When Marnie Was There ist ein erstmals 1967 bei HarperCollins U.K. veröffentlichter Roman der britischen Kinder- und Jugendbuchautorin Joan G. Robinson. Die deutsche Übersetzung von Gertrud Rukschcio mit dem Titel Damals mit Marnie kam 1969 heraus.

Der Roman handelt von Anna, einem Mädchen, das sich seiner Umgebung nicht richtig zugehörig fühlt und seinen Pflegeeltern Sorgen macht. Nach einer Erkrankung wird Anna an die Küste Norfolks geschickt, um sich zu erholen. Dort trifft sie auf die mysteriöse und eigensinnige Marnie. Das Buch thematisiert Entfremdung, Einsamkeit und Vergebung in der Kindheit. Es erhielt sehr positive Kritiken und Lob für die Kraft der natürlichen Bilder, das Gleichgewicht von Humor und schwierigen Themen und sein emotionales Gewicht. 1971 entstand eine Adaption fürs Fernsehen, 2006 fürs Radio. 2014 produzierte Studio Ghibli einen auf dem Roman basierenden Animationsfilm, der im deutschsprachigen Raum unter dem Titel Erinnerungen an Marnie lief.

Hintergrund mini|Tiefstehende Sonne über dem Creek in Burnham Overy Staithe Laut Robinsons Tochter entstand When Marnie Was There während eines Sommerurlaubs mit der Familie im Küstendorf Burnham Overy Staithe. Robinson pflegte eine lebenslange Beziehung zu Norfolk und seit 1950 speziell zu Burnham Overy.Sheppard, Deborah (2014) . Afterword. When Marnie Was There. By Robinson, Joan G. HarperCollins. ISBN 978-0-00-759135-0.

Wichtige Naturmerkmale des Ortes sind ein Meeresarm, Creek genannt, Marschland und ein einsamer, von Sandhügeln umgebener Strand."ジョーン・G・ロビンソンの 原作の舞台をたどって" [Discovering the setting of original story by Joan G Robinson]. MOE. No. September 2014. .

Als Rückweg vom Strand bei Ebbe benutzte Robinson einen Pfad durch das Marschland. Aus der Ferne bemerkte sie ein Haus, das in der Umgebung zu verschwinden schien, bis die tief stehende Sonne das Mauerwerk dramatisch leuchten ließ. Vom Haus (in der englischen Ausgabe „The Granary“, Kornspeicher, genannt) aus, mit seinen markanten blauen Türen und Fensterrahmen, war die ganze Marschlandschaft zu überblicken. Robinson näherte sich dem Haus und sah in einem der oberen Fenster ein junges Mädchen, das sich die Haare bürsten ließ, sitzen. Die Beobachtung wurde zum Ausgangspunkt für den Roman. Robinson verbrachte viel Zeit mit der Anfertigung von Notizen zwischen den Sandhügeln. Sie erschuf die Charaktere von Anna und Marnie. Burnham Overy Staithe (Staithe = Anlegestelle, Hafen von Burnham Overy) gab die Kulisse für die Geschichte ab. Merkmale von „The Granary“ flossen in die Beschreibung des fiktiven „Marsh House“ der englischen Ausgabe ein. Strand, Sandhügel, Wiesen und Wege durch die Marsch waren wichtige Schauplätze. Nach dem Sommeraufenthalt erweiterte und ordnete Robinson ihre Aufzeichnungen und entwickelte daraus in circa 18 Monaten ein Manuskript.

Inhalt Anna lebt als Pflegekind des Ehepaars Preston in London. Besonders Nancy Preston macht sich Sorgen, weil Anna keinen sozialen Anschluss sucht und in der Schule passiv bleibt. Nach einer Atemwegserkrankung darf sie die Schule mehrere Wochen vor dem Trimesterende verlassen und wird zu dem kinderlosen älteren Ehepaar Pegg nach Little Overton in Norfolk geschickt, um sich zu erholen. Nancy Preston ist mit den Peggs bekannt, weil sie selbst einige Zeit in Little Overton gelebt hat. Bei Annas ersten Rundgang durch das Dorf sieht diese eine große Familie und nimmt das sogenannte Marschhaus wahr, ein großes, anheimelndes Gebäude mit blaugestrichenen Fensterrahmen direkt am Creek, das ihr merkwürdig vertraut vorkommt. mini|Burnham Overy Staithe bei Niedrigwasser. Links „The Granary“, Vorbild für das Marschhaus im fiktiven Little Overton In den folgenden Tagen fühlt sie sich von bzw. aus diesem Gebäude beobachtet. Einerseits weiß sie, dass das Haus eigentlich leersteht, andererseits hat sie einmal an einem Fenster im ersten Stock ein blondes Mädchen zu sehen geglaubt. Überdies pflegt abends die sinkende Sonne die Fassade des Gebäudes so anzustrahlen, dass es wirkt, als seien alle Fenster hell erleuchtet. In Gedanken besiedelt Anna das Haus mit der großen Familie, die sie nur ein einziges Mal kurz wahrgenommen hat, und stellt sich vor, dass das blonde Mädchen zu dieser Familie gehört.

