Equal Rights Beyond Borders ist eine gemeinnützige Organisation, die 2016 gegründet wurde und ihren Sitz in Berlin (Deutschland) und Athen (Griechenland) hat. Darüber hinaus ist die Organisation mit Büros auf den griechischen Inseln Chios und Kos vertreten. Die Organisation bietet in ihren Büros in Athen, Kos und Chios kostenlose rechtliche Unterstützung für Schutzsuchende an, unter anderem in Asylverfahren, bei der Familienzusammenführung nach der Dublin-III-Verordnung sowie in haftbezogenen Verfahren.

In Griechenland liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der rechtlichen Beratung in Asylverfahren, der Unterstützung in haftbezogenen Fällen, dem Zugang zu sozialen Rechten sowie auf der Prozessführung in Fällen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen.

In Deutschland ist die Organisation im Bereich der strategischen Prozessführung tätig. Zudem unterstützt sie Verfahren zur Familienzusammenführung nach der Dublin-III-Verordnung, die Personen betreffen, die in Griechenland angekommen sind und in Deutschland Familienangehörige haben.

Entsprechend vertritt die Organisation sowohl einzelne Mandanten als auch strategische Klageverfahren, die auf die rechtliche Durchsetzung und Beseitigung struktureller Menschenrechtsverletzungen abzielen. Dabei vertritt sie ihre Mandantschaft vor griechischen, deutschen, europäischen und internationalen Gerichten.

Struktur Equal Rights Beyond Borders ist in Deutschland und Griechenland als Organisation registriert. Die Arbeit wird von einem transnationalen Management Board koordiniert. Dem internationalen fachlichen Beirat gehören nationale und internationale im Flucht und Migrationsrecht erfahrene Juristen, aber auch Journalisten und Vertreter der Kirchen an. Darunter aus Deutschland die Professoren Anna Lübbe und Nora Markard, sowie die Professorin Violetta Moreno-Lax von der Queen Mary University of London.

Die Organisation finanziert sich durch Fördermittel humanitärer Stiftungen sowie durch Privatspenden.

Geschichte Im März 2016 wurde die EU-Türkei-Erklärung vom 18. März 2016 vereinbart. Infolge ihrer Umsetzung wurden tausende Schutzsuchende auf den griechischen Inseln festgesetzt und daran gehindert, auf das griechische Festland weiterzureisen. Somit wurden die seit 2015 existierenden sogenannten EU-Hotspots faktisch zu Haft- und Abschiebezentren. Vor diesem Hintergrund reisten einige in Deutschland ausgebildete junge Juristen auf die griechische Insel Chios, um dort Schutzsuchende, die per Boot ankamen, rechtlich zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit griechischen Anwälten bauten sie zunächst unter dem Namen "Refugee Law Clinics Abroad" ein Solidaritätsnetzwerk auf. In der Folge begannen auch Jurastudierende aus Deutschland, regelmäßig für begrenzte Zeiträume nach Chios zu reisen, um kostenlose Rechtsberatung anzubieten.

Im Jahr 2016 wurde der gemeinnützige, eingetragene Verein Equal Rights Beyond Borders gegründet.Jura not alone - 12 Ermutigungen, die Welt mit den Mitteln des Rechts zu verändern, Nora Markard, Ronen Steinke, Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2024, ISBN 978-3-593-51850-3 Mitgründerin ist die heutige Bundestagsabgeordnete Clara Bünger, die später Mitglied des Deutschen Bundestages wurde. Im Jahr 2017 war sie am Aufbau und an der Einrichtung des ersten Büros der Organisation auf Chios beteiligt, das zu den ersten von Nichtregierungsorganisationen betriebenen Rechtsinformationszentren auf der Insel zählte.

Equal Rights Beyond Borders eröffnete 2018 ein Büro in Athen und 2019 ein Büro in Berlin. Seit 2021 unterstützt sie Schutzsuchende zudem von ihrem jüngsten Büro auf der griechischen Insel Kos aus, wo sich eine geschlossene Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete "CCAC" (Closed Controlled Access Center) befindet. Die Bedingungen in dem Lager wurden in der Vergangenheit wiederholt von Journalisten sowie von Menschenrechtsorganisationen kritisiert. Neben unmenschlichen Lebensbedingungen wurde insbesondere die Inhaftierung von Familien, Kindern und vulnerablen Personen, etwa schwangeren Frauen oder Betroffenen sexualisierter Gewalt, beanstandet. Im Februar 2023 veröffentlichte die Organisation gemeinsam mit terre des hommes eine öffentliche Stellungnahme zur Inhaftierung Minderjähriger auf Kos.

Arbeit Equal Rights Beyond Borders bietet über seine Büros in Athen, Chios und Kos kostenlose rechtliche Unterstützung für Schutzsuchende an. In Griechenland berät die Organisation rechtlich in Asylverfahren, unterstützt Personen in haftbezogenen Verfahren, hilft beim Zugang zu sozialen Rechten und vertritt Klienten in Gerichtsverfahren wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen.

Seit 2023 betreibt die Organisation zudem ein Projekt zur rechtlichen Unterstützung von Überlebenden sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt (SGBV) in Asylverfahren, Strafverfahren sowie in familienrechtlichen Angelegenheiten.

In Deutschland engagiert sich die Organisation in der strategischer Prozessführung und unterstützt Familienzusammenführungsverfahren nach der Dublin-III-Verordnung für Personen, die nach Griechenland eingereist sind und Familienangehörige in Deutschland haben.

