Der iranische Angriff auf Israel im April 2024 war ein vom Korps der Islamischen Revolutionsgarde gegen Ziele in Israel gerichteter Luftangriff am Abend des 13. April 2024, bei dem mehr als 300 Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen zum Einsatz kamen. Zuvor hatte die Islamische Republik Iran die Militäroperation auf diplomatischer Ebene angekündigt und Israel und den Vereinigten Staaten so die Möglichkeit eingeräumt, sich vorzubereiten. So konnten die Drohnen und die meisten Marschflugkörper abgeschossen werden, aber neun ballistische Raketen überwanden die Luftabwehr, wovon fünf den Militärflugplatz Nevatim trafen, vier weitere schlugen beim Militärflugplatz Ramon ein.

Die israelische Flugabwehr erhielt Hilfe von der US Army, der British Army, den französischen Streitkräften und den jordanischen Streitkräften. In Israel gab es Schäden auch durch herabstürzende Trümmerteile. Ein 7-jähriges Mädchen erlitt schwere Verletzungen durch Trümmer einer abgeschossenen Rakete.

Vorgeschichte

Am Nachmittag des 1. April 2024 wurde bei einem israelischen Luftangriff auf das iranische Konsulat in Damaskus das vierstöckige Konsulatsgebäude zerstört. Es stand zwischen dem kanadischen und dem iranischen Botschaftsgebäude. In dem Konsulat war auch die Residenz des iranischen Botschafters und seiner Familie. Kanadas Außenministerin Mélanie Joly gab bekannt, Kanada sei nicht vorab gewarnt worden. Bei dem Angriff starben 16 Menschen,Nach Angriff mit Drohnen und Raketen – Iran warnt Israel vor Gegenschlag. In: spiegel.de, 14. April 2024. darunter General Muhammad Reza Zahedi, ein ranghoher Kommandant der Revolutionsgarden, sowie sein Stellvertreter Hadi Haji Rahimi und fünf weitere Revolutionswächter. Iran kündigte „scharfe Reaktionen“ an. Beim Begräbnis der beiden Generäle in Teheran wurde erneut mit Rache gedroht. Ranghohe US-Regierungsvertreter hielten einen Vergeltungsschlag Irans für unvermeidlich. Der Vergeltungsschlag könne nach Ende des Fastenmonats Ramadan am 10. April 2024 erfolgen. US-Geheimdienste warnten, Iran plane einen Angriff mit Drohnen und Marschflugkörpern.

Am 2. April beriet der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einer auf Initiative Irans einberufenen Dringlichkeitssitzung den Vorfall; dort verhinderten die USA, Großbritannien und Frankreich durch ihr Abstimmverhalten eine Verurteilung des israelischen Angriffs. Einige US-Medien kommentierten dies kritisch; die völlige Zerstörung des Konsulatsgebäudes wurde von der New York Times und ähnlich von CNN als bedeutende Eskalation im „unerklärten Krieg Israels mit Iran“ bezeichnet. Es wurde dabei an die Diplomatie appelliert, den Konflikt zu entschärfen. Iran legte seinen diplomatischen Protest über die Schweiz den USA vor. Laut israelischem Standpunkt war das zerstörte Gebäude weder eine Botschaft noch ein Konsulat.

