mini|Ansicht des westlichen Ortskerns an der zentralen Hauptstraße Regilostraße thumb|Östliche Ortseinfahrt
Gansheim ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Marxheim im Landkreis Donau-Ries (Regierungsbezirk Schwaben, Bayern). In der Gemarkung liegt der Weiler Übersfeld, die beiden Einöden Berg und Boschenmühle sowie die 1874 abgegangene Einöde Hangermühle (kein offizieller Gemeindeteil).
Geographie
Das Kirch- und Straßendorf liegt im Usseltal am östlichen Ende des Landkreises Donau-Ries auf einer Höhe von 429 m über NN in der Monheimer Alb, ein Landschaftsraum innerhalb des Naturparks Altmühltal und Teil des Mittelgebirges Fränkische Alb. Durchflossen wird der Ort von der Ussel. Außerdem mündet ein kleiner Bach namens Bruckbach östlich von Gansheim in die Ussel. Südlich des Orts verläuft zudem der Sümpflegraben und mündet dort in den Bruckbach.
Die nächstgelegene Stadt ist Rain am Lech, die ca. 10 km weiter südlich liegt. Die Große Kreisstadt Donauwörth liegt ca. 14 km westlich.
Die Gemarkung Gansheim hat eine Fläche von 10,982 km². Sie ist in 933 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 11.770,36 m² haben. Zur Gemarkung gehören der Weiler Übersfeld, die beiden Einöden Berg und Boschenmühle sowie die 1874 abgegangene Einöde HangermühleAnton von Steichele: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben 1864-1940, 2. Band, Augsburg, 1864; S. 738Georg Friedrich Kramer: Statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg, Augsburg, 1841; S. 37 (kein offizieller Gemeindeteil).
Auf dem östlichen Gebiet des Ortes an der Kreisstraße DON 25 steht eine alte Eiche, die als Naturdenkmal (Kennnummer ND-07092) eingetragen ist.
Siehe auch: Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Donau-Ries
Geschichte Ur- und Frühgeschichte
Die frühesten menschlichen Spuren finden sich bereits aus dem Altpaläolithikum (Denkmalnummer D-7-7231-0163Marxheim – Baudenkmäler, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege; Stand: 6. September 2019; Zugriff am 24. Dezember 2019) in Form einer Freilandstation. Um den heutigen Ort herum finden sich Reste von Grabhügeln und kleinen Siedlungen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit bis hin zur Bronzezeit.
Antike thumb|Die Hochstraße folgt in ihrem nördlichen Verlauf noch immer der alten römischen Straße mit der Denkmalnummer D-7-7231-0027.
In der römischen Kaiserzeit verliefen drei Straßen über das Gebiet des heutigen Gansheims.Gansheim im Bayerischen Denkmal-Atlas; Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege; Zugriff am 24. Dezember 2019 Eine Straße (Denkmalnummer D-7-7231-0169) verlief von Norden aus dem heutigen Blossenau kommend und anschließend nach Osten in Richtung des heutigen Trugenhofens. Der heutige Straßenverlauf ab der Einöde Berg (ein Feldweg sowie die Kreisstraße DON 24) entspricht noch immer diesem historischen Straßenverlauf. Eine zweite Straße (Denkmalnummer D-7-7231-0027) aus Richtung Burgmannshofen kreuzte die erste Straße etwas westlich der heutigen Kreuzung der Kreisstraßen DON 25 und DON 24 und verlief anschließend über die Ussel hinweg weiter in südwestliche Richtung entlang der heutigen Straße Hochstraße bis zur heutigen Straße Hochweg, dessen Straßenverlauf in westliche Richtung schließlich den weiteren Verlauf der antiken Straße nachzeichnet. Die dritte Straße (Denkmalnummer D-7-7231-0057) zweigte von der zweiten Straße etwa auf Höhe des heutigen Lerchenwegs im Süden Gansheims ab und führte weiter nach Süden in Richtung des heutigen Schweinspoints.
Darüber hinaus lässt sich auch eine villa rustica (Denkmalnummer D-7-7231-0021) aus der Kaiserzeit nachweisen. Diese lag etwas südlich des heutigen Siedlungsgebiets zwischen der zweiten und der dritten Römerstraße.
Mittelalter
Im Frühmittelalter begannen die Franken die Region zu besiedeln. In diese Zeit fällt vermutlich die Ortsgründung. Erstmals urkundlich erwähnt wird Gansheim 1179 als „Regilo de Gantesheim“ in einer Urkunde Bischof Heinrichs von Brixen.
