Die Chronologie des Krieges in Israel und Gaza, Dezember 2023 und Januar 2024 dokumentiert die Entwicklungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 1. Dezember 2023 bis zum 31. Januar 2024. Für den zeitlichen Ablauf des kompletten israelisch-palästinensischen Konflikts siehe Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Dezember 2023 1. Dezember Nach dem Auslaufen der Waffenruhe hielt die Hamas immer noch 137 Geiseln fest.Jüdische Allgemeine:Noch 137 Geiseln in der Gewalt der Hamas, 1. Dezember 2023 Sowohl Israel als auch die USA machten die Hamas für das Ende des Waffenstillstands verantwortlich: Sie habe keine Liste freizulassender Geiseln vorgelegt und die Waffenruhe durch Angriffe gebrochen. Dadurch gingen die Kampfhandlungen im Gazastreifen, in Israel und an der Nordgrenze zum Libanon weiter. Am frühen Morgen bestätigten israelische Militärs die erste abgefangene Rakete im Umland von Sderot. Im Laufe des Tages feuerten Hamas und Islamischer Dschihad Raketen auf Israel und Jerusalem. Im Norden Israels wurden Stellungen der Hisbollah im Libanon angegriffen sowie deren Einheiten getroffen. Das israelische Militär griff im Laufe des Tages 200 Ziele der Hamas im Gazastreifen an; so seien Tunnelschächte und Raketenabschussrampen sowie weitere Hamas-Infrastruktur getroffen worden.

4. Dezember Das israelische Militär vermeldete, seine Bodenoffensive auf den Süden des Gazastreifens ausgeweitet zu haben. Zudem wurden mehrere auf Israel fliegende Raketen aus dem Gazastreifen abgefangen. Auch aus dem Libanon vermeldete das israelische Militär Beschuss. Die IDF warnte die Gaza-Bevölkerung vor der Nutzung der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung zwischen den Städten Chan Junis und Deir al-Balah.Tagesschau.de: Israel prüft Aktienhandel vor Hamas-Angriff, 4. Dezember 2023 Bei einem US-Luftangriff im Nordirak wurden mehrere Kämpfer getötet, die sich zuvor zu mehreren Anschlägen auf US-Truppen bekannt hatten. Irakische Gruppen vermeldeten aufgrund der US-Unterstützung für Israel bei der Bombardierung des Gazastreifens seit dem 17. Oktober über 70 solcher Angriffe auf US-Streitkräfte.

5. Dezember Das israelische Militär (IDF) teilte am frühen Morgen mit, nach Beschuss aus dem Libanon durch die Hisbollah deren Stellungen und Abschussorte angegriffen zu haben. Infolge der täglichen grenzüberschreitenden Schusswechsel starb erstmals ein libanesischer Soldat durch israelische Waffen. Palästinensische Medien berichteten von israelischen Luftangriffen auf Chan Yunis. Die IDF rückten im umzingelten Dschabaliya vor, eroberten ein „Sicherheitshauptquartier“ und stellten Waffen, Ausrüstung und Geheimdienstmaterial sicher.

Am Nachmittag teilten israelische Offiziere mit, bereits in den Zentren von Chan Yunis, Dschabaliya und Schudschaʿiya zu kämpfen. Der Tag wurde als einer der bisher intensivsten seit Beginn der Bodenoperation beschrieben. In einer Pressekonferenz informierte Premier Netanjahu darüber, dass die Hälfte aller Hamas-Bataillonskommandeure getötet worden sei; die Gruppe habe bis zu 24 Bataillone. Gleichzeitig hob er die Umzingelung von Chan Yunis und Dschabaliya sowie 110 bislang freigelassene Geiseln hervor. Darüber hinaus bekräftigte er das Ziel der Entmilitarisierung von Gaza durch die IDF.

Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen griffen mehrfach Israel an: „Eine Ladung ballistischer Raketen“ sei auf militärische Ziele im Süden abgefeuert worden, erklärten die vom Iran unterstützten Rebellen. Die USA verhängten Visa-Beschränkungen gegen extremistische jüdische Siedler, die Gewalt gegen palästinensische Zivilisten im besetzten Westjordanland ausübten. Sie wollten jedem die Einreise verweigern, der dort „den Frieden, die Sicherheit oder die Stabilität […] untergräbt“. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte eine gründliche Untersuchung sexueller Gewalt durch Hamas-Terroristen. Siehe: Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023#Vergewaltigungen und sexualisierte Gräueltaten der Hamas gegen Frauen

6. Dezember Das israelische Militär verkündete, mit der Flutung des Tunnelsystems im Gazastreifen mittels Meerwasser begonnen zu haben. Seit Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen seien 800 Schächte gefunden worden, die zum Tunnelsystem und zu Bunkern der Hamas führten.

