mini|Start eines Top Fuel Dragsters bei den NitrolympX am Hockenheimring mini|Burnout eines Pro Modified

Ein Beschleunigungsrennen, Dragsterrennen oder Drag Race ist eine Motorsportveranstaltung für Autos und Motorräder, bei der eine gerade Strecke bei stehendem Start schnellstmöglich zurückzulegen ist. Die traditionellen Renndistanzen sind die Viertelmeile (402,34 m) und die Achtelmeile (201,17 m). Die Rennen der oberen Amateurklassen sowie der Profiklassen werden mit Dragstern und Drag Bikes bestritten, die bis zu einigen tausend PS bzw. kW leisten. Die Reaktionsschnelligkeit der Fahrer sowie ihre Fähigkeit, die enorme Leistung der Dragster auf den speziell präparierten Drag Strip zu bringen, entscheiden über Sieg oder Niederlage.

Geschichte mini|links|1958er Fuel Dragster

Die Anfänge der Beschleunigungsrennen liegen in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu dieser Zeit kam es bei Jugendlichen in den USA in Mode, sich mit frisierten Autos illegale Straßenrennen zu liefern. In Filmen wie … denn sie wissen nicht, was sie tun oder American Graffiti wird dieses Thema aufgegriffen. Üblicherweise fuhren zwei Fahrzeuge gleichzeitig an einer Ampel los und beschleunigten bis zu einem vereinbarten Ziel, etwa der nächsten Ampel oder dem Ende des Häuserblocks. Die Wettkämpfe wurden alsbald in legalem Rahmen veranstaltet und vor allem auf Flugplätze verlegt, die nach dem Ende des Krieges in großer Zahl zur Verfügung standen. In Südkalifornien wurden auch ausgetrocknete Salzseen als Rennstrecken genutzt. Die erste speziell auf Beschleunigungsrennen ausgelegte Rennstrecke wurde 1950 auf einem alten Flughafen in Santa Ana in Kalifornien eröffnet.

mini|Der Dragster Showboat (hier mit einer später angepassten Verkleidung): Der Dragster hatte 4 Motoren und Allradantrieb (Zwei Motoren für die Vorder- und zwei für die Hinterachse)

Zum Einsatz kamen dabei bevorzugt billige und leichte Vorkriegsmodelle wie das Ford Modell A. Um das Gewicht zu reduzieren, wurden alle Karosserieteile, die nicht unbedingt nötig waren, wie etwa Kotflügel, Motorhaube oder Verdeck entfernt. Der Motor wurde leistungsgesteigert oder gleich durch ein modernes V8-Aggregat ersetzt. In dieser Zeit wurden auch Versuche mit mehreren Motoren in einem Dragster unternommen, die aber bis auf wenige Ausnahmen (z. B. der Showboat-Dragster von Tommy Ivo) nicht erfolgreich waren. Angelehnt an diese als Hot Rod bezeichneten „heißen Pleuel“ wurde 1951 in Kalifornien die National Hot Rod Association (NHRA) gegründet, die seitdem die größte Organisation im Drag Racing ist. Die zweitgrößte Organisation im amerikanischen Drag Racing ist die International Hot Rod Association (IHRA) mit etwa einem Drittel der Größe der NHRA.

Von den späten 1950er bis in die 1970er Jahre wurden Muscle-Cars in den USA direkt ab Werk auf die Viertelmeile abgestimmt. Die bekanntesten Vertreter sind der 1969er Dodge Charger, der 1970er Plymouth Hemi Cuda und der 1969er Chevrolet Camaro Yenko. Letzterer hielt über Jahre den Viertelmeilen-Rekord mit 11,82 Sekunden. Damit ist er auf der Viertelmeile der schnellste serienmäßige Wagen. Selbst die 1970er Chevrolet Chevelle SS mit dem bis dahin größten Serienmotor von Chevrolet mit 7,4 Litern Hubraum (454 CID) und 450 PS (331 kW) war nicht in der Lage, den Camaro zu unterbieten.

Entwicklung in Europa Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich der Sport durch die in den verschiedenen Ländern stationierten US-Soldaten auch in Europa. Als „Wiege des europäischen Drag Racing“ wird allgemein der Santa Pod Raceway in der Nähe von Wellingborough in England angesehen. Auf dieser aus dem WWII stammenden Airbase fanden ab Ostern 1966 die ersten Rennen statt. Seit diesem Zeitpunkt wird die Anlage kontinuierlich ausgebaut und ist seit vielen Jahren Austragungsort von Läufen zur FIA- und FIM Drag Racing Europameisterschaft. Parallel dazu entwickelte sich in Schweden und Finnland eine sehr starke Szene.

