, Elke Purpus: Mahnmalführer Köln. Essen 2010, S. 49 f. hier aufgestellt. 200x200px Erster Stolperstein 1 Innenstadt Altstadt-Nord Rathausplatz Vor dem historischen Rathaus in Köln hat Gunter Demnig am 16. Dezember 1992 den allerersten Stolperstein verlegt. Die Inschrift zitiert den Schnellbrief vom 29. Januar 1943, der auf den (nicht überlieferten) Auschwitz-Erlass Heinrich Himmlers vom 16. Dezember 1942 folgte. Demnig wollte damals mit dem Stein der geplanten, dauerhaften Fixierung der Spur der Erinnerung Nachdruck verleihen. Daraus entwickelte sich die Idee der Stolpersteine.Hans Hesse, Elke Purpus: Mahnmalführer Köln. Essen 2010, S. 48. 2010 wurde der „Urstolperstein“ von Unbekannten herausgebrochen und entwendet. Am 21. März 2013 verlegte Gunter Demnig einen gleich aussehenden neuen Stein. In Köln wurden inzwischen etwa 2500 Stolpersteine verlegt. 200x200pxGedenktafel Stadtverordnete im Spanischen Bau1 InnenstadtAltstadt-Nord Rathausplatz Gedenktafel an Kölner Stadtverordnete, die als Opfer der Nationalsozialisten Diktatur für ihre Überzeugung starben: Heinrich Arenz (KPD) 1901–1943 · Peter Baum (SPD) 1883–1944 · Georg Beyer (SPD) 1884–1943 · Ernst Hirsch (USPD) 1877-deportiert. 1945 für tot erklärt · Johann Mattlener (KPD) 1894–1945 · Dr. Otto Müller (Zentrum) 1870–1944 · Robert Ransenberg (SPD) 1876-deportiert. 1945 für tot erklärt · Rudolf Safarowski (KPD) 1903–1943 · Karl Sattler (KPD) 1896–1945 · Johann Thomer (KPD) 1889–1945 · Peter Trimborn (SPD) 1881–1941. 200x200px Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln 1 Innenstadt Altstadt-Nord Frankenwerft Das von Achim Zinkann geschaffene Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln erinnert seit 1995 am Rheinufer an der Hohenzollernbrücke, hauptsächlich an die damalige Homosexuellenverfolgung. Die Inschrift lautet: „Totgeschlagen – Totgeschwiegen, den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus“. Motiv des Denkmals ist der „rosa Winkel“, mit dem Homosexuelle in den Konzentrationslagern gekennzeichnet waren. Am Standort des Denkmals befand sich in den Vorkriegsjahren ein Pissoir, das ein bekannter Treffpunkt für Homosexuelle in Köln war.Hans Hesse, Elke Purpus: Mahnmalführer Köln. Essen 2010, S. 52. 2024 befindet sich das Mahnmal ausweislich des Fotos vom 27. April 2024 in einem etwas beschädigten und wenig gepflegten Zustand. 200x200px Schwelle der Erinnerung 1 Innenstadt Altstadt-Nord Chargesheimer Platz Die Schwelle der Erinnerung auf dem Chargesheimer Platz am Kölner Hauptbahnhof erinnert an die Opfer von Deportation und nationalsozialistischer Vernichtung. Das Mahnmal von Gunter Demnig wurde 2006 von der privaten Initiative „Die Bahn erinnern“ aufgestellt. Auf einer alten Bahnschwelle aus Eichenholz sind vier kleine Metalltafeln angebracht. Der Text der Inschriften lautet: „Viele Beamte, Angestellte und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn waren in der Zeit des Nationalsozialismus an der Deportation von Millionen Menschen beteiligt. Nach genauen Zugfahrplänen wurden Frauen, Männer und Kinder aus allen Teilen Europas – meist in Güterwaggons gedrängt – in die Konzentrations- und Vernichtungslager abtransportiert. Im Gedenken an die Opfer von Deportation und nationalsozialistischer Vernichtung. Köln im Januar 2006. Die deutsche Bahn AG hat die Reichsbahn übernommen, weigert sich aber bis heute, in ihren Räumen und Bahnhöfen die Einbindung der Reichsbahn in die Verbrechen der Nazis öffentlich zu dokumentieren und zu bedauern.“ alternativtext=Detailansicht eines stilisierten Portraitrelief einer alten Frau, daneben Glasplatte mit Aufschrift: „Es lohnt sich immer, etwas zu tun, was man nicht für sich tut. Das ist auf dieser Erde fast für jeden zu finden.“ Freya von Moltke, geb. Deichmann, 1911 Köln – 2010 Norwich (Vermont, USA), Mitglied des Kreisauer Kreis, Unterstützerin des neuen Kreisau/Krzyżowa |200x200pxStele zu Ehren von Freya Gräfin von Moltke am Deichmannhaus1 InnenstadtAltstadt-Nord Bahnhofsvorplatz Im Vorgängerbau des so genannten „Deichmannhauses“ in der Kölner Innenstadt, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, wurde 1911 Freya von Moltke, geb. Deichmann geboren. Sie war Juristin, Schriftstellerin und Mitinitiatorin der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis. Anlässlich ihres 100. Geburtstages wurde 2011 eine Stele zu ihren Ehren enthüllt, die von Christian Bauer aus Mönchengladbach entworfen wurde. 200x200pxBodenplatte für die Opfer im ehemaligen Polizeipräsidium Schildergasse1 InnenstadtAltstadt-Nord Schildergasse Gedenktafel für die Opfer im ehemaligen Polizeipräsidium Schildergasse, Köln. Standort: Krebsgasse an der Einmündung zur Schildergasse