Die Cazoo Snookerweltmeisterschaft 2024 wurde vom 20. April bis 6. Mai traditionell im Crucible Theatre in Sheffield ausgetragen. Sie bildete den Abschluss der Saison 2023/24 der World Snooker Tour.
Der belgische Titelverteidiger Luca Brecel fiel dem „Crucible Curse“ zum Opfer, wie er scherzhaft genannt wird: Der „Fluch des Crucible“ bewirkt, dass keinem erstmaligen Weltmeister im Jahr darauf die Titelverteidigung gelingt. Brecel verlor trotz deutlicher Führung sein Auftaktmatch. Aber auch die meisten anderen Topspieler schieden vorzeitig aus. Kyren Wilson kam als einziger gesetzter Spieler ins Finale, sein Gegner war der Qualifikant Jak Jones aus Wales. Im zweiten Anlauf nach 2020 holte Wilson den Sieg, der Engländer gewann mit 18:14 und war der 23. Spieler der Crucible-Ära, der einen Weltmeistertitel erringen konnte.
Preisgeld Im fünften Jahr blieb der Preisgeldtopf bei 2.395.000 £ mit unveränderter Verteilung. Kurz vor dem Turnier wurde noch eine Extraprämie für ein Maximum Break ausgelobt. Wäre beim Hauptturnier im Crucible Theatre ein 147-Punkte-Break erzielt worden, hätte der betreffende Spieler 40.000 £ zusätzlich bekommen. Für Noppon Saengkhams Maximum in der Qualifikation gab es eine Prämie von 10.000 £. Preisgeld Sieger 500.000 £ Finalist 200.000 £ Halbfinalist 100.000 £ Viertelfinalist 50.000 £ Achtelfinalist 30.000 £ Letzte 32 20.000 £ Letzte 48 15.000 £ Letzte 80 10.000 £ Letzte 112 5.000 £ Höchstes Break 15.000 £ Insgesamt 2.395.000 £
Sonderprämie Maximum Break Preisgeld Hauptrunde 40.000 £ Qualifikation 10.000 £
Hauptrunde Zusammenfassung
Runde 1
Nachdem Luca Brecel im Vorjahr erstmals Weltmeister geworden war, stellte sich zum Auftakt die Frage, wann der „Crucible Curse“ zuschlagen würde: Keiner der 18 Weltmeister vor ihm seit 1977 hatte im Jahr nach dem ersten Sieg seinen Titel verteidigen können. Der Belgier hatte eine durchwachsene Saison gespielt und war gesundheitlich beeinträchtigt, er begann aber forsch gegen David Gilbert, gewann die erste Session 6:3 und zog in der zweiten Matchhälfte auf 9:6 davon. Den letzten Schritt schaffte er jedoch nicht. Gilbert kam auf, nutzte jeden Fehler aus und holte sich 5 Frames in Folge zum 10:9-Sieg. Brecel war damit der 7. Debütweltmeister, der im Jahr darauf bereits in der Auftaktrunde ausgeschieden war.
Der zweite Überraschungsspieler des Vorjahrs, der Halbfinalist Si Jiahui, hatte sich nach einer sehr erfolgreichen Saison auf Platz 23 verbessert und bekam es mit Mark Williams zu tun. Das wechselhafte Match schien sich gegen Ende klar zugunsten des Chinesen zu neigen, als dieser auf 9:7 davonziehen konnte. Williams gelang aber noch einmal die Wende und der Ausgleich. Im Decider machte der dreimalige Weltmeister aber den entscheidenden Fehler und mit einem 77-Punkte-Break holte sich Si den 10:9-Sieg. Der zweite erfolgreiche Vorjahresdebütant, der Viertelfinalist Jak Jones, traf auf Zhang Anda. Fünf Jahre in Folge hatte der Chinese die Crucible-Qualifikation verpasst, nach drei Turnierfinals mit seinem ersten Turniersieg in dieser Saison war er erstmals gesetzt. Doch die Partie wurde dominiert vom Waliser. 5:2 führte er nach einer zähen, vorzeitig abgebrochenen ersten Session, auf 7:2 zog er vorentscheidend davon und auch ohne ein Century-Break gewann er deutlich 10:4.
Der einzige Endrundendebütant dieses Jahres war Joe O’Connor. Gegen Mark Selby begann das Match ausgeglichen 2:2, bis der viermalige Weltmeister einbrach und der Neuling 5 Frames in Folge gewann, 2 davon mit Centurys. O’Connor, ein Trainingspartner von Selby in Leicester, behauptete den Vorsprung in der zweiten Session und gewann mit 10:6.