Drag Racing in Deutschland Ab Mitte der 1960er Jahre plante ein kleiner Kreis von in Deutschland stationierten GIs als Freizeitvergnügen einige Rennen durchzuführen. Auf den damals aktiven US-Stützpunkten in Ramstein (ab 1965)Programmheft von 1965: https://rlp.museum-digital.de/object/1102, Hanau/Erlensee und Giebelstadt fanden die ersten Rennen statt. Nach der deutschen Wiedervereinigung ergab sich die Möglichkeit, mehrere, von der Baustruktur her geeignete ehemalige Anlagen der Nationalen Volksarmee und der sowjetischen Streitkräfte zu nutzen. Die Strecken in Alteno (bekannt als MZA Luckau), Groß Dölln und Wittstock waren ab Mitte der 1990er Jahre Austragungsort mehrerer Veranstaltungen, konnten sich aber wegen fehlender Rentabilität nicht behaupten.

Drag Racing hat es in Deutschland nie über den Status einer Randsportart hinausgeschafft; eine Ausnahmestellung nehmen hier die NitrOlympX ein, die seit 1986 alljährlich auf dem extra dafür gebauten, speziell präparierten Streckenabschnitt Rico Anthes Quartermile des Hockenheimringes ausgetragen werden und durch die Austragung von Läufen zur Dragster-Europameisterschaft und zur Drag-Bike-Europameisterschaft sowie ein breit gefächertes Rahmenprogramm auch international Beachtung finden.

Wettkampf Reglement 100px|rechts

Das technische Regelwerk im Drag Racing stellt sich für den Außenstehenden im ersten Moment als kompliziert dar, da, anders als z. B. im Formelsport, wo die Fahrzeuge denselben Hubraum (oft auch den gleichen Motor) oder andere identische Spezifikationen aufweisen, beim Drag Racing sehr oft die unterschiedlichsten Konzepte auf einen „gemeinsamen Nenner“ gebracht werden müssen. Die jeweils aktuellen Versionen sind auf den Webseiten des DMSB, der FIA und der FIM online abrufbar.Bedeutend einfacher gestaltet sich der sportliche Ablauf: Zwei gehen rein – Einer kommt raus – Nachdem in mehreren Qualifikationsrunden (bei denen nur die reine Laufzeit gewertet wird) eine Rangliste erstellt wurde, treten am eigentlichen Renntag (Eliminations) die Fahrer im K.-o.-System gegeneinander an. Die jeweiligen Paarungen werden in Flow Charts (auch Ladders / Leitern) festgelegt. Es tritt der Schnellste gegen den Letzten an, der Zweitschnellste gegen den Vorletzten usw. Anders als in der Qualifikation wird hier die Reaktionszeit an der Ampel zur (Netto-)Laufzeit hinzugezählt. Dies fügt der rein technischen Komponente den Aspekt des fahrerischen Know-how hinzu, das oftmals das Resultat bestimmt. Die jeweiligen Sieger treffen in der nächsten Runde aufeinander, bis im Finale der Tages-/Eventsieger ermittelt wird.

Amateurklassen Die Regeln für die Amateurklassen bzw. Sportsman-Klassen werden vom DMSB festgelegt. Die Amateurklassen umfassen ein breites Spektrum von Fahrzeugen, vom straßenzugelassenen Serienfahrzeug bis hin zum speziell für das Drag Racing konstruierten Rennwagen. Um einer immer stärkeren Aufrüstung der Fahrzeuge entgegenzuwirken und um die Kosten zu begrenzen, wird in den meisten Klassen nach einem Zeitindex gefahren. Die Fahrer müssen versuchen, möglichst nahe an die vorgegebene Zeit heranzukommen. Eine Unterschreitung des Indexes führt zur Disqualifikation. So werden auch Rennläufe zwischen unterschiedlich starken Fahrzeugen ermöglicht. Häufig muss der Fahrer vor dem Ziel vom Gas gehen, um den Index nicht zu unterschreiten. Ausschlaggebend ist dann mehr das Können des Fahrers und weniger die Motorleistung seines Fahrzeuges. Bei den Bracket-Rennen startet das langsamere Fahrzeug jeweils soviel früher, dass das leistungsstärkere Fahrzeug das leistungsschwächere an der Ziellinie gerade einholen kann.