Das Adelsgeschlecht der Knollen, welches das Erbamt des Kämmerers am Hofe der Grafen von Lechsgemünd-Graisbach innehatte, war im Mittelalter lange Zeit Besitzer des ehemaligen Pfarrdorfes Gansheim, bis Jörg aus dem Geschlecht der Knollen den Ort 1400 an Wilhelm Marschall zu Donnersberg verkaufte.Bachmann, Christoph: Inventarliste der herzoglich-bayerischen Burg Gansheim im Landkreis Donau-Ries (Bayerisch Schwaben); In: Burgen und Schlösser, 35. Jahrgang, Heft 1994/II; Deutsche Burgenvereinigung e. V.; Braubach/Rhein 1994
In der Folgezeit wechselte die Grundherrschaft über die Hofmark Gansheim mehrmals; u. a. erwarb es 1444 Herzog Ludwig VIII. der Bucklige von Bayern-Ingolstadt und später Heinrich XVI. der Reiche von Bayern-Landshut.Reisach, Hans Adam von: Journal für Bayern und die angränzenden Länder, S. 351 ff., Pappenheim 1800; Digitalkopie Auch die Herzöge Ottheinrich und Philipp von Pfalz-Neuburg reihten sich von 1529 bis 1539 in die lange Liste der Besitzer des Dorfes ein; diese verkauften den Ort an das Kloster Bergen.
Um 1445 gehörten zu Gansheim neben der Burg ein Sedelhof, vier Mühlen sowie sechs zins- und gültpflichtige Anwesen.
Neuzeit mini|Gansheim auf einem Ausschnitt einer historischen Karte von 1823
In der Frühen Neuzeit gehörte Gansheim u. a. der Familie Verri della Bosia. Im Jahr 1821 wurde Freiherr Joseph von Sartor letzter adeliger Besitzer von Gansheim. Er verkaufte 1832 seinen Besitz an das Königreich Bayern. Das Schloss blieb bis 1868 in dessen Besitz. Mit dem Verkauf des Ortes an den Staat endete auch die eigene Patrimonialgerichtsbarkeit II. Klasse; Gansheim unterstand fortan dem Landgericht Monheim.Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis, 4. Mai 1833; Digitalisat auf Google Books; S. 721; Zugriff am 1. September 2019
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Gansheim in keine besonderen Kämpfe verwickelt; aus diesem Grund gab es kaum Beschädigungen. Als die Amerikaner das Dorf am Vormittag des 25. April 1945 kampflos besetzten – die letzten Soldaten der Wehrmacht zogen bereits am Vortag ab – betraten zum ersten Mal seit dem frühen 19. Jahrhundert wieder ausländische Truppen dieses Gebiet. Wenige Stunden zuvor gegen 8:30 Uhr sprengten deutsche Pioniere die Usselbrücke, was allerdings kein besonderes Hindernis für die Alliierten darstellte, da die Ussel nicht sehr tief ist.
Ernst Langheinz, ein Schauspieler am Mannheimer Nationaltheater, besaß in Gansheim ein Anwesen, in welches er von 1943 bis 1946 mit seiner Frau, einer Opernsängerin, zog.Karl Reinhard: Als die Amerikaner kamen – April 1945. Zeitzeugenberichte über das Kriegsende in der Gemeinde Marxheim, ca. 105 Seiten, Schmid Druck und Medien, Kaisheim 2003, S. 48f.
Seit dem Kriegsende mini|Dorfplatz
Am 1. Juli 1972 wurde Gansheim im Rahmen einer Gebietsreform in Bayern zusammen mit den Nachbarorten Burgmannshofen (mit Übersfeld), Graisbach (mit Lechsend) und Marxheim zur Gemeinde Marxheim zusammengefasst. Die Gansheimer Schule wurde 1973 für die Erweiterung von Straße und Friedhof abgerissen. Bereits seit 1969 fand hier kein Schulbetrieb mehr statt, stattdessen wurde die neu errichtete Marxheimer Schule genutzt. 1990 wurde eine Partnerschaft mit der Gemeinde Gansingen im Schweizer Kanton Aargau geschlossen.
Im Jahre 2010 wurde ein neuer Dorfplatz errichtet. Er wurde im Juli 2010 festlich eingeweiht.Ein neues Feier-Zentrum, Augsburger Allgemeine vom 21. Juli 2010; Zugriff am 18. April 2026 2020 schloss der kleine Nah-&-Gut-Dorfladen, der seit 1957 bestanden hatte.Der Edeka in Gansheim war mehr als nur ein Dorfladen, Augsburger Allgemeine vom 4. Januar 2020; Zugriff am 4. Januar 2020
Bevölkerung
Das Dorf hat 409 Einwohner (Stand 2025).
