James Shane McConkey (* 30. Dezember 1969 in Vancouver, British Columbia; † 26. März 2009 am Sass Pordoi, Trentino-Südtirol, Italien) war ein kanadisch-US-amerikanischer Extremskifahrer und Basejumper. Er begann seine Karriere als Skirennläufer und war danach auf der Buckelpiste und im Skicross sowie bei Freeskiing- und Freeride-Wettkämpfen aktiv. Nachhaltige Bekanntheit erlangte er ab Mitte der 1990er Jahre als Extremskifahrer in zahlreichen Skifilmen, wobei er sich durch humoristische Eskapaden und skitechnische Innovationen von vielen seiner Zeitgenossen abhob. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen wandte er sich dem Basejumping und Wingsuit-Fliegen zu und kombinierte diese Sportarten als einer der ersten Athleten mit dem Skifahren. Der in Squaw Valley, Kalifornien, beheimatete McConkey war außerdem eine treibende Kraft bei der Entwicklung des Rocker Skis und gilt nicht zuletzt deswegen als einer der bedeutendsten Skisportler seiner Generation. 2009 kam er im Alter von 39 Jahren bei einem missglückten Ski-Basejump in den Dolomiten ums Leben.

Der postum veröffentlichte Dokumentarfilm McConkey behandelt seine Lebensgeschichte.

Biografie Kindheit und Jugend Shane McConkey kam als Sohn eines kanadischen Vaters und einer US-amerikanischen Mutter in Vancouver zur Welt. Vater Jim McConkey war in den 1950er und 60er Jahren einer der bedeutendsten Darsteller in Skifilmen und gilt als Pionier des Heliskiings. Er leitete die Skischule in Whistler und hatte seine zweite Ehefrau Glenn im Skigebiet Sugar Bowl nahe des Lake Tahoe kennengelernt.John Fry: Extreme’s Father and Son. In: Skiing Heritage Journal, Vol. 21, No. 4, Dezember 2009, S. 22–27 () (englisch). Glenn McConkey aus Watsonville, Kalifornien, war später im Immobiliengeschäft tätig und jahrelang als Skirennläuferin im Seniorenbereich aktiv. Während der 1990er Jahre gewann sie vier USSA-Masters-Titel.Susan Reifer: One Tough Mother. In: Skiing, November 1998, S. 62 () (englisch). Shanes älterer Halbbruder George arbeitet seit 1979 als Skischuhmonteur in Whistler. James Shane McConkey wurde nach dem Skifahrer Jim Shane aus Alta, einem Freund seines Vaters, benannt.

McConkey begann im Alter von 23 Monaten in Whistler mit dem Skifahren. Er entwickelte früh eine Begeisterung für den Skisport und fuhr zeitweise bei seiner Mutter in einer Bauchtrage mit.McConkey. Dokumentarfilm, Matchstick Productions/Red Bull Media House 2013. Als er drei Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden und Glenn zog mit ihm in ihre kalifornische Heimat, wo sie ihn allein großzog. Während sich der Kontakt zu seinem Vater auf alljährliche Weihnachtsbesuche beschränkte, wurde das Squaw Valley Resort für ihn zum wichtigsten Bezugsort. Im Alter von sieben Jahren trat er dem Squaw Valley Ski Team bei und startete im Hinblick auf eine olympische Laufbahn mit dem alpinen Rennfahren. Trainer Paul Arthur, der mit der ersten Skiabfahrt von Mount Whitney bekannt geworden war, brachte McConkey früh seine „Use-the-whole-mountain“-Philosophie näher und führte die Mannschaft des jungen Athleten bei den kalifornischen Juniorenmeisterschaften zu einem seiner ersten Titelgewinne.

Als Teenager besuchte McConkey die Burke Mountain Academy in Vermont und fiel dort als extrovertierter Schüler auf. Nach dem Highschool-Abschluss ging er mit einem Stipendium an die University of Colorado Boulder, wo der spätere Radprofi Tyler Hamilton zu seinen Kommilitonen gehörte.Ben Hewitt: Le Tour de… Wildcat? In: Skiing. Dezember 2003, S. 4E () (englisch). Zwar schaffte es der talentierte Slalom- und Riesenslalomläufer bis auf Nor-Am-Level, die Aufnahme in den US-Nationalkader blieb ihm aber verwehrt. Dazu trug unter anderem eine im Teenageralter erlittene Rückenverletzung, aber auch sinkendes Interesse seinerseits bei. Auf dem College vernachlässigte er seine Ausbildung und verbrachte die meiste Zeit mit freiem Skifahren und dem Ausprobieren neuer sportlicher Trends. So begann er etwa mit dem Bungeespringen und dem Gleitschirmfliegen und erwarb sich durch Klippensprünge mit Rollerskates und im Kajak einen Ruf als „thrill-seeker“.