Profiklassen Im Jahre 1997 führte die FIA eine europäische Drag Racing-Meisterschaft für die Klassen Top Fuel Dragster, Top Methanol (seit 2017 für Dragster und Funny Cars gemeinsam), Pro Modified und Pro Stock ein. Zu diesem Zweck kooperiert die FIA mit der amerikanischen NHRA und übernahm deren Wettkampfregeln sowie die technischen Bestimmungen. Die klassische Distanz für Dragsterrennen beträgt eine viertel Meile, was 402,34 m entspricht. 2012 wurde von der FIA speziell für die Klasse Top Fuel die NHRA-Regel übernommen, die aus Sicherheitsgründen eine verkürzte Renndistanz von 1000 Fuß (304,80 m) vorschreibt. Direkt an die eigentliche Strecke schließt die Auslaufzone an, deren Länge bei FIA-zertifizierte Strecken gegenwärtig mindestens 650 Meter betragen muss. Wo keine Gerade dieser Länge zur Verfügung steht oder nur leistungsschwächere Fahrzeuge antreten, begnügt man sich oft auch mit der halben Distanz von einer Achtelmeile, entsprechend 201,17 m. In der Regel treten zwei Fahrer gegeneinander an. Gemäß den Zeiten (Elapsed Time, ET) in den Qualifikationsläufen werden die Paarungen für die Ausscheidungsläufe festgelegt, die dann im K.-o.-System ausgefahren werden. Die Reaktions-Zwischen- und Endzeiten werden mit Hilfe mehrerer Lichtschranken für jede Bahn separat gemessen. Insbesondere auch die Reaktionszeit am Start entscheidet oft über Sieg oder Niederlage.

Rennablauf Das Rennen beginnt mit dem Burnout. Die Fahrer geben kurz Vollgas, wodurch die Räder durchdrehen und auf die optimale Betriebstemperatur gebracht werden. Darauf folgt das Staging, das Einnehmen der Startposition. Zwei durch Lichtschranken gesteuerte weiße Lampen zeigen die Position des Fahrzeugs an. Haben beide Rennwagen die korrekte Position erreicht, leuchten drei gelbe Lampen der Startampel auf, je nach Klasse nacheinander oder gleichzeitig. Dann erfolgt nach einer zufälligen Zeitspanne oder durch den Rennleiter die Startfreigabe durch eine grüne Lampe.

Zeitmessung Von der Zeit, die vergeht, bis die Fahrzeugfront die Startlinie quert, werden je nach Klasse 0,500 oder 0,400 Sekunden als Reaktionszeit (Reaction Time, RT) abgezogen, so dass das Optimum eine RT von 0,000 Sekunden ist. Hat der Wagen die Startlinie früher gequert, wird davon ausgegangen, dass der Fahrer nicht auf das grüne Licht reagiert hat, wozu ein Mensch mindestens drei Zehntelsekunden braucht, sondern auf Verdacht losgefahren ist. Dies wird mit einer Disqualifikation geahndet und durch eine rote Lampe angezeigt. Die erste Zwischenzeitmessung zu Informationszwecken (Time Slip, Zeitzettel) erfolgt nach 60 Fuß, entsprechend etwa 18 Metern. Diesen Punkt erreichen die Dragster der Pro-Klassen in weniger als einer Sekunde und sind dann bereits über 100 mph (161 km/h) schnell. Eine weitere Messung von Zeit und Geschwindigkeit erfolgt typischerweise in der Streckenmitte. Der Sieger wird den Zuschauern im Startbereich auf einer Anzeigetafel eingeblendet. Zudem werden die vom Überfahren der Startlinie bis zum Erreichen der Ziellinie verstrichene Zeit (Elapsed Time, ET) und die Endgeschwindigkeit angezeigt. Entscheidend für den Sieg ist die Summe von Reaction Time und Elapsed Time. Man spricht von einem Hole Shot, wenn durch eine schnelle Reaktionszeit ein auf der Strecke schnellerer Gegner besiegt wurde.

Der time slip mini|links|Time slip der FIM-Klasse SSB (Super Street Bike), der den damaligen deutschen Klassenrekord (2022) von Clemens „Wally“ Walleit dokumentiert.

Beim sogenannten time slip (englisch, in etwa ‚Zeiten-Zettel‘) handelt es sich um einen Computerausdruck mit den wichtigsten Informationen eines absolvierten Rennlaufs beim Drag Racing. Neben den reinen Informationen zum Lauf (Qualifikation o. Ausscheidungslauf / Sieg o. Niederlage) enthält er wichtige Daten (wie zum Beispiel Zwischenzeiten und Geschwindigkeiten an bestimmten Messpunkten), die den Teams bei der Abstimmung auf den nächsten Lauf helfen können. Zwar ist mit der steigenden Verwendung von individuellem Data Recording (vor allem bei den Pro-Klassen) dieser Aspekt etwas in den Hintergrund getreten, aber im unteren Sportsmann-Bereich (sog. Weekend-Racer) ist er immer noch eine wichtige Komponente.

In der Frühzeit des Drag Racing, als die Zeiten noch handgestoppt wurden, wurden die Time slips von Hand ausgefüllt.

Am Beispiel des nebenstehenden Fotos, eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen: