Wolfgang (Volfango bzw. Volfgango) Frankl (* 5. August 1907 in München; † 27. April 1994 in Terni) war ein italienischer Architekt deutscher Herkunft.
Leben Wolfgang Frankl war der Sohn des Kunsthistorikers Paul Frankl (1878–1962). Er studierte Architektur an der Universität Stuttgart und absolvierte ein Praktikum bei Erich Dieckmann, der in dieser Zeit an der von Otto Bartning geleiteten Hochschule in Weimar lehrte. Frankl berichtet, damals abends im Studio von Ernst Neufert gearbeitet zu haben.Mario Ridolfi / Volfgango Frankl: Due interviste. In: Contraspazio 6, 1974/3, S. 97. Unmittelbar nach dem Diplom reiste Frankl 1933 nach Italien, wo er in Rom die Ausstellung der faschistischen Revolution besuchte, deren Architektur von Adalberto Libera ihn beeindruckte. Die Arbeitssuche gestaltete sich schwierig, da Frankl noch kein Italienisch konnte. Eine Beschäftigung fand er dann im Umfeld der deutschen Forschungsinstitutionen. Er unterstützte die Forschungsarbeiten des Architekturhistorikers Richard Krautheimer, der bei Frankls Vater in Halle promoviert worden war und nun am Corpus der frühchristlichen Kirchen Roms arbeitete.Richard Krautheimer mit Wolfgang Frankl, Spencer Corbett und Alfred K. Frazer: Corpus basilicarum Christianarum Romae – Early Christian Basilicas of Rome, 5 Bände, Vatikanstadt 1937–1977. Daneben arbeitete Frankl im Büro von Pietro Aschieri.Volfango Frankl: Due anni di lavoro nello studio di Aschieri. In: Pietro Aschieri architetto (1889–1952), hg. von der Accademia Nazionale di San Luca und der Biblioteca della Facoltà di Architettura dell’Università die Roma, Rom 1977, S. 94–96. Entscheidend für das weitere Leben und Werk von Frankl war dann die durch Adalberto Libera vermittelte Begegnung mit Mario Ridolfi. Anfänglich unterstützte er ihn bei den Planungen für ein Postgebäude an der Piazza Bologna, danach intensivierte sich die Zusammenarbeit bei Entwürfen für römische Palazzine, meist fünfgeschossige Wohnhäuser für den gehobenen Mittelstand.Andreas Schätzke: Die offizielle Geschichte und was tatsächlich geschieht. Deutsche Architekten als Emigranten in Italien. In: Andreas Schätzke: Verzweigte Moderne. Beiträge zur Architektur des 20. Jahrhunderts, Berlin 2022, S. 28–54, hier: 41f.
Im Herbst 1937 musste Frankl aufgrund der judenfeindlichen Erlasse von Mussolini Italien verlassen und emigrierte nach England, wo er Erwin Gutkind und andere emigrierte Architekten kennenlernte. 1948 kehrte er nach Rom zurück. Anfänglich arbeitete er weiter an Krautheimers Corpus Basilicarum Christianarum Romae mit, vor allem aber bildete er nun mit Mario Ridolfi eine Büropartnerschaft, die insbesondere den Wohnungsbau in Italien in den folgenden zwei Jahrzehnten entscheidend prägte. So bezeichnete etwa Paolo Portoghesi die Wohntürme an der Viale Etiopia in Rom als „capolavoro dell’architettura italiana del dopoguerra (Meisterwerk der italienischen Nachkriegsarchitektur)“, wohl weil sie den architektonischen Neorealismus besonders prägnant repräsentieren und zugleich die Aufgabe, für die zahlreichen Zuwanderer in die Stadt guten Wohnraum zu schaffen, ernst nahm.https://archidiap.com/opera/case-a-torre-in-viale-etiopia/ Neben Rom wurde Terni ein Zentrum der Tätigkeit von Frankl und Ridolfi, dann auch zum Wohn- und schließlich zum Sterbeort Frankls. In seinem letzten Lebensjahrzehnt nahm Wolfgang Frankl auch Lehraufträge an verschiedenen italienischen Universitäten wahr, zuletzt als Entwerfer am Politecnico in Mailand. 1991 gründete Frankl den Fondo Ridolfi-Frankl-Malagricci, der in der Accademia Nazionale di San Luca in Rom den architektonischen Nachlass von Ridolfi, Frankl und Domenico Malagricci von etwa 1923 bis 1984 bewahrt. Wolfgang Frankl war zwei Mal verheiratet und hatte drei Kinder.
Werke (Auswahl)
Wenn nicht anders vermerkt, entstanden die Projekte in Zusammenarbeit von Frankl und Ridolfi. Palazzina Rea, Via di Villa Massimo, Rom, 1933Gianni Accasto: La Ricerca sull’abitazione. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 43–63. Istituto Tecnico Antonio Bordoni, Pavia, 1936–38Gianni Accasto: La Ricerca sull’abitazione. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 43–63, bes. S. 56–61. Palazzina Colombo, Via San Valentino, Rom, 1936Gianni Accasto: La Ricerca sull’abitazione. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 43–63. Appartamenti INA Casa, Quartiere Italia, Terni, 1948–49 Casa Chitarrini, Largo Villa Gloria, Terni, 1950–51 Appartamenti INA Casa, Cerignola, 1950Giorgio Muratore: Gli anni della ricosatruzione. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 102–121, bes. S. 111–115. Appartamenti INA Assitalia, Viale Etiopia, Rom, 1951–54Giorgio Muratore: Gli anni della ricosatruzione. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 102–121, bes. S. 117–121. Palazzina INAIL, Viale Marco Polo, Rom, 1952 Justizgefängnis Nuoro, 1953–55Giorgio Muratore: Le nuove carceri di Nuoro. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 140–145. Mittelschule, Terni, 1953–60Gianni Accasto: Scuola media a Terni. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 134–139. Kinderheim Poggibonsi, 1955–61 Appartamenti INA Casa, Via Campegna und Via Chiaiana, Neapel, 1956Vanna Fraticelli: Nel paese dei motoscooters. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 154–158. Appartamenti INA Casa, Marengo, 1958 Haus der “44 apparamenti” der Cooperativa Terni, 1959 Asilo Olivetti, Canton Vesco, Ivrea, 1960–63Gianni Accasto: L'asilo di Canton Vesco. In: Mario Ridolfi. Le Architetture, Controspazio 111/112, 2004, S. 146–151. Elementarschule, Trevisto, 1962
Literatur Giacomo Polin / Volfgango Frankl: „Se qualcuno vuole chiamarlo modern“: Intervista con Volfgango Frankl, in: Casabella 57, 1993, 607, S. 42–43, S. 129–136. Francesco Cellini / Claudio D’Amato: Le architetture di Ridolfi e Frankl. Opere e progetti, Electa, Mailand 2005. Wolfgang Voigt: From „Gebaute Form“ to Italian Folklore. About some German Roots of Ridolfi and Frankl. In: Renato Nicolini (Hrsg.): Mario Ridolfi architetto 1904–2004, Mailand 2005, S. 115–121. Andreas Schätzke: Die offizielle Geschichte und was tatsächlich geschieht. Deutsche Architekten als Emigranten in Italien. In: Andreas Schätzke: Verzweigte Moderne. Beiträge zur Architektur des 20. Jahrhunderts, Lukas Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-86732-407-6, S. 28–54, bes. S. 38–45.
Einzelnachweise
Weblinks
https://www.fondoridolfi.org/il-fondo.htm https://www.deutsche-biographie.de/pnd12233793X.html
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