Freestyle-Skiing und Freeskiing Nachdem er die Universität aufgrund von Untätigkeit ohne Abschluss hatte verlassen müssen, lebte McConkey zunächst mietfrei in einer Art Gartenhütte und arbeitete als Pizzabote. Er übersiedelte von Boulder nach Vail und widmete sich, inspiriert durch die Skifilme seines Vaters und den 1988 erschienenen The Blizzard of Aahhh’s, ganz dem Freeriden. Zusammen mit seinem College-Mitbewohner Kent Kreitler kombinierte er das Skifahren im Gelände mit spektakulären Sprüngen und machte sich auf diese Weise schnell einen Namen in der Gegend. Nachdem der ehemalige Skirennläufer und Filmemacher Nick Nixon die beiden entdeckt hatte, engagierte er sie für seinen Film Ski Theater, der 1992 in Argentinien, Österreich und der Schweiz gedreht wurde.Mike Finkel: Video Reviews – Too Much of a Good Thing. In: Skiing. Dezember 1992, S. 144 () (englisch). Es war der erste von gut zwei Dutzend Filmauftritten McConkeys.

Im folgenden Winter startete der Studienabbrecher erstmals auf der Bud Pro Mogul Tour und gewann in Copper Mountain gleich sein zweites Rennen. Als Mitglied des Spyder-Teams nahm er an weiteren Wettkämpfen teil, bis er am 4. März 1995 für einen Eklat sorgte: Während eines Parallelrennens in seinem Wohnort Vail vergab er mit einem Ausrutscher die Chance auf ein zufriedenstellendes Ergebnis und zeigte daraufhin auf dem zweiten Kicker einen verbotenen Rückwärtssalto. Von der Rennleitung disqualifiziert, kehrte er an den Start zurück und befuhr die Strecke, bis auf die Skischuhe unbekleidet, noch einmal. Dabei sprang er einen Spreadeagle, eine Lokalzeitung titelte „McKonkey (sic!) shows VA naked truth!“Rob Story: The Planetary Snow Bohemians Will Save Us All. In: Powder. Vol. 24, Issue 1 (September 1995). Online, abgerufen am 15. April 2024 (englisch). Nachdem ihm das Skigebiet bereits zwei Jahre zuvor temporär den Skipass entzogen hatte, weil er sich auf einem gesperrten Hang das SteißbeinBill Kerig: Shane McConkey. In: Skiing. Dezember 1995, S. 134 () (englisch). gebrochen hatte, belegte man ihn diesmal mit einem lebenslangen Bann. Zusätzlich musste er eine Geldstrafe in Höhe von 100 Dollar bezahlen. Gegenüber der Zeitschrift Skiing beklagte er, der Buckelpistensport sei „viel zu konservativ“ geworden, und konstatierte „This sport has to be rad. If it’s not, it’s dead.“ (Dieser Sport muss krass sein. Ist er es nicht, ist er tot). Wie die Zeitschrift später berichtete, war McConkey schon mehrere Jahre davor ein Nor-Am-Rennen in Mission Ridge nackt gefahren.

Angespornt durch einige Erfolge Kreitlers, begann McConkey noch während er auf der Buckelpiste aktiv war, an Freeride-Wettkämpfen teilzunehmen. Dabei setzten er und Kreitler neue Maßstäbe, indem sie etwa Felspartien übersprangen, über die einige Konkurrenten sich abseilen mussten. 1994 und 1995 gewann McConkey in Las Leñas die South American Extreme Skiing Championships, 1995 war er außerdem bei den U.S. Extreme Skiing Championships siegreich. Um die junge Sportart vor einer möglichen FIS-Übernahme zu bewahren, gründete er gemeinsam mit Lhotse Merriam und Brant Moles die International Freeskiers Association (IFSA). 1996 und 1998 kürte er sich jeweils zum Sieger der von der IFSA organisierten World Tour.Michel Beaudry: New School Revolution. In: Ski. Februar 2000, S. 23–26 () (englisch). Gegenüber Kritikern verteidigte er diese neue, freizügigere Art skifahrerischen Kräftemessens leidenschaftlich:

Nebenbei nahm McConkey mehrmals in der Disziplin Skicross an den neu geschaffenen Winter-X-Games teil. Musste er sich 1998 in Crested Butte noch mit Platz 24 begnügen, gewann er ein Jahr später am selben Ort hinter Enak Gavaggio und vor Jeremy Nobis die Silbermedaille. Dabei lieferten sich die drei professionellen Skifahrer einen Kampf mit dem Mountainbiker und Snowboarder Shaun Palmer, der letztlich aber außerhalb der Medaillenränge blieb. 2000 belegte er auf dem Mount Snow Rang fünf. Obwohl er in den aufkommenden Park-und-Pipe-Disziplinen die von ihm erhoffte Erneuerung sah, äußerte er sich weiterhin kritisch über den Status des Skifahrens und bezeichnete es 2005 als „analfixierten, konservativ geführten Weißbrotsport“.

