Dies ist ein Glossar zur chinesischen Textkritik.

Das im steten Aufbau begriffene Glossar zur traditionellen chinesischen Textkritik und ihrem Umfeld hat seinen Schwerpunkt auf Arbeiten und Studien zur Authentizität und zum Verständnis früher bzw. 'klassischer' chinesischer Texte und bezieht bevorzugt neben den termini technici im engeren Sinne Hinweise auf chinesische (sprachwissenschaftliche) Werke und ihre Verfasser mit ein, insbesondere auch zur Phonologie. Das Glossar ist weit gefasst und enthält sowohl Sachbegriffe als auch Hinweise auf Werke, Autoren, Herausgeber und andere themenrelevante Begriffe.

Kurzeinführung Westliche Gelehrte wie Paul Thompson (1931–2007), Harold D. Roth (1949–) und William G. Boltz beispielsweise sind drei der bekannteren Personen neuerer Zeit, die sich eingehend mit frühchinesischer Textkritik und Texten beschäftigt haben. Die Übersetzungen der chinesischen Klassiker des britischen Sinologen Arthur Waley (1889–1966) (Book of Songs, Analects, Mencius (Anmerkungen zur Legge-Übersetzung), Tao-tê-kingvgl. die Besprechung von Alfred Forke: Waley's Tao-tê-king. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Vol. 95 (n.F. 20), No. 1 (1941), pp. 36-45 usw.) bereits haben weitgehend versucht, die chinesische Textkritik (insbesondere aus der Qing-Zeit) mit einzubeziehen.Siehe deren Appendices (teils separat veröffentlicht). Der französische Gelehrte Stanislas Julien (1797–1873), einer der bedeutendsten Kenner der chinesischen Sprache und Literatur, machte bereits in seinem Buch Syntaxe nouvelle de la langue chinoise auf die Qualitäten des chinesischen Textkritikers Wang Yinzhi (1766–1834) und dessen Jingzhuan shici aufmerksam.

Die Methoden kritischer Philologie wurden beispielsweise für den Text des Lunyu (Gespräche des Konfuzius) zuerst von Qing-zeitlichen Gelehrten wie Ruan Yuan (1764–1849), Wang Niansun (1744–1832), Wang Yinzhi (1766–1834), Yu Yue (1821–1907) angewandt. Arthur Waley merkte seinerzeit zu seiner Übersetzung an, dass der einzige europäische Verfasser, der diese einheimischen Studien zu irgendeinem Zweck verwendet habe, Édouard Chavannes gewesen sei, in seiner Behandlung der Konfuzius-Biographie in den Mémoires Historiques (Bd. V), seiner Übersetzung des Shiji von Sima Qian.

Es wurde auch bereits angemerkt, dass die „chinesische Textkritik ein äußerst schwieriges, komplexes und kaum überschaubares Terrain ist, das nur Spezialisten zugänglich ist“.Dorothea Wippermann: Die sprachlichen Mittel der Einbettung direkter Rede in der chinesischen Wenyan-Erzählliteratur bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. (Opera Sinologica, Band 8) 2001, S. 17

Der russische Gelehrte W. M. Alexejew merkte zu dem weiten Themenfeld an:

Und William H. Baxter sagte zu den Qualitäten der Qing-Gelehrten:

Erhellende Einsichten in die Arbeitsweise der traditionellen chinesischen Textkritik liefert der Gelehrte Wang Shumin.Zu Wang Shumin 王叔岷, vgl. z. B. Harold D. Roth, JAOS (1993), S. 218: „the dean of modern Chinese textual critics“. Wang Shumin ist der Verfasser zweier Aufsätze, worin er 90 bzw. 122 FehlerartenWang Shumin: Jiaochouxue 校雠学 (Textkritik), Nankang (Taipei), Academia Sinica, 1972. - Dieses ‚Vademekum der Textkritik‘ erschien zuvor (1951/2) ebd. in 90 Abschnitten, s. a. die Besprechung von P. van der Loon in: Rev. bibl. (1959), Nr. 63, S. 55 in der Geschichte der chinesischen Textüberlieferung freilegt und dabei souverän mit den aus der traditionellen chinesischen Textkritik gewonnenen Erkenntnissem, insbesondere denen aus der Qing-Zeit, umgeht.

Ein besonders eingehendes Studium erfuhren die verschiedenen klassischen philosophischen Werke des Konfuzianismus (vgl. Shisan jing und Shisan jing zhushu) und Daoismus (Daodejing, Zhuangzi, Liezi, auch Huainanzi)vgl. Zhuzi jicheng, aber auch zahlreiche Beispiele zu Textkritik der Texte aus dem Legalismus und anderer bedeutender Schulen sind vorhanden, wobei das vorliegende Glossar einige der wichtigsten Arbeiten (und Verfasser) integriert hat.

Den einzelnen Buchtiteln der Bibliographie des Hanyu da zidian (HYDZD) beispielsweise ist in puncto früher chinesischer Textevgl. Michael Loewe (ed.): Early Chinese texts: a bibliographical guide, Berkeley 1993 unter anderem auch die Terminologie vieler textkritischer Werke zu entnehmen.

Das Glossar ist alphabetisch sortiert, zumeist nach chinesischen Begriffen, es wurden aber auch deutsche Begriffe mit Querverweisen eingebaut. Bei bereits vorhandenen Artikeln in der deutschsprachigen Wikipedia wird auf weitergehende Erklärungen im Glossar verzichtet.

Glossar Hinweis: Hauptquelle bzw. hauptsächliche Inspirationsquelle sind a) die beiden Arbeiten zu den 90 bzw. 122 Fehlerarten von Wang Shumin, die einen einzigartigen Einblick in die Tiefen (und Untiefen) der chinesischen Textkritik und -überlieferung anhand anschaulich zitierter Textpassagen bzw. -varianten verschiedener Quellen liefern, insbesondere des Zhuangzi; b) verschiedene Zhuangzi-Ausgaben; c) die Leipziger Dissertation von Lin Yutang zur Lautlehre (s. a. Zhu Junsheng : Shuowen tongxun dingsheng ). - Abkürzungen wie zum Beispiel „HYDZD 87“ verweisen auf die Nummer in der cum grano salis weitgehend chronologisch sortierten Bibliographie des chinesischen Standardwerkes Hanyu da zidian (hier das Shuowen jiezi von Xu Shen ). Einige der Begriffe sind mehrfach aufgeführt, z. B. steht Daozang () im Glossar sowohl unter „Daoistischer Kanon“, „Taoistischer Kanon“ als auch dem chinesischen Wort (d. h. Daozang, ohne Pinyin). Eine wichtige Rolle in der chinesischen Textkritik spielt auch der Vergleich der klassischen Texte mit Einträgen in den Leishu, wovon ebenfalls verschiedene genannt sind. Die Abkürzung „ChK“ verweist auf Einträge der Webseite Chinaknowledge.

A Abkürzungen

Beispiele: ChK: Huang-Qing jingjie 皇清經解Huang-Qing jingjie 皇清經解, auf chinaknowledge.de = Chinaknowledge (Ulrich Theobald) mit dem entsprechenden Werk (hier: Huang Qing jingjie) HYDZD 87 = Eintrag Nr. ... in der Bibliographie des Hanyu da zidian mit weiterführenden Hinweisen (hier: Nr. 87). - Das Hanyu da zidian orientiert sich in seinen Notizen zur Phonetik weitgehend an Qing-zeitlichen Werken, wie z. B. dem Shuowen tongxun dingsheng 说文通训定声 von Zhu Junsheng 朱骏声.

Abkürzungen:

CH = Cihai ChK = Chinaknowledge CY = Ciyuan DZ = Daozang (Daoistischer Kanon) ECCP = Eminent Chinese of the Ch'ing Period ECT = Early Chinese Texts HQJJ = Huang Qing jingjie HQJJXB = Huang Qing jingjie xubian HY (-Index) = Harvard-Yenching-Index HYDCD = Hanyu da cidian HYDZD = Hanyu da zidian SBBY = Sibu beiyao SBCK = Sibu congkan SKQS = Siku quanshu T = Taishō (Chinesischer buddhistischer Kanon) ZHSJ = Zhonghua shuju ZZJC = Zhuzi jicheng u. a.

B Bai-Kong liutie 白孔六帖 (= Baishi liutie 白氏六帖 und Kongshi liutie 孔氏六帖, d. h. das Leishu von Bai Juyi und Kong Chuan) (ChK: Baishi liutie shilei ji 白氏六帖事類集) Baishi liutie 白氏六帖, Leishu von Bai Juyi (白居易) aus der Tang-Dynastie (ChK: Baishi liutie 白氏六帖) Baitie 白帖 (siehe auch unter Bai-Kong liutie 白孔六帖) Baojingtang congshu 抱经堂丛书, von Lu Wenchao (1717-1795) zusammengestellt (ChK: Baojingtang congshu 抱經堂叢書) Baopuzi 抱朴子, Ge Hong 葛洪 Beishan lu 北山录, Shenqing 神清 Beitang shuchao 北堂书钞 (HYDZD 285), ein von Yu Shinan 虞世南 (558–638) zusammengestelltes Leishu bihui tabuisierter Namen Bi Yuan 毕沅 (1730–1797) buming wenyi 不明文义 unklare Textbedeutung bushu 补疏 ergänzender Subkommentar

C caoshu Gras- oder Konzeptschrift (der chinesischen Kalligraphie); kursorische Schnellschrift Cefu yuangui 册府元龟, Wang Qinruo 王钦若 (HYDZD 652) Chen Bixu 陈碧虚 (1024–1094; das ist: Chen Jingyuan 陈景元): Quewu bzw. Zhuangzi quewu 庄子阙误 (Daozang 道藏) Chen Di 陳第 (1541–1617) Chen Guying 陈鼓应 (1935–), Zhuangzi jinzhu jinyi 庄子今注今译 (ZHSJ, 1983; Victor H. Mair stützt sich auf diese Ausgabe) Chen Li 陳澧 (1810–1882), i.e. Chen Lanfu 陳蘭甫 Cheng Xuanying 成玄英, Zhuangzi-Subkommentar (shu) Chen Yinke 陳寅恪 (1890–1969), Historiker und Textkritiker, für seine Arbeit zur chinesischen Geschichte und Kultur bekannt Chuxue ji 初学记, Xu Jian 徐坚 u. a., Tang-Dynastie (HYDZD 324) chuanxie eine Abschrift eines Textes anfertigen Chunqiu Gongyang zhuan 春秋公羊传 Chunqiu Guliang zhuan 春秋谷梁传 Chunqiu Zuo zhuan 春秋左传 Chushi taowu 楚史檮杌 Citong 辞通 von Zhu Qifeng 朱起凤, erklärt Varianten und Synonyme unterschiedlicher Wörter in alten Büchern Congshu jicheng (ChK: Congshu jicheng 叢書集成)

D Dai Dongyuan 戴東原, das ist Dai Zhen 戴震 Dai Wang 戴望, Guanzi jiaozheng 管子校正 (ZZJC, ZHSJ) Dai Zhen 戴震 (1724–1777) Daoistischer Kanon (道藏 Dàozàng) Dong Tonghe (1911–1963) Daozang 道藏 Dàozàng = Daoistischer Kanon; Taoistischer Kanon Dreizehn Klassiker (abgekürzt mit: Shi 诗, Shu 书, Yi 易, Li 礼, Chunqiu 春秋, Yili 仪礼, Gongyang zhuan 公羊传, Guliang zhuan 谷梁传, Zuo zhuan 左传, Xiaojing 孝经, Lunyu 论语, Erya 尔雅, Mengzi 孟子) - Die Werke Zhouyi 周易, Shangshu 尚书, Maoshi 毛诗, Chunqiu 春秋 und Liji 礼记 werden seit der Han-Zeit die Fünf Kanonischen Werke, Wujing 五经, genannt. In antiken Texten wird von den Sechs Kanonischen Schriften, Liujing 六经, gesprochen: Shi 诗, Shu 书, Li 礼, Yue 乐, Yi 易, Chunqiu 春秋. Deng Xizi 邓析子 (HYDZD 20) die Wiederholung; Verdopplung (eines Schriftzeichens) Du Daojian (1237–1318): Wenzi zuanyi 文子纘義 Dushu zazhi von Wang Yinzhi Duan Yucai 段玉裁 (1735–1815), Shuowen jiezi zhu 说文解字注 Dunhuang 敦煌, siehe auch Dunhuangologie

E ECCP = Eminent Chinese of the Ch'ing Period, biographisches Nachschlagewerk für die Zeit der Qing-Dynastie ECT = Early Chinese Texts (Michael Loewe, ed.), Sammelwerk zur Textgeschichte früher chinesischer Texte Erya (HYDZD 44) Erya zhu 尔雅注, Guo Pu 郭璞 (276–324) Erya yi 尔雅翼, Luo Yuan 罗愿 (1136–1184)

F Fang Xuanling 房玄龄 (579–648), Guanzi-Kommentar (zhu) Fayuan zhulin 法苑珠林 Perlenhain im Garten des Gesetzes, Daoshi 道世 (T 2122; Sibu congkan) Fanyi ming yiji 翻译名义集, (Südliche Song-Dynastie) Fayun 法云 (1087-1158)

G Gao Ming 高明 Gaoshi zhuan 高士传 von Huangfu Mi (3 juan), Jin-Dynastie Gao Sisun 高似孙 (12. Jhd.), Zilüe 子略 Gao You 高誘 Spätere Han-Dynastie (25–220), (spätes 2. Jhd.): Lüshi chunqiu zhu 呂氏春秋注 Gu Guangqi 顾广圻 / 顧廣圻 (1766–1835), Hanfeizi zhiwu / Hanfeizi shiwu 韩非子识误 Gu Jiegang 顾颉刚 (1893–1980), siehe auch Zweifel-am-Altertum-Schule (疑古派) Gu Yanwu 顾炎武 (1613–1682): Rizhi lu (HYDZD 2128) Guyi congshu 古逸丛书, von Li Shuchang 黎庶昌 1882–1884 zusammengestellt Guan Feng 關鋒 (1919–2005) Guanzi 管子 Guangya , Zhang Yi 張揖/张揖 Guangya shuzheng von Wang Niansun 王念孙 Guangyun (HYDZD 648) Gujin yunhui juyao 古今韵会举要 / 古今韻會舉要 von Xiong Zhong 熊忠 Guo Qingfan 郭庆藩 (1844-1896): Zhuangzi-Ausgabe (angemerkte Ausgabe, die für den Harvard-Yenching Sinological Index benutzt wurde) Guoyu (Gespräche / Reden aus den Staaten ) guwen ① klassische chinesische Prosa ② Vor-Qin-Schrift (antike chinesische Schriftform) guyun alte Reime Guo Xiang 郭象, Zhuangzi-Kommentar (zhu)

H Hai lu sui shi 海录碎事 Han Fei 韩非 (3. Jhd. v. u. Z.), legalistischer Philosoph Han Feizi 韩非子 Han Ying 韩婴, Hanshi waizhuan 韩诗外传 Hanshi waizhuan 韩诗外传, Han Ying 韩婴 (HYDZD 54) Han-Wei congshu 汉魏丛书 (ChK: Han-Wei congshu 漢魏叢書) Hanwen ① geschriebenes/literarisches Chinesisch ② chinesische Sprache/Literatur Hebi shilei 合璧事类 (ChK: Hebi shilei beiyao 合璧事類備要) Heguanzi 鹖冠子 (Meister Heguan) Hong Liangji 洪亮吉 (1746–1809) Hongwu zhengyun 洪武正韻 Korrekte Reime aus der Hongwu-Herrschaft (1368-1398) der Ming-Zeit (1368-1644), kurz Zhengyun (ChK: Hongwu zhengyun 洪武正韻) Hu Kejia 胡克家 (1757–1816), Wenxuan kaoyi 文選考異 Hu Shi 胡适 (1891–1962), bedeutender Intellektueller, auch Textkritiker huai verderbt (ein Bestandteil eines Zeichens) Huang Kan 黄侃 (1886–1935) Huang Qing jingjie 皇清經解 (Klassische Kommentare der Qing-Dynastie), enthält viel der besten Arbeit der Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts (ChK: Huang-Qing jingjie 皇清經解) Huang Qing jingjie xubian 皇清經解續編, Fortsetzung des Huang Qing jingjie (ChK: Huang-Qing jingjie xubian 皇清經解續編) Huang Yizhou 黃以周 Huangfu Mi 皇甫謐 (215–282): Gaoshi zhuan 高士传 HY (-Index) = Harvard-Yenching Institute Sinological Index Series

I [kein Eintrag]

J jian Bambustäfelchen