8. Dezember Ein Einsatz in der Nacht zur Rettung israelischer Geiseln scheiterte Armeevertretern zufolge. Es seien demnach mehrere Terroristen getötet sowie zwei Soldaten schwer verletzt worden. Die IDF teilten mit, über 450 Ziele im Gazastreifen angegriffen zu haben. In der Stadt Gaza zerstörten Truppen auf einem Universitätscampus Hamas-Strukturen; Raketenbestandteile und ein Tunnel seien entdeckt worden. Zudem wurden zwei weitere getötete israelische Soldaten bekannt, was deren Zahl auf 91 erhöhte.

9. Dezember Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, drei Mitglieder der Hisbollah und ein Syrer seien in einem Auto im Süden Syriens nahe den Golanhöhen von einer israelischen Drohne getötet worden.

Das Welternährungsprogramm bezeichnete die Situation in Gaza als unhaltbar, es herrsche Chaos und Hunger, man fordere einen Waffenstillstand. Bis Ende November 2023 wären 65 % aller Gebäude im Norden des Gazastreifens beschädigt oder zerstört. Im Süden des Gazastreifens wären noch 85 % aller Gebäude intakt.

Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah versuchte sich intensiver in die Beratungen über eine Zukunftsregelung in der Region einzubringen. Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh wolle an diesem Wochenende nach Katar fliegen, um dessen finanzielle Unterstützung für die Hamas an die Autonomiebehörde zu übertragen und ihr damit mehr Ressourcen zur Verwirklichung von Nachkriegszielen zu geben. Die schiitischen Huthi-Rebellen in Jemen drohten, künftig Schiffe jeglicher Nationalität auf dem Weg nach Israel an der Durchfahrt im Roten Meer zu hindern. In einer Erklärung hieß es, nur Frachtern, die Hilfsgüter für den Gazastreifen lieferten, werde die Durchfahrt gewährt.

10. Dezember Wegen Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne gegen Israelis auf Zypern wurden dort zwei Iraner festgenommen.

Das israelische Militär gab bekannt, seit Beginn des Krieges mehr als 22.000 Ziele im Gazastreifen attackiert zu haben. Israels Nationaler Sicherheitsberater Zachi Hanegbi berichtete, seit Beginn des Krieges seien 7000 Kämpfer der Hamas getötet worden. Er erklärte außerdem, dass die israelische Armee an die Kommandozentralen der Hamas in Dschabalia und Schedschaija herangerückt sei. Die Zahl der getöteten Palästinenser sei laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf 17.700 gestiegen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte die Hamas auf, ihre Waffen niederzulegen. Er sagte, in den letzten Tagen hätten sich Dutzende Hamas-Terroristen den israelischen Streitkräften ergeben. Der Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas, Abu Obaida, hatte zuvor eine Fortsetzung der Kämpfe gegen die israelischen Truppen angekündigt. Den Soldaten gelinge es allen Versuchen zum Trotz nicht, den „Widerstand“ der Hamas zu brechen, sagte Obeida. Er kündigte gleichzeitig an, dass keine Geisel den Gazastreifen lebend verlassen werde, wenn die Forderungen seiner Organisation nicht erfüllt würden.

Nach ihrer Freilassung aus der Gewalt der islamistischen Hamas beschrieben einige Israelis die schlimmen Umstände ihrer Geiselhaft. Ihre Erlebnisse hätten sie an den Holocaust erinnert.

