mini|hochkant=1.5|Ansicht der Maria Immaculata-Kirche von Südosten Die Kirche Maria Immaculata (dt.: unbefleckte Maria) in der westfälischen Mittelstadt Büren, im Volksmund Jesuitenkirche genannt, wurde im spätbarocken Stil zwischen 1754 und 1773 nach Plänen von Franz Heinrich Roth, dem Baumeister des paderbornischen Fürstbischofs und Kurfürsten von Köln Clemens August, im Auftrag des Jesuitenordens erbaut.Bruno Bange: 800 Jahre Stadt Büren – 1195–1995 in: Heimatverein Büren: Büren – Einblicke in die historische Entwicklung, Bonifatius Paderborn, 1994. S. 99 Sie gilt als eine der wenigen Kirchen im süddeutschen, italienisch beeinflussten Stil nördlich des Mains.

Die Kirche liegt am Fuß des Bergrückens zwischen Afte und Alme, auf dem sich der historische Kern der Stadt Büren befindet. Zusammen mit dem ehemaligen Jesuitenkolleg, jetzt Mauritius-Gymnasium, und der Ökonomie, dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Kollegs, bildet sie ein Ensemble, das die Ansicht des Ortes seit über 250 Jahren prägt.Tanja Loer: Leben in und mit Baudenkmälern in: Heimatverein Büren: Wir an Alme und Afte – Schriftenreihe des Heimatvereins Büren e. V., S. 119

Ungefähr an der Stelle dieses Ensembles stand zuvor einige Jahrhunderte lang die Burg der Edelherren von Büren, deren letzter Nachfahre, Moritz von Büren, sein Vermögen in einem Testament von 1640 dem Jesuitenorden vermachte und später in den Orden eintrat.

Baugeschichte Vorgeschichte Moritz von Büren hatte schon 1640 in seinem Testament verfügt, dass aus seinem Nachlass in Büren ein Kolleg (Studienhaus) und eine Kirche errichtet werden sollten. Nach seinem Tod am 7. November 1661 dauerte es über 50 Jahre, bis am 13. Juni 1717 der Grundstein für das Kolleggebäude gelegt werden konnte, das dann bis 1728 fertiggestellt wurde. Ursprünglich war geplant, die Kirche im Südflügel des Gebäudes unterzubringen. Dieses Vorhaben wurde aber aufgegeben und der Südflügel als normaler Gebäudeteil ausgeführt, so dass für die Kirche ein eigener, neuer Standort gesucht werden musste. Als die Bauarbeiten nach der Fertigstellung des Kollegs für über 20 Jahre geruht hatten, wurde 1751 beschlossen, die Kirche zu bauen. Man entschied sich für einen Standort südlich des Kolleggebäudes, das durch einen Quertrakt mit der Kirche verbunden werden sollte. Die Bauleitung wurde am 3. Juli 1754 dem Kammer-Rat und Ingenieur Franz Christoph Nagel aus Paderborn und dessen Vertreter, dem Jesuiten Christoph Seeberger übertragen.

Bau der Kirche Schon einen Tag nach dem Abschluss des Vertrages mit Nagel begannen die Ausschachtungsarbeiten für das Fundament, nachdem vorher schon Baumaterial aus der Umgebung, hauptsächlich Sandstein aus der Gegend von Hegensdorf, nach anderen Angaben aus WeineTanja Loer: Leben in und mit Baudenkmälern in: Heimatverein Büren: Wir an Alme und Afte – Schriftenreihe des Heimatvereins Büren e. V., S. 107 und Kalkstein aus der direkten Umgebung von Büren, herangeschafft worden war. Bis zum Winter des Jahres 1754 standen die Fundamente der Kirche und bis zum Frühjahr 1756 war der Bau bis hinauf zum Kreuzgesims fertiggestellt, so dass in den Fassadennischen des zweiten Geschosses bereits die Statuen des heiligen Ignatius von Loyola und des heiligen Franz Xaver aufgestellt werden konnten. Die Steinmetzarbeiten wurden von Steinmetz Valentin Springer aus Neuhaus und Johann Urbanus aus Königswinter ausgeführt.

Am 2. Mai desselben Jahres legte Kurfürst Clemens August, der sowohl Bischof von Köln als auch von Paderborn war, den Grundstein. Clemens August hatte bereits die vorbereitenden Bauarbeiten mit großem Interesse verfolgt – man hatte aber mit der Grundsteinlegung gewartet, bis er sich auf seinem Schloss Hirschberg bei Warstein befand, um ihm die weite Anreise eigens nach Büren zu ersparen.