Die Regierung Biden erklärte im Vorfeld des iranischen Angriffs, Teheran stehe unmittelbar vor einer militärischen Reaktion, und es kam zu diplomatischen Sondierungen durch verschiedene Staaten zum Zwecke einer Deeskalation. Die Regierung Biden bat die VR China, die Islamische Republik Iran aufzufordern, keine Vergeltungsmaßnahmen gegen Israel zu ergreifen. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock telefonierte am 11. April mit ihrem iranischen Amtskollegen Hossein Amir-Abdollahian, um über die sich rapide verschlechternde Sicherheitslage zu sprechen, und erklärte, niemand könne „ein Interesse an einer regionalen Eskalation haben“. Amir-Abdollahian betonte gegenüber Baerbock das Recht Irans auf „legitime Verteidigung“ gegen einen „Aggressor“, der gegen das Völkerrecht verstoße. Gegenüber dem britischen Außenminister Lord David Cameron betonte Amir-Abdollahian, dass Iran nie eine Eskalation befürworte, sondern dass Israels Angriff auf sein Konsulat in Syrien und das Schweigen der USA und Großbritanniens Netanjahus „kriegstreibendes“ Verhalten gefördert und die Spannungen in der Region angeheizt hätten. Die diplomatischen Gespräche zwischen Iran und seinen regionalen Verbündeten und den europäischen Hauptstädten brachten einige westliche Regierungsbeamte zu der Einschätzung, dass Iran eine Reaktion vorbereite, die darauf abziele, Abschreckungsstärke zu demonstrieren und gleichzeitig Zurückhaltung zu zeigen. Analysten und Regierungsbeamte in Teheran erklärten, die iranische Regierung versuche, eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Es sei unwahrscheinlich, dass Teheran diplomatische Einrichtungen Israels in der Region ins Visier nehmen werde, teilte der Regierungsbeamte mit, der über die diplomatischen Gespräche zwischen Iran und dem Oman (dem Golfstaat, der oft in diplomatischen Gesprächen zwischen Teheran und Washington vermittelte) gebrieft wurde. Selbst ein direkter Angriff auf israelisches Territorium würde wahrscheinlich so „kalibriert“ werden, um eine „robuste Reaktion“ zu zeigen. Teheran signalisierte, eine Eskalation des Konflikts vermeiden zu wollen, und rief zur Diplomatie auf. Laut der Financial Times berichtete ein mit den Vorgängen vertrauter iranischer Insider in Teheran aber auch, dass die iranische Regierung die Spannungen und die unklare Lage bezüglich einer iranischen Reaktion und deren Umfang bewusst aufrechterhalten wollte, um die israelische Regierung diesbezüglich im Unklaren zu lassen und so z. B. auch zur Aufrechterhaltung der Alarmbereitschaft zu veranlassen und in psychologischer Hinsicht über die weitere Entwicklung zu verunsichern. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA veröffentlichte am 12. April 2024 die Liste iranischer unbemannter Luftfahrzeuge, die die 1.600 Kilometer lange Strecke von Teheran nach Tel Aviv zurücklegen könnten.

Ablauf Vorwarnungen Am Morgen des 12. April 2024 veröffentlichte das Wall Street Journal unter Berufung auf US-amerikanische Geheimdienstberichte die Mitteilung, dass Israel sich auf einen direkten Angriff aus Iran in den nächsten 24 bis 48 Stunden vorbereite. Auch informierte Iran seine Nachbarländer. So besuchte der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian mehrere Länder in der Region und nahm Kontakt mit weiteren auf, darunter Saudi-Arabien. Über seine Pläne informierte Iran im Vorfeld auch die Türkei, die als NATO-Mitglied daraufhin den US-Außenminister Antony Blinken informierte.

Der Sprecher der israelischen Streitkräfte IDF, Konteradmiral Daniel Hagari, teilte am 12. April mit, dass die IDF in höchster Alarmbereitschaft und auf verschiedene Szenarien eines iranischen Angriffs vorbereitet seien. Der Sprecher des United States National Security Council, John Kirby, sagte, eine iranische Bedrohung für Israel sei „real“ und „realistisch“. Der Befehlshaber des United States Central Command, Michael Kurilla, traf sich für eine gemeinsame Lagebeurteilung über die Einschätzung eines möglichen Angriffs Irans mit dem IDF-Generalstabschef Herzi Halewi. Austrian Airlines stellte am Ende des Tages als letzte westeuropäische Fluggesellschaft ihre Flugverbindungen nach Iran bis zum 18. April ein, nachdem bereits mehrere Außenministerien, darunter jene von Deutschland und Österreich, ihre Bürger zum Verlassen des Landes aufgefordert hatten.