Als sie eines Abends am Creek unterwegs ist, entdeckt sie ein kleines Ruderboot, das benutzungsbereit an einem Pfahl festgemacht ist und auf sie zu warten scheint. Sie rudert damit auf den Creek hinaus, droht gegen einen Mauervorsprung am Marschhaus zu treiben und wird dort von einer blonden Altersgenossin empfangen, die erklärt, sie habe Anna schon mehrmals vom Fenster aus beobachtet und das Boot extra für sie an dem Pfahl festgemacht. Mit den Kindern aus dem Dorf dürfe sie nicht spielen; Anna werde jetzt ihre geheime Freundin sein. Die Mädchen treffen einander fortan regelmäßig. Anna stellt mit Erstaunen fest, dass ihr jedes Mal, wenn sie mit dieser Marnie zusammen ist, der Haushalt der Peggs und alles, was mit der modernen Welt zu tun hat, aus dem Gedächtnis entschwindet. Außerdem hat sie das Gefühl, ihre Erlebnisse mit Marnie selbst gar nicht beeinflussen, sondern nur geschehen lassen zu können.

Marnie gegenüber offenbart Anna, was zu ihrer Einsamkeit und zu ihrem Unglück geführt hat. Sie hasse ihre leibliche Mutter, weil diese sie im Stich gelassen habe: Sie sei mit ihrem zweiten Ehemann – der erste, Annas leiblicher Vater, hat die Familie verlassen – in Urlaub gefahren und dabei zusammen mit ihrem Mann bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Auch die Großmutter, bei der Anna dann geblieben sei, habe sie allein zurückgelassen. Sie habe ihr gesagt, sie müsse nur aus Krankheitsgründen für einige Zeit wegfahren, und sei nie wiedergekehrt, weil sie gestorben sei. Die Pflegeeltern, bei denen sie nach einer Zeit in einem Kinderheim untergekommen sei, seien zwar sehr freundlich, aber sie habe herausgefunden, dass sie dafür Geld von der Gemeinde erhielten, sodass sie nicht mehr an die unbedingte Liebe der Prestons glauben könne.

Marnie argumentiert dagegen, Annas Verwandte könnten doch nichts dafür, dass sie gestorben seien, und erklärt, sie selbst wünsche sich heimlich, ein Adoptivkind zu sein, weil dies die Liebe ihrer Eltern zu ihr beweisen würde. Diese halten sich nur selten im Marschhaus auf und überlassen ihre Tochter einer Kinderfrau und zwei Dienstmädchen. Keine dieser Personen kümmert sich angemessen um das Mädchen und besonders die Kinderfrau misshandelt Marnie regelmäßig physisch und psychisch, damit diese den Eltern nichts über die Zustände im Haus erzählt. Unter anderem hat sie ihr schon vor Jahren panische Angst vor der Windmühle, die außerhalb des Ortes steht, eingejagt. Anna ist zutiefst empört darüber, was diese Erwachsenen ihrer Freundin angetan haben. Die beiden Mädchen schließen sich in ihrer Einsamkeit und ihrem Unglück aneinander an. mini|Die Windmühle in Burnham Overy Als jedoch Marnies entfernter Vetter Edward, der einige Jahre älter ist als diese, zu einem längeren Besuch erscheint, wird Marnie in Annas Augen unzuverlässig. Edward versucht Marnie ihre Ängste vor der Windmühle und vor dem familieneigenen Wachhund Pluto auszureden, geht dabei aber zu unsensibel vor. Anna hingegen beschließt eines Abends, die Windmühle selbst aufzusuchen, um festzustellen, dass der Bau nichts Beängstigendes an sich hat. Dann, so meint sie, kann sie Marnie dorthin mitnehmen und von ihren Ängsten befreien. Als sie aber bei aufkommendem schlechtem Wetter in der Mühle ankommt, findet sie dort Marnie vor. Diese hat Edwards Frotzeleien nicht mehr ausgehalten, ist zur Mühle gelaufen und auf einer Leiter in den ersten Stock geklettert. Nun hat sie aber panische Angst, wieder hinunterzusteigen. Anna bleibt bei ihr, bis zuerst Marnie und dann sie selbst in Schlaf fällt. Im Aufwachen hört Anna dann nur noch, wie sich Schritte entfernen und Marnie von Edward weggetragen wird. Erneut fühlt sie sich im Stich gelassen, macht sich unglücklich auf den Heimweg zu den Peggs, rutscht dabei auf dem regennassen Gras in einer Koppel aus und bleibt mit einem verletzten Fuß liegen. Ein Nachbar findet sie später und bringt sie, schwer erkältet, zu den Peggs. Zwei Tage später steht sie heimlich aus dem Krankenbett auf: Sie möchte am Marschhaus vorbeigehen, damit Marnie sie in ihrer Einsamkeit sieht und ein schlechtes Gewissen bekommt.

