mini|Wallfahrtskirche St. Marien in Zöbingen Die römisch-katholische Wallfahrtskirche St. Marien ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz. Sie steht in Zöbingen, einem Ortsteil von Unterschneidheim im Ostalbkreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Unterschneidheim im Dekanat Ostalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Geschichte In der Sakristei der Kirche wird ein alamannischer Totenbaum aufbewahrt, der auf das 6. Jahrhundert datiert wird. Laut einer Aufzeichnung von 1661 wurde er 1161 oder 1261 gefunden, zusammen mit Gebeinen und Münzen.Stadtmuseum Nördlingen Damals sei ein Pfleger der Burg Baldern mit seinem Pferd in ein Erdloch geraten und von Zöbinger Bauern gerettet worden; dabei sei der Baumsarg entdeckt worden.unterschneidheim.de In der Kuppel der Kirche ist die Auffindung des Baumsarges zu sehen. Auch ist ein Votivtafel zu sehen, auf welchem der Pfleger in die Erde einbricht. mini|Einbrechen des Pflegers auf dem Pferd mini|Bergung des Baumsargs bei der heutigen Kirche
Auf der Votivtafel ist zu lesen: „Es hat sich im Jahre 1261 begeben das ein Pfleger von hohen Baldern bey dein Flecken Zöbingen vorübergeritten und samt dem Pferde in den Boden gesunken, und Stecken geblieben, bis Männer von Zöbingen gekom(m)en und das Pferd mit Stangen herausgehoben haben. An diesem Orte hat sich ein Brun(n)en gefunden, welcher noch in der Kirchen vorhanden ist, und ein Schwein hat ein kleines Glöcklein herausgewühlet. Als man weiter gegraben, hat man einen ausgemienen Knett=Trog, und darin ein kleines Kästlein mit Geld, samt 3 Todtenköpfen, etlichen Todtenbeinern und 3 frischen Aepfeln gefunden . Der Trog, die Todtenköpfe und die Todtenbeiner sind noch in der Sakristey vorhanden. Daraufist zu Ehren der heiligen Mutter Gottes und Jungfrauen Maria hier eine Kirche gebmiet worden wo der Zeit her der allmächtige Gottin wahren gläubigen unterschiedliche Wunder gewirkt hat.“
Am Baumsarg mit menschlichen Überresten in der Sakristei ist ebenfalls eine Tafel angebracht. Auf dieser Tafel ist zu lesen: „Es hat sich vor fünfhundert Jahren begeben, das ein Pfleger von hohen Baldern bey dem Flecken Zebingen voryber geritten. Sein Pferd mit ihme in den Boden gesuncken und also Stecken bliben bis etliche Männer von Zebingen ihme zu hilf Kamen und mit Stangen das Pferdt herauf gewogen und hat sich an disem orth ein brunen gefunden, Welcher noch in der Kirchen vorhanden. dan eben selbiger gegent hat auch ein S: V. Schwein ein kleines gleckhen herauf gewielt. Und alß man weiter gegraben hat man einen auf gehauenen trog wie man den deig darinen knethen thut gefunden. darin war ein hilzenes kistlein mit gelt. sombt 3 dodten käpf und etliche dodten bein. auch 3 frische äpfel. Welcher trog, dodten käpf und bein, in der Kirchen noch vor handen ond wo sich dieses alles begeben ist disße kirch gebauet worden. all wo durch so ville jahr hero bis nuf disße Zeit underschiedliche miracus gesehen, und ist disse Kirch in Namen der heilligsten Mutter gottes der Jungfrauen Maria nufter bauet. Renovieren lassen zu Wallerstein hermannus Auernham in Jahre Christi 1728“
Der Fund von Zöbingen gilt als der erste „archäologische“ Fund aus dem Frühmittelalter in Württemberg. In der Sakristei sind noch heute die Knochen aus dem Baumsarg in einem hierfür angefertigten Schrein zu sehen.Die Kunstkammer der Herzöge von Württemberg Band 1, S. 293–295 Die Baumsärge befinden sich heute in Besitz des Landesmuseums Württemberg – diese gaben ihn an das alamannenmuseum Ellwangen als Dauerleihgabe – und im Stadtmuseum in Nördlingen. Im Eingangsbereich des Alamannenmuseums sind außerdem Repliken der Baumsärge aufgestellt. mini|Repliken von Baumsärgen aus Zöbingen im Eingangsbereich des Alamannenmuseums Ellwangen
Eine Fibel aus Zöbingen befindet sich im Depot des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/5258/view Der Direktor des Museums Dr. Boesch erwarb diese im Oktober 1893, während im wenige Kilometer entfenten Pfahlheim Augrabungen durchgeführt wurden, von der „Witwe des TotengräbersOscar Paret, Die Totenbäume von Zöbingen In: Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen (Hrsg.), Ellwanger Jahrbuch 1947 - 1949, S. 13“ von Zöbingen.Oscar Paret, Die Totenbäume von Zöbingen In: Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen (Hrsg.), Ellwanger Jahrbuch 1947–1949, S. 13 Aufgrund dieser Information sieht es Paret als erwiesen an, dass „auch sonst Grabbeigaben von den Findern unterschlagen wurden und der Wissenschaft nicht bekannt geworden sind.Oscar Paret, Die Totenbäume von Zöbingen In: Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen (Hrsg.), Ellwanger Jahrbuch 1947 - 1949, S. 13“
mini|Schrein mit alamannischen Knochen in der Zöbinger Sakristei mini|Zöbinger Baumsarg im Stadtmuseum Nördlingen Eine Kapelle mit einem Gnadenbild der Mutter Gottes wurde errichtet, es kam zu Wunderberichten und zur Entstehung der Wallfahrt. Für die wachsende Pilgerzahl ließ Graf Kraft Anton Wilhelm von Oettingen-Baldern 1718 bis 1737 die barocke Kirche errichten.ries-ostalb.de Sie wurde 1783 unter Franz Wilhelm von Öttingen klassizistisch erneuert.leo-bw.de Diese Jahreszahl enthalten mehrere lateinische Chronogramme in der Kirche.Beschreibung des Oberamts Ellwangen
Beschreibung mini|hochkant|Blick zum Chor Der Barockbau nach Plänen von Gabriel de Gabrieli erhielt unter der Leitung des Ellwanger Landbaumeisters Sebastian Manz 1783 seine klassizistische Gestalt. Die Kirche besteht aus einer Rotunde, an die nach Norden ein Langhaus angebaut ist, das sich halbkreisförmig verjüngt und im Innenraum mit einer Scheinarchitektur-Apsis abgeschlossen ist. Daran schließt sich der Kirchturm auf quadratischem Grundriss mit Konche an. Die Querarme nach Westen und Osten haben Schweifgiebel, das Langhaus im Süden einen Volutengiebel. Der Außenraum ist mit Pilastern und Lisenen gegliedert. Der Kirchturm, in dessen Glockenstuhl ein vierteiliges Geläut hängt, ist mit einer Glockenhaube bedeckt. Den zentralen Innenraum überwölbt eine hölzerne, runde Kuppel. Das Kuppelgemälde von Anton Wintergerst (1737–1805) stellt Mariä Himmelfahrt dar. Am vorderen Rand der Kuppel (Eingangsseite) sind links der Reiterunfall, rechts die Auffindung des Baumsargs aus der Gründungsüberlieferung zu sehen.Detail 1; Detail 2 Den Hochaltar schuf 1780 Thomas Schaidthauf. Das Gnadenbild, die Statue einer Mondsichelmadonna (um 1500), steht über dem Tabernakel.
Literatur
Weblinks
Kirche auf ries-ostalb.de
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Ostalbkreis Wallfahrtskirche St Marien Kategorie:Mariä-Himmelfahrt-Kirche Kategorie:Wallfahrtskirche des Bistums Rottenburg-Stuttgart Kategorie:Zentralbau in Deutschland Kategorie:Rotunde Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude in Europa