CNN teilte am Vormittag des 13. Aprils unter Berufung auf Regierungs- und Geheimdienstvertreter der USA mit, dass Iran rund 100 Drohnen und Marschflugkörper innerhalb des Landes verlegt habe, was ein offensichtliches Zeichen dafür sei, dass er in den kommenden Tagen Ziele innerhalb Israels und auch in der Region angreifen werde.Die Anzahl der Drohnen wurde zuerst auf 100 oder 400–500 geschätzt. Vgl. Gegen Mittag teilte die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA mit, dass Kommandoeinheiten des paramilitärischen Korps der Islamischen Revolutionsgarde das unter portugiesischer Flagge fahrende Containerschiff MSC Aries im Golf von Oman beschlagnahmt hätten und es in iranische Hoheitsgewässer bringen würden. Das Schiff der in London ansässigen Zodiac Maritime ist Teil der Zodiac Group des israelischen Milliardärs Eyal Ofer. In einem kurz danach veröffentlichten Video warnte der IDF-Sprecher Daniel Hagari Iran, dass er die Konsequenzen tragen werde, wenn er sich für eine weitere Eskalation der Situation entscheide.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin bekräftigte gegenüber seinem israelischen Amtskollegen Joaw Galant die Unterstützung der USA bei der Verteidigung Israels im Falle eines Angriffes Irans und dessen regionaler Stellvertreter. Galant teilte später mit, dass die USA und andere Verbündete Israel „neue Fähigkeiten“ zur Verfügung gestellt hätten, um sich gegen einen möglichen iranischen Angriff zu verteidigen und darauf zu reagieren. Angesichts der Drohung eines iranischen Angriffs verbot das israelische Heimatfront-Kommando landesweit Bildungsaktivitäten und beschränkte Versammlungen auf maximal 1.000 Personen. Wegen des erwarteten iranischen Angriffs berief Premierminister Benjamin Netanjahu noch in der Nacht das Kriegskabinett und später das Sicherheitskabinett ein, um Entscheidungen darüber zu treffen, wie auf einen folgenden Angriff Irans reagiert werden solle.

Nach Angaben des iranischen Außenministers Hossein Amir-Abdollahian informierte die iranische Regierung vor dem Angriff sowohl die USA als auch „Nachbarn in der Region […] dass die Antwort Irans auf Israel sicher, legitim und unwiderruflich ist“. Laut eines Reuters-Berichts unter Berufung auf einen türkischen Diplomaten hätten die USA Iran über die türkische Regierung mitteilen lassen, dass sich die Operation „innerhalb bestimmter Grenzen“ bewegen müsse. Nach Angaben eines ranghohen US-Beamten stand die Regierung Biden über eine „Reihe direkter Kommunikationen“ mit der iranischen Regierung in Kontakt.

Angriff vom 13. April auf den 14. April Gegen 22:45 Uhr israelischer Ortszeit gab die US-Nachrichtenwebsite Axios den Start dutzender Drohnen, darunter der Shahed 136, in Iran bekannt. Laut iranischen Angaben handelte es sich dabei um eine erste Angriffswelle mit „Kamikaze“-Drohnen, die abgefeuert wurden, um Israels Luftverteidigungssysteme Iron Dome und David’s Sling zu überlasten, damit später Wellen dutzender ballistischer Raketen das System durchbrechen könnten. Laut dem iranischen Generalstabschef Mohammad Bagheri gehörten zu den Hauptzielen des iranischen Angriffs der Militärflugplatz Nevatim, von dem aus nach iranischen Angaben der Angriff auf das iranische Konsulat gestartet worden war, und das Geheimdienstzentrum im israelisch besetzten Teil des Berges Hermon, das die Geheimdienstinformationen geliefert habe. Ziel der Angriffe war wohl auch das Kernforschungszentrum Negev; Teheran hatte zuvor angedroht, es zu beschießen. Kurz vor Mitternacht bekannte sich die Islamische Revolutionsgarde zu dem gegen Israel gerichteten Angriff.

Gegen 23:15 Uhr verkündeten die IDF in einer Presseerklärung, dass dutzende von Iran gestartete Drohnen auf Israel zusteuerten. Diese würden von der Luftwaffe IAF verfolgt und bräuchten mehrere Stunden, um den israelischen Luftraum zu erreichen. Laut dem israelischen Nachrichtensender Channel 12 waren die USA die ersten, die den Start erkannten und Israel sofort benachrichtigten. Die IDF erklärten weiter, dass sich die Flugabwehr, die Luftwaffe und die Marine in höchster Alarmbereitschaft befänden. Kurze Zeit später berichteten irakische Sicherheitsquellen, nach der Sichtung entsprechender Flugobjekte über dem Gouvernement as-Sulaimaniyya, dass Iran eine zweite Drohnenwelle auf Israel gestartet habe, weshalb das irakische Verkehrsministerium die Schließung des irakischen Luftraums und die Einstellung des gesamten Flugverkehrs ankündigte. Die Aufnahme einer über dem Irak gesichteten Drohne, bei der es sich um eine Shahed 136 handeln soll, wurde über soziale Medien verbreitet. Auch die israelische Flughafenbehörde gab eine unbefristete Sperrung des israelischen Luftraums für kurz nach Mitternacht bekannt. Kurz vor Mitternacht berichteten iranische Medien über den Start einer dritten Drohnenwelle in Richtung Israel.