mini|Ehemalige Schuhfabrik Ludwig Kopp Die Wirtschaft in Pirmasens war im 19. und 20. Jahrhundert von der Schuhindustrie geprägt, sodass die Stadt in diesem Zeitraum als „deutsche Schuhmetropole“ bezeichnet wurde. Dazwischen gab es regelmäßig tiefgreifende wirtschaftliche Krisen. Bis in die Gegenwart befindet sich die Stadt nach der weitgehenden Verlagerung der Schuhproduktion ins Ausland noch in einem anhaltenden Strukturwandel hin zu einem Dienstleistungs- und Forschungsstandort. In der Stadt haben rund 1700 Unternehmen ihren Sitz. Darüber hinaus ist Pirmasens Messestadt. Als Folge des Strukturwandels hat die Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit, anhaltendem Bevölkerungsrückgang und hoher Verschuldung zu kämpfen.

Bruttoinlandsprodukt Im Jahre 2016 erbrachte Pirmasens, innerhalb der Stadtgrenzen, ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,591 Milliarden €. Das BIP pro Kopf lag im selben Jahr bei 35.983 € (Rheinland-Pfalz: 34.118 €, Deutschland: 38.180 €) und lag damit unter dem nationalen Durchschnitt. Das BIP je Erwerbsperson beträgt 54.391 €. In der Stadt waren 2016 etwa 26.600 erwerbstätige Personen beschäftigt.

Wirtschaftstrends Entwicklung Pirmasens war seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der deutschen Schuhindustrie. Die fehlende Konkurrenzfähigkeit, speziell gegenüber Ware aus dem Ausland, erschwerte den Unternehmen jedoch ab etwa 1970 in zunehmendem Maße die Massenproduktion. Ein Großteil der ansässigen Schuhfabriken wurde aufgegeben, andere konnten durch Auslagerung der Produktion ins Ausland sowie Spezialisierung auf Nischensegmente überleben. Da sich die Lage zusätzlich im Lederhandel, dem Maschinenbau und in der Chemiebranche verschlechterte, gingen auf diese Weise etwa 15.000 Arbeitsplätze verloren. Mit dem Abzug des amerikanischen Militärs verließen rund 10.000 Menschen – Soldaten und deren Angehörige – die Stadt. Als mittelbare Folge dessen gingen weitere 4.000 Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosenquote lag 2002 bei 14,9 Prozent, im April 2013 waren es 13,6 Prozent. Der Wert sank bis September 2019 auf 10,4 Prozent, bildete damit jedoch trotzdem die höchste Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz und lag weit über dem Landesdurchschnitt von 4,2 Prozent. Das durchschnittliche Einkommen entsprach im Jahr 2016 88,3 % des Landesmittels von Rheinland-Pfalz.

Konversion Durch die Konversion des ehemaligen Kasernengeländes und leer stehender Fabrikgebäude wurden als angestrebter Ausgleich neue Gewerbeflächen geschaffen. Ein Beispiel hierfür ist der Neuffer-Komplex zu Neuffer am Park, der Ärzte, Unternehmen und einen Radiosender beherbergt sowie der Gewerbepark Husterhöhe – ehemalige Husterhöh-Kaserne –, in dem sich zwischen den Jahren 2000 und 2016 die Anzahl der Arbeitsplätze von 120 auf etwa 2700 in insgesamt 102 Unternehmen erhöht hat. Die ehemals größte Schuhfabrik Deutschlands Rheinberger wurde in den Jahren 2007 und 2008 zu einem Gewerbepark ähnlich des Neuffer-Komplexes umgebaut.GIU Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung mbH:

Durch die Erfolge bei den bisherigen Konversionsprojekten und durch die Stabilisierung der lokalen Unternehmen verbesserte sich die Arbeitsplatzsituation in den letzten Jahren wieder, sodass Pirmasens Stand 2017 mit etwa 20.000 Arbeitsplätzen auf 40.000 Einwohnern unter den zwölf kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz die fünfthöchste Arbeitsplatzdichte hatte. Im Jahr 2015 lag der Wert bei 1056 Erwerbstätigen am Arbeitsort je 1000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter.www.statistik.rlp.de, abgerufen am 21. Oktober 2017 Stärker als die Stadt selbst profitierte davon der benachbarte Landkreis Südwestpfalz, der trotz der niedrigsten Arbeitsplatzdichte in Rheinland-Pfalz eine sehr geringe Arbeitslosigkeit von 4 Prozent besitzt (Stand: September 2017).www.statistik.rlp.de, abgerufen am 21. Oktober 2017

mini|Bundesstraße 10 mit Müllheizkraftwerk

Den Standort attraktiver machen soll eine Verbesserung der Infrastruktur, beispielsweise der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 10 zwischen der A 8 und der A 65 in Landau. Ab 2013 war die Schaffung weiterer Gewerbeflächen durch ein interkommunales Gewerbegebiet zusammen mit der Stadt Rodalben auf dem Grünbühl im Norden der Husterhöhe nach dem geplanten Abzug des amerikanischen Medical Centers geplant. Dagegen leistete die Bundeswehr jedoch Widerstand. Das Vorhaben wurde 2022 endgültig aufgegeben.

Ausblick Im Zukunftsatlas 2025 belegte die Stadt Pirmasens Platz 395 von 400 (2016: Platz 374 von 402) Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „sehr hohen Zukunftsrisiken“. Die strukturellen Probleme mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen haben sich in der Zeit demnach teils bestätigt, die Konversionsprojekte waren jedoch großteils erfolgreich.Rudolf Stumberger: Hoffnung in der schrumpfenden Stadt. Im einstigen Schuh-Mekka Pirmasens tritt Frank Eschrich als Direktkandidat zur Bundestagswahl an. In: Neues Deutschland, 30. August 2021, S. 3. 2026 war eine leichte Verbesserung als Wirtschaftsstandort zu verzeichnen.

Ansässige Unternehmen Schuhfabriken Pirmasens war lange Jahre von der Schuhindustrie geprägt. Eine eigene Produktion in der Stadt weist in der Gegenwart die Firma Kennel & Schmenger auf. Die älteste deutsche Schuhfabrik Peter Kaiser stellte Ende April 2021 ihre Produktion vor Ort ein. Die Schuhfabrik Carl Semler beantragte im Januar 2025 zunächst ebenfalls Insolvenz in Eigenverantwortung und kündigte im März desselben Jahres an, die gesamte Produktion nach Ungarn zu verlegen. Die meisten der Hersteller, die die Krise der Schuhindustrie überlebt haben, haben ihre Produktion vollständig ins Ausland verlegt und konzentrieren in Pirmasens ihre Verwaltung sowie den Vertrieb und die Entwicklung ihrer Modelle. Beispiele dafür sind Peter Kaiser und die Firma Caprice, die 1990 entstand und zur Wortmann Schuh-Holding gehört. Die früheren Massenproduzenten wie Neuffer, Rheinberger oder SalamanderSimone Gaul, Julius Tröger: Verschuldete Kommunen: Seit Jahren das Konto überzogen. In: Zeit online. 10. Juli 2019, abgerufen am 23. März 2025. verlagerten ihre Produktion ins Ausland oder gingen in die Insolvenz.

Unternehmen in mittelbarem Zusammenhang mit der Schuhindustrie Viele weitere Unternehmen entwickelten sich aus Zulieferern der Schuhindustrie oder betreiben damit bis in die Gegenwart ihr Kerngeschäft. Die Firma Framas Kunststofftechnik produziert Leisten und Sohlen unter anderem für Adidas und Nike. Der Bedarf an Schuhklebstoffen führte zur Gründung mehrerer chemischer Unternehmen, wie der Kunststoffhersteller Profine und der Hersteller von Kleb- und Dichtstoffen Kömmerling Chemische Fabrik, die ehemals ein zusammengehörendes Unternehmen bildeten. Mittlerweile ist Profine mit etwa 1200 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt. In direkter Nachbarschaft zu Kömmerling und Profine befindet sich die Firma Keck, die auch Industriefarben für die Herstellung von Fußbällen liefert. Aus der Herstellung von Schuhmaschinen entwickelten sich Maschinenbauunternehmen wie der Stanzmaschinenhersteller Schoen + sandt machinery oder die Ring-Gruppe,Ring-Group.com: Ring-Gruppe unter anderem ein Hersteller von Stanz- und Perforiermaschinen.

Sonstige Unternehmen mini|Sitz der Brauerei Park & Bellheimer In Winzeln befindet sich der Sitz der großen regionalen Einzelhandelskette Wasgau mit insgesamt fast 4000 Mitarbeitern im südlichen Rheinland-Pfalz und dem Saarland, davon etwa 1000 in Pirmasens., Die Rheinpfalz, 23. März 2018. Die lokale Brauerei Park & Bellheimer ging 1995 aus der Park- und Bürgerbräu AG mit Sitz in Pirmasens (ursprünglich Parkbrauerei Pirmasens & Zweibrücken AG) und der Bellheimer Brauerei K. Silbernagel AG mit Sitz in Bellheim hervor. Nach einer Firmenkrise wurde sie 2004 von der Mannheimer Actris AG übernommen und gehört seit einem Management-Buyout im Jahr 2010 mehrheitlich dem früheren Actris-Manager Roald Pauli. Seit 1957 ist der Süßwarenhersteller WAWI Schokolade AG, Hersteller von Nappo, Moritz und WAWI, in Pirmasens ansässig. Ein vergleichsweise junges Unternehmen ist Convar, ein Spezialist für Datenrettung, der bereits nach den Anschlägen des 11. September 2001 Datenträger aus den Trümmern des World Trade Center wiederherstellte. Ihren Sitz in Pirmasens haben ebenfalls die Sparkasse Südwestpfalz, die VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken sowie der Motorradzubehörhersteller Hepco & Becker mit seiner Tochter Krauser. Die Energieversorgung wird durch die Stadtwerke Pirmasens gewährleistet, die das Wasserwerk im benachbarten Rodalben betreiben; letzteres befindet sich seit 1911 im Eigentum der Stadt Pirmasens.

mini|Werk von PSB Intralogistics

PSB Intralogistics ist ein Maschinen- und Anlagenbauer mit etwa 500 Mitarbeitern. Vor mehr als 130 Jahren als Schlosserei gegründet, bilden inzwischen automatisierte Lagerlösungen das Kerngeschäft des in der Blocksbergstraße ansässigen Unternehmens.psb: Das Unternehmen. psb-gmbh.de, abgerufen am 25. März 2021.

Weblinks

Einzelnachweise