Filmisches Schaffen mini|McConkey und Kreitler zeigten die ersten Backflips über die Palisades. Während er im Wettkampfsport Erfolge feierte, dabei aber von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt blieb, erreichte Shane McConkey als Star in 26 Skifilmproduktionen ein großes Publikum. Neben Micah Black, Seth Morrison und anderen war er ab Mitte der 1990er Jahre Teil der zweiten Welle des Freeski-Films. Weil er in Vail nicht mehr Skifahren konnte, verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Squaw Valley. Dort zeigten er und Kent Kreitler die ersten Rückwärtssaltos von den Palisades, einer Reihe von Steilwänden im höchstgelegenen Bereich des Skigebiets. Skifilmer Steve Winter wurde bei einer Veranstaltung auf den langhaarigen 25-Jährigen aufmerksam und engagierte ihn für mehrere Filmdrehs.Steven Kotler: The Rise of Superman. Decoding the Science of Ultimate Human Performance. Amazon Publishing 2014, ISBN 978-1-78206-025-3, S. 76 (englisch). Neben Klippensprüngen in der Ruby Range in Colorado gehörte die Befahrung eines Eisfalls in Alpine Meadows zu den ersten filmischen Leistungen des Newcomers. In The Tribe von 1995 misslang sein Versuch eines doppelten Rückwärtssaltos über eine Wechte, zur Überraschung der Filmcrew wiederholte er aber seinen nackten Spreadeagle, der fortan als eines seiner Markenzeichen galt. Einer Anekdote zufolge soll er den Stunt einmal für 100 Dollar zur Promotion eines neuen Energieriegels durchgeführt haben, weil er zu dieser Zeit als Kellner arbeitete und weder die Preisgelder seiner Wettkämpfe noch seine Filmgagen besonders hoch waren.

McConkey erlitt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Verletzungen, darunter vor allem Knochenbrüche und Bänderrisse, aber auch schwere Hämatome, eine Luxation des Hüftgelenks und ein gerissenes Trommelfell. Binnen zehn Jahren musste er seine Saison sechsmal verletzungsbedingt vorzeitig beenden. In Folge eines 1997 zugezogenen Kreuzbandrisses wollte er während einer dieser Skipausen dennoch nicht ganz auf das Filmen verzichten. Als er sich im Auftrag von Matchstick Productions in Valdez, Alaska, aufhielt, erfand er gemeinsam mit Regisseur Murray Wais die Kunstfigur „Saucer Boy“. Mit dem trotteligen, knallbunt gekleideten Charakter parodierte McConkey die Ernsthaftigkeit der Szene und trat erstmals im Film Pura Vida auf.

Wenngleich der Humor eine zentrale Rolle bei seinen Filmsegmenten spielte, blieb McConkey stets dem Sportlichen verhaftet. 1998 wiederholte er eine von Doug Coombs erstbefahrene Abfahrt vom Python Peak nahe Valdez und erreichte dabei auf den Spuren von Jeremy Nobis Geschwindigkeiten von bis zu 96 Kilometer pro Stunde.Steven Kotler: The Rise of Superman. Decoding the Science of Ultimate Human Performance. Amazon Publishing 2014, ISBN 978-1-78206-025-3, S. 78 (englisch). Neben 13 Filmen für Matchstick drehte er auch Material mit Scott Gaffney, Teton Gravity Research und Warren Miller. Mit erfolgreichen Produktionen wie There’s Something About McConkey und der Ski-Movie-Trilogie im Rücken rief er im Frühjahr 2002 die nach eigenen Angaben „stupendously stupid“ Pain McShlonkey Open in seiner Wahlheimat Squaw Valley ins Leben. Dabei konnten die wahlweise kostümierten Teilnehmer sich in einem Rückwärtsriesenslalom, auf einer „Small-Air“-Rutsche und einer 3,5 Kilometer langen „Chinese downhill“, einem Massenstartrennen ohne Regeln, auf Kurzski, messen.Alex West: Competition of Chaos – Here Comes the Pain Again. In: Skiing. Oktober 2002, S. 46 () (englisch). In späteren Jahren legte er den filmischen Fokus immer mehr auf seine neue Leidenschaft Basejumping.

Skitechnologische Innovation mini|hochkant=0.5|Freeride-Skier mit wenig bzw. reverser Taillierung