Marnie ist in ihrem Zimmer eingesperrt worden und soll demnächst weggebracht werden. Sie nimmt Anna, die draußen im Bett des Creeks steht, tatsächlich wahr und bittet sie flehentlich um Verzeihung. Sie habe Anna nicht absichtlich allein in der Mühle gelassen. Anna vergibt Marnie und starrt zu deren Fenster empor, bis sie von der Flut, die an diesem Tag besonders rasch hereinkommt, überrascht wird. Es gelingt ihr nicht mehr, auf die Uferböschung zu gelangen, doch der alte Fischer Derwarzviel, der sich eben mit seinem Boot nähert, rettet sie vor dem Ertrinken.

Anna, ernsthaft erkrankt, verbringt mehrere Wochen mit hohem Fieber im Bett. Als sie wieder aufstehen kann, hat die Sommersaison begonnen. Marnie ist für Anna nun nur noch eine blasse Erinnerung. Sie stellt fest, dass im Marschhaus Handwerker arbeiten, und lässt sich am Strand immer wieder von einer Gruppe von Kindern verfolgen, die sie jeweils schon aus der Entfernung wahrnimmt und die offenbar auch immer wieder auf der Suche nach ihr sind. Als sie schließlich von den fünfen gefangen wird, stellt sich heraus, dass sie zu der Familie Lindsay gehören, die sie an ihrem ersten Tag in Little Overton gesehen hat und der nun das Marschhaus gehört. Eines der Mädchen, Priscilla, genannt Silla, hat in einem Zimmer im ersten Stock ein altes Tagebuch gefunden, auf dessen Deckel der Name Marnie zu lesen ist. Silla hat angenommen, Anna sei diese Marnie und habe vor ihr in diesem Zimmer gewohnt. Als sich dies als falsch herausstellt, zeigen sie das Heft Mrs Lindsay. Diese erklärt den Mädchen, das Kindertagebuch stamme offenbar aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, weil unter anderem Kanonenschüsse in Belgien darin erwähnt werden, und meint, ihre Freundin Penelope Gill, die aus der Gegend stamme, könne bestimmt mehr darüber sagen.

Es trifft sich, dass diese Freundin, von den Lindsay-Kindern liebevoll Gillie genannt, am Abend desselben Tages zu Besuch kommt, an dem auch Nancy Preston einen Tagesausflug nach Little Overton gemacht hat: Die Dame, die das Pflegekind Anna und dessen Pflegeeltern von Amts wegen regelmäßig zu besuchen hat, hat ihr unter anderem erklärt, dass es ein Fehler war, Anna nicht über die Geldzahlungen der Gemeinde aufzuklären. Da Mrs Preston aber am Nachmittag von Mrs Lindsay zum Tee eingeladen worden ist, kann sie das Gespräch mit ihrer Pflegetochter nicht in solcher Ausführlichkeit führen, wie sie es sich gewünscht hätte. Stattdessen hat sie aber längere Zeit mit Mrs Lindsay über Anna und deren Herkunft gesprochen.