+ BevölkerungsentwicklungGansheim, Bavarikon; Zugriff am 1. September 2019 Jahr 1833Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis, 10. August 1833; Digitalisat auf Google Books; S. 1321; Zugriff am 1. September 2019 1840Eisenmann, Joseph Anton: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern, oder alphabetische Beschreibung aller im Königreiche Bayern enthaltenen Kreise, Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Höfe, Schlösser, Einöden, Gebirge, vorzüglichen Berge und Waldungen, Gewässer usw, A - L, Band 1, Palm und Enke, 1840; S. 497; Digitalisat auf Google Books 1871 1925 1950 1970 1987 2005 2006 2008Mitteilungsblatt der Gemeinde Marxheim, Nr. 286 2010Mitteilungsblatt der Gemeinde Marxheim, Nr. 310 vom 31. Januar 2010 2011 (PDF; 1,9 MB), Nr. 322 vom 31. Januar 2011; Zugriff am 8. April 2011 2020 2023 2024 2025 Einwohner 444 472 419 380 539 401 359 363 371 372 360 370 397 407 422 409
Verkehr und Infrastruktur
Gansheim liegt an den Kreisstraßen DON 24 und DON 25. Als typisches Straßendorf ist der Ort auch heute noch stark auf die zentrale Hauptstraße – die Regilostraße – ausgerichtet. Nördlich der Ussel gibt es zwei Neubausiedlungen. Eine weitere im Süden des Dorfes ist geplant.
Der Ort hat eine eigene Kläranlage. Der ortseigene Brunnen diente früher der Wasserversorgung des Dorfes, er wird mittlerweile aber nicht mehr genutzt. Stattdessen ist Gansheim an das Wassernetz Marxheims angeschlossen, welches das Wasser wiederum vom Zweckverband Wasserversorgung fränkischer Wirtschaftsraum (WfW) bezieht.Bauhof, Gemeinde Marxheim; Zugriff am 23. August 2023 Es existiert daneben noch ein Hochbehälter.
Zudem befindet sich im Ort ein Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr. An der Hangermühle existierte die sogenannte Berger Brücke, von der jedoch nur noch vier Eisenträger übrig sind. Im Norden Gansheims wurde bis in die 2010er Jahre ein Steinbruch betrieben.
Westlich des Ortes ist der Bau von Windkraftanlagen in Planung.
Wappen mini|hochkant|Das Wappen von Gansheim
Blasonierung
„In Silber auf einem von Blau und Gold geteilten Dreiberg stehend eine rote Gans.“
Wappengeschichte
Das Wappen wurde 1961 angenommen und verlor nach der Eingemeindung 1972 seinen amtlichen Charakter.
Die Gans im Gansheimer Wappen wurde auf Grund historischer Bezüge auf die Herren Schmied von Wellenstein und des Hinweises auf den Ortsnamen gewählt (redendes Wappen). Die Herren Schmied von Wellenstein waren im 17. Jahrhundert und im 18. Jahrhundert im Besitz von Gansheim und führten in ihrem Wappen eine Gans. Der im Wappen abgebildete Dreiberg wurde aus dem Wappen der Grafen Lenck auf Burgheim und Gansheim, den Besitzern des Orts im 16. Jahrhundert, übernommen. Die Farben Blau und Gold erinnern an die Wappenfarben der Grafen von Lechsgemünd-Graisbach, zu deren Herrschaftsbereich die Gemeindegemarkung bis zum Aussterben des Geschlechts 1342 gehörte, deshalb wurden sie auch im Gansheimer Wappen verwendet.
Kultur Religion
Gansheim ist eine katholische Pfarrei und gehörte seit der Reform im Bistum Augsburg (1. Dezember 2012) zur Pfarreiengemeinschaft Marxheim im Dekanat Donauwörth. Die Pfarreiengemeinschaft Marxheim wurde schließlich 2016 mit der Pfarrei Dating zusammengelegt, womit die Pfarreiengemeinschaft Marxheim-Daiting entstand.Alle wollen den neuen Pfarrer sehen, Augsburger Allgemeine vom 14. Juni 2016; Zugriff am 1. September 2019 Dieser gehört auch Gansheim an (Stand 2019).
Historisch gehörte Gansheim dem Dekanat Burgheim in der Diözese Augsburg an.
Vereine
In Gansheim werden folgende Vereine unterhalten: die Freiwillige Feuerwehr Gansheim, der Gartenbauverein Gansheim-Burgmannshofen, die Landjugend Gansheim, ein Stammtischverein und der Schützenverein Treffsicher Gansheim. Als Fusion der ehemals bestehenden SpVgg Gansheim mit dem SV Marxheim existiert der FC Marxheim/Gansheim.Vereine, gemeinde-marxheim.de; Zugriff am 11. April 2026
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