Damit waren bereits 4 gesetzte Spieler überraschend gescheitert. Zwei weitere „Seeds“ hatten es mit erfahrenen, hochrangigen Gegnern zu tun, die zuletzt schwächer gespielt hatten. Dafür waren sie durch ihre Qualifikationsmatches bereits eingespielt. Stephen Maguire war in der ersten Session gleichauf mit Ali Carter, einem der Turniergewinner der aktuellen Saison. Nach 4:5 und 6:7 ging er in die Offensive und mit vier gewonnenen Frames in Folge schaffte der Schotte den 10:7-Sieg gegen den Weltranglisten-9. Einen Platz dahinter lag Gary Wilson, gegen den Ex-Weltmeister Stuart Bingham gab es zur Halbzeit aber bereits einen 3:6-Rückstand. Nach 2 gewonnenen Frames in Session 2 schien es ausgeglichen, doch sobald Wilson einen Fehler machte, war Bingham da und baute seinen Vorsprung wieder Frame um Frame aus bis zum 10:5-Sieg.
Des Weiteren gab es zwei Partien, in denen zwei Spieler leistungsmäßig nahe beieinander lagen und bei denen der gesetzte Spieler unterlag. Jack Lisowski war nach 5 Jahren knapp aus den Top 16 gefallen und lieferte sich mit Ding Junhui ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zur Halbzeit lag er 5:4 vorne und beim Stand von 9:7 führte er erstmals mit 2 Frames Vorsprung. Doch ein eigener Fehler und ein 131-Punkte-Break von Ding führten in den Decider. Lisowski schaffte in zwei Anläufen den Framegewinn und damit den 10:9-Sieg. Mit Ryan Day und Barry Hawkins trafen in einem weiteren Match zwei Spieler mit langer Erfahrung aufeinander, die nur 3 Ranglistenplätze voneinander entfernt waren. Das Match ging hin und her, die knappe Führung von Hawkins konterte Day mit 4 gewonnenen Frames in Folge zum 5:2, Hawkins ließ über die Sessionpause hinweg 6 Frames zur 8:5-Führung folgen. Aber die Mid-Session-Pause brachte erneut die Wende, Day kam wieder in Fahrt, ließ seinem Gegner keinen Frame mehr und gewann mit 10:8. Zum vierten Mal in der Crucible-Ära (nach 1980, 1992 und 2012) waren damit die Hälfte der gesetzten Spieler bereits in Runde 1 ausgeschieden. Einen neuen Rekord konnte Robert Milkins abwenden. Nach 0:3-Rückstand gegen Pang Junxu kam er zur Sessionpause auf 4:5 heran und fortan war es ein ausgeglichenes Match, das im Decider endete. Dort gelang keinem Spieler ein entscheidendes Break und nach längerem Safety-Duell lochte der Engländer die entscheidenden Bälle zum 10:9-Sieg.
In den übrigen Matches gab es dagegen klare Favoritensiege. Am deutlichsten von Rekordweltmeister Ronnie O’Sullivan gegen Jackson Page, der übernervöse Waliser hatte bei seiner zweiten Endrundenteilnahme beim 1:10 keine Chance. Mit demselben Ergebnis schied ein Landsmann von ihm aus: Nach 10 Jahren hatte sich Dominic Dale wieder einmal für die Endrunde qualifiziert, gegen Kyren Wilson war die Rückkehr aber schnell beendet. Der 4. von 6 angetretenen Walisern, der ohne Sieg blieb, war Jamie Jones, der gegen John Higgins mit 6:10 das Nachsehen hatte. Mark Allen besiegte den in der Rangliste von allen 32 Spielern am niedrigsten platzierten Spieler, die Nummer 45 Robbie Williams, mit demselben Ergebnis. 10:6 hieß es am Ende auch für Tom Ford, erstmals gesetzt, gegen Ricky Walden. Für Ford war es der erste Sieg im Crucible Theatre im fünften Anlauf. Judd Trump, mit 5 Turniersiegen und 3 weiteren Finals in der Saison ein Turnierfavorit, gewann sicher mit 10:5 gegen Hossein Vafaei, demselben Resultat wie Shaun Murphy gegen Lü Haotian.
Achtelfinale
Das Topmatch in Runde 2 und ein Turnierhöhepunkt war die Begegnung von John Higgins und Mark Allen, allerdings mit unterschiedlichen Vorzeichen: Während der Schotte gewinnen musste, um unter den Top 16 zu bleiben, konnte Allen sogar die Nummer 1 der Weltrangliste werden. Nach einer ausgeglichenen ersten Session ging der Nordire nach Session 2 mit 9:7 in Führung. Doch Higgins glich gleich in der ersten Hälfte der Schlusssession aus und konterte weitere Vorstöße von Allen. Es kam zum Decider, in dem der Nordire schon mit 62:0 führte. Higgins bekam die Chance, eine Rote als Double (über Bande) zu lochen, trotz des großen Drucks gelang nicht nur der Punkt, sondern anschließend eine Clearance von 71 Punkten und damit der 13:12-Sieg.