12. Dezember Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte auf der wieder aufgenommenen Zehnten Dringlichkeitssitzung mehrheitlich für den Resolutionsentwurf A/ES-10/L.27 Schutz von Zivilpersonen und Wahrung rechtlicher und humanitärer Verpflichtungen, der eine sofortige humanitäre Waffenruhe forderte. Die so verabschiedete Resolution A/RES/ES-10/22 forderte auch die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln und die Einhaltung des Völkerrechts durch die Kriegsparteien. 153 Nationen stimmten für die Resolution, zehn – die USA, Israel, Österreich, Tschechien, Guatemala, Liberia, Mikronesien, Nauru, Papua-Neuguinea und Paraguay – stimmten dagegen; 23 enthielten sich, darunter auch Deutschland.UN General Assembly votes overwhelmingly to demand a humanitarian cease-fire in Gaza, Associated Press, 13. Dezember 2023 Änderungsanträge der USA und Österreichs, die eine namentliche Nennung der Hamas im Zusammenhang mit dem Terrorangriff am 7. Oktober und den dabei erfolgten Geiselnahmen durchsetzen sollten, erhielten eine einfache Mehrheit, aber nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit.Ein deutliches Zeichen an Israel. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Dezember 2023 (sueddeutsche.de).Uno-Generalversammlung fordert Waffenstillstand – USA sind dagegen. In: Der Spiegel. 12. Dezember 2023 (spiegel.de). Der israelische UNO-Botschafter Gilad Erdan sagte, der einzige Effekt eines Waffenstillstands wäre, „das Überleben der Hamas zu sichern und das Überleben der völkermordenden Terroristen, die sich der Vernichtung Israels und der Juden verschrieben haben.“

Laut UNO-Angaben wurde seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas knapp ein Fünftel der Infrastruktur im Gazastreifen zerstört. Auf einem am 26. November aufgenommenen hochaufgelösten Satellitenbild seien 37.379 beschädigte Gebäude identifiziert worden, erklärte das Satellitenprogramm UNOSAT, dies entspreche etwa 18 Prozent der Infrastruktur im Küstengebiet.

14. Dezember Seit der Einrichtung einer Schutzzone für Zivilisten im Gebiet rund um die Ortschaft Al-Mawasi seien von dort 116 Raketen auf Israel abgeschossen worden, teilte das israelische Militär mit, 38 Geschosse seien innerhalb des Gazastreifens eingeschlagen. Beim seit Dienstag andauernden israelischen Militäreinsatz in der Stadt Dschenin wurden palästinensischen Angaben zufolge drei weitere Menschen getötet, insgesamt elf. Die israelische Armee präsentierte Attrappen der Hamas, mit denen die Terroristen die Anwesenheit von Geiseln vorgetäuscht haben sollen, um israelische Soldaten in einen Hinterhalt zu locken.

Seit Beginn des Nahost-Krieges im Oktober wurden nach Angaben der Hisbollah-Miliz 100 ihrer Mitglieder an der libanesisch-israelischen Grenze getötet. Die Zusammenstöße verschärften sich in den vergangenen Wochen, blieben aber weitgehend auf wenige Grenzorte beschränkt. Tausende Anwohner auf beiden Seiten der Grenze flohen aus der Region. Die Streitkräfte Israels teilten mit, die libanesische Terrororganisation Hisbollah habe seit dem 7. Oktober Hunderte von Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei sei eines von fünf Geschossen im Libanon selbst eingeschlagen, die Hisbollah schade mit ihren Angriffen israelischen und libanesischen Zivilisten gleichermaßen.liveblog Krieg in Nahost – Gaza erneut ohne Internet und Telefon Tagesschau.de, 14. Dezember 2023

Das Westjordanland und der Gazastreifen müssten aus Sicht der USA unter eine gemeinsame Regierung gebracht werden, äußerte Jake Sullivan, der Sicherheitsberater des US-Präsidenten. Die deutsche Generalbundesanwaltschaft gab die „Festnahme von vier mutmaßlichen Mitgliedern der terroristischen Vereinigung Hamas“ bekannt.Festnahme von zwei mutmaßlichen Mitgliedern und einem Unterstützer einer rechtsextremistischen kriminellen und terroristischen Vereinigung generalbundesanwalt.de, Pressemitteilung vom 14. Dezember 2023Vier Festnahmen – Offenbar Hamas-Anschlag in Deutschland vereitelt Tagesschau.de, 14. Dezember 2023 Nach israelischen Angaben wurden in Dänemark sieben Personen mit Verbindungen zur Hamas festgenommen, die einen Anschlag geplant hätten.Dänemark und Niederlande – Mehrere Festnahmen bei Anti-Terror-Einsatz Tagesschau.de, 14. Dezember 2023

15. Dezember Der Sprecher der israelischen Armee berichtete, die Armee töte Hamas-Terroristen in den Tunneln unter dem Gazastreifen nun gezielt mit Sprengstoff: „Wir haben neue Kampfmethoden, die wir einsetzen werden, um Terroristen zu töten.“