Charles (Karl Franz Josef) Probst (* 29. März 1931 (am 30. März amtlich registriert) in Laufenburg AG;Charles Probst: Unterwegs als Neurochirurg. Christina-Verlag, 2, Auflage 1995, ISBN 3-7171-0984-7, S. 13 † 13. Dezember 2024 daselbst) war ein Schweizer Neurochirurg, Universitätsprofessor und Autor.
Familie Charles Probst wuchs mit drei Geschwistern auf dem Bauernhof der Familie (Probsthof) beim Spital in Laufenburg auf.Stadt Laufenburg - Ehrenbürger der Stadt Laufenburg. – Abgerufen am 19. März 2024 Als ältester Sohn erhielt er wie sein Vater (1902–1980) und sein Großvater (1864–1980) die Vornamen Karl Franz Josef. Seine Mutter, die Hauswirtschaftslehrerin Marta Probst-Grenacher, stammte aus Gansingen. Die jüngeren Geschwister sind Renè August (* 1932), Annemarie (* 1936) und Josef Franz Karl (* 1938), der später den Hof übernahm.Charles Probst, S. 14
Die deutsche Verwandtschaft, seit 1765 auf der badischen Rheinseite ansässig, ist 1974 mit dem Tod seines Onkels Josef Probst, der im Zweiten Weltkrieg seine beiden Söhne Arthur und Ernst verlor und 1945 knapp der Erschießung durch die SS entging, ausgestorben.Charles Probst, S. 29
Charles Probst heiratete am 11. Januar 1964 die Assistenzärztin am Spital Walenstadt Cécile Jung († 2017), Tochter des über 40 Jahre in Kaltbrunn praktizierenden Allgemeinmediziners Guido Jung und seiner Ehefrau Cécile Jung-Remy. Die Ehe blieb kinderlos.Charles Probst, S. 83–91
Kindheit und Jugend Bauernkinder wie er waren bereits mit vier Jahren in den elterlichen Betrieb eingebunden. Speziell wenn die erwachsenen Männer beim „Aktivdienst“ (Militär) waren, mussten sie bereits um 4:30 Uhr morgens die Kühe füttern und melken. Er lernte die Tiere als liebenswürdige personale Wesen kennen und hatte anfangs nichts anderes im Sinn als ebenfalls Bauer zu werden.Charles Probst, S. 27
Ein einschneidendes Ereignis war 1938 der Brand des Hofes samt Wohnhaus, der anschließend außerhalb des damaligen Stadtgebiets wieder aufgebaut wurde.Charles Probst, S. 25 – Weil für die unter aktuellen Erfordernissen gebotene Erweiterung des Probst-Hofs der Platz an der Dürrenbächlistrasse nicht ausreichte, siedelte die Familie Urs Probst 2014 nach Schwaderloch an den Sennhof über; am bisherigen Standort wurde eine Wohnanlage errichtet.Marc Fischer: Die Bauernfamilie Probst ist jetzt auf dem Sennhof glücklich. In: Aargauer Zeitung | Schwaderloch – Ausgabe 12. April 2014. – Abgerufen am 21. März 2024Marc Fischer: In einem Jahr ist die Überbauung mit 32 Wohnungen fertig. In: Aargauer Zeitung | Laufenburg – Ausgabe 7. Oktober 2014. – Abgerufen am 21. März 2024
Ab 1938 besuchte Probst die 5-jährige Elementarschule und anschließend bis 1946 die Bezirksschule in Laufenburg, wo bereits seine Eltern teils von denselben Lehrern unterrichtet worden waren.Charles Probst, S. 26
Mit 16 überraschte er seine Eltern mit dem Entschluss, nun doch studieren zu wollen, zunächst dachte er dabei an die Tätigkeit als Tierarzt. Mit Unterstützung seines Bezirkslehrers A. Brugger, der ihm auch die für die Aufnahme nötigen Lateinkenntnisse vermittelte, kam er 1947 zum Internat am Kollegium Maria Hilf in Schwyz, damals der einzigen vollausgebauten privaten (römisch-)katholischen Mittelschule mit staatlich anerkannten Abschlussprüfungen. Er bereitete sich dort auf die Matura Typ B (Latein) vor.Charles Probst, S. 34
Bald wurde Charles Probst dort Mitglied der Studentenverbindung Suitia, 1949 förderte er als Fuchsmajor neben anderen Themen besonders die Zentraldiskussion über soziale Fragen.Charles Probst, S. 36
Zum Abschluss des Gymnasiums erhielt er am 5. Juli 1951 das Matura-Zeugnis mit der Schweizer Gesamtnote 5,8.Charles Probst, S. 44