Das zweite Match zwischen zwei Top-16-Spielern bestritten Judd Trump und Tom Ford, allerdings mit Trump als klarem Favoriten. Der Weltmeister von 2019 kam über Zwischenstände von 6:2 und 11:5 zu einem ungefährdeten 13:7-Sieg. Auch die beiden Spieler, die sich durch den Erstrundenauftritt als Favoriten empfohlen hatten, kamen problemlos weiter. Ebenfalls mit 13:7 gewann Ronnie O’Sullivan gegen Ryan Day. Nach einer 10:6-Führung nahm er dem Waliser mit 2 gewonnenen Frames zu Beginn von Session 3 verbliebene Hoffnungen, bevor er im 20. Frame mit zwei hohen Breaks vollendete. Ebenfalls mit einem Stand von 10:6 ging die Partie von Kyren Wilson gegen Joe O’Connor in Session 3, Wilson ließ seinem Gegner aber keinen Frame mehr und gewann 13:6. Damit war der einzige Debütant ausgeschieden. Der höchste Sieg gelang aber David Gilbert. Robert Milkins, der schon in Runde 1 Probleme hatte, konnte nur bis zum 4:6 einigermaßen mithalten. Danach gewann Gilbert 7 Frames in Folge und von Frame 13 bis zum 13:4-Endstand gelangen ihm 421 Punkte, ohne dass Milkins noch einmal punkten konnte.
Die Bilanz zweier Konkurrenten seit Jugendzeiten stand bei 12:11 gewonnenen Profimatches für Shaun Murphy gegen Stephen Maguire. Doch wie zuletzt dominierte der Schotte ihre Begegnung und gewann die ersten beiden Sessions jeweils mit 5:3. Diesem 10:6-Zwischenstand folgte zwar kein schnelles Ende, aber Maguire hielt den Abstand bis zum Schluss und mit einem 13:9-Sieg glich er die gemeinsame Statistik aus. Stuart Bingham gegen Jack Lisowski war dagegen das Duell zweier Generationen, die beiden Engländer liegen 15 Jahre auseinander. Lisowski ging 2:0 in Führung, aber nach 5 gewonnenen Frames in Folge lag Bingham nach Session 1 mit 5:3 vorne. In den nächsten beiden Sessions gelang dem Jüngeren zwar zweimal der Ausgleich, aber Bingham konnte immer wieder den Vorsprung wiederherstellen und er gewann schließlich mit 13:11. Im letzten Duell lagen zwar auch immerhin 9 Jahre zwischen Si Jiahui und Jak Jones, für beide war es aber das zweite Jahr im Crucible und beide hatten 2023 überrascht. Si war zwar im Vorjahr erfolgreicher gewesen, der Waliser hatte aber den besseren Start und führte 6:2 und 8:3. Dann kam der Chinese auf und war schon auf 8:9 herangekommen, doch Jones behielt die Ruhe und konnte sich Frame für Frame wieder absetzen. Beim Stand von 12:9 wehrte sich Si noch einmal heftig, der Vorjahreshalbfinalist konnte aber die 9:13-Niederlage nicht mehr abwenden. Jones hatte damit bei seinen ersten beiden WM-Endrundenteilnahmen mindestens das Viertelfinale erreicht, was nicht viele Spieler geschafft hatten. Zuletzt war dies seinem Landsmann Matthew Stevens 1998 und 1999 gelungen.
Viertelfinale
Die Viertelfinals nahmen einen unerwarteten Verlauf. Stuart Bingham zeigte sich selbstbewusst in seinem Match gegen den Weltranglistenersten Ronnie O’Sullivan und gestaltete die erste Session ausgeglichen. Auch in der zweiten Session machte er einen 2-Frames-Rückstand wett und ging mit 8:8 in die entscheidende Sitzung. Es häuften sich die Fehler, aber auch die ersten vier Frames teilten sie sich. In Frame 21 verschoss Bingham dann in Führung liegend, O’Sullivan verpasste es aber seinerseits, den Tisch leerzuräumen und Bingham profitierte. Der nächste Fehler von O’Sullivan lud Bingham zu einem Century ein und schon war dieser nur noch einen Frame vom Sieg entfernt. Dann legte er 52 Punkte vor, O’Sullivan auf dem Weg zum Steal verschoss bei 48 und Bingham holte sich den Sieg mit 13:10. Damit vergab der große Favorit nicht nur die Chance auf den 8. Rekordtitel, auch die Möglichkeit, alle Triple-Crown-Turniere in einer Saison zu gewinnen, war vorbei. Außerdem verlor er nach 2 Jahren Platz 1 in der Weltrangliste.