Trotz der Störungen durch französische Soldaten, welche durch die Stadt zogen, konnte der Bau der Kirche in den folgenden Jahren zügig weitergeführt werden. Im Jahr 1757 war die Fassade fast vollendet, so dass auf den oberen Ecken die Statuen des heiligen Aloisius und des heiligen Stanislaus Kostka aufgestellt wurden, die, wie die anderen Statuen auch, in Büren gefertigt wurden, deren Stein aber aus den Rüthener Steinbrüchen stammte, wo er schon grob in Form gebracht worden war. Die Bildhauerarbeiten der Fassade wurden von Meister Johann Theodor Axer und Meister Johann Jakob PüttBruno Bange: 800 Jahre Stadt Büren – 1195–1995 in: Heimatverein Büren: Büren – Einblicke in die historische Entwicklung, S. 100 ausgeführt. Ebenfalls im Jahr 1757 wurde ein Teil des Daches errichtet, der im folgenden Jahr 1758 abgeschlossen wurde. Auch die Fassade wurde im Jahr 1758 fertig, der Turm der Kirche wuchs bis zum Turmhelm. Das Dach der Kirche wurde mit Schiefer eingedeckt. Gleichzeitig wurden in der Beichtkapelle (heute Sakristei) und im Turm die Gewölbe eingezogen.

1759 wurde die Kuppel über der Kreuzvierung vollendet und die Gewölbe im Hauptschiff und in den Seitenschiffen vollendet. Außen wurde der Kalkstein zwischen den Sandsteinpfeilern verputzt. Im Jahr 1760 wurden die Arbeiten am Dach der Kirche beendet und die unter dem Chor liegende Krypta mit Gewölben versehen. Gleichzeitig begannen die Jesuiten Verhandlungen mit dem Maler Joseph Gregor Winck, der für den Orden bereits an der Ausgestaltung der Mannheimer Jesuitenkirche mitgewirkt hatte. Dieser begann nach dem Vertragsabschluss 1761 im Jahr 1762 mit den Malerarbeiten. Er wandte dabei die „Fresco-secco-Technik“ an. Die Malerarbeiten dauerten bis ins Jahr 1765. Um Pfingsten 1764 begannen die Gebrüder Johann Nepomuk und Bernhard Mez mit den Stuckarbeiten, die 1770 fertiggestellt wurden. Ein Jahr zuvor war der Bau der Gruft beendet, die Fenster verglast, die Türen eingesetzt und die Empore für die Orgel errichtet worden. Im Jahr 1771 wurde als letztes zentrales Element der prachtvolle Hochaltar vollendet.

Nach einer Bauzeit von über 16 Jahren war die Kirche fertiggestellt. Es fehlte noch der seitliche Verbindungstrakt zum Kolleg, der auch die Sakristei beherbergen sollte. Dieser Trakt wurde aber nicht mehr errichtet, denn der Jesuitenorden war im Jahre 1773 von Papst Clemens XIV. aufgelöst worden.

Nach der Auflösung des Jesuitenordens Nachdem die Extinktionsbulle des Papstes auch für die Kollegien in Paderborn und Büren wirksam wurde, beauftragte der Paderborner Fürstbischof Wilhelm Anton seinen Generalvikar Dierna und den Hofrichter Meyer mit der Bildung der sogenannten Exjesuitenkommission, die Besitz und Verwaltung der Güter des aufgelösten Ordens im Paderborner Land übernahm, darunter auch Kirche und Kolleg.

Am 3. August 1802 übernahm das Land Preußen die Herrschaft über das Hochstift Paderborn. Entgegen der ansonsten üblichen Politik Preußens wurde der ehemalige Besitz des Jesuitenordens jedoch nicht säkularisiert, sondern blieb weiter unter der Verwaltung der Exjesuitenkommission.

Als Preußen im Frieden von Tilsit seine linkselbischen Gebiete an Napoleon verlor, fiel das Hochstift Paderborn und damit auch die Verwaltung der ehemaligen Jesuitenbesitztümer an das Königreich Westphalen unter Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoleon Bonapartes. 1811 wurde das Haus Büren den Krondomänen unterstellt, die Erträge aus dem Fonds wurden aber weiterhin für die im Testament vorgesehenen Zwecke verwendet, nur etwaige Überschüsse wurden für die Domänen verrechnet. Dies beendete die Tätigkeit der Exjesuitenkommission.Erhard Schwarz: Das Haus Büren’sche Fonds als Rechtsnachfolger des Bürener Jesuitenkollegs in: Heimatverein Büren: Büren – Einblicke in die historische Entwicklung, S. 434f.

Als Westfalen wieder an Preußen fiel, blieb das Haus Büren zunächst Staatsgut, wurde dann aber auf Bestreben Franz Egon von Fürstenbergs und des Oberpräsidenten von Vincke als Haus Büren’scher Fonds zurückgegeben.

Dieses übernimmt seitdem die Verwaltung und Finanzierung der ehemaligen Besitztümer des Jesuitenordens im Raum Büren.