Über die individuelle Rechtsvertretung hinaus verfolgt Equal Rights Beyond Borders strategische Klagen mit dem Ziel, strukturelle Menschenrechtsverletzungen an den Außengrenzen Europas aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang vertritt die Organisation Klienten vor griechischen und deutschen Gerichten sowie vor europäischen und internationalen Justizorganen, darunter dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).

Die Organisation veröffentlicht regelmäßig juristische Analysen und Expertenberichte, darunter Bewertungen von Haftpraktiken sowie der Menschenrechtslage von Schutzsuchenden in Griechenland. Zudem wird Equal Rights Beyond Borders in nationalen und internationalen Medien zitiert und beteiligt sich an rechtlichen und politischen Debatten zum Asyl- und Migrationsrecht in Europa.

Mediale Aufmerksamkeit Die Juristen von Equal Rights Beyond Borders werden regelmäßig in nationalen und internationalen Medien als Experten für Asyl-, Migrations- und Menschenrechte zitiert. In Interviews und Meinungsbeiträgen kommentieren sie die Menschenrechtslage und den Rechtsstaat an den Außengrenzen Europas, üben Kritik an der Migrationspolitik der Europäischen Union und deren abschreckungsbasierter Strategie, und bewerten die Auswirkungen der EU–Türkei-Erklärung auf Schutzsuchende auf den griechischen Inseln in der Ägäis.

Im Jahr 2023 äußerten sich Vertreter der Organisation öffentlich zur Untersuchung eines der tödlichsten Schiffsunglücke im Mittelmeer, bei dem Hunderte Menschen ums Leben kamen. In diesem Zusammenhang gingen sie auch auf Migrationspolitiken außerhalb Europas ein, unter anderem auf die der Vereinigten Staaten.

Die Organisation hat wiederholt Kritik an Vorschlägen zur Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) geübt, die in Deutschland und anderen europäischen Ländern Gegenstand öffentlicher und politischer Debatten waren.

Wissenschaftliche Tätigkeit Seit ihrer Gründung veröffentlicht Equal Rights Beyond Borders eine Vielzahl von rechtlichen Analysen, Expertengutachten und Berichten zur Menschenrechtslage von Schutzsuchenden in Griechenland, insbesondere in Bezug auf Asylverfahren, Inhaftierungspraxis und Zugang zu grundlegenden Rechten. Zudem wirken Mitglieder der Organisation regelmäßig als Autoren im Verfassungsblog mit, wo sie zu Fragen des Asylrechts, Migrationsrechts sowie des europäischen Verfassungs- und Menschenrechtsrechts schreiben.

Vertreter der Organisation nehmen zahlreich an akademischen und fachlichen Diskursen teil, zum Beispiel durch Tagungen, Podiumsdiskussionen und Konferenzen in Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Equal Rights Beyond Borders hat mehrere internationale Konferenzen mitorganisiert, beispielsweise 2022 in Berlin gemeinsam mit Amnesty International, Brot für die Welt, Diakonie Deutschland, European Center for Constitutional and Human Rights, medico international, Miserior und Pro Asyl sowie 2023 gemeinsam mit Diakonie Deutschland auf Kos.

Auszeichnungen Im Jahr 2025 wurde Equal Rights Beyond Borders mit dem „Wir für morgen“-Preis der Union Investment als Leuchtturmprojekt ausgezeichnet. Die Charity-Initiative „Wir für morgen“ würdigt seit 2022 gemeinnützige Projekte in den Bereichen Soziales, Bildung und Umwelt, die mit Strahlkraft und Vorbildcharakter neue Wege gehen.

Veröffentlichungen Report on the “Safe Areas” of the Closed/Controlled Access Centres on Kos and Leros, June 2025 | Kos ‘Suspended and Secluded: The State of Unaccompanied and Separated Children in Greece’, June 2025 | Kos ‘Still detained and forgotten’ Update on Detention Policies, Practices, and Conditions on Kos 2024, April 2025 | Kos Kos’s Unseen Housing Crisis, November 2024 | Jamie Kessler, Marilena Kosmopoulou, Christina Balta | Kos Immigration Detention Across Borders, July 2024 | Equal Rights Beyond Borders, Immigrants’ Rights Policy Clinic UCLA School of Law | Berlin, Athen, Kos ‘Still detained and forgotten’, April 2024 | Kos Behind Walls and Bars, November 2023 | Terre des Hommes & Tina Al-khersan, Jamie Kessler, Anne Pertsch | Chios, Athen, Kos Asylum detention under the European Convention on Human Rights, October 2023 | Juan Ruiz Ramos Report on Conference – Immigration Detention in the EU, Kos, 08.-10.06.2023 , Equal Rights Beyond Borders (Hg.), September 2023 "Still detained and forgotten" – Update on Detention Policies, Practices, and Conditions on Kos 2022/2023 , Equal Rights Beyond Borders (Hg.), Februar 2023 "Extraordinary Measures" – How Greece used the COVID-19 pandemic as a Pretext for the Unlawful Detention of Asylum Seekers on Chios , Equal Rights Beyond Borders (Hg.), Februar 2023 The State of the Border Procedure on the Greek Islands , Equal Rights Beyond Borders/HIAS Greece/Refugee Support Aegean (Hg.), October 2022 Detained and Forgotten at the Gates of the EU – Detention of Migrants on the Island of Kos , Equal Rights Beyond Borders (Hg.), November 2021

Weblinks Website des Vereins

Einzelnachweise

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