mini|Marie Maugeret Marie Leonne Maugeret (* 25. Juni 1844 in Le Lude; † 25. Juli 1928 in Paris)Todesakte im Archive de Paris, 6. Arr, Nr. 1555 von 1928 war eine katholische, ultramontane und konservative französische Journalistin und Feministin, die die Zeitschrift Le Féminisme chrétien herausgab und für das Frauenwahlrecht kämpfte.
Leben Marie Maugeret kam als Arzttochter aus sicheren Verhältnissen und wurde im Ursulinenkloster in Tours erzogen. Sie arbeitete bis 1885 als Lehrerin im Département Sarthe, bevor sie von La Ferté-Bernard nach Paris zog. 1896 kündigte sie in ihrer Zeitschrift L’Écho littéraire de France die Gründung des christlichen Feminismus an:
Maugeret wollte, dass „feministische Ideen in christliche Kreise und christliche Ideen in feministische Kreise eindringen“.Discours de Mlle Maugeret, Le Féminisme chrétien und l’Écho littéraire de France, 20. Januar 1899, Nr. 2, S. 52 – zitiert nach Cova 2000, S. 45 Sie definierte den Feminismus als „eine Meinungsbewegung, die darauf abzielt, die Lebensbedingungen der Frau zu verändern, ihr individuelles Schicksal zu verbessern und ihre Wirkung in Familie und Gesellschaft zu erhöhen.“Discours de Mlle Maugeret, Le Féminisme chrétien und l’Écho littéraire de France, 20. Januar 1899, Nr. 2, S. 52 – zitiert nach Cova 2000, S. 45–46 Konkret forderte sie freie Arbeit für Frauen (auch nachts) und gleichen Lohn, die Abschaffung der ehelichen Gütergemeinschaft, die Erforschung der Vaterschaft und nach 1898 das Wahlrecht.Klejman und Rochefort 1989, S. 110–112
Bereits im April 1896 wurde Maugeret zusammen mit Marie Duclos, der Chefredakteurin des Féminisme chrétien, zum Internationalen Feministenkongress eingeladen. Sie gehörte auch der französischen Delegation an, die im August 1897 zum Internationalen Frauenkongress in Brüssel eingeladen wurde, der von der Belgischen Liga für FrauenrechteDie Ligue belge du droit des femmes wurde 1892 als erste derartige belgische Organisation gegründet; näheres dazu in der französischsprachigen Wikipédia unter dem genannten Lemma. von Marie Popelin organisiert wurde. Sie sorgte auch eine Zeit lang für den Druck der feministischen Zeitschrift La Fronde von Marguerite Durand, die einen großen Einfluss auf die Frauenbewegung haben sollte. Ermöglicht wurde dies durch die École d’imprimerie pour jeunes filles (Druckerschule für Mädchen), die Maugeret einige Jahre zuvor gegründet hatte und die den Druck mehrerer Zeitschriften sicherstellte.Fayet-Scribe 1990, s. 57 In der dritten Ausgabe der neuen Zeitung schrieb Maugeret eine lange Kolumne.
Anlässlich der Dreyfus-Affäre trennte sich der christliche Feminismus von vielen anderen Frauenbewegungen. Während La Fronde für Dreyfus Partei ergriff, gründete Marie Maugeret als Anti-Dreyfusardin und AntisemitinMarie Maugeret, Zola contre l’armée française, Le Féminisme chrétien, 25. März 1898, S. 33–41 die L’Union nationaliste des femmes françaises (Nationalistische Union der französischen Frauen, 1898).Cova 2000Marie Maugeret, Status de l’UNFF, Le Féminisme chrétien, 20. Januar 1889, S. 68 Gleichzeitig trat sie offen für die Forderung nach dem Frauenwahlrecht ein: Da es Frankreich schlecht gehe, müssten die Frauen wählen, um die Ordnung wiederherzustellen. Sie schrieb:
Tatsächlich waren die Parlamentswahlen von 1898 ein Erfolg für die Antidreyfusards. Aber das allgemeine Wahlrecht konnte auf nationaler Ebene nur mit der Zustimmung der Katholiken eingeführt werden, die immer noch die größte Gruppe bildeten und die Maugeret nun zu überzeugen versuchte.
In der Folge näherten sich die offizielle Kirche und Maugeret an; 1900 wurden Maugeret und ihre Gruppe zum Internationalen Kongress der Katholischen Werke unter der Schirmherrschaft des Erzbischofs von Paris, Kardinal Richard, eingeladen – zwei Jahre zuvor hatte man ihnen den Eintritt noch verweigert.Marie Maugeret, Congrès catholique des œuvres de femmes, Le Féminisme chrétien, Mai 1900, S. 132 1901 gründete sie den Cercle catholique des damesMarie Maugeret, Rapport présenté à la conférence de Bruxelles, Le Féminisme chrétien, September 1902, S. 187 (Katholischer Frauenkreis) und später die Congrès Jeanne d’Arc (Jeanne d’Arc-Kongresse), die von 1904 bis 1906 im Institut Catholique de Paris stattfanden und die gesamte gute katholische Gesellschaft anzogen.
1902 setzte das Kabinett Waldeck-Rousseau ein neues Vereinsgesetz in Kraft und erlangte dadurch die Möglichkeit, die religiösen Kongregationen streng zu kontrollieren, was zur Folge hatte, dass etwa 30.000 Mönche und Nonnen ins Exil gingen.Cabanel und Durand 2005, S. 11 Die Katholiken fühlten sich nun als unterdrückte Gruppe.Dumons 2002, S. 39–50 Zusammen mit anderen katholischen Frauen nahm Maugeret am 27. Juli 1902 an der ersten Demonstration vor dem Innenministerium teilDella Sudda 1997, S. 26 und sprach von einem „Recht auf Aufstand“.Marie Maugeret, À bâtons rompus, Le Féminisme chrétien, 1902, S. 116
Das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat veranlasste Maugeret zur Gründung der Fédération Jeanne d’Arc (Föderation Jeanne d’Arc), die nicht weniger als 25 Gruppen umfasste, darunter die Ligue des femmes françaises (Französische Frauenliga) und die Ligue patriotique des françaises (Patriotische Liga der Französinnen). Für 1906 werden 320.000 Mitglieder genannt.Della Sudda, Une activité Die Fédération Jeanne d’Arc war sowohl antisemitisch als auch antirepublikanisch geprägt.Darrow 2000 S. 25Lautman 1998 In ihren Statuten verpflichtete sich die Föderation zwar, „keine Politik zu machen“, doch Maugeret hielt sich nicht daran. Im Dezember 1905 erklärte sie auf einer Versammlung des Cercle catholique des dames: „Es ist in der Tat eine strenge Pflicht der Frauen, sich aktiv am Kampf zu beteiligen und sich nicht von dem überholten Vorurteil abhalten zu lassen, das den Frauen die Politik verbietet.“Deuxième congrès Jeanne d’Arc, 11. bis 13. Mai 1905, Paris, Institut Catholique de Paris, 1905, S. 148Marie Maugeret, Cercle catholique de dames, Le Féminisme chrétien, Dezember 1905, S. 27 Diese Haltung wurde allerdings nur von einer Minderheit in der Kirche geteilt.Marie Maugeret, Compte-rendu de la réunion du 18 décembre, Le Féminisme chrétien, Dezember 1905, S. 30
Erst beim dritten Jeanne-d’Arc-Kongress 1906 drang Maugeret mit ihrer Forderung nach dem Frauenwahlrecht bei einer Abstimmung durch.Troisième Congrès Jeanne d’Arc, 28. bis 30. Mai 1906, Paris, Institut Catholique de Paris, 1906, S. 216 Die katholische Zeitung L’Univers veröffentlichte Leitartikel und auch der von Protestantinnen wie Sarah Monod dominierte Conseil national des femmes françaises nahm sich des Themas an. Letztendlich stellte sich Papst Pius X. in einem Artikel im L’Osservatore Romano gegen das Frauenwahlrecht; Maugeret hatte ihn in einer Privataudienz nicht umstimmen könnenMarie Maugeret, Lettre ouverte à M. Piou, Le Devoir des femmes françaises, Januar 1907, S. 18.
Sechsundsechzigjährig zog sich Maugeret 1910 aus der ersten Linie zurück; bereits 1907 hatte sie nach Tod ihrer Freundin und Chefredakteurin Marie Duclos Le Féminisme chrétien eingestellt. Sie erlebte noch, wie nach dem Ersten Weltkrieg die Debatte in der katholischen Kirche und in der Gesellschaft wieder aufflammteDella Sudda, Discours und wie sich auch der neue Papst Benedikt XV. für das Frauenwahlrecht aussprach"Yes We Approve", Interview Benedikts mit Annie Christich, The Catholic Citizen. Organ of the Catholic Women Suffrage Society, 1919, Nr. 7, S. 1 f.. Trotz vieler Versuche (ab 1919) der Abgeordnetenkammer wurde dieses Recht wegen des anhaltenden Widerstands des Senats erst 1946 verwirklicht.
Maugerets Beispiel inspirierte die ersten katholischen Frauenbewegungen im frankophonen Ausland: in Quebec die Fédération nationale Saint-Jean-BaptisteDie Fédération nationale Saint-Jean-Baptiste war die erste christlich-feministische Organisation in Kanada; weiterführend dazu unter dem genannten Lemma der Artikel in der französischsprachigen Wikipédia. (Nationale Föderation St. Johann Baptist) von Marie Lacoste-Gérin-Lajoie und in Belgien den Féminisme chrétien de BelgiqueSiehe dazu einen weiterführenden Artikel in der französischsprachigen Wikipédia unter Féminisme chrétien de Belgique. (Féminisme chrétien de Belgique) von Louise Van den Plas.
Archive Bibliothèque Marguerite-Durand (Paris): Briefe an Marguerite Durand (091 MAU), Dokumentationsmappe (DOS MAT), Zeitschrift Le Féminisme chrétien. Bibliothèque der Universität Stanford : Le Féminisme chrétien und L’écho littéraire de France, 1896–1898. Bibliothèque historique de la ville de Paris: Fonds Bouglé, Dossier 523.
Werke 1896: Le Féminisme chrétien (ISSN 1956-9653) 1896–1898: Le Féminisme chrétien et la Revue des femmes russes 1898–1924: Le Féminisme Chrétien et L’Echo littéraire de France 1924–1929 : Questions féminines et questions féministes : organe de la Fédération et des Congrès Jeanne d’Arc
Ausgewählte Artikel und Werke: 1880: La science à travers les champs. A. Mame et fils éd. 11. Dezember 1897: "Le féminisme chrétien", La Fronde. 20. Februar 1905: "Le féminisme chrétien", L’Univers. 1923: Vieilles gens, vieilles choses (souvenirs d’enfance), Prix Lafontaine der Académie française 1924
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Kategorie:Frauenrechtler (Frankreich) Kategorie:Person des Katholizismus Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1844 Kategorie:Gestorben 1928 Kategorie:Frau