Restaurierungen Erste Restaurierungen wurden schon Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt, dabei wurden einige Deckenfresken übermalt. Das Ausbleiben weiterer Maßnahmen in den folgenden Jahren sowie kriegsbedingte Schäden erforderten in den 1970er Jahren umfangreichere Bau- und Sicherungsmaßnahmen an Fassaden und Dächern sowie von 1980 bis 1983 eine Restaurierung und Sicherung der Orgelempore. In den folgenden Jahren wurde ein Konzept für eine Restaurierung des gesamten Kirchenbaus ausgearbeitet, die dann von 1988 an drei Jahre lang ausgeführt wurde. Am 8. September 1991, zum Fest Mariä Geburt, wurde die Kirche dann mit einem feierlichen Pontifikalamt wieder eingeweiht. Die gesamte Restaurierung kostete rund sieben Millionen D-Mark.Erhard Schwarz: Das Haus Büren’sche Fonds als Rechtsnachfolger des Bürener Jesuitenkollegs in: Heimatverein Büren: Büren – Einblicke in die historische Entwicklung, S. 442f

Feuchtigkeitsschäden Nach einer Begehung am 11. Juli 2012 wurden Baumängel und Feuchtigkeitsschäden an den Stuckdecken festgestellt.BÜREN: In Jesuitenkirche dringt Wasser ein, nw-news.de, 21. Juli 2012 Nachdem die Kirche zunächst für den Besucherverkehr komplett geschlossen wurde, ist sie seit Ende Dezember 2012 wieder für Besucher geöffnet. Durch einen Schutztunnel sowie ein Sicherheitsnetz werden Besucher vor herabfallenden Teilen geschützt. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten sollten im Jahr 2013 durchgeführt werden. Im Sommer 2013 war die Finanzierung der etwa 500.000 Euro teuren Sanierungsarbeiten allerdings immer noch nicht gesichert, da die Bezirksregierung Detmold auf die Zusage des Landes Nordrhein-Westfalen warten musste.BÜREN: Bürener warten aufs Geld für die Kirche, nw-news.de, 20. Juni 2013 Ende September 2013 wurde mit dem Aufbau des Außengerüsts begonnen.

Architektur und Ausstattung Bauwerk Die Kirche wurde aus rauverputztem Bruchsteinmauerwerk und ausgestalteten Sandsteinzierelementen errichtet. Alle vier Fassadenseiten wurden hier entgegen der jesuitischen Tradition umfangreich gestaltet, insbesondere die Ostfassade mit dem Haupteingang.

mini|hochkant|Ostfassade der Kirche Die Ostfassade der Kirche ist in drei Geschosse gegliedert und wird von einer drei Meter hohen Statue der hl. Maria gekrönt, der die Kirche geweiht ist, wie auch die Inschrift im Fries verkündet: „SINE LABE CONCEPTAE VIRGINI ANNO MDCCLV“ (übersetzt „Der ohne Makel empfangenen Jungfrau geweiht im Jahre 1755“).

Der Unterbau ist in einfacher Rustikabauweise ausgeführt, die Mittelpartie springt um 1,57 m vor. Die Umrahmung des Hauptportals zwischen den mittleren Pilastern trägt in einer Kartusche die lateinische Inschrift:

Templum Societatis Jesu Quod ad majorem DEI Gloriam fundavit MAURITIUS L.B. et Nobilis D. de Büren D. in Ringelstein, Vollbrexen et Geist ex Praeside Camerae Imperialis Sacerdos Societatis Jesu

(übersetzt: „Kirche der Gesellschaft Jesu zur größeren Ehre Gottes gestiftet von Moritz, Frei- und Edlen Herrn von Büren, Herrn zu Ringelstein, Vollbrexen und Geist, Reichskammergerichtspräsident, dann Priester der Gesellschaft Jesu“).

Der Oberbau ist doppelt so hoch wie der Unterbau und wird von Pilastern mit korinthischen Kapitellen in drei Felder unterteilt. Die Pilaster sind durch Festons (Fruchtgehänge) untereinander verbunden. Das mittlere Feld weist ein großes Rundbogenfenster auf, das linke Feld enthält in einer Nische die überlebensgroße Statue des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, das rechte Feld die Statue des hl. Franz Xaver. Den Abschluss des Oberbaus bildet ein Gebälk mit Fries, auf dem sich die oben schon erwähnte Inschrift zur Weihung der Kirche befindet. Das Gesims verläuft um die ganze Kirche.

Anstelle eines Giebels schließt oberhalb eine Attika an den Oberbau an. Sie zeigt auf von den Pilastern unterteilten Feldern folgende Motive: Links: Gottesdienstliche Paramente für Segensandachten (Monstranz, Chormantel etc.) Mitte: Wappen der Stadt Büren mit Krone Rechts: Gottesdienstliche Paramente für die Messe (Kelch, Messgewand etc.)