Medizinstudium und Militärdienst Berufsentscheidung Zum einen hatte Charles Probst sich inzwischen sehr mit philosophisch-theologischen und anderen für die Humanmedizin wichtigen Fragen befasst. Vor allem aber abgeschreckt durch die – damals und teils auch heute noch – übliche Praxis, tierärztliche Eingriffe ohne oder nur mit ungenügender Anästhesie durchzuführen, nahm er – zum Leidwesen seines Vaters, der ihn gerne als Hoferben mit Nebenberuf Tierarzt gesehen hatte – von der Tiermedizin Abstand und wendete sich der Humanmedizin zu.Charles Probst, S. 48/50
Militärdienst Wie in der Schweiz üblich, ist der obligatorische Militärdienst nicht am Stück, sondern neben der Ausbildung bzw. berufsbegleitend abzuleisten, das waren bei Charles Probst in der Zeit von 1951 bis 1974 insgesamt 876 Tage. Vor dem Beginn des Universitätsstudiums hatte er die Rekrutenschule zu absolvieren. Von Hause aus war er der berittenen Kavallerie zugeteilt, aber nach seinem Entschluss, Medizin zu studieren, wurde er dem Sanitätsdienst zugeteilt und musste dazu am 23. Juli 1951 in die Sanitätsrekrutenschule Basel einrücken. Nach dem medizinischen Staatsexamen (1957) absolvierte er die Offiziersschule. Als Hauptmann war er ab 1962 zugeteilter Arzt bei der Artillerie, nach der Beförderung zum Major (1969) führte er Rekrutierungen in Zürich und Umgebung durch. Aufgrund eines Gesuchs des Vorstehers des aargauischen Gesundheitsdepartements wurde er ab 1974 vom Militärdienst freigestellt, die offizielle Entlassung aus der Dienstpflicht erfolgte im Dezember 1981.Charles Probst, S. 50/51
Medizinisches Grundstudium Das Universitätsstudium begann Probst im Wintersemester 1951 an der katholisch geprägten Universität Fribourg. Nach den beiden Propädeutica (Juli 1952 und März 1954) setzte er den klinischen Teil des Studiums fort, zunächst ein Semester in Basel, wo er zuhause in Laufenburg logierte und dort zu wenig Zeit für das Studium fand. Danach wechselte er nach Zürich, was er dann aus mehreren Gründen vorteilhafter fand. Die Vorlesungen und Kurse dort waren mehr auf klinische Probleme und die Patienten ausgerichtet als in Basel, wo sie mehr theoretisch-labororientiert waren. Hier waren die großen klinischen Lehrer, die er suchte. Hier hatte er auch den ersten Kontakt zu seinem späteren Lehrer Hugo Krayenbühl. 1955 belegte er ein Auswärtssemester in dem damals noch russisch besetzten Wien. Am 28. November 1957 legte er in Zürich das Medizinische Staatsexamen mit dem höchsten Semester-Durchschnitt von 5,75 ab.Charles Probst, S. 51–53
Auf dem Weg zum Neurochirurgen Neben seinem Militärdienst bearbeitete Probst seine Doktorarbeit „Über den Verlauf von hirnelektrisch stummen Epilepsien“ unter Rudolf Hess, dem Leiter der elektroenzephalographischen Abteilung der Neurochirurgischen Universitätsklinik am Kantonsspital Zürich (USZ); die Promotions-Urkunde wurde am 4. Januar 1960 ausgestellt.
Obwohl ihm schon in Fribourg und danach verschiedene Professoren eine akademische Laufbahn empfohlen hatten, wollte er all das Gelernte zunächst lieber Patienten zur Verfügung stellen, und er meldete sich als Assistent bei Hubert Mäder, dem Chefarzt des Bürgerspitals Zug,Bürgergemeinde Zug – Ehrenbürger wo er von Juni 1958 bis Mai 1960 allgemein-chirurgische Erfahrungen – wichtige Prinzipien, Erfolge und Misserfolge – sammelte. Mäder hat ihn nach eigener Aussage wesentlich für seine ganze medizinische Laufbahn geformt und geprägt.Charles Probst, S. 63–64
Eigentlich wollte Probst nur für seine angedachte Tätigkeit als Allgemeinchirurg gewisse neurologische und neurochirurgische Probleme studieren und bewarb sich deshalb um eine reguläre Assistentenstelle bei Hugo Krayenbühl, dem Leiter der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Zürich. Bald nachdem er diese am 1. Juli 1960 angetreten hatte bemerkte er, dass die seinem bisherigen Chef wichtigen Eigenschaften hier ganz im Vordergrund standen: Voller Einsatz rund um die Uhr sowie straffe Führung und beispielhafte Organisation der Klinik, schnelle kritische Abklärung einer OP-Indikation; war diese nicht gegeben, erhielt der einweisende Arzt unverzüglich den klinischen Bericht – im anderen Fall war umfassende sorgfältige Vorbereitung des Eingriffs geboten. Krayenbühl verlangte Wissen, Können und schonungslose Selbstkritik, und wem das Patientenwohl nicht zentrales Anliegen war, dem attestierte er eine „miese ärztliche Haltung“. Gewisse Fehler hatten die sofortige Entlassung zur Folge.Charles Probst, S. 65
Charles Probst durfte sich bereits nach drei Monaten an einer Kraniotomie bewähren, und von da an förderte ihn sein Lehrer in jeder Hinsicht. Krayenbühl legte größtes Gewicht auf eine minutiös exakte und schonende Operationstechnik; doch es ging ihm nicht nur ums Operieren, sondern auch um die Diagnostik. Selbständig durchgeführte Röntgenuntersuchungen im Bereich von Hirn und Rückenmark (z. B. Luftenzephalografie, Angiografie, Myelografie) gehörten zur täglichen Arbeit. Allerdings waren die Schutzmaßnahmen gegen die Strahlenbelastung noch recht dürftig, nicht mit heutigem Standard vergleichbar.Charles Probst, S. 68
Zum Bedauern von Krayenbühl, der Probst als seinen Privatassistenten an sich binden wollte, verließ er Zürich Ende April 1961, um weiter seinen Militärdienst abzuleisten und in Bülach den Grad eines Sanitäts-Hauptmanns zu erwerben. Dort rief ihn Krayenbühl an und ermutigte ihn, doch Neurochirurg zu werden. Zwar sei die ihm zuvor angebotene Stelle inzwischen besetzt, aber an der Genfer Universitätsklinik sei eine Oberarztstelle zur Stellvertretung des dortigen Chefs Aloys Werner geschaffen worden, die er am 1. Oktober 1961 antreten solle. Es war eine auf zwei Jahre befristete Stelle (die er über 12 Monate ausfüllte), denn der eigentlich dafür vorgesehene Jean Berney, bereits seit Jahren Mitarbeiter Werners, sollte zuvor noch Auslandserfahrungen sammeln. Nach kurzer Bedenkzeit sagte Probst zu.Charles Probst, S. 69–72 Nach einigen Monaten in der allgemeinen Chirurgie und einem Jahr Neurologie bei Marco Mumenthaler an der Universitätsklinik Bern traf er für sich die endgültige Entscheidung zur Neurochirurgie. Auf Empfehlung von Hugo Krayenbühl konnte er ab 1. März 1964 am Universitätsspital Lausanne seine Arbeit als Oberarzt und Stellvertreter von Eric Zander beginnen. Sein „neuphysiologisches Jahr“ absolvierte er ab 1. April 1965 an der Neurologischen Universitätsklinik Basel.Charles Probst, S. 79/82
Wirken als Neurochirurg Graubünden Nachdem er bereits mehrere Jahre am Kantonsspital Luzern als Konsiliarius tätig war, wählte ihn die Betriebskommission des Kantonsspitals Chur zum Leitenden Arzt der neuen (am 1. Februar 1967 eröffneten) Neurochirurgischen Abteilung – es war die erste dieser Art in der SchweizCharles Probst, S. 101 – und der Elektroenzephalographischen Station sowie zum Konsiliarius. Die organisatorische Unterstellung unter die Allgemeine Chirurgie, die Vorrang beanspruchte, zeitigte hier zunächst Probleme, beispielsweise bei der Verfügbarkeit von OP-Sälen und Intensivpflegestation. Operativ standen vorerst Schädelhirnverletzungen (v. a. Motorradunfälle und Autounfälle bei nicht angelegten Gurten) im Vordergrund, rasch stieg aber die Zahl der operierten Diskushernien, Hirn- und Rückenmarkstumoren sowie bei der Schmerzchirurgie von Trigeminusneuralgie-Operierten. Seitens der Inneren Medizin und der Kinderklinik wurden viele kleine Patienten mit Hydrocephalus (Wasserkopf) und angeborenen Missbildungen im Wirbelkanal zugewiesen. Liquorfisteln aufgrund von Hirnhautverletzungen waren dann das Hauptobjekt seiner Habilitationsschrift, aufgrund deren er sich 1970 in Genf auf Vorschlag von Aloys Werner habilitieren konnte und zum Privatdozenten ernannt wurde. Zur selben Zeit erhielt er in Zürich einen Lehrauftrag.Charles Probst, S. 93–96 Von Chur aus vereinbarte er mit der Solbadklinik Rheinfelden den Aufbau einer Abteilung für neurologisch-neurochirurgische Rehabilitation und installierte dort seinen Mitarbeiter Ladislav Köppl als Leitenden Arzt. Ausflüge in die Umgebung des Bündnerlandes nutzte er auch zur konsiliarischen Untersuchung von Patienten im Spital Oberengadin in Samedan.Charles Probst, S